Marc Marshall & Jay Alexander

Gesangsduo

Marc Marshall & Jay Alexander im Gespräch mit Hanno Gerwin
Marc Marshall & Jay Alexander
Marc Marshall & Jay Alexander im Gespräch mit Hanno Gerwin

Marc Marshall und Jay Alexander haben als Gesangsduo die Klassik-Charts gestürmt und auf unterschiedlichen Wegen musikalisch Karriere gemacht: Marc Marshall war als Sohn des Schlagersängers Tony Marshall schon früh auf Bühne und in Shows dabei und entschied sich später für ein Studium der klassischen Musik. Jay Alexander hat sich zunächst ganz autodidaktisch dem Gesang genähert und dann einen Wettbewerb an der Oper in Leipzig gewonnen. Nach einem Stipendium an der Musikhochschule widmete er sich ganz dem Gesang. Marshall und Alexander sind jetzt als badisches Gesangsduo seit über 10 Jahren zusammen und erfolgreich. Sie machen klassische Musik, die anrührt und viele religiöse Themen berührt.

 

Wir sind ja eigentlich nicht so weit auseinander von unserem Aufnahmeort. Nach Baden-Baden, das ist die Kernzelle, jedenfalls was die Marshalls angeht und Sie Herr Alexander kommen ja aus Pforzheim.
Jay Alexander:
Ja, das ist jetzt geographisch auch nicht so weit auseinander.

Wie haben sie zusammen gefunden?
Jay Alexander:
Marc stand am schwarzen Brett und hat einen Bogenplan bzw. die Besetzungsliste für eine Oper gelesen, die die Opernschule damals ins Leben gerufen hatte oder auf die Bühne gebracht hatte und ich wollte eigentlich auch mal die Besetzungsliste durchschauen und so sind wir ins Gespräch gekommen. So war der erste Kontakt, die erste Begegnung.
Marc Marshall:
Ich glaube kennengelernt haben wir uns 1993 an der Hochschule und die Entscheidung ein Duo zu werden war dann im Mai 1997 getroffen. Das war dann in Berlin. Es hat also doch einige Jahre gedauert.

Und ist dafür vor allem entscheidend das die Stimmen zusammen passen oder das sie sich verstehen, auf einer Wellenlänge zusammen sind?
Jay Alexander:
Zum einen ist es wirklich ein Geschenk von Gott oder wem auch immer, dass die zwei Stimmen so wunderbar, phantastisch zusammen passen. Menschlich ist es natürlich auch wichtig, wenn man so viele Tage im Jahr miteinander verbringt. Das sind bestimmt 260 / 270 Tage, das muss funktionieren und auch wenn man auf der Bühne keine Einheit ist, glaube ich, würde das Publikum das ganz schnell merken, dass da irgendetwas nicht in Ordnung ist.

(Musikeinspieler)

Wie sind sie auf „Vater Unser“ in Englisch gekommen? Wie kam es dazu dass sie so ein ganz religiöses Stück gewählt haben?
Marc Marshall:
Ich wollte es immer einmal singen, habe aber gedacht, dass die Interpretation von Mario Lanza, die mir vorlag, unerreichbar wäre. Mein Vater ist ein großer Fan von ihm und ich bin es auch geworden. Dann habe ich das Jay vorgespielt und ich dachte zu zweit schaffen wir es dem Stück eine ganz neue und eigene Note zu geben, weil uns das immer sehr wichtig ist. Man kann alles irgendwie singen, Töne aneinander setzen, aber letztlich sollen die Werke doch auch davon profitieren, dass wir uns ihnen widmen. Ich habe eben als der Film anfing zu Jay gesagt „ich bekomme jetzt wieder Gänsehaut“, ich war sofort wieder drin.

Spielt der religiöse Hintergrund, dieses Lied so gefühlvoll und auch anrührend zu interpretieren, auch eine Rolle. Sie geben auch bei einer Veröffentlichung unter der Überschrift „Lebenszeichen“ relativ genau Rechenschaft darüber ab, wie sie sich selber in Sachen Glauben entwickelt haben.
Jay Alexander:
Ja, es ist natürlich eine Entwicklung. Jeder Mensch durchlebt in seinem Menschenleben Entwicklungen oder wird irgendwie damit konfrontiert. Bei mir war es einfach so, dass ich in einem Haushalt groß geworden bin, in dem meine Eltern beide im Kirchenchor gesungen haben, in einer Evangelisch Methodistischen Kirche. Da stand es eigentlich schon fest, dass wir Kinder, meine Schwester und ich, eben auch mit in diesen „Kirchenalltag“ sage ich jetzt mal, mit einbezogen werden. Das fing dann bei mir mit der Sonntagsschule an und ich hatte darauf eigentlich gar keine Lust. Meine Mutter hat gemeint „Du gehst jetzt dahin und du musst die ganze Biblische Geschichte erfahren und alles was dazu gehört“. Ich bin da hingegangen und was mir am meisten Spaß gemacht hat, das waren eigentlich die Lieder, die wir aus dem Gesangsbuch gesungen haben und viel weniger die Geschichten darüber. Irgendwann habe ich mich einmal dabei ertappt, ich war nicht so gut in Mathe, das war nicht so meine Stärke, habe ich Abend für Abend gebetet, weil das einfach auch zu Hause so üblich war, abends vorm schlafen gehen.

Damit Sie in Mathe besser werden?
Jay Alexander:
Ganz genau und ich habe mich ertappt, dass ich mein Mathe-Heft unter mein Kopfkissen gelegt habe, gebet habe und den Dialog zu dem lieben Gott suchte.

Sie sind aber auch nicht besser geworden in Mathe.
Jay Alexander:
Natürlich nicht, aber das ist auch schon eine ganze Weile her.

Wie ist es heute, wenn ich mal in die Gegenwart springen darf?
Jay Alexander:
Heute ist es so, dass ich doch sehr gefestigt bin. Viele Dinge scheinen mir klar und dass man eben nicht alles mit Gott ausmachen kann. Wenn gewisse Geschehnisse vielleicht negativ sind, so sind diese eben nicht Gott zuzuschieben, sondern sollte eben ganz andere Wege und Erklärungen suchen. Ich habe so viel Gutes und Schönes erfahren dürfen, ob das jetzt das gemeinsame Musizieren ist mit uns, ob es die eigen Stimme ist, die man entdecken durfte, für all das auch einmal zu danken Da habe ich wirklich einen tollen Weg gefunden mit ihm in einem wirklich gutem Dialog zu sein.

Wie wichtig ist Ihnen Religion, Herr Marshall?
Marc Marshall:
Religion ist mir insgesamt sehr wichtig, weil es schon etwas über die Menschen sagt, wie sie ihr irdisches Dasein gestalten, denn das hat ja beides damit zu tun. Das ist genauso wie Hoffnung und Angst etwas miteinander zu tun haben. Und das Leben und die Religion, dass nicht unbedingt Greifbare hat ja auch sehr viel miteinander zu tun. Bei mir sind so viele wechselhafte Stadien in meinem Leben gewesen. Ich bin mit einer sehr bigottischen Großmutter aufgewachsen, die uns fast schon nicht gedroht, aber doch sehr streng mit uns umging, wenn am Abend meine Eltern nicht da waren. Mein Vater war immer unterwegs. Wir haben ein Lokal in Baden-Baden, da war meine Mutter auch immer am arbeiten und die Oma hat sich um uns gekümmert. Sie hat auch immer gesagt „so und jetzt wird gebetet, sonst passiert dies und jenes“, das hat mir nie so gefallen. Ich muss zugeben, ich habe als es mir möglich war, habe ich Religionsunterricht abgewählt für eine kurze Zeit in der Schule. Ich wurde nur unter Vorbehalt konfirmiert.

Hat der Pfarrer dann gesagt, nur unter Vorbehalt konfirmieren wir Sie?
Marc Marshall:
Genau, weil ich meine Berichte nicht entsprechend geschrieben habe und für mich war das toll in so einer Gemeinschaft zu sein und Konfirmandenunterricht zu haben. Ich war aber in der Zeit schon extrem aktiv. Ich habe mich um andere Dinge gekümmert, Musik war schon sehr stark im Vordergrund und sportlich war ich sehr engagiert. Für mich war das etwas, was mir nichts gegeben hat, ich habe es vielleicht damals auch nicht verstanden. Heute bin ich auf einem ganz anderen Weg, ich personifiziere jetzt nicht. Wenn Jay jetzt davon spricht „ich bin mit ihm….“, also mit Gott, soweit bin ich jetzt nicht das ich in einen Dialog mit jemanden trete.

Sie beten nicht?
Marc Marshall:
Nein ich bete nicht. Eigentlich schon seit der Kindheit nicht mehr. Trotzdem muss ich sagen, dass ich jetzt eigentlich beginne ein ganz gesundes und rationales Verhältnis zum Glauben zu bekommen. Glaube und Kirche sind eben Zweierlei und ich erlebe das natürlich auch nach den Konzerten, aber ich stelle vor allem fest, dass die Menschen nicht den Glauben verloren haben, auch nicht unbedingt mit Gott hadern, sondern durch institutionelle Probleme eher in Konflikte geraten. Dafür helfen natürlich Konzerte, dafür hilft die Musik und da bin ich dann auch ganz labil im positivsten Sinne. Ich lasse mich auch einfangen und fange auch während des Singens in den Kirchen an nachzudenken.

Es ist ganz toll und schön wie Sie das sagen, dass Sie auch so offen sind, dass sich da noch so vieles verändern kann. Das ist ja eigentlich das, was Ihre Geschichte zum Ausdruck gebracht hat. Haben Sie das Gefühl, dass Gott mit Ihnen spricht oder Sie anspricht über diese Erfahrungen?
Marc Marshall:
Ich glaube schon, dass es eine Initialhandlung gibt, die den Menschen dazu bringt sich zu öffnen. Entweder sein Geist oder sein Herz, irgendwas. Das sind ja ganz unerklärliche Dinge. Man läuft irgendwo hin, schaut sich irgendetwas an und bekommt Gänsehaut, weil es so schön ist. Warum ist das jetzt schön? Ich könnte es Jay gar nicht erzählen. Ich würde sagen „ich war da und es war so wunderschön“ und wenn Jay daran vorbei läuft findet er gar nichts schön. Deswegen habe ich gleich zu Beginn gesagt, dass das so intime und persönliche Erlebnisse sind, die man auch nicht werten sollte. Ich finde es ganz wichtig, dass man jeden Menschen seine Auseinandersetzung damit lässt. Ich kann nur jedem raten, dass er sich grundsätzlich öffnet zu diesem Thema.

Ich habe noch eine Frage zum Schluss. Wenn sie einen Wunsch frei hätten, jeder von ihnen, sie dürfen sich wünschen was sie wollen, was wäre es?
Jay Alexander:
Ich wünsche mir von ganzen Herzen, dass Menschen keine Schmerzen haben müssen und wirklich das Leben hier auf der Erde so schmerzfrei wie möglich verbringen dürfen.
Marc Marshall:
Ich hätte normalerweise genau so geantwortet aber ich sage jetzt einfach mal, ich würde mir wünschen, dass mich einfach irgendwann einmal der Schlag trifft.

Jetzt wünschen wir ihnen natürlich zunächst einmal noch viele spannende und musikalisch hochinteressante Jahre. Vielen Dank für das Gespräch.

 

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