Tony Marshall

Kultfigur der deutschen Schlager- und Volksmusik

Tony Marschall
Tony Marshall im Gespräch mit Hanno Gerwin
Tony Marshall im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er ist die Kultfigur der deutschen Schlager- und Volksmusik. Tony Marshall ist ausgebildeter Sänger und Musikant, der die verschiedensten Instrumente spielt. Heute ist er aus dem Schlagergeschäft überhaupt nicht mehr wegzudenken. Das war aber nicht immer so. Für seinen Karrierestart brauchte er viel Durchhaltevermögen. Doch dann kam das Jahr 1970 mit „Schöne Maid, hast du heut‘ für mich Zeit“, ein Millionenhit der sechs Goldene Schallplatten nach sich zog. Es folgten Hits wie „Ich fang für euch den Sonnenschein“ oder „Junge, die Welt ist schön“. Erfolge feierte er auch mit seinen Fernsehshows „Lass das mal den Tony machen“ oder „Der fröhliche Feierabend“. 2008 wird Tony Marshall 70 Jahre alt, und wenn alles gut geht, feiert er in ein paar Jahren Goldene Hochzeit mit Ehefrau Gabriele.

 

Tony Marshall, Goldene Hochzeit – das ist schon was!
Wir waren immer zu zweit. Wir lernten uns sehr, sehr früh kennen, fast im Kindergarten. Wir besuchten gemeinsam die Grundschule, waren zusammen auf dem Gymnasium in Baden-Baden, und dann kam die Verlobung.

Wie alt waren Sie bei Ihrer Verlobung?
1959 war ich 21 Jahre alt. Meine Frau ist ein halbes Jahr jünger als ich. Wer uns kennt, muss immer wieder feststellen – und das ist ein wunderbares Kompliment – dass wir uns überhaupt nicht verändert haben. Wir gehören zusammen. Früher hieß es immer: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, so hatten wir drei Prüfjahre. 1962 folgte dann die Heirat.

Worin liegt das Geheimnis dieser langen Ehe?
Meine Frau ist eine großartige, tolerante Frau. Ich habe einen Beruf, für den ich in aller Welt unterwegs bin. Dafür muss man sehr stark sein und braucht auch einen starken Partner. Den habe ich in meiner Frau gefunden.

So ist Ihre Ehe Höhepunkt in Ihrem Leben, der vielleicht gar nicht so sehr in der Öffentlichkeit stand?
Wir hatten eine ganz andere Jugend, als es heute der Fall ist. Wir waren nicht verwöhnt und konnten uns noch freuen, wenn unterm Weihnachtsbaum ein kleines Blechautomodell lag, vom Großvater aufgearbeitet. Ich war ja der jüngste im Bunde, das heißt, mein ältester Bruder bekam das Geschenk immer drei Jahre vor mir, dann bekam es mein Bruder Franz und erst im dritten Jahr durfte ich mich freuen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen: die Kinderaugen, der Geruch der Äpfel, des Weihnachtsgebäcks, der Christbaum, all diese wunderbaren Sachen. Das waren Werte, die wir aufgesogen haben. Ich bin noch der kleine Junge von früher. Vielleicht ist das mein Geheimnis. Jeder Mann sollte eine gewisse Naivität bewahren, dann bleibt man ewig jung.

Wie erhalten Sie sich Ihre Vitalität?
Wenn ich morgens die Augen aufschlage und feststelle, dass ich noch lebe, sage ich mir: „Hurra ich lebe noch! Dankeschön!“ – So beginnt mein Tag.

Bei wem bedanken Sie sich?
Ich bedanke mich bei allem, was mich umgibt, diesem riesigen Universum.

Gott wollen Sie dazu nicht sagen?
Für mich ist das Gott. Das ist diese Kraft. Ich habe Probleme mit dieser Personifizierung. Das Universum mit all seinen Galaxien und alles darüber hinaus ist unvorstellbar. Ich traue mich gar nicht, in die Tiefe zu gehen.

Ist es Ihnen zu groß?
Zu groß und zu mächtig. Man spricht ja auch von Allmacht.

Es heißt, man solle sich kein Bildnis von Gott machen. Damit sind sie ganz dicht an der Bibel dran. Wie ist das mit einer Person wie Jesus? Können Sie mit der was anfangen?
Ich habe mich intensiv mit Jesus befasst. Das muss ein großartiger, wunderbarer Mensch gewesen sein. Bezüglich der Frage, ob er der Sohn Gottes sei, ergibt sich für mich hinsichtlich der vielen Weltreligionen keine Antwort. Im Judentum heißt es, der Messias käme erst noch. Wem soll man also glauben, und wie soll man sich damit befassen? Ich lasse alles geradewegs geschehen. So bin ich geboren worden. Ich hab mich nicht selbst auf die Welt gebracht, das habe ich meinen Eltern zu verdanken, dieser Energie, mich zu gebären, auf diese Erde zu setzen und abzuwarten, was aus dem Bengel, dem kleinen Schreihals wird.

Ein großer Schreihals.
Ja, aus ihm wurde ein großer Schreihals. Das ist alles ein Wunder.

Es zeigt, wie sehr Sie dieses Leben annehmen können.
Ich habe Respekt vor all dem, was es gibt, was wir sehen und hören können: die wunderbaren Klänge großer Komponisten, insbesondere der skandinavischen, Edvard Grieg und Jean Sibelius. Sie haben ihre Musik aus der Natur geschöpft und wenn man ihre Musik mit offenen Ohren wahrnimmt, hört man, dass die Natur singt und spielt. Das schönste, wertvollste Instrument sind die Klänge, die die Natur hervorbringt. Da gehört sogar das Donnergrollen dazu. Das ist, wie wenn in einem großen Orchester die Pauke erklingt. Mit Fantasie kommt diese unglaubliche Faszination zustande. So kann ich mir immer alles schön vorstellen. Wenn ein junger Mensch sich diese Genies als Vorbild nimmt, dann ist der erste Schritt getan. Meine Idole sind nicht mehr die, die ich gerne für meine Kinder gehabt hätte. Meine Söhne und meine Tochter sind hochmusikalisch. Sie sagten nie: „Ach, du mit deinen Opernsängern!“ - Man muss sie zur Musik hinführen. Bei uns zu Hause hörten wir nicht die „Schöne Maid“ von Tony Marshall.

Wenn Sie heute ein Konzert geben und die alten Hits von damals singen, ist die Begeisterung immer noch die gleiche. Da liegen ja doch zwei Generationen dazwischen. Warum?
Ich mache den Menschen Freude. Ich habe einen Auftrag, das ist meine Mission. Ich bin Missionar und habe die Aufgabe in die Wiege gelegt bekommen, Menschen zu erfreuen. Das mache ich konsequent bis zum heutigen Tag. Ich übermittle den Menschen eine positive Botschaft. Wenn man die Augen öffnet, kann man das auch feststellen.

Sie haben einen besonderen Bezug zu Bora Bora, das ist Französisch-Polynesien.
Bora Bora ist eine der schönsten Gesellschaftsinseln in Französisch-Polynesien. Tahiti ist die Hauptinsel mit der Hauptstadt Papeete. Ich war ja 1978 das erste Mal da. Da durfte ich von meiner Schallplattenfirma aus die Insel besuchen. Diese Insel ist die Vorstufe zum Paradies.

Können Sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen?
Ich habe soviel Fantasie, könnte aber momentan keine klare Antwort drauf geben.

Aber der Weg führt über Bora Bora?
Über Bora Bora.

Es gibt die „Tony Marshall Stiftung“, verbunden mit der Reha-Südwest. Die Stiftung hat auch mit Ihrer Tochter zu tun.
Meine Tochter Stella ist unser jüngstes Kind. Sie kam mit einer dreifachen Behinderung zur Welt. Eine Rechtszerebrallähmung mit Spastik, Epilepsie und eine Kurzsichtigkeit mit 32-Dioptrien. Aber sie meistert das. Wir Erwachsene können alle etwas davon lernen, wie dieser Mensch mit der Krankheit umgeht. Sie sagt: „Ich bin ja gar nicht krank. Es gibt Menschen, die sind viel kranker als ich.“

Sie macht Mut.
Ja, sie macht Mut. „Mut tut gut!“ - Das ist unser Slogan, bei der Tony-Marshall-Stiftung. 2009 haben wir 10-jähriges Jubiläum, und ich setze meine Popularität ein, um zu helfen. Wenn man die freudigen, fröhlichen Augen dieser Menschen sieht, dann begreift man erst, wie wertvoll ein so rhythmisches Liedchen ist, wie „Schöne Meid“, von dem viele meiner Kritiker so abfällig reden. Die behinderten Kinder machen voll mit.

Wie war das für Sie, als Ihre Tochter zur Welt kam?
Das war furchtbar. Ich wurde religiös erzogen und man lehrte mich, man müsse mit einer Strafe rechnen, wenn man etwas falschen macht, gesündigt hätte. Stella hatte noch gar keine Möglichkeit, sich falsch zu verhalten und kam bestraft auf die Welt. Dann die Überlegung: macht das Sinn? Für wen ist das? Warum muss sie leiden? Warum gerade sie? Nach ihrer Geburt betete ich zum lieben Gott und sagte: „Lieber Gott, ich habe bis heute das schönste Leben leben dürfen und bin äußerst dankbar dafür. Hol‘ mich ab, hol‘ mich nach Hause, und schenke unserer Tochter Gesundheit.“ - Ich wiederholte das Gebet, bis es irgendwann doch nicht erhört wurde… - oder auch nicht? Ich weiß es nicht. Stella ist jetzt 29 Jahre alt und auf der Suche nach einem Partner. Das ist natürlich sehr schwer bei dieser Art von Behinderung.

Vielleicht hat der liebe Gott Ihre Tochter so gewollt, wie sie ist?
Ja, aber für die Eltern ist das eine große Aufgabe. Meine Frau umsorgt Stella seit 29 Jahren jeden Tag, von morgens um sechs bis abends, bis sie schlafen geht. Daran kann man einen Menschen messen, letztendlich muss man aber auch an den Menschen denken.

Aber, Sie beide waren stark genug für diese Aufgabe.
Ja, aber Stella meistert es besser als wir. Das ist ja das erstaunliche.

Starke Leute, bekommen auch starke Aufgaben.
Das ist unglaublich. Es passieren so viele Dinge auf der Welt, nicht nur heute. Wenn man die Geschichte der Menschheit kennt und wie ich die ganze Evolution verfolgt hat, fragt man sich natürlich, warum ist das alles so passiert? Man fragt sich, was ist denn gerecht dran, wenn eine Tsunamiwelle innerhalb von Sekunden 350.000 Todesopfer fordert und die Menschen die oben am Berg wohnen, verschont. Damit habe ich meine Probleme.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, die Gewalt zu bekämpfen. Es dürfte keine Kriege mehr geben. Jedesmal wenn ein Problem gelöst scheint und die Menschheit aufatmet, passiert wieder was und immer wieder. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen irgendwann dazu bereit wären aufzuhören, sich gegenseitig umzubringen.

 

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