† Dr. Heinz-Horst Deichmann

Europas größten Schuhhändler

Heinz-Horst Deichmann ist Europas größter Schuheinzelhändler. 2013 feiert die Firma ihr 100 jähriges Bestehen. Weltweit verkauft das Unternehmen über 150 Millionen Schuhe. Heinz-Horst Deichmann ist aber nicht nur der König der Schuhe, sondern auch Wohltäter und bekennender Christ. Über 4 Millionen Euro steckt er jährlich in sein Indienprojekt, um kranken und verwahrlosten Menschen zu helfen. Heinz-Horst Deichmann starb im Oktober 2014 mit 88 Jahren in seiner Heimatstadt Essen.

 

Herr Dr. Deichmann, Sie wollen wachsen gegen den Trend. Liegt das daran, dass die Schuhbranche von der Krise verschont geblieben ist, oder was machen Sie anders?
Auch die Schuhbranche ist von der Krise nicht verschont geblieben. Aber unsere Firma ist seit vielen Jahren auf diesem Wachstumsweg und es besteht überhaupt kein Grund, davon abzugehen. Wir wissen einfach genau, was wir tun wollen und was wir tun müssen: eben unsere Kunden mit der entsprechenden Deichmannart zu bedienen. Die Nachfrage dürfte nicht viel abweichen von der Nachfrage in den vergangenen Jahren. Im Gegenteil, wir rechnen sogar damit, dass noch mehr Leute zu uns kommen, weil Deichmann in ganz Europa und auch in einem Teil Amerikas bekannt ist. Wir wollen Arbeitsplätze schaffen und das bedeutet auch, dass wir neue Läden bauen, und dass dadurch wieder viele Menschen Arbeit und Lohn finden.

Da geht es auch um die Frage, mit welchen Werten oder welcher Werteorientierung man sein Geschäft betreibt. Was sind Ihre Grundsätze?
Seit vielen Jahren gibt es ein Leitwort in der Firma, das habe ich irgendwann einmal geprägt: Die Firma Deichmann hat den Menschen zu dienen. Es geht nicht darum, dass der Unternehmer viel Geld verdient, sondern dass er eine vernünftige Aufgabe in der Gesellschaft verrichtet. Wir sind als Mensch auch gleichzeitig Mitmenschen, den Mitmenschen dienen wollen, das ist auch der Weg zum Erfolg. Werte liegen in dieser praktizierten Mitmenschlichkeit.

Was ist das Wichtigste für einen Unternehmer, was braucht er unbedingt?
Die Bereitschaft für andere Menschen da zu sein, mehr zu arbeiten als andere. Das Unternehmertum bedeutet auch, wirklich Einfälle zu haben, zur rechten Zeit das Rechte zu tun. Man muss auch einen Blick dafür haben, wir gehören ja zur Modebranche. Ich habe mich auch darum gekümmert, was die Leute an Schuhen tragen. Ich schaue mir immer an, was jemand trägt.

Eigentlich wollten Sie Arzt werden oder sind es ja auch geworden. War es schwere Entscheidung, damit aufzuhören?
Nein. In diesen Jahren bis 1956, wo diese Entscheidung gefallen ist, hatte ich schon immer mit Schuhen, mit dem Aufbau der Geschäfte zu tun . Ich habe ein doppeltes Leben geführt, ein Leben als Kaufmann und ein Leben als Student und dann als Arzt. Das ist mir nicht schwer gefallen. Wenn ich heute an meinen Leitspruch denke, dem Menschen dienen, dann ist man als Arzt von vornherein dazu angetreten. Aber für mich war das Zusammensein mit den Menschen im Geschäft und das Bedienen der Kunden, wie ich es von meinem Vater, von meiner Mutter her noch miterlebt hatte, genauso ein Dienst an den Mitmenschen. Ich habe das an meinem Vater gesehen, wie er sich außer diesem Dienst mit der Schuhbedienung, um Arme und Kranken aus der Umgebung gekümmert hat, auch um die Juden in der Kristallnacht. Das kam bei ihm von der Liebe Gottes, die er erfahren hatte. Er hat sich als Kind Gott zugewandt, der für ihn ein lebendiges Gegenüber war. Sein Glaube an Jesus Christus hat ihn das ganze Leben begleitet. Diese Liebe Gottes wollte er den Menschen auch zeigen. Er hat den Menschen davon erzählt, er hat erzählt, wer Jesus Christus ist, wie sein Leben verändert wurde durch Christus. Das ist das Vorbild, das mir heute noch vorschwebt und das mich auf meinem ganzen Weg begleitet hat. Insofern ist das kein Gegensatz, das ich sowohl Arzt war und dann Kaufmann, Schuhhändler, Unternehmer wurde. Ich sehe keinen Widerspruch darin. Als Christ und Unternehmer habe ich gelernt mein Leben so zu führen, und ich bin ganz glücklich dabei geblieben.

Wie kam es dazu, dass das Indienprojekt ins Leben gerufen wurde?
Das ist jetzt 31 oder 32 Jahre her. Ich hatte auf Bitten eines Amerikaners ein wenig Geld in ein Projekt gegeben. Er hat mich dann dorthin geführt und auf einmal stand ich dann vor etwa 500 leprakranken Menschen. Menschen, denen die Hände, die Füße gefehlt haben, zum Teil blind, eingedrückte Nasen oder Löcher in der Nase. Das sind Schreckensbilder und obwohl ich Arzt war, hatte ich das so noch nicht gesehen. Da war die große Frage, weglaufen und diese Elendsgestalten dort liegen zu lassen, oder etwas zu tun. Da fiel mir wieder ein, dass Jesus diese Kranken geliebt hat und sie angerührt und geheilt hat. Wir haben Lepradörfer für die Leprakranken eingerichtet, Krankenhäuser und so weiter. Wenn ich heute dorthin komme, umarmen mich die Leute aus freien Stücken. Die sind völlig frei mir gegenüber. Das sind nicht mehr die Menschen, die das Karma, den Fluch der Götter fürchten. Das sind freie Menschen geworden, weil sie wissen, Jesus Christus liebt sie. Ihre Sünden hat Jesus am Kreuz getragen, sie sind befreit von dieser Furcht und führen ein völlig anderes Leben.
Ich glaube, dass ich gar nicht anders kann, als von dem zu erzählen, was mich dazu bringt, das und das zu tun. Ich weiß, dass Gott mich in seinen Dienst genommen hat, dass Christus mich berufen hat in seinen Dienst, in seine Nachfolge. Deshalb werden Sie immer wieder von mir gehört haben, dass ich von diesem lebensrettenden Werk Jesu Christi erzähle. Praktische Beispiele gibt es auch hier in Deutschland.

Was war Ihnen wichtig, als Sie Ihre Kinder erzogen haben?
Da hat keine besondere Überlegung dahinter gestanden. Sie haben mitbekommen, wie mein Leben und das Leben meiner Frau durch den Glauben an Jesus Christus bestimmt war.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich schaue auf meine Frau und auch auf die Vergangenheit, die wir hatten, aber das ist vorbei. Was soll ich mir jetzt wünschen? Dass ich mein Glück darin finde, dass ich mich immer noch einbringen kann. Es ist auch ein glückliches Gefühl, wenn ich von Indien wieder komme. Da geht etwas mit in das normale Leben hinein, was stärker ist als Schmerz und Trauer.

 

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