Jorginho

den Vollblutfußballer und Missionar

Jorginho
Jorginho im Gespräch mit Hanno Gerwin
Jorginho im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er stammt aus ärmlichsten Verhältnissen und schaffte trotzdem, an die oberste Spitze des Weltfußballs zu gelangen. Jorginho spielte einst in den Straßen Rio de Janeiros Fußball, wurde dann als unglaubliches Talent entdeckt und kam zu Bayer Leverkusen nach Deutschland. Mit Bayern München wurde er Deutscher Meister, 1994 mit Brasilien Weltmeister und später in Japan Japanischer Meister. Jorginho ist ein Vollblutfußballer, der zudem als überzeugter Christ Sportler-Bibelkreise gründete und so versuchte, Fußballprofis vom christlichen Glauben zu überzeugen.

 

Jorginho, waren Sie schon immer Christ, schon als Kind?
Nein, das war später. Ich war 21 Jahre alt, als ich mich bekehrt habe.
Mein Bruder war Alkoholiker. Er hatte sich von einem Tag zum andern ganz plötzlich sich verändert, genauer gesagt Gott hat ihn verändert. Das war damals ein Schock für mich. Seine Freunde tranken weiter und er hörte auf. Sein Leben verlief dann super. In mir weckte dieses Ereignis großes Interesse. Ich wollte wissen, was mit meinem Bruder passiert war, und er gab mir eine Bibel. Mit 21 Jahren habe ich Jesus wirklich kennen gelernt.

Sie hatten Ihren Bruder zum Vorbild. Aber wie war das für Sie persönlich? Warum war es plötzlich für Sie so wichtig zu sagen, das ist jetzt auch mein Glaube?
Ich hatte viele Probleme mit meinem Bruder. Er schlug mich immer. Das hat sich von einem Tag auf den anderen verändert, was mich sehr gefreut hat. Ich sagte mir dann, ich will lernen, wie man glaubt. Zwar habe ich immer an Jesus geglaubt, aber nur so.
Und dann habe ich in der Bibel das gelesen, was Jesus will, was er mit uns vorhat. Wir sind hier, um in Kontakt mit Gott zu sein, ein Leben mit Gott zu führen. Die Bibel sagt, wir sind in dieser Welt, um zu loben und preisen unseren Gott. Er hat uns gemacht, er will uns ein Freund sein.
Gott hat mein Leben zum Guten hin verändert. Zuvor war ich war sehr untreu, z.B. meiner Verlobten gegenüber. Trotzdem ist sie heute meine Frau. Ich wollte eine hundertprozentig gute Familie aufbauen, aber ich hatte viele schlechte Vorbilder. Mein Vater war nie zu Hause, meine Mutter stets alleine. Wir haben immer viel geweint. Ein solches Familienleben wollte ich nicht für mich, jedoch fehlte es mir an Kraft.
Dann fing ich an, zu beten, 1996 im Januar. Ich betete: Jesus hilf mir. Ich möchte eine gute Familie aufbauen. Ich möchte Kinder haben, ich will nicht, dass mir das gleiche passiert, wie meinem Vater.
Gott hat mir geantwortet. Seither bin ich Christ. Auch meiner Frau bin ich von da an treu.

Sie waren damals schon Profifußballer und auf der Höhe Ihrer Karriere. Welche Rolle hat ihr Wandel im Fußball gespielt? Spielen christliche Profifußballer fairer? Foulen sie weniger?
Nein, nein. Fair sind wir schon, aber auch wir machen Fouls.

Ist das also das Temperament?
Ja, es ist nicht immer einfach. Aber ich habe eine super Erfahrung in diesem Bereich gemacht, denn früher war ich sehr unfair. Ständig setzte ich meine Ellenbogen ein. Das war ganz schlecht. 1991, ich war seit fünf Jahren Christ, habe ich eine FIFA Prämie erhalten, als fairster Spieler der Welt. Das war für mich eine Überraschung, ein Geschenk von Gott. Früher war ich wirklich unfair, doch Gott hat auch in diesem Bereich mein Leben verändert.

Wie ist das für die anderen Profifußballer, Als diese erfahren haben, dass Sie Christ geworden sind und Sie sich dadurch verändert hatten. Wie haben sie reagiert?
Manchmal haben sie Schwierigkeiten, mich zu verstehen, da ich heute ein anderes Leben führe. In der Regel sind sie jedoch sehr begeistert von meiner Bekehrung, da ich die Bibel verstehe.
Viele haben genauso große Probleme, wie ich sie hatte. Normalerweise kommen sie dann, wenn sie Probleme, wenn sie Schwierigkeiten haben, richtige Schwierigkeiten. Sie wollen auch beten.

Und auch Rat von Ihnen haben als Seelsorger?
Ich habe nie so gedacht, dass ich mit vielen so sprechen kann, wie ein Pastor. Sie denken, dass ich ein Pastor bin, mit dem man über Gott spricht.

Können Sie sich vorstellen, als Pastor zu arbeiten?
Viele Leute behaupten, ich könne das, ich hätte die Voraussetzung, Pastor zu werden. Nur weil die Leute sagen, du kannst so gut über Jesus sprechen, ist das noch nicht genug. Wenn Gott mich ruft, bin ich bereit.

Als Fußballer erreichen Sie sicherlich viel mehr Menschen...
Ja, das glaube ich auch. Das ist natürlich das Ziel, Wir christlichen Sportler sind eine Mission im Sport, denn wir haben eine gemeinsame Sprache, die Sportsprache.
Viele Pastoren haben Schwierigkeiten oder gar nicht erst die Möglichkeit, in ein Trainingslager zu kommen. Die Möglichkeiten, die ich habe, im Radio über Jesus zu sprechen und dadurch die Zuschauer zu erreichen, ist größer, als wenn ich Pastor in einer Gemeinde wäre. Jedoch Missionar zu sein, das kann ich mir schon eher vorstellen.

Weltfußballpastor?
Ja genau. Ein Pastor muss in seiner Gemeinde bleiben. Wir können viel besser draußen wirken da es viele Menschen gibt, die keine Christen sind. Sie brauchen Gott. Und diese Missionsarbeit machen wir.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Er ist mein Vater. Mein richtiger Vater. Ein Vater, den ich nicht hatte hier in dieser Welt. Mein Vater ist gestorben, als ich 10 Jahre alt war, und ich habe keine schönen Erfahrungen mit ihm gemacht. Die Bibel und das Leben lehren mich, was Gott für mich bedeutet. Dieser Vater sagt mir, wenn ich Fehler mache. So kann ich Gott verstehen, er ist der beste Vater der Welt.

Wenn Sie sich Gott vorstellen, wie sieht er aus?
Die Bibel erzählt vom verlorenen Sohn. Er lief weg, benahm sich schlecht. Sein Vater jedoch war froh, als sein Sohn zurückkam er hatte ihn verloren geglaubt und bekam ihn zurück. Das ist mein Gottesbild. Dieser Vater ist wirklich ein Vorbild.

Das ist ein schönes Bild. Sie sind so auch eine Art Vater für die Straßenkinder in Brasilien. Wie helfen Sie denen konkret?
Ich hatte immer schon ein Herz für dieses Projekt. Wir unterstützen 950 Kinder im Sportbereich. Außerdem besteht Schulpflicht. Sie lernen auch, mit dem Computer und dem Internet zu arbeiten. Viele dieser Kinder werden später keine Profisportler sein, was auch nicht unser Ziel ist. Wir wissen, dass von den 950 Kindern vielleicht zwei oder drei Spitzensportler hervorgehen werden. Was wir wollen ist, die Zeit mit diesen Kindern zu nutzen, damit sie lernen und etwas über Gott hören.

Womit kann man Sie kränken?
Wenn Leute sagen, die Armen in Brasilien sind ihnen egal. Das kränkt mich.

Wenn Sie einmal einen Wunsch frei hätten, egal was. Sie dürfen sich wünschen, was Sie wollen, was wäre es?
Dass ich meinen Gott noch mehr liebe.

 

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