Frieder Burda

Kunstliebhaber und -sammler

Frieder Burda
Frieder Burda im Gespräch mit Hanno Gerwin.
Frieder Burda im Gespräch mit Hanno Gerwin.

Die Kunst wurde zu seiner Leidenschaft. Frieder Burda begann vor über 30 Jahren Kunst zu sammeln und hat inzwischen fast 500 Werke in seiner Sammlung zusammengeführt. Der Sohn von Senator Franz und Aenne Burda machte im Jahr 2004 seine Sammlung im eigens dafür gebauten „Museum Frieder Burda“ in Baden-Baden der Öffentlichkeit zugängig, unter anderem mit berühmten Gemälden von Pablo Picasso, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz. Der Kunstliebhaber wollte damit etwas von seinem Lebensglück und -schicksal der Öffentlichkeit zurückgeben.

 

Herr Burda, Sie haben immer gesammelt, was Ihnen gefiel, egal wie bedeutend das jeweilige Kunstwerk war. Sie nahmen stets sich selbst zum Maßstab und tun das auch weiterhin. Wie ist das, wenn Sie ein Bild entdecken, das Sie bis dahin noch nicht gesehen haben? Denken Sie: ‚Das muss ich haben', oder ist das ein längerer Prozess?
Zu Beginn war es kein längerer Prozess, sondern geschah fast immer spontan. Ich sammle schon weit über 30 Jahre. Ein Bild muss mich ansprechen. Das unterliegt vielen Kriterien: Es kommt auf die Farbe an, das Malerische und das Können des Künstlers. Wenn die Kriterien übereinstimmen, dann bin ich ganz schnell entschlossen, das Bild zu kaufen, ohne groß darüber nachzudenken.

Spielt der Preis keine Rolle?
Als ich anfänglich kaufte, gab es andere Preise als heute. Das ist nicht mehr zu vergleichen mit der Zeit von vor 30 Jahren, als die Bilder ein Bruchteil von dem kosteten, was sie heute kosten. Spontankäufe sind heute sehr viel schwieriger. Das hängt einerseits mit dem Preis zusammen, andererseits mit dem heute wesentlich größeren Angebot. Wir haben eine globalisierte Welt und auch fast eine globalisierte Malwelt. Die Künstler Englands sind genauso vertreten wie die deutschen und amerikanischen Künstler. Es ist sehr schwierig auszusuchen, was gut ist, was bleibt, was nicht bleibt. Damals kaufte ich Werke von Gerhard Richter, ohne zu wissen, wie bedeutend er einmal sein würde. Darauf bin ich stolz. Ich kaufte Bilder von Sigmar Polke und von vielen Amerikanern, die heute wichtig sind. Heute geht das nicht mehr so spontan. Man ist zwangsläufig auf Berater angewiesen, denn je größer die Sammlung wird, um so bedeutender ist es, sie in Form und Ausrichtung zu verbessern, zu komplettieren und retrospektiv zu ergänzen. Die Berater stören oft mehr, als dass sie helfen.

Das geht dann gegen Ihr Bauchgefühl?
Ja, aber es verändert sich. In dem Moment, in dem man ein Museum hat, ist man nicht mehr so frei. Man denkt an die vielen Besucher. Das ist nun mal das Schicksal eines jeden Sammlers, wenn alles größer wird. Man ist ja auch älter.

Ich dachte, im Alter würde man freier werden.
Nein. Man hat zu viel Lebenserfahrung, als dass man so spontan sein könnte oder auf so so überschäumende Weise alles haben möchte. Mit dem Alter wird man etwas ruhiger. Mir geht es wenigstens so.

Stichwort „Freiheit“. Sie haben sich ein Stückweit von Ihrem wohlhabenden und berühmten Elternhaus emanzipiert und völlig andere Kunst gesammelt als Ihr Vater. Wie wichtig ist Ihnen diese Freiheit?
Sie ist mir besonders wichtig. Ich wollte mein ganzes Leben lang aus freier Entscheidung handeln. Ich habe das Museum gebaut, ohne etwas vom Land Baden-Württemberg oder der Stadt Baden-Baden zu bekommen. Auch das ist ein Stück Freiheit. Ich habe mich nach dem Tode meines Vaters von meinen Brüdern getrennt, weil ich frei sein und alles alleine entscheiden wollte. Das war sicher auch der Grund dafür, warum ich die Sammlung aus ganz freien Stücken aufgebaut habe. Das bin ich, das ist mein Lebenswerk. Diese Form der Freiheit habe ich mir regelrecht erkämpft.

War das auch schmerzlich?
Ja, das war sicherlich schmerzlich. Im Jahre 1986 starb mein Vater. Von da an meinen eigenen Weg zu gehen, war ein sehr großer Einschnitt in meinem Leben. Mein Vater wollte, dass wir drei Brüder zusammen bleiben und gemeinsam sein Lebenswerk fortsetzen. Ich entschied mich anders, und heute bin ich dankbar dafür. Es war richtig, auch wenn es einen tiefen Einschnitt bedeutete.

Kunst hatte Jahrhunderte lang mit Religion zu tun. Die ältesten Bilder aus unserem Kulturkreis enthalten stets religiöse, biblische Motive. Welche Rolle spielt dieser Aspekt für Sie beim Kunstsammeln?
Es kommt immer drauf an, um welche religiösen Motive es sich handelt. Ich bin katholisch und fand in Israel erst richtig zu meinem Glauben. Ich gehe seit 1983 regelmäßig nach Israel. Besonders in Jerusalem bekam ich Zugang zu meiner Religion. Ich begriff, was da passierte, warum auf dem Tempelberg drei große, monotheistische Religionen entstanden: das Judentum, das Christentum und der Islam. Die Stätten Christi zu besuchen – vom See Genezareth bis hin zur Grabeskirche – das sind große Erlebnisse, die ich nicht vergessen werde.

Das ist interessant. Noch nie erzählte mir jemand, dass ihm insbesondere die authentischen Orte geholfen hätten, zum Glauben zu finden. Welche Rolle spielt es für Sie, an den Orten zu sein, von denen die Bibel erzählt? Wie haben Sie empfunden?
Ich fand es aufregend, biblische Orte zu besuchen, beispielsweise am Jordan zu stehen, wo Johannes der Täufer getauft hatte. Plötzlich hat man die ganze Religionsgeschichte vor Augen, die man in der Jugend überging. Wenn man durch die Via Dolorosa geht – durch diese Straße ging Jesus mit dem Kreuz – kann man das richtig spüren.

Heißt das, die Kirchen sollten mit ihren Gemeinden dort hinfahren und schauen, wo die Bibel spielt?
Ich glaube, das wäre eine große Tat. Das ließe sich allerdings nur sehr schwer realisieren.

Wie ist es mit religiösen Motiven in der Kunst? Was mögen Sie und was mögen Sie nicht?
In der ganzen frühen Kunstgeschichte spielten religiöse Motive eine große Rolle. Das hing damit zusammen, dass die Kirche der Hauptauftraggeber der Künstler war. Im 14., 15. oder 16. Jahrhundert gab es keinen Kunstmarkt. Der Papst selbst war der größte Auftraggeber. Michelangelo und viele andere mussten natürlich zwangsläufig christlich religiöse Motive malen. Ich mag religiöse Motive sehr. Ich habe ein wunderbares Chagall-Bild, die Madonna mit dem Kind, im Hintergrund die Engel. Motive dieser Art mag ich sehr, weil sie sehr lieblich sind, voller Romantik. Das ist einfach ein Liebesbild. Solche Werke sind natürlich außergewöhnlich und gehen in die Tiefe.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Jetzt könnte ich mir natürlich ganz banal wünschen, noch mal jung zu sein. Aber das möchte ich nicht, das wäre zu einfach. Nein, wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir wünschen, dass mein Leben weiter so verläuft wie bisher, vor allem, dass dieses Lebenswerk, das Museum für immer bleibt. Ich wünsche mir, gesund zu bleiben, denn ich habe noch viel vor! Und das geht nur, wenn man gesund bleibt.

 

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