Brendan Keeley

den irischen Sänger und Songwriter

Brendan Keeley
Brendan Keeley im Gespräch mit Hanno Gerwin
Brendan Keeley im Gespräch mit Hanno Gerwin

Mit seiner whiskyweichen Stimme verkörpert all das, wofür Musik irischer Prägung steht. Brendan Keeley stammt aus Tullamore, ein Ort in der irischen Grafschaft Offaly der vor allem durch die Whiskymarke gleichen Namens bekannt wurde. Viele Jahre zog Brendan Keeley als Sänger und Gitarrist durch Pubs und Bars in Irland, lebte einige Jahre in den 80-ern in London und gründete dort eine Band. Doch bald zog es ihn wieder zurück nach Irland. Mit seinem neuen Album „Reunion – Dreams of Ireland“ tourt Brendan Keeley nun auch durch Deutschland. In Irland hat der irische Barde für seine Songs bereits Platin erhalten, Deutschland hofft er mit irischen Songs zu erobern.

 

Brendan Keeley, wie ist Ihr Eindruck, wenn Sie Deutschland mit Irland vergleichen?
Beeindruckend finde ich vor allem, wie groß Deutschland ist. In Irland kommt man von einem Ende zum Anderen in zwei Stunden. Das ist hier ganz anders. Hier leben viel mehr Menschen, und natürlich haben die auch ganz unterschiedliche musikalische Vorlieben. Außerdem ist Irland ziemlich teuer. Ich würde Deutschland im Moment bevorzugen.

Was gefällt Ihnen an Deutschland?
Was ich hier mag, ist, dass die Menschen sehr offen sind, für Musik und für verschiedene Stile. Das ist toll! In Irland ist es nicht immer so. Möglicherweise gibt es in der deutschen Bevölkerung nicht ganz so viele Musiker pro Kopf, das ist für uns Künstler natürlich sehr angenehm.

Wie kamen Sie zu Ihrer Musik? Wie entstehen die Songs?
In meinen Songs verarbeite ich vieles, was in meinem Freundeskreis passiert. Da erlebe ich oft Situationen, von denen ich denke, es wären tolle Motive für meine Songs. Ich beginne immer mit der Melodie, und wenn die stimmt, setze ich mich an den Text.

Über welche Themen singen Sie gerne?
Es scheint, Frauen haben öfter Liebeskummer als Männer, und darüber schreibe und singe ich. Ich schreibe aber auch über das Leben, über einen Freund von mir zum Beispiel, der einen schweren Unfall hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt. Der Song, den ich darüber gemacht habe, kam zu Hause, in Irland, auch in die Charts. Ich schreibe aber auch über die schönen Seiten des Lebens. Ich mag es nur nicht, einfach zu schreiben: „Hey, ich mag dich, ich liebe dich“ – und alles ist eitler Sonnenschein.

Sie haben auch mit Kirchenmusik zu tun gehabt und einen Gospelchor dirigiert.
Ja, das stimmt. In Irland leite ich einen Gospelchor, es ist sogar der größte Irlands. Wir haben 126 Sängerinnen und Sänger. Wir sind dort inzwischen recht bekannt und waren auch schon im Fernsehen. Außerdem veranstalten wir viele Benefizkonzerte. Wir sammeln Geld für soziale Zwecke in Irland und auch im Ausland. Das ist auch für die Sängerinnen und Sänger etwas Tolles. Sie sind Leien, und ich gebe ihnen Gesangsunterricht. Das macht Spaß und gibt ihnen viel zurück.

Es heißt, die Iren sind ein sehr religiöses Volk, die katholische Kirche spielt eine große Rolle in Irland. Wie ist das für Sie?
Ich bin auch Katholik. In den letzten Jahren gab es bei uns in Irland allerdings viele schreckliche Skandale in Verbindung mit der Kirche. Da ging es zum Beispiel um Kindesmissbrauch. Das hat dem Einfluss der Kirche im Land sehr geschadet. Vielleicht bewirkt es, dass sich die Kirche jetzt wieder darum bemüht, von den Menschen akzeptiert und wichtig genommen zu werden. Es wäre falsch, sich vor Priestern zu fürchten. Wir bringen beispielsweise Jugendliche in die Kirche, weil wir Gospelmusik machen. Jugendliche haben heute Computer, Nintendo, Gameboys und so weiter. Sie sitzen im Gottesdienst und langweilen sich. Wir mischen Liturgie und Unterhaltung miteinander. Das macht die Kirche für Jugendliche attraktiv. Ich denke, es wäre gut, wenn sich wieder mehr Menschen mit der Kirche beschäftigen würden.

Welche Rolle spielen für Sie die biblischen Werte, die Wahrheiten, die in der Bibel stehen, wie zum Beispiel die Zehn Gebote?
Respekt ist mit der größte Wert den wir haben. Wenn sich alle gegenseitig respektieren würden, dann wäre die Erde schon ein ganz toller Platz. Ich würde mich nicht als den religiösesten Typen der Welt bezeichnen, aber ich glaube, und ich versuche das Richtige zu tun im Leben. Ich denke, wenn man das versucht, ist das schon die halbe Miete.

Welche Rolle spielt die Familie für Sie?
Familienleben ist toll. Ich habe drei Kinder, zwei Söhne, die sind 17 und zwölf und eine Tochter, sie ist zehn, hält sich allerdings für 20. Sie singt Solo in unserem Gospelchor. Die drei sind wirklich lustig. Mein Sohn spielt selbst Gitarre und hat inzwischen seine eigenen Auftritte. Meine Frau stöhnt natürlich und sagt: „Oh, mein Gott! Noch ein Musiker!“ Aber ich finde es gut.

Sind die Iren ein sehr familienfreundliches Volk?
Ja, allerdings glaube ich, Irland passt sich leider langsam dem Rest der Welt an. Viele Familienwerte sind in den letzten Jahren in Irland verloren gegangen. Ein Grund dafür könnte sein, dass es die Regierung möglich gemacht hat, sich scheiden lassen zu können. Bislang war das bei uns verboten. Früher musste man sehr viel härter an seiner Beziehung arbeiten, weil man ja nicht einfach gehen konnte. Ich habe in den letzten Jahren selbst einige Hochzeiten erlebt und manchmal war nach einer Woche schon wieder alles vorbei.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde die Armut beenden. Wenn man die Menschen auf der Straße sieht – das muss aufhören. Ein großer Wunsch, aber wenn man nicht groß denkt, dann wird man auch nicht groß.

 

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