Henry Maske

ehemaliger Boxweltmeister

Henry Maske im Gespräch mit Hanno Gerwin
Henry Maske im Gespräch mit Hanno Gerwin
Henry Maske im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er gilt unter den Boxern der Welt als Gentleman: Henry Maske war von 1993-1996 unangefochtener Boxweltmeister im Halbschwergewicht. In einem spektakulären Comeback besiegte er 10 Jahre später 2007 Virgil Hill, gegen den er einst seinen einzigen Kampf verloren hatte. 1964 in Brandenburg, ehem. DDR geboren, galt Henry Maske als der Gentleman unter den Boxern, weil er immer defensiv und vornehm auftrat und sich nicht selten zum offenen Schlagabtausch oder lautstarken Worten hinreißen ließ. Nach dem Ende seiner Profikarriere wurde Henry Maske durch sein soziales Engagement für Jungendliche bekannt. 1999 gründete er die Henry Maske Stiftung für benachteiligte Jugendliche. Henry Maske war Sportler des Jahres und wurde u.a. mit dem Bambi, dem Goldenem Löwen und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Heute engagiert er sich auch als Botschafter der ARD Fernsehlotterie.

 

Uns hat natürlich zunächst interessiert, wie es zu solch einer Laufbahn gekommen ist?
Es ist sicherlich auch deswegen so gekommen, weil wir in den letzten zehn Jahren in der Öffentlichkeit eine gewisse Resonanz und Seriosität hinterlassen haben. Am 50 Jährigen Jubiläum der Fernsehlotterie wurde an die Wurzeln gedacht und die Kinderreisen 2006 erneut ins Leben gerufen. Es ging wohl früher in Berlin los. Seit 2006 wurden mittlerweile 500 Kinder in die Ferien geschickt. Wir bieten mit unserer Stiftung Plätze in Mötzow an, in der Nähe der Stadt Brandenburg. Es ist ein wunderbares Areal, welches von uns mit dem CVJM gemeinschaftlich als PerspektivFabrik eröffnet wurde und schon im letzten Jahr das erste Mal aktiv war und Kindern und Jugendliche dort Platz bot.

Woher kam Ihre frühe Motivation sich für benachteiligte Jugendliche zu engagieren? Warum kümmern Sie sich als der große, starke Boxer jetzt um benachteiligte, schwierige Jungendliche?
Das war ganz simpel. Zu der Zeit als ich logischerweise noch viel stärker in der Öffentlichkeit stand, war die Resonanzen sehr positiv. Das gab mir ein bisschen Vertrauen, mich auch in diesem Bereich zu engagieren. Ich habe die Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche immer sehr positive Resonanzen hinterlassen – flächendeckend – und wir sie nicht, mit den ohne Frage nennenswerten Anteilen von kritischen Jugendlichen, gleich verglobalisieren dürfen.

Gewalt ist bei Jugendlichen durchaus ein problematisches Thema. Sie haben weltweit bewiesen, dass Sie sich durchsetzen können. Wenn Sie den Jugendlichen sagen „Versuch was Anderes, Lass das sein!“ hat das mehr Wirkung, als wenn ich das sagen würde.
Mein Sport hat mir Eines mit Sicherheit gebracht. Ich kann hervorragend kanalisieren. Sollte ich, ich möchte es mal simpel ausdrücken, Athlet sein, und das ist ja auch bei mir emotional der Fall, habe ich mich sowas von im Griff, dass ich diese Gefühle gar nicht entwickele.

Können Sie Jugendlichen erklären, wie das in so einer Situation bei Ihnen abläuft?
Manche Dinge, die kann man nicht erklären, manche Dinge muss man vorleben, über manche Dinge muss man natürlich reden und kann man auch beschreiben. Aber ich glaube, die Stärke liegt nicht darin, sich mit jemandem physisch ausei-nander zu setzen, sondern vielmehr den Weg zu finden, wie man sich auch emotional kontrolliert und dann zur Sachlichkeit findet und dann auch die Probleme auf einer Ebene löst, die dem wirklich gerecht wird und auch Sinn macht. Natürlich ist es die einfache Situation „Wer ist der Stärkere?“ Langlebig ist sicherlich der Klügere. Und wenn der starke Mann klug ist, das ist die bestmögliche Kombination.

Sie boxen nicht mehr für die Öffentlichkeit, jedenfalls nicht so erkennbar. Thema Schwäche oder Trostbe-dürftigkeit - Gibt es den der Henry Maske, der vielleicht den anderen braucht, der ihn aufbaut?
Unbedingt, natürlich, klar. Also ich bin nicht permanent mit Stärke durchs Leben gerannt, Zweifel waren immer da. Es ist aber ein Unterschied, ob sie zweifeln oder verzweifeln. Das ist ein riesen Unterschied.

Verzweifeln wollen Sie sich auch nicht durchgehen lassen?
Verzweifeln ist kein guter Ansatz. Wenn Sie verzweifeln, haben Sie keine Argumente dafür doch die Hoffnung behalten zu können. Wenn Sie verzweifeln, fehlen Ihnen mit Sicherheit Partner, die in dieser Situation ganz ganz erforderlich sind, denn kein Mensch, ich inklusive, hat immer die Stärke alles zu widerstehen, zu überstehen, und durchzustehen.

Vieles von dem, was Sie sagen, angefangen bei dem Engagement für benachteiligten Jugendlichen bis hin zu dem Umgang mit Stärken und Schwächen, hat eigentlich mit der christlichen Botschaft zu tun. Sie sind nicht getauft und kein Kirchenmitglied, haben Sie trotzdem eine Beziehung dazu? Haben Sie auch eine Beziehung zur Religion?
Ich selbst bin nie an den kirchlichen Glauben herangeführt worden. In der DDR war es bei uns nicht in der breiten Masse zu Hause. Auch meine Eltern haben es nicht gepflegt. Meine Oma war diejenige, wenn überhaupt, die mich an sowas erinnerte oder mich zumindest mit einer Bibel konfrontierte. Ich denke aber, dass ich glaube. Ob ich an Gott glaube oder ob ich an das Gute im Menschen glaube, ob ich an den Menschen glaube überhaupt und ob ich unterscheide, dass nicht jeder Mensch gut ist, selbst wenn er einen Kirchenvater hat.

Die Zehn Gebote oder was Jesus gelehrt hat ist dicht an Ihren Zielen dran und was Sie tun wollen. Können Sie sich vorstellen, dass Sie sich dem annäheren?
Das was die Zehn Gebote ausmacht, dem nähert sich wohl jeder ran, jeder. Das hat meiner Meinung nach nicht mit dem zu tun, was automatisch sofort Christ sein bedeutet. Der Glaube ist das Klare, das ist so. Die aktive Auslegung muss nicht identisch sein. Und sie ist leider auch nicht immer identisch. Und ich glaube, es ist nicht so wahnsinnig schwer Gründe zu finden, warum man zwingend glauben muss und auch an das Weltliche, was unseren Glauben praktiziert, festhalten muss und ich werde genauso schnell Beispiele finden, die mich genau davon abbringen. Seit Kurzem, seitdem wir immer Meldungen erfahren und hören, bin ich gerade motiviert dem zu folgen.

Deshalb finde ich das sehr gut, wie Sie das unterscheiden zwischen dem Weltlichen und dem Geistlichen. Es ist auch so etwas wie eine lange Tradition das zu unterscheiden und es wird wohl immer sehr schwierig und auch sehr angreifbar, wenn das zusammenfällt.
Das sehe ich so. Praktiziert wird es von Menschen auf dieser Welt. Viele Gesetze, die sie schreiben, leben sie häufig recht fragwürdig. Ich bin ein Typ, der bei Vorträgen, die inhaltlich fundiert sind und die auch gewisse Lebensvorgaben geben, gewisse Resonanzen auf Verhaltensweisen geben, schon ganz gerne Derjenigen, der vorne das sagt, hinterfragt, ob er das denn auch so lebt.

Ist das Ihr eigener Anspruch an Sie selbst?
Das ist mein eigener Anspruch. Ich möchte schon glaubhaft da stehen, wenn ich was sage.

Wenn Sie mal einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Das ist ein simpler Wunsch. Wenn ich immer die rechte Antwort habe, das wär schon ein guter Wunsch.

Das ist ein sehr philosophischer Wunsch.
Ich glaube der wäre mehr wert, als ein Barren Gold.

Henry Maske, schönen Dank für das Gespräch.
Gerne.

 

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