Veronica Ferres

Filmstar und Schirmherrin von "Power Child"

Eine deutsche Erfolgsschauspielerin mit sehr, sehr viel Erfolg und auch mit sehr viel Erfolg bei einer Sache, die ihr vielleicht noch mehr am Herzen liegt als die Abschaffung des Zölibats, nämlich Power-Child. Ein Verein, der präventiv hilft, dass Kinder vor sexueller Gewalt geschützt werden.

 

Veronica Ferres, Power-Child hat durch Sie nicht nur ein prominentes Gesicht bekommen, sondern auch eine ganze Menge Tatkraft, weil man den Eindruck hat, dass Sie sich auch persönlich sehr stark engagieren.
Was ist Ihre Vision für Power-Child?

Einer unserer Träume ist sicherlich, dass wir die Projekte, die Standbeine, die wir haben, am Leben erhalten können. Wie unser Theaterstück, das in Deutschland an Grundschulen tourt. Es klärt die Kinder altersgerecht auf und führt sie spielerisch an diese Thematik heran. Und es zeigt Ihnen, wie sie sich richtig verhalten, um sich zu schützen.
Das zweite Standbein ist die Internethotline, wo die Kinder, die ja sehr viel im Internet chatten, Rat suchen können. Die Internetseite wird sehr häufig besucht.
Das dritte ist unser Power-Child-Mobil. Das ist unser Informationswagen, der r zu Kinderfestivals und in Freizeitparks fährt und da unsere Aufklärungsarbeit leistet.

Wie ist das für Sie, sprechen Sie auch mit Kindern selbst?
Nein, ich spreche nicht mit den Kindern selbst. Wir haben Therapeuten und Pädagogen, die dafür ausgebildet sind.
Ich bekomme aber natürlich sehr viele Briefe auch von Menschen, die Hilfe suchen. Hilfebriefe, ebenso wie Dankesbriefe. Wir haben jetzt in knapp drei Jahren über 2 Mio. Kinder erreicht und die Zahlen, denke ich, sprechen für sich.

Wie geht es Ihnen damit? Denn das sind ja eigentlich sehr grausame Geschichten, wenn man sie in der ganzen Dimension wahrnimmt und erzählt bekommt, sei es auch von anderen.
Man muss sich da reinarbeiten. Wenn man z.B. erfährt, das 80% der heutigen Täter früher selber Opfer waren, dann motiviert mich das um so mehr, für unseren Verein weiter zu arbeiten. Weil wir ja den Schwerpunkt in der Prävention sehen, d.h. wir wollen den Teufelskreis unterbrechen.
Je früher Sie mit einer Therapie beginnen bei einem Opfer, desto schneller und besser und leichter wird dieser Mensch wieder zu einem normalen Seelenheil, Seelenleben, zu einem auch glücklichen Leben finden können.
Und wenn Sie wissen, dass jedes 4. bis 5. Mädchen Opfer sexuellen Missbrauchs ist und jeder 8. bis 10. Junge, dann macht das natürlich traurig. Aber es motiviert um so mehr, diese Arbeit fortzuführen.

Waren es diese Zahlen, die Sie für diese Arbeit bewegt haben? Oder war es mehr? War es das Schicksal der Kinder selbst?
Initialzündung war das Kennenlernen von Therapeuten, die gesagt haben, wie dieses Thema voller Tabus steckt. Dass weder die Fernsehsender, noch die Redaktionen darüber berichten.
Dass sie einfach niemanden haben, der ihnen zuhört.

Es gibt in der Bibel einen sehr starken Satz, wo Jesus in etwa sagt: Wenn ihr einem dieser Kleinsten unter meinen Kindern damit etwas tut, dann wäre es besser für euch, ihr hättet einen Mühlstein um den Hals und wäret im Meer versenkt. Ein sehr drastisches Bild.
Was sagt Ihnen so ein Satz von Jesus?

Dass es nicht nur im christlichen Glauben, sondern in der Grundstruktur eines jeden Menschen verankert sein muss, dass man Kinder schützen muss.
Dass sie das Wehrloseste sind in unserer Gesellschaft. Dass man eigene Aggressionen, die Väter oder Mütter haben, niemals an Kindern auslassen darf.
Dass man kein höheres Gut hat als diese Kinder, die klein sind, die alles neu erleben, die zerbrechlich sind, die schutzbedürftig sind.

Spielt für Sie der christliche Glaube in diesem Zusammenhang eine Rolle?
Das spielt in meinem Leben eine Rolle, weil ich sehr streng katholisch erzogen worden bin. Ich habe dann auch gegen vieles rebellieren müssen, um meine eigenen Werte zu finden und lebe, glaube ich, eine Mischung aus katholischem und buddhistischem Glauben.

Das finde ich interessant. Was haben Sie vom katholischen Glauben erhalten und was ist dazugekommen?
Die Nächstenliebe ist mir wichtig.
Aus dem Buddhismus ist mir der Glaube an die Wiedergeburt sehr wichtig geworden. Ich glaube an die Unsterblichkeit der Seele. Was der christliche Glaube ja auch tut. Aber ich glaube an die Wiedergeburt. Auch der Respekt und der Umgang mit anderen Menschen ist mir sehr wichtig. Und die Zehn Gebote.

Würden Sie sagen, sie gelten heute noch, so wie sie aufgezeichnet sind?
Sie sind sicherlich in manchen Bereichen nicht mehr auf unsere Gesellschaft zu übertragen.
Aber ich halte die Schnelllebigkeit und Austauschbarkeit für eine Krankheit unserer Gesellschaft. Wenn einem ein Produkt nicht passt, dann wirft man es weg und kauft sich ein anderes.
Das ist auf die junge Generation sicherlich übertragbar. Wenn Probleme auftauchen, laufen sie weg, anstatt sich ihnen zu stellen
Das sieht man im Miteinander der Paare. Wie schnell da Wechsel stattfinden, an Lebensabschnittgefährten.

Ist Ihnen wichtig, dass Ihre Tochter christlich erzogen wird?
Sie geht sehr gerne in die Kirche. Sie hat sich das eigentlich selbst ausgesucht. Und wir beten jeden Abend. Und das gehört dazu. Ohne das gibt's kein Einschlafen.
Sie braucht das.

Wenn Sie etwas verändern könnten an der Kirche, was würden Sie tun?
Ich würde mir wünschen, dass die Kirchen, die Evangelische und die Katholische mehr auf die Bedürfnisse der Jugend eingehen.
Ich würde mir wünschen, Gottesdienste fröhlicher zu feiern.

Wenn Sie mal einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Das Zölibat abzuschaffen.

Veronica Ferres, schönen Dank für das Gespräch.

 

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