Botschafter Daniel R. Coats und Marsha Coats

das amerikanische Botschafterehepaar

Er vertritt in Deutschland den mächtigsten Staat der Welt, die USA. Daniel R. Coats ist Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika. Er stammt aus dem amerikanischen Staat Indiana. Diesen hat er 7 Jahre lang im Repräsentantenhaus vertreten. Danach war er 10 Jahre lang als Senator im US-Senat tätig. Mit seiner Frau Marsha Ann ist der mit drei Ehrendoktortiteln ausgezeichnete Daniel Coats seit 37 Jahren verheiratet. Beide engagieren sich in einer Reihe von Hilfsorganisationen, haben drei erwachsenen Kinder und drei Enkel und - das ist sicher etwas besonderes - beide singen zusammen im Kirchenchor.

 

Herr Botschafter, Sie lesen in der Öffentlichkeit gerne aus der Bibel vor. Wann lesen Sie sonst in der Bibel? Morgens, abends oder wenn Sie schwierige Entscheidungen zu treffen haben?
Daniel R. Coats: Ich versuche die Bibel jeden Morgen zu lesen, aber ich schaffe es nicht immer. Das ist ein guter Start in den Tag, und wenn ich Zeit habe, gehe ich morgens in meine Bibliothek und lese kleine Abschnitte aus der Bibel: aus den Liedern oder Sprüchen. Eigentlich sollte ich es jeden Tag tun, komme jedoch nicht immer dazu.

Kann man mit der Bibel Politik machen?
Daniel R. Coats: Die Bibel bietet uns Rat in allen Lebensfragen. Um die Welt verstehen zu können, muss man auch die Bibel verstehen. Sie hilft eine Basis zu schaffen, von der aus man Urteile fällen und Entscheidungen treffen kann. Die Bibel beeinflusst also alles, was man tut, ob das nun die Politik betrifft oder Beziehungen zu anderen Menschen, zum Nachbarn, zur Ehefrau, zur Familie. Sie beeinflusst das tägliche Leben.

Mrs Coats, in der Familie und als Frau haben Sie schwierige Entscheidungen zu treffen. Es ist nicht alles immer leicht. Wie kann Ihnen dabei die Bibel helfen?
Marsha Coats: Die Bibel hilft dabei, Probleme in die richtige Perspektive zu rücken. So weiß man, dass Dinge, die heute wichtig sind, in drei Monaten nicht mehr so wichtig sein werden. Die Bibel lehrt uns, die Dinge aus der Perspektive des anderen zu sehen, zu versuchen in die Schuhe des anderen zu steigen und nicht so ich-bezogen zu sein.

Haben Sie eine biblische Lieblingsgeschichte?
Marsha Coats: Meine Lieblingsgeschichte ist die mit dem Sturm auf dem See Genezareth. Petrus geht auf Christus zu und solange er „glaubt“, ist alles in Ordnung. Sobald er zu zweifeln beginnt, geht er unter. Das ist eine gute Lektion, für das Leben.
Daniel R. Coats: Mit das Wichtigste lernte ich aus dem Leben des Königs Salomon. Er betete von Anfang an für Weisheit und Erkenntnis anstatt um Reichtümer oder um Gesundheit oder Wohlstand. Und Gott gab ihm Weisheit und Erkenntnis. Das ist etwas, um das wir alle bitten sollten und nicht um materielle Dinge wie Autos, Häuser. oder anderes.

In Deutschland bekommen die Konfirmanden einen Bibelspruch mit auf ihren Lebensweg. Gibt es einen Bibelvers, der Ihnen wichtig ist?
Daniel R. Coats: „Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand; sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. (Sprüche 3,5-6)

Sie haben zusammen drei inzwischen erwachsene Kinder und auch einige Enkel, in welcher Weise ist der christliche Glaube oder die christlichen Werte wichtig für die Erziehung der Kinder?
Marsha Coats: Der Glaube an Jesus Christus führt zum ewigen Leben. Das ist sehr wichtig für jeden. Es gibt Kindern eine besondere Sicherheit, wenn Sie wissen, dass sich nicht nur die irdischen Eltern um sie kümmern, sondern auch ihr himmlischer Vater. Ich glaube das gibt einem Kind auch ein Gefühl von
Geliebtwerden.

Für viele Eltern ist es nicht so einfach, die Kinder an den christlichen Glauben heranzuführen. Wie haben Sie das gemacht?
Marsha Coats: Man kann besonders frei und offen über etwas sprechen, von dem man begeistert, von dem man überzeugt ist. Zum Beispiel: Wir lieben unseren Hund Husher und so erzählen wir allen von unserem Hund, zeigen den Leuten Bilder. Wir mögen Sport, und wenn wir mit unseren Freunden zusammen sind, dann sprechen wir über Sport. Und diese Dinge sind überhaupt nicht wichtig, verglichen mit unserem Glauben. So ist es doch sehr natürlich, das man seinen Kindern, das vermitteln will, woran man selbst sehr stark glaubt.
Daniel R. Coats: Und Du hast ihnen auch Bibelgeschichten vorgelesen.
Marsha Coats: Ja. Man muss die Kinder auch mit in die Kirche nehmen und zur Sonntagschule schicken, damit sie dort Bibelgeschichten lesen.

Herr Botschafter, haben Sie Ihren Kindern auch Bibelgeschichten vorgelesen?
Daniel R. Coats: Ja, auch den Enkeln, und wir haben ihnen Bücher zum Lesen gegeben.

Wenn Sie ein Bild malen würden, auf dem Gott zu sehen ist, was würden Sie malen?
Daniel R. Coats: Ich würde einen liebenden himmlischen Vater malen, der immer - wie immer auch die Umstände sein mögen -da ist, um uns Kraft und Trost, Vergebung und Liebe zu geben.

Was würden Sie malen, Mrs. Coats?
Marsha Coats: Ich kann mir nicht richtig vorstellen, wie Gott aussehen würde. Aber er wäre voller Licht und sehr mächtig, auch mit starken Armen, die jedermann umarmen und Sicherheit und Liebe geben.

Wenn Sie das kirchliche Leben in Amerika mit dem kirchlichen Leben in Deutschland vergleichen, welche Unterschiede stellen Sie fest?
Daniel R. Coats: Für viele Amerikaner ist die Kirche ein Zentrum ihrer Aktivitäten, das gilt nicht nur für den Sonntagsgottesdienst, sondern auch für viele Dinge unter der Woche: Unterricht für Kinder, Aktionen für junge Menschen, musikalische Darbietungen und gemeinsame Unternehmungen. Die Kirche spielt im alltäglichen Leben der amerikanischen Bevölkerung eine viel größere Rolle als die Kirche in Deutschland. Die Kirchen in Deutschland bieten hauptsächlich den Sonntagsgottesdienst, und auch der ist nicht so gut besucht. In Amerika gehören sehr viele Menschen großen und sehr aktiven Kirchen an, und nehmen auch aktiv am kirchlichen Leben teil.

Es gibt auch unterschiedliche Sitten und Gebräuche. Wie feiern Sie z.B. Weihnachten?
Marsha Coats: Weihnachten hier in Deutschland finde ich schön. Ich weiß nicht, ob die religiöse Bedeutung zu allen Deutschen durchdringt. Wir gehen an Heilig Abend immer in die Kirche, wie die Deutschen auch. Wir öffnen unsere Weihnachtsgeschenke am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages. Vor Weihnachten beginnen wir mit dem Singen von Weihnachtsliedern, mit Krippenspielen, die von Kinder aufgeführt werden und die Kirchenchöre führen Choräle auf. Das geht den ganzen Dezember. Auch in Schulen werden für besondere Aufführungen geprobt.

Feiern Sie Weihnachten auch in Deutschland zusammen mit Ihren Kindern und Enkeln? Oder gehen Sie nach Amerika?
Marsha Coats: Dieses Jahr kommt fast die ganze Familie zu Weihnachten. Zwei von unseren drei Kindern kommen und einige unserer Enkel.

Und was kochen sie dann?
Marsha Coats: Nun, ich genieße den Luxus, in unserer Residenz Köche zu haben, die besser kochen als ich. Aber wenn ich selber kochen würde, so würde ich einen Truthahn machen.

Noch eine andere Frage, die während des Irakkrieges in Deutschland diskutiert wurde: Amerika ist als mächtige Nation immer auch bereit, unter bestimmten Bedingungen Krieg zu führen. Inwiefern ist das Ihrer Meinung nach mit dem christlichen Friedensgebot zu vereinen?
Daniel R. Coats: Wir alle arbeiten ja für den Frieden, aber manchmal brauchen wir das Militär, um Frieden herzustellen. Deutschland schloss sich Amerika an, um auf dem Balkan Frieden zu stiften. Natürlich haben wir uns alle gewünscht, den Frieden ohne den Einsatz des Militärs wieder herzustellen aber es hat nicht funktioniert. Also mussten wir uns zusammenschließen, um mit Hilfe unseres Militärs und anderer europäischer Armeen das Morden zu stoppen und den Menschen Frieden zu bringen. Ich denke, dass das im Einklang mit der Bibel ist. Wir müssen natürlich besondere Sorgfalt walten lassen, aber manchmal müssen wir das Militär einsetzen, um den Frieden zu erzwingen. Es gibt ja kein besseres Beispiel als Deutschland unter der Nazi-Herrschaft, all das Morden, und all die furchtbaren Tragödien, die passiert sind. Es musste Gewalt angewendet werden, um das zu beenden und Deutschland Frieden zu bringen.

Haben Sie mit den Deutschen während dieser Zeit darüber gesprochen?
Daniel R. Coats: Oh ja, mit vielen. Das war ein großes Thema in den Debatten und Diskussionen, die wir in ganz Deutschland geführt haben. Ich glaube, wir alle wünschen uns Frieden, wir beten dafür, wir hoffen darauf, wir suchen Frieden. Aber manchmal muss man verschiedene Mittel anwenden, um Frieden herzustellen.

Wenn Sie einmal einen Wunsch frei hätten, einen einzigen, was würden Sie sich wünschen?
Marsha Coats: In Bezug auf die Welt würde ich mir wünschen, dass Frieden herrscht auf Erden. Aber die Bibel sagt ja schon, dass es keinen Frieden geben wird, bevor Jesus nicht zurückgekehrt ist. Es ist also ein Wunsch. Denn es wäre ein wundervoller Platz zu leben, wenn wir alle friedlich zusammenleben könnten.
Daniel R. Coats: Mein Gebet und Wunsch wäre dem von Marsha nicht unähnlich. Ich wünsche mir, dass die Liebe Jesu Christi und sein Friedensversprechen, das unsere Vorstellungskraft übersteigt, in all unseren Herzen Platz finden würde.

 

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