Burkhard Driest

skandalumwitterter Schauspieler und Autor

Burkhard Driest studierte Jura in Kiel, Berlin und Göttingen. Drei Wochen vor seinem mündlichen Jura-Examen beging er einen bewaffneten Raubüberfall und wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach drei Jahren und vier Monaten wurde er 1968 wegen guter Führung vorzeitig entlassen. 1974 wurde er als Romanautor von „Die Verrohrung des Franz Blum“ bekannt, darin beschreibt er seinen Gefängnisaufenthalt. Berühmter ist sein Talkshowauftritt von 1974 in der Sendung „Je später der Abend“. Darin war er gemeinsam mit Romy Schneider Gast, die mit Burkhard Driest flirtete. Dieser Flirt schrieb Fernsehgeschichte.

 

Herr Driest, wenn man Ihr Leben, Ihre Biografie liest, dann konnten Sie eigentlich nur Krimiautor werden. Ist das richtig oder wäre auch was anderes möglich?
Es lag nahe, dass ich mich einem Feld zuwende, das ich sicherlich wie kein anderer Autor kenne. Ich habe mich ja dem "who done it" zugewandt. Das ist diese sehr komplizierte Form, wo eine Leiche am Anfang liegt und man dann rückschließen muss, aufgrund von Indizien. Der Kommissar geht in Sackgassen, bis das Puzzle nachher zusammenfällt. Und das so aufzubauen, dass es in diese Sackgasse führt, immer wieder und die Spannung steigt und nachher alle Irrtümer verschwinden, das verlangt dem Autor sehr viel ab. Den meisten gelingt es auch nicht und sie schummeln sich so drum herum.

Wie machen Sie das? Haben Sie eine große Wand, auf der Sie das visualisieren oder machen Sie es aus dem Kopf?
Am Anfang hatte ich eine Schultafel. Da hatte ich auch noch Assistenten, aber jetzt ist es so, dass ich das auf dem Papier skizziere und dann sehe ich alles vor Augen. Schlecht ist, ist wenn ich dann unterbrochen werde. Wenn ich mich dahin finden kann, dass ich um neun oder zehn anfange zu arbeiten, dann kann ich den ganzen Tag arbeiten.

Fließt das aus Ihnen heraus, schreiben Sie einfach durch?
Am Anfang habe ich den großen Entwurf. Ich sehe keine Details, keine Szenen, sondern sage mir nur, wo es spielt. Es spielt natürlich auf Ibiza, aber in welchem Milieu? Die Geschichte ist immer nur im Hintergrund, weil im Vordergrund immer der Kommissar ist, der sich in die Geschichte erst mal hinein schrauben muss. Dadurch wird die Geschichte entdeckt und erzählt. Das ist das formal komplizierte. Dann kommt es drauf an, was für eine Art von Verbrechen es ist. Davon hängt dann wieder der Verbrecher ab und das Milieu und die Figuren, die ich vorführen will. Manchmal ist es so, dass ich ein Thema habe, wie in "Der rote Regen". Mich hat schon immer der Begriff Schönheit fasziniert, ich selbst wollte erfahren, was es mit der Schönheit auf sich hat. Ich habe recheriert und lange darüber nachgedacht, was Schönheit ist und bin auf eine psychologische Formel gekommen. Meine Überzeugung ist, dass ein Mensch auf einen anderen schön wirkt, wenn derjenige der betrachtet wird, keine Ängste im Betrachter auslöst. So wie in dem Betrachtenden Ängste ausgelöst werden, würde er das auf einer ästhetischen Ebene, also was das Äußere angeht, als Hässlich diagnostizieren.

Sie sind ein guter Psychologe. Vielleicht muss man das als Krimiautor sein?
Mich haben Menschen immer interessiert. Mein unmittelbares leidenschaftliches Interesse liegt beim Menschen.

Was ist für Sie das schlimmste Verbrechen?
Das schlimmste Verbrechen ist etwas, was einem anderen Menschen ungeheuren Schmerz macht.

Ich würde das Verbrechen gerne mit einem anderen Begriff konfrontieren, mit dem theologischen Begriff der Sünde. Können Sie damit etwas anfangen?
Ja. Das ist die Verletzung der Gebote Gottes, und ein Verbrechen ist die Verletzung der Gebote des Menschen. Nämlich der Strafrechtsgebote. An beides knüpft sich Schuld, weil es nicht erlaubt ist, das zu tun. Es ist verboten und in beiden Fällen wird unterstellt, dass der Mensch frei ist, es zu tun oder zu lassen.

Sie glauben, dass der Mensch bestimmt wird und nur das Gefühl von Freiheit hat?
Genau. Ich traf neulich jemanden, der sagte, je älter ich werde, je mehr glaube ich, dass die Dinge vorbestimmt sind. Dass ich mir nur einbilde dass ich hier wähle. Man wird es, glaube ich, nicht nachweisen können.

Es gibt ja den Satz, „Gott lenkt, der Mensch denkt“. Das steckt da ja ein bisschen mit drin.
Ja, das wäre das Bild dafür. Ich persönlich bin sehr im Zweifel. Ich denke es gibt einen kleinen Spielraum, wo man sich frei entscheiden kann. Ich glaube, dass man sich selbst auf bestimmte Konstellationen hin bewegt, durch kleine Entscheidungen, möglicherweise durch sehr viele kleine Entscheidungen.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Es gibt natürlich Dinge, die von mir ausgehen, aus dem Inneren kommen. Die Buddhisten würden sagen, wo ich etwas haben will, etwas verlange. Das ist das Grundmuster: die Leute wollen ja auf irgendetwas zu, irgendetwas haben, Geld, einen Job, das wirkt permanent und dann treffen sie auch Entscheidungen, aber sie sind natürlich schon vorgeprägt durch viele winzig kleine andere Entscheidungen. Das heißt, das Mädchen, das Musik studiert, würde es ja nur, wenn sie schon früher die Entscheidung getroffen hat, dass sie Klavier spielt.
Wenn man es genau verfolgt, dann sieht man, wie viele kleine Dinge zusammenkommen, sich auftürmen und dann gibt es bestimmte Situationen, wo man jetzt sagen muss, ich muss mich nun entscheiden. Dahin kann es kommen. Also beispielsweise der Mörder, der entscheidet sich, tötet er jetzt oder nicht.

Glauben Sie an Gott?
Ich spreche ihn immer an. Das habe ich so aus meiner Kindheit. Gott, hör mich doch mal. Vielleicht nicht ganz ernst gemeint: jetzt könntest du mal für mich sorgen. Ich merke daran, dass es eine schöne Vorstellung ist, mich zu einem wohlwollenden Vater wenden zu können, von dem ich dann auch Hilfe erwarte. Ich hab mir das selbst verdorben, habe mich schwer auf Atheist getrimmt im Alter von 15, 16, 17. Da habe ich gesagt, ich bete nicht, ich brauche das nicht. Ich habe dann Phasen in meinem Leben gehabt, wo es mir sehr schlecht ging, wo ich das gerne gehabt hätte. Ich befasse mich jetzt mit dem Buddhismus, die Buddhisten haben auch einen metaphysischen Teil, die Wiedergeburt.

Aber da glauben Sie nicht daran?
Nein. Obwohl ich überzeugt davon bin, dass es gut ist, wenn man glaubt, dass es weiter geht.

Aber der Christ glaubt doch auch, dass es weiter geht?
Ja, sicher. Ich habe diesen metaphysischen Ansatz verloren . Ich stelle mir immer vor, dass ich zerfalle, dass ich mich völlig auflöse.

Und Ihr Geist, Ihre Seele?
Ist gebunden an das Funktionierende der Materie, also der biologischen Abläufe. Wenn die Grundlage zerfällt, zerfällt auch der Geist. Das ist gar keine nette Vorstellung, aber ich werde es einfach nicht los.

Lesen Sie in der Bibel?
Das habe ich natürlich getan, als ich im Gefängnis war. Sonst lese ich ja immer in buddhistischen Texten.
Ich höre die Appelle des Papstes und auch, was man so in den Medien hört. Das sind natürlich immer die generellen Aufforderungen zu Liebe, zu Nachgiebigkeit, zu Friedlichkeit. Das sind Normen, die die Buddhisten teilen. Das Problem ist, wie ich in der Praxis dahinkomme. Ich finde, das Christentum gibt nicht so viele dedizierte und genaue Anleitungen.

Wenn einen einzigen Wunsch frei hätten, bei all dem, was Sie sich wünschen können, weil Sie schon so vieles gedacht haben, was wäre es?
Dass ich innerlich frei bin, weil damit das Versprechen verbunden ist, nicht mehr zu leiden.

 

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