Dr. Katja Keßler

die "BILD"-Kolumnistin und Klatschreporterin

Dr. Katja Keßler
Dr. Katja Keßler beim Signieren
Dr. Katja Keßler im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie wird als Tratsch-Mieze der Nation bezeichnet, denn die Klatschkolumnistin der BILD-Zeitung plaudert Geheimnisse über Prominente aus. Dabei ist Katja Keßler Zahnärztin mit Doktortitel und auch journalistisch ganz schön gewieft. Angefangen hat sie mit kurzen, geringstenfalls zweideutigen Texten zu den nackten Mädchen auf Seite 1 der BILD-Zeitung. Dann kamen die Klatschgeschichten über Prominente, wobei Katja Keßler durchaus immer wieder auch echte Nachrichten an den Tag bringt.

 

Legen Sie Wert auf den Doktortitel?
Das wäre in der Branche, in der ich arbeite eher kontraproduktiv, denn die Leute würden in Hab-Acht-Stellung gehen. Dabei sollen sie doch locker bleiben und mit mir reden. Das tun sie auch, wenn ich mit ihnen auf gleicher Augenhöhe bin, also ihnen nicht von oben herab komme und geschwollene Sätze rede.

Was das Schreiben angeht, sind Sie ein Naturtalent. Wie gehen Sie vor, wenn sie schreiben. Fangen Sie einfach an oder bereiten Sie sich vor?
Bis vor fünf Jahren habe ich gar nicht geschrieben, allenfalls die Einkaufsliste für den Supermarkt. Hätte ich gekocht, so hätte ich auch Rezepte geschrieben. So habe ich nur aufgeschrieben was ich nicht vergessen durfte. Aber ich hatte immer ein Faible für Sprache, mochte andern Leuten zuhören, die gut formulieren können, gute Bilder entwarfen mit der Sprache.

Wie viele Fakten brauchen Sie und was ist Fantasie?
Ich glaube, dass ich wirklich jemand bin, der da sitzt wenn jemand toll erzählt und die Ohren spitzt. Und denke: Super! So habe ich bestimmt einen Film von Dieter Bohlen, den ich versucht habe, in Worte zu fassen. Das ist das Eine. Und das Andere ist meine Fantasiemaschine, die ich habe anspringen lassen.

Das Buch über Dieter Bohlen heißt "Nichts als die Wahrheit". Was ist für Sie Wahrheit?
Ich habe das absolute Gefühl, dass die Geschichten, die da stehen wahr sind. Sonst hätte ich mich auch nicht mit diesem Projekt identifizieren können. Ich hätte nicht irgendeinen Schmus schreiben können. Grundsätzlich ist es so: Die Polizei kämpft jeden Tag damit, wenn drei Zeugen einen Unfall beobachtet haben, und der eine hat es so, der nächste so gesehen. Ich glaube, Wahrheit per Definition hat immer etwas Subjektives.

Mal über das Buch hinaus gefragt. Ihnen erzählen viele Leute was. Wo ist dabei Ihre Moral? Was erzählen sie weiter und wo sind Ihre Grenzen?
In dieser Branche ist es nicht so, dass ich aus meinem Job rausgehe und den Computer und die netten Bildchen mit irgendwelchen Promis an der Wand mitnehme. Das wäre Schall und Rauch und morgen schon Schnee von gestern. Man nimmt aus dieser Branche nur dieses Gefühl oder dieses Wissen mit, dass ich mir morgens im Spiegel noch selber "Hallo" sagen kann. Des weiteren nehme ich mit, dass ich mir selber treu bleibe. Sonst passiert wohl das, was mit vielen in der Branche passiert, die diesen Pfad verlassen, die sich korrumpieren lassen. Ich behaupte mal, ich habe da immer was, von dem ich weiß, daran glaube ich.
Tatsächlich ist es so, dass ich in der Enklave Kiel katholisch erzogen worden bin - umgeben von kleinen Protestantensündern - und tatsächlich auch mit meinem Vater jedes Wochenende in die Kirche ging. Er selber war Klosterschüler und hat eine ganz harte Zucht und Ordnung mitgenommen. Ich weiß, dass ich früher als ich klein war, Madonnenbildchen gesammelt habe. Das habe ich gemacht, um der Lehrerin zu gefallen. Nach dieser Phase, habe ich ganz intensiv geglaubt. Besonders wenn mir eine Fünf in Englisch drohte, habe ich gebetet.

Was heißt intensiv glauben?
Was ich so mit gefalteten Händen unter dem Schulpult machte: Ich betete "Lieber Gott mach', dass ich keine Fünf hab!" Und dann wurde es doch eine Fünf.

Beten Sie heute auch noch?
Ja. Wir haben eine kleine Tochter, 7 Monate alt. Es gibt nicht so viel was man einem Kind mitgeben kann. Man kann ihm keine goldenen Löffel in den Mund stecken, denn diese verliert es womöglich. Man kann ihm aber den Glauben mitgeben, und der bleibt dem Kind auch. Ich habe im Dezember letzten Jahres meinen Vater verloren. Da spätestens gelangt man wieder auf den Boden der Tatsache und reduziert sich auf das, was einen ausmacht und nicht so sehr auf das, was die Leute denken.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Mir fällt es schwer, denn ich glaube, Bildung ist ein Hemmschuh. Manchmal ist es besser, von vielen Dinge keine Ahnung zu haben und dadurch auch Dinge nicht in Frage zu stellen. Mein Medizinstudium macht es mir natürlich nicht leichter, an Seelenwanderung zu glauben, weil doch die Körperlichkeit im Vordergrund steht. Ich trainiere, daran zu glauben.

Wie trainiert man das?
Indem man andere Leute anzapft. Indem man sich von anderen Leuten was klaut, ohne dass sie merken, dass man sich was klaut. Ich treffe auch Menschen, die diese Überzeugung haben und nehme ihnen ein Stück weg. Komischerweise merken die den Diebstahl gar nicht. Ich habe in meinen Eltern und meinen Schwiegereltern sehr gläubige Menschen und das hilft mir dann auf die Sprünge.

Was wäre ein Satz oder ein Gedanke aus der Bibel, der Ihnen wichtig ist.
Weiß ich spontan gar nicht. Momentan fallen mir nur Sachen ein, die mir nicht behagen. Z.B. habe ich dann meine Probleme, wenn aus Wasser Wein wurde und plötzlich Essen für alle da war. Das sind nicht die Dinge, die mich an der Bibel beschäftigen. Sondern eigentlich dieses überhaupt an etwas glauben, dass Menschen zusammen finden, Gemeinsamkeit spüren, für eine Sache friedlich kämpfen. Und die Bibel selbst ist auch nicht etwas, was für mich Temperatur hat, Temperatur hat für mich, wenn ich in die Kirche gehe. Ich habe manchmal so Anwandlungen von Einsamkeit nach Kolumnen. Dann hat es mir geholfen, in Kirchen zu gehen. Draußen war der Straßenlärm, Fahrradgeklingel, das Hupen, Tröten und Dröhnen. Man geht in eine Kirche rein, die Tür fällt hinter einem zu, und plötzlich ist da Kühle, Stille und Andacht. Das ist wie ein Hafen, in dem man einläuft und man fühlt sich den Leuten verbunden auch wenn sie vielleicht eine dunkle Hautfarbe haben oder geschlitzte Augen. Man ist zu Hause. Und das ist für mich ein Bild, was ich viel stärker mit Religion verbinde als die Bibel.

Es gibt das Gebot " Du sollst nicht lügen". Halten Sie sich daran?
Der Spruch ist sicherlich absolut richtig, aber die barmherzige Lüge sei erlaubt. Man muss den Spruch modifizieren. Man muss durch die Welt gehen mit eine gewissen Verantwortung für andere, natürlich kann ich der Kotzbrocken sein und alle brüskieren und allen sagen wie schrecklich sie aussehen und dass sie Loser sind. Aber ich glaube es ist nett, Leuten zu sagen: Hey, hast du gut gemacht! Nicht lügen, nicht sagen, du hast es gut gemacht, wenn man es nicht meint, aber wenn es einen Aspekt gibt, der gut ist, dann sollte man ihn betonen. Man sollte eher den Käse sehen als die Löcher da drin.

Wenn man es immer sagen würde, wenn einer etwas gut gemacht hat, so wäre schon sehr viel gewonnen, nicht wahr?
Ja, positiv denken, positiv nach vorn schauen und die Leute nicht immer mit der ganzen Wahrheit brutal konfrontieren.

Wovor haben Sie Angst?
Meine Familie zu verlieren. Ganz große Angst! Diese Angst wurde ganz stark nach dem Tod meines Vaters. Das hat sich jetzt wieder etwas reguliert. Das ist es eigentlich: dass Menschen, die mir etwas bedeuten, nicht mehr da sein könnten. Das hängt unmittelbar mit Einsamkeit zusammen, dem Gefühl von Verlassensein. Im übertragenen Sinne habe ich Angst davor, meine Ideale zu verlieren, was schnell passieren kann. Grundsätzlich meine ich, muss man darum kämpfen, sie aufrecht zu erhalten. Man steht nicht morgens auf, ist der perfekte Mensch und geht als perfekter Mensch schlafen. Sondern jeden Tag ist man vielen kleinen Versuchungen ausgesetzt und denen muss man sich erwehren.

Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie einen Wunsch frei hätten?
Die Wolken aus meinem Kopf rauszunehmen. Ich rede davon, den Käse und nicht die Löcher zu sehen, aber ich sehe leider die Löcher. Auf eine Art bin ich auch zu kritisch mit mir selbst, zu grüblerisch und würde gerne manchmal leichter sein.

Wie würden Sie ein Gebet für Dieter Bohlen schreiben?
Lieber Dieter, pass’ auf, dass Du Dich beim Gasgeben nicht selbst überholst.

 

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