Caroline Link

die Erfolgsregisseurin

Caroline Link
Caroline Link im Gespräch mit Hanno Gerwin
Caroline Link im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie versteht es, faszinierende Bilder hervorzuzaubern.
Caroline Link ist eine überaus erfolgreiche Regisseurin, die schon für ihren Abschlussfilm auf der Münchner Filmhochschule einen Preis bekam. Dann kam 1995 der ganz große Erfolg mit dem Kinofilm „Jenseits der Stille“. Damit schaffte Caroline Link den internationalen Durchbruch als Regisseurin und erhielt neben dem Bundesfilmpreis zahlreiche weitere Auszeichnungen.
„Pünktchen und Anton“, eine anrührende Kindergeschichte, wurde 1999 zum erneuten Kinohit, ebenso im Jahr 2001 „Nirgendwo in Afrika“, eine spannende Geschichte, für die Caroline Link manches Abenteuer auf sich genommen hat. Mit diesem Film hat die Erfolgsregisseurin nach über 20 Jahren im Jahr 2003 für Deutschland erstmals einen Oscar geholt. Den Preis nahm sie jedoch nicht persönlich entgegen, sie blieb ihres Kindes wegen zuhause. Mutterliebe spielt auch in „Nirgendwo in Afrika“ eine große Rolle.

 

In ihrem Film „Nirgendwo in Afrika“ spielen sehr viele Eingeborene mit, schwarze archaische Männer. Wie ist das als Regisseurin, als weiße Frau, wenn Sie mit dieser großen Anzahl von Menschen arbeiten müssen, das ist doch bestimmt nicht so einfach?
Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben, die Menschen auf das, was auf sie zukommt, vorzubereiten. Wir hatten einen Ethnologen im Team, der schon Wochen vor Drehbeginn in unserem Dorf Mukotani war. Ich sage immer „unser“ Dorf, weil mir die Leute dort so ans Herz gewachsen sind. Er nistete sich mit Schlafsack und Matte dort ein und besprach mit den Menschen die Geschichte. Er ging mit ihnen Szenen durch und übte Texte mit den Leuten, die wir für kleine Rollen ausgesucht haben. Sie waren sehr gut vorbereitet, obwohl die Dorfbewohner noch nie einen Film gesehen haben.
Das einzige Problem war, dass sie extrem fröhliche Kreaturen sind, dass sie so viel lachen mussten, auch in dramatischen Szenen, wo es eigentlich darum ging Angst zu spielen.
Die Tatsache, dass ich eine Frau bin, die in Anführungsstrichen das Oberkommando über so viele Leute hatte, war für sie eine Absonderlichkeit mehr. Sie fragten: „Wie viele Kinder hat Mama Caro?“ - So haben sie mich immer genannt. „Wo ist dein Mann?“

Wie schafft man es überhaupt als Regisseurin, dass die Schauspieler das tun, was man will?
Mit den allermeisten Schauspielern bespricht man sich im Vorfeld. Man hat ein Drehbuch, man bespricht die Szenen. Man kann immer viele Sichtweisen bezüglich einer Geschichte entwerfen. Der Schauspieler bringt durch seine eigene Person natürlich auch etwas Eigenes mit ein.
Manchmal ist es auch so, dass man merkt, es funktioniert nicht. Irgendwas stimmt nicht und dann gilt es herauszufinden, was da nicht stimmt, das ist das Schwierigste.

Braucht man Autorität?
Wenn man es schafft, jemandem die Unsicherheit zu nehmen, dann kann der auch wieder stärker werden. Das ist natürlich wichtig. Als Frau macht man sich sowieso viel zu viel Gedanken darüber, ob man gemocht wird und ob man sich falsch verhalten hat oder ob man die Sympathien alle hat. Ich höre von männlichen Kollegen immer wieder, dass die sich solche Fragen überhaupt nicht stellen. Und als Frau liegt man abends grübelnd im Bett. Man macht sich Gedanken darüber, ob man sich richtig verhält.

Durch Ihren Beruf ist es ja fast unmöglich, eine klassische Beziehung zu führen. Und wie sieht das mit Familie aus? Ist das für Sie ein Problem?
Ich empfinde die Familie als Quelle von allem Schönen und Liebevollen. Ich empfinde es genauso positiv wie negativ: als Quelle von sämtlichen Komplexen, die ich wahrscheinlich habe und allen Ängsten und Unsicherheiten. Die Familie stellt gerade für einen Film ein spannendes Thema dar.

In Ihrem Film spielen zwei Religionen eine Rolle. Da wäre zum einen das Judentum. Es gibt eine sehr schöne, glaubwürdige Szene, wo der ältere Freund der beiden Hauptdarsteller das jüdische Brot bricht und auch ganz bewusst den jüdischen Glauben anspricht. Zum anderen gibt es die Stammesreligion. In einer Szene sitzen die fast schneeweiße Hauptdarstellerin und ihre ebenso hellhäutige Tochter in einer großen Menge schwarzer Stammesmenschen und beobachten dort religiöse Riten, die glaubwürdig sind, aber völlig fremd.
Die Faszination des Fremden ist mir ganz wichtig gewesen, dass das Anderssein eine Bereicherung ist und nicht etwas, was man jemandem vorwerfen kann. Dass man auch mal jemanden anders sein lassen muss und dass das Andere ein Reichtum ist. Die Hauptdarstellerin muss das ihrer Tochter nicht erst erklären, denn die hat das schon lange kapiert.

Wie ist ihre eigene Einstellung zu Religion?
Ich bin in meiner Familie aufgewachsen. Mein Vater ist gläubig, bei meiner Mutter war ich mir da nicht so sicher, aber sie hat immer von Gott erzählt. Ich habe den Gott immer belästigt mit den größten Lappalien, um die ich ihn gebeten habe. In meiner Jugend und auch jetzt gibt es Momente, wo ich mich auf Gefühle besinne. Ich weiß nicht, ob das Religiosität ist oder ob es mein Gefühl für, mein eigenes Gewissen ist und ich so etwas wie Dankbarkeit empfinde für meine Lebenssituation oder für Momente, in denen ich wahnsinnig glücklich bin. Umgekehrt gibt es Momente, in denen ich um Hilfe bitten möchte. Dann suche ich, wie ich es auch schon immer als Kind gemacht habe, Kontakt zu einer spirituellen Kraft oder Gott, der mir vielleicht helfen kann, der mir einen Rat oder eine Eingebung geben kann. Ich würde schon sagen, dass ich glaube.

Wenn Sie dieses Thema in einem Film umsetzen müssten, wie würden Sie das zeigen?
Ich würde versuchen zu zeigen, dass Glaube, wie das Stichwort schon sagt, Berge versetzen kann. Man kann vielleicht wirklich zeigen, dass es einem unglaublich viel Kraft geben kann, wenn man einen starken Willen und Glauben hat. Ich bin auch davon überzeugt, dass Menschen, die glauben, eine positive Energie haben können. Menschen, die nicht glauben, haben dies nicht. Ich empfinde es immer wieder als kraft- und energiespendend und auch schön, dass ich manchmal eine gewisse Demut empfinde, was mir mein Leben möglich macht.

Können Sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen?
Bei dem Tod einer Freundin, die an Krebs gestorben ist, habe ich empfunden, als sei sie noch da. Ich glaube, dass sie auch jetzt noch da ist und dass sie Dinge mitbekommt. Ihr ist übrigens auch der Film gewidmet. Ich glaube, dass sie es registriert.

Wenn Sie einmal einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Dass die Menschen Verständnis füreinander entwickeln und mit mehr Neugier und Offenheit aufeinander zugehen.

 

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