Prof. Dr. Michael Buback

Sohn des von der RAF getöteten Generalbundesanwalts

Michael Buback
Michael Buback im Gespräch mit Hanno Gerwin
Michael Buback im Gespräch mit Hanno Gerwin

Michael Buback musste den gewaltsamen Tod seines Vaters erleben und kämpft für die Aufklärung dieses Verbrechens bis heute. Prof. Dr. Michael Buback, 1945 geboren, hat in Karlsruhe Abitur gemacht und an der Uni Karlsruhe auch Chemie studiert, promoviert und habilitiert. Dann ist er dem Ruf einer Professur nach Göttingen gefolgt. Am 7. April 1977 wurde sein Vater, Generalbundesanwalt Siegfried Buback, von der terroristischen Rote Armee Fraktion RAF auf offener Straße in Karlsruhe erschossen. Da das Verbrechen nie einwandfrei aufgeklärt wurde, kämpft Michael Buback bis heute um die Wahrheit.

 

Sie haben in den letzten drei Jahren massiv dafür gekämpft, dass neue Erkenntnisse berücksichtigt werden, obwohl der Fall ja eigentlich abgeschlossen ist und die "Täter" verurteilt wurden. Wie kam es dazu, wieso wurde das Ganze neu aufgerollt und was waren die wichtigsten Erkenntnisse?
Meine Familie, vor allen Dingen meine Frau und ich, haben dreißig Jahre im völligen Glauben und Vertrauen auf die Ermittlungsbehörden in Deutschland gelebt. Diesem Attentat sind drei Menschen zum Opfer gefallen, mein Vater und seine zwei Begleiter Wolfgang Göble und Georg Wurster. Und uns ist nie in den Sinn gekommen, dass dabei etwas nicht stimmen könnte. Mein Vater und mein Schwiegervater waren Beamte in der Bundesanwaltschaft, so dass wir wirklich ein Urvertrauen in die deutsche Justiz hatten. Vor etwa drei Jahren erhielt ich einen Anruf und wurde darauf hingewiesen, dass zwei der Personen, die als Täter galten, nicht auf diesem Motorrad waren. Die Tat ist ja von einem Motorrad aus verübt worden und es galten drei Männer als Täter. Nun wurde mir gesagt, zwei davon seien nicht auf dem Motorrad gewesen, was ja automatisch bedeutet, dass ein Täter fehlt. Wir haben das zunächst natürlich auch nicht glauben können und haben uns dann damit befasst. Meine Frau hat ja ein kleines Archiv angelegt, was wir auch dreißig Jahre nicht angeschaut hatten, und dann kam es Schlag auf Schlag. Es hat sich bis heute herauskristallisiert, dass die zwei Haupttäter auf dem Motorrad für diese Tat weder angeklagt noch verurteilt wurden und somit natürlich auch keinen Tag in Haft waren. Es sind zwar drei Personen verurteilt worden, Christian Klar, Knut Folkerts und dann in einem zweiten Prozess Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt. Aber diese drei Personen saßen nicht auf dem Motorrad. Es mag durchaus sein, dass sie Tatbeiträge geleistet haben und es dementsprechend keine Fehlurteile waren. Das Entscheidende ist, es gibt fehlende Urteile. Und da bleiben jetzt drei Personen übrig, Günther Sonnenberg, Verena Becker und Stefan Wisniewski. Diese Informationen mussten wir natürlich erst einmal verdauen. Denn das Fazit war, dass die zwei Haupttäter nicht angeklagt worden sind. Eigentlich muss man das Buch lesen, um alle Zusammenhänge richtig zu verstehen. Ich habe mit Fachleuten der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Verfassungsschutz gesprochen und denen die drei Namen genannt. Jeder hat mir bestätigt, dass Sonnenberg vermutlich der Lenker des Motorrades war. Dann fragt man sich aber natürlich, warum er nicht verurteilt worden ist.

Haben Sie herausgefunden, warum er nicht verurteilt wurde?
Sonnenberg wurde ja gemeinsam mit Verena Becker, der zweiten Person, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf dem Motorrad saß, in Singen gefasst. Die beiden hatten die Tatwaffe des Karlsruher Attentats bei sich. Und sie hatten einen Schraubendreher bei sich. Und zwar genau so einen, wie er im Bord-Set dieser Suzuki, von der aus der Mord verübt worden war, vorhanden ist. Und eben dieses Tatmotorrad führten Sie auch mit sich. Sonnenberg hatte das Motorrad geliehen. In der Haarbürste von Verena Becker hat man Haare gefunden, die identisch sind mit Haaren aus einem der Motorradhelme, die die Täter am Tatort zurückgelassen haben. Man spürt dabei eine regelrechte Fassungslosigkeit, vor allem darüber dass diese Personen nicht angeklagt worden sind. Man hätte ja wenigstens einen Prozess führen müssen, in dem dann geklärt wird, ob sie die Täter sind. Im Angesicht dieses hohen Tatverdachts ist es erstaunlich, dass andere angeklagt und auch verurteilt wurden, und die, auf die sich der dringende Tatverdacht richtet, nicht. Die dritte Person, Stefan Wisniewski, wurde sogar 1982 dem Generalbundesanwalt nach ausgiebigen Befragungen von Verena Becker als Schütze genannt. Wenn also Stefan Wisniewski tatsächlich der Täter gewesen wäre, dann wäre es ganz besonders schrecklich, weil ja dann der Generalbundesanwalt das bereits gewusst hätte. Es geht also um drei Personen, Sonnenberg, Becker und Wisniewski. Und von diesen drei Personen sind zwei höchstwahrscheinlich die Täter. Wenn Wisniewski einer der Täter wäre, dann wäre das der schlimmste Fall für unseren Rechtsstaat und für die Bundesanwaltschaft, weil man konkret auf ihn als möglichen Täter hingewiesen hatte. Und dann kam die ungeheuerliche Erkenntnis, dass Verena Becker Informantin des Geheimdienstes war. Man muss sich das mal vorstellen: diese Frau wurde zweimal zu zweimal lebenslänglich wegen versuchten Mordes angeklagt, weil sie sich bei ihrer Ergreifung gegen die Festnahme gewehrt hatte. Aber andererseits wurde dann das Verfahren in Karlsruhe, bei dem es ja um einen dreifachen vollendeten Mord geht, eingestellt. Bei Sonnenberg sogar nach einem Paragraphen, der sagte es sei eine unwesentliche Nebenstraftat.

Aber Sie sagen selbst, unser Rechtssystem versuche nicht die Bestrafung der Täter oder möglichen Täter zu erreichen. Wie kann das sein?
Wie kann es sein, dass überhaupt diese Situation entstanden ist? Es ist ja die Creme der deutschen Ermittler am Werke gewesen. Mein Vater war ja quasi einer der Ihren, der Frontman sozusagen, der für den Kampf gegen den Terrorismus stand. Und da würde man ja davon ausgehen, hier muss alles besonders gut sein, besonders sorgfältig. Auch deshalb ist es heute für viele Menschen unvorstellbar, dass dort irgendetwas nicht in Ordnung gewesen sein kann. Aber es ist damals eben nicht ordentlich gemacht worden und es gab eine massenhaft große Zahl von Unzulänglichkeiten. Die Frage vor der wir heute stehen ist eigentlich nur, ob diese Unzulänglichkeiten Schlamperei waren, Zufälligkeiten oder ob es eine schützende Hand gab.Es entsteht einfach der Eindruck, dass Verena Becker systematisch geschützt wird. Und das spricht schon gegen den Vorwurf der reinen Schlamperei. Es sind so viele Maßnahmen, um Verena Becker zu schützen, dass man es gar nicht recht glauben kann.

Zeugen berichten oft, dass eine sehr zierliche Person, vemutlich eine Frau, dabei gewesen ist. Und gerade diese Zeugenaussagen werden nirgendwo berücksichtigt.
Es hat sich jetzt eine Zeugin aus Karlsruhe bei mir gemeldet, die damals eigentlich das gesamte Attentat gesehen hat. Sie hat in einem Gebäude direkt an der Kreuzung gearbeitet. Sie musste nur aufstehen, als sie den ersten Schuss gehört hat, um alles zu sehen. Und sie hat mich gefragt, ob ich denn ihre Augenzeugenaussage, die sie damals zu Protokoll gegeben hatte, gesehen hätte. Und sie hat gesehen, wie der Fahrer des Dienstwagens das Auto verlassen hat. Und sie hat eben vor allen Dingen gesehen, dass hinten auf dem Motorrad eine wesentlich kleinere Person saß. Sie war sich sicher, dass es eine Frau war. Ich habe inzwischen zehn Zeugen aufgetan, von denen alleine sechs am Tattag eine zierliche Person, also eine Frau gesehen haben. In beiden Prozessen kommt dieser Gesichtspunkt, dass eine zierliche Person oder eine Frau, hinten saß und damit auch geschossen hat, überhaupt nicht zur Geltung. Wenn mal ein Zeuge wegfällt, das kann ich noch verstehen, aber gerade eine Augenzeugin, das ist einfach undenkbar. Die Augenzeugin musste nach der Tat drei Stunden in ihrem Zimmer warten und wurde dann von einem nicht bedonders interessierten BKA-Beamten vernommen. Sie hatte dann alles nochmal aufgeschrieben und es dem Beamten übergeben und genau dieses Dokument existiert nicht mehr.

Das heißt, es ist in den Akten definitiv nicht vorhanden?
Ich habe diese Akte nicht gesehen, man gibt mir das jetzt nicht mehr bei der Bundesanwaltschaft. Aber dieser Zeugin wurde es vorgelegt und sie hat gesagt, dass es dermaßen wirr und verquer geschrieben war, das könne unmöglich von ihr sein. Und vor allen Dingen fehlt der entscheidende Hinweis auf die Größe der Personen und das gilt für alle diese Täter. Es wäre ja schon interessant zu sagen, dass die Person hinten kleiner war. Schon die kleinere Körpergröße würde bedeuten, dass der erste Angeklagte Folkerts niemals hätte angeklagt werden können.

Weil er zu groß war?
Ja, er war zu groß. Ich glaube, er war über 1,80 m. Und das hätte das Verfahren sehr schwer beschädigt. Vor allen Dingen zeigt das auch, dass der Verteidiger von Folkerts das vermutlich gar nicht gewusst hat. Denn alle diese Zeugen haben mir bestätigt, dass die Aussagen, wie sie in den Akten stehen, so von Ihnen nicht gemacht wurden. Vor 14 Tagen hat mir ein Zeuge, dessen Vater das Motorrad gefunden hat, erzählt sie hätten das Motorrad gesehen und sind sich sicher, dass da ein Pärchen drauf saß. Die hintere Person war kleiner.

Also alles was auf eine Frau hindeutet steht in keinem Protokoll?
Richtig, und dass das systematisch ist kann man schon fast nicht mehr ausschließen. Diese Information fehlt immer wieder und das spricht eben dafür, dass es keine zufällige Schlamperei sein kann. Zufälligkeiten, das sind Statistiken, mal spricht etwas mehr und mal etwas weniger dafür. Verena Becker wurden 300 Haarproben entnommen und die wurden niemals mit den aufgefundenen tatrelevanten Haaren verglichen. Da kann man nur noch verzweifeln. Es fanden auch Gegenüberstellungen statt, die Augenzeugen wurden Knut Folkerts gegenüber gestellt, aber ich kenne keine Gegenüberstellung mit Verena Becker. Sie wurde einen Monat später festgenommen und hatte die Waffe und diesen Schraubendreher aus dem Suzuki-Motorrad bei sich. Und da muss man doch wenigstens auch diese Person mal den Zeugen gegenüberstellen. Allein die Größe und die Körperform sprechen gegen einen Mann als Täter. Ich würde gerne ein Argument hören, was das alles erklärt, aber mir wird auch heute in dieser Sache nichts entgegengebracht und ich verzweifle daran.

Sie haben Beweise, Belege, Zeugenberichte, Unregelmäßigkeiten. Sie sagen, sie verzweifeln daran. Was können Sie oder was kann überhaupt jemand bei der Justiz heute tun, um noch für Gerechtigkeit oder die Auffindung der Wahrheit etwas zu tun?
Die Unregelmäßigkeiten sind offenbar so gravierend, dass viele diese Dimension so schnell nicht erfassen können. Deswegen wird es als unvorstellbar abgetan.

Es darf nicht sein, was nicht sein darf.
Ich habe gelernt, dass wir kleine Vergehen, die alltäglich geschehen und leicht nachvollziehbar sind, auch für vorstellbar halten und glauben. Aber eine solche Ungeheuerlichkeit innerhalb der deutschen Justiz kann man sich gar nicht vorstellen. Einer von den Ermittlern ist der Nachfolger meines Vaters. Ihm wurde 1982 vom Bundesamt für Verfassungsschutz der Name Wisniewski mitgeteilt und er ermittelte nicht gegen ihn. Das kann nicht sein. Und wir haben die Gefahr des Terrorismus ja weiterhin vor Augen.

Könnte die Bundesanwaltschaft heute Anklage erheben? In diesem Fall, oder ist es einfach nach 30 Jahren nicht mehr möglich?
Mord verjährt ja nicht. Das war mir anfangs auch nicht bekannt. Jetzt im Fernsehen sieht man ja Verhandlungen gegen den Herrn Demjanjuk. Da wird ein Verbrechen verhandelt, was ja doppelt so lange zurück liegt. Es ist richtig, wenn Mord nicht verjährt. Man muss so lange verhandeln können, wie die Tatverdächtigen am Leben sind. Die Bundesanwaltschaft sagt ja inzwischen, dass sie die Situation bezüglich Verena Becker durchaus so sieht, wie ich sie seit zweieinhalb Jahren sehe. Ich habe immer gesagt, dass sie eine dringend tatverdächtige Person ist, eine Mittäterin. Die Bundesanwaltschaft sieht das jetzt auch so, nachdem sie zweieinhalb Jahre vehement gegen mich argumentiert hat. In stundenlangen Gesprächen wurde immer gesagt, dass man das nicht einsehe. Aber zu meiner großen Überraschung ist die Bundesanwaltschaft jetzt auch meiner Meinung und eigentlich ist man ja jetzt auf einem guten Weg. Das war kurz vor Weihnachten und jetzt hat sich eigentlich über Weihnachten der Eindruck eingestellt, dass Verena Becker gar nicht so stark beteiligt war. Jetzt wird bei ihr eine Gehilfenschaft vermutet, weil sie Parolen wie „der Generalbundesanwalt muss weg“ offensiv verbreitet hat. Sie hat auch DNA-Spuren an Briefmarken von Bekennerbriefen hinterlassen. Wenn das ihr einziger Tatbeitrag gewesen ist würde ich selbst sagen, sollte man das vergeben. Aber es geht um wirklich wichtige Fakten und ich erwarte, dass es einen Prozess gibt, in dem z.B. diese Augenzeugen auftreten. Und dass dann erstmalig in den Prozessen überhaupt erwähnt wird, man habe eine kleine vermutlich weibliche Person hinten auf dem Motorrad gesehen.

Wir halten diese Erwartung jetzt mal fest, dass dieser Prozess mit Verena Becker als Angeklagten und mit den Augenzeugen neu geführt wird. Und das müsste aber die Bundesanwaltschaft tun oder könnte es auch jemand anders machen?
Ja, ich erwarte, dass das geschieht. Es muss ja auch mal für Verena Becker ein Ende geben. Es ist ja ein erstaunliches Phänomen aufgetreten. Ich habe ja in all den Gesprächen nicht bemerkt, dass ich mit meinem Buch die Bundesanwaltschaft beeindruckt habe. Aber es gibt ja doch einige Hinweise, dass Verena Becker reagiert hat. Verena Becker wollte ja im Sommer die Bubackgeschichte aufschreiben. Tragischerweise ist sie da verhaftet worden und ich habe jetzt seit fünf Monaten nichts gehört. Ich frage mich zum Beispiel, ob man bei der Hausdurchsuchung diese Bubackgeschichte gefunden hat. Ich frage mich, weil man da gar nichts hört. Verena Becker hat einen Brief an mich geschrieben und das habe ich erst in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Ihr Rechtsanwalt hat ihr nämlich davon abgeraten diesen Brief an mich loszuschicken. Das finde ich eigentlich sehr schade.

Wir sind jetzt eigentlich beim Thema Schuld und Vergebung. Diese Details sprechen für sich. Es müsste ein erneutes Gerichtsverfahren geben. Aber es gibt ja auch noch diese Auseinandersetzung zwischen der möglichen Täterin und Ihnen als dem hinterbliebenen Sohn. Wenn jetzt Verena Becker mit Ihnen spräche, wie würden sie reagieren?
Ich habe immer versucht mich da persönlich herauszunehmen, sonst hätte ich diese Urkundung gar nicht machen können, da wäre ich draufgegangen. Ich habe das wie eine naturwissenschaftliche Fragestellung gesehen, mit der ich mich auseinandersetze. Insofern will ich auch nicht soviel Persönliches hineinbringen. Wenn ein Tatverdächtiger oder Verena Becker mit mir sprechen würde, würde ich selbstverständlich auch mit ihr sprechen. Ich würde mit ihr sprechen, möchte aber nicht von mir aus etwas tun. Ich bin zweimal im Fernsehen mit dem RAF Terroristen Peter Boock aufgetreten. Und das war für mich viel leichter, weil er offensichtlich nichts mit dem Karlsruher Attentat zu tun hatte. Was allerdings gleichzeitig sehr demütigend war, ist die Tatsache, dass mir ein ehemaliger Terrorist eine Information gegeben hat, die sich heute als wahr herausgestellt hat, die mir aber andere hätten geben müssen und sie mir vorenthalten haben. Aber zur Situation mit Verena Becker muss ich sagen, dass wir nach all diesen Jahren keine Rachegelüste mehr haben.

Ich würde gerne wissen, wie das für Sie ist.
Die Situation ist ja völlig klar, wir haben diese Lektion geschluckt, mein Vater ist tot. Was auch immer passiert, er wird dadurch nicht wieder lebendig. Das ist für mich das Entscheidende. Wir verfolgen darüber hinaus keine Interessen, uns geht es eigentlich nur um die Wahrheit. Die Wahrheit ist wichtig für uns, die ist auch wichtig wenn man über die RAF redet. Wir haben heute so viel mit dem Terrorismus zu tun, da muss man doch z.B. wissen, ob es da nicht Menschen in wichtigen Funktionen gab, die mit Terroristen zusammengearbeitet haben. Das ist eine ganz entscheidende Frage, ob die RAF für sich alleine gehandelt hat.

Für die Glaubwürdigkeit unserer ganzen Gesellschaft heute.
Es ist wichtig für die historische Wahrheit und auch für das weitere Vorgehen. Und man muss natürlich auch mit einem Fall kalkulieren, dass eben doch jemand die Terroristen vielleicht nicht gerade unterstützt hat, aber zumindest hat gewähren lassen. Wenn das labile Menschen waren und man hat sogar Einfluss auf sie genommen, muss auch das bekannt werden. Wenn jetzt Verena Becker in einem Prozess angeklagt wird, dann muss man doch die Hintergründe kennen. Nicht wieviel Unterstützung sie hatte, nicht wer die Unterstützer waren. Es gibt ja viele in der jüngeren Generation, die sich ohnehin fragen, wenn sie so einen Film über die RAF sehen, wie es sein kann, dass diese paar Menschen mit jeder Menge Beziehungsproblemen, praktisch die Bundesrepublik in die Knie gezwungen haben. Und da fragt man sich schon, ob es da nicht irgendwelche Hilfe gegeben hat. Ich denke, dass es nur sehr wenige waren. Es kann aber schon sein, dass sehr wenige eine unangenehme Wirkung erzielt haben, weil natürlich in diesem System niemals jemand nachfragt. Wir leben ja auch im Vertrauen auf unsere Oberen, auf die zuständigen, leitenden Personen.

Und auch im Vertrauen auf unser Rechtssystem. Das ist sehr wichtig dieses Vertrauen.
Der Fall ist für uns Bubacks zu 99% klar, es gibt immer eine Restunklarheit. Aber für uns ist so ein Rechtsstaat wichtig. Wir müssen das immer wieder überprüfen, wir dürfen nicht so ein schwarz-weiß Denken haben. Sonst landen wir irgendwann in der Vorzeit des Dritten Reichs, als alle schlecht waren, die in wichtiger Funktion waren. Und heute sind sie zu 100% gut, da darf man gar nicht drüber diskutieren. Ich denke, dass wir in einem Rechtsstaat leben und ich meine auch, dass wir viele richtige Menschen an der richtigen Stelle haben. Wir können aber auch davon ausgehen, dass es da eigentlich doch einige wenige Ausnahmen gibt. Vor allen Dingen tut sich der Rechtsstaat keinen Dienst damit das wegzudrücken. Ich spüre ja dieses großes Unbehagen in der Bevölkerung. Manche Leute fragen sich, warum jetzt nach 30 Jahren Akten gesperrt werden. Solche Maßnahmen sind aber erst recht nicht zu verstehen, wenn man im Gegenzug von den Terroristen verlangt, dass sie reden. Da müsste doch ein Rechtsstaat mit bestem Beispiel voran gehen.

Sie haben ein paar Dinge angesprochen, die auch etwas mit unserer Religion zu tun haben. Sie sprechen von Gerechtigkeit und von Vergebung und dass Sie Ihren Frieden gemacht haben. Mich würde einfach interessieren, wie ist Ihre persönliche Einstellung zu diesen christlichen Werten wie etwa Vergebung, Schuld und Gerechtigkeit.
Ich hoffe, dass ich auf einem sicheren christlichen Fundament stehe. Ich habe in meinem Elternhaus gelernt, mir die Fragen nach Wahrheit und Klarheit, nach Verbundenheit zu Menschen und nach Verantwortung für Menschen zu stellen. das schließt Menschen, die gestorben sind und deren Würde man bewahren soll als auch die Vorausschau auf die nächste Generation, die einfach ein gutes Fundament braucht, mit ein. Und dieses Fundament muss klar, ehrlich und gerecht sein. Diese Grundsätze versuche ich natürlich zu leben, so gut ich das kann, da gibt es sicher tüchtigere und bessere Kandidaten als mich, um das zu zeigen. Aber ich versuche mit meinen Möglichkeiten hier einen Beitrag zu leisten. Letztlich geht es natürlich um das Miteinander. Übrigens geht es auch um die Verantwortung Menschen zu sagen, wenn sie etwas falsch gemacht haben, das ist viel wichtiger als ihnen immer nur zuzustimmen. Man sollte es in einer ordentlichen Form sagen, aber das ist eine Mitverantwortung, die wir für unsere Mitmenschen haben. Man muss sich einander auch kritisch, anständig, nett und korrekt nähern, damit es ein gutes Weitergehen gibt. Man sollte seinen Mitmenschen nicht einfach nach dem Munde reden und alles unter die Decke kehren, das wird uns auf die Dauer nicht helfen. In dem Sinne sehe ich natürlich sicher auch die Bemühungen, die meine Frau und ich gemacht haben und wir selbst wollen jetzt auch nicht mehr so viel weitermachen. Wir sind jetzt an dem Punkt angekommen, dass wir uns sagen, wir haben getan, was in unseren Kräften steht. Ich habe nicht vor ein Michael Kohlhaas zu werden. Ich habe den Beitrag jetzt geleistet, aber das müssen jetzt andere aufnehmen. Wenn es soweit kommen sollte, dass man sagt, das ist für unsere Gesellschaft unerheblich, ob ein Generalbundesanwalt nun mit irgendeinem mitwirkt oder wie er und seine Begleiter überhaupt getötet worden sind, dann müssen wir uns auch damit abfinden. Ich will keine Windmühlenflügel anhalten.

Ich frage ja meine Gäste immer am Ende der Sendung, wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Im Zusammenhang unseres Gespräches wünsche ich mir, dass es einen Prozess gibt, der für alle Seiten Heilung bringt. Ein Verfahren, das gerecht und klar ist ohne Vorurteile und dass alle beteiligten Personen, die Wesentliches beizutragen haben, dort aussagen. Verena Becker soll auch ein gerechtes Urteil bekommen, damit wir die Wahrheit haben. Ob sie dann tatsächlich in Haft kommt ist eigentlich inzwischen nach der langen Zeit sekundär, die Wahrheit ist entscheidend. Wir müssen wissen, wie unser System läuft, wie es organisiert ist, ob es Fehler gab, welche Fehler es gab. Mein Wunsch wäre eigentlich, vielleicht kann ich das so sagen, dass man in diesem Falle sich der Sache annimmt. Ich wünsche mir, dass man feststellt, dass damals sehr schwere Fehler gemacht wurden. Wir können das im Einzelnen nicht mehr klären, weil teilweise auch die Menschen tot sind, aber wir haben daraus gelernt und wir werden dafür sorgen, das so etwas, wenn es irgend geht, nie wieder vorkommt.

 

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