Axel E. Fischer

Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung

Er gehört seit 1998 dem Deutschen Bundestag an und setzt sich dort besonders für Familienthemen ein. Axel Fischer stammt aus dem Raum Karlsruhe und studierte Maschinenbau. Der Familienvater weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, sich für Familien- und Generationengerechtigkeit einzusetzen.

 

Herr Fischer, hatten Sie bereits Familie, als Sie 1998 mit 32 Jahren in den Bundestag kamen?
Ja, da war ich schon verheiratet und hatte zwei Töchter. Ich war an der Uni in Karlsruhe als Assistent tätig und wollte promovieren. 1998 ergab es sich, dass ich auf der Landesliste für die CDU Kandidat war, um ein Signal für die Verjüngung in der CDU Baden-Württemberg zu setzen. Die Wahl ergab, dass die CDU elf Wahlkreise in Baden-Württemberg verlor und dadurch sechs Abgeordnete von der Landesliste in den Bundestag einzogen. Ich war der vierte davon.

Kam das in dem Moment überraschend für Sie?
Ein Stückweit ja. Es war die Wahl, bei der Helmut Kohl quasi ab- und Gerhard Schröder neugewählt wurde. Dass die CDU so viele Wahlkreise verlor, kam doch einem Erdrutsch gleich, und insofern war’s dann doch überraschend.

Wie veränderte sich das Familienleben?
Es hat sich gewaltig verändert. Meine Frau war damals nicht berufstätig. Sie erzog zu Hause die Kinder, und ich war zum einen in Berlin, zum anderen hier im Wahlkreis. Inzwischen bin ich getrennt von meiner Frau und werde erneut heiraten, weil mir Familie wichtig ist. Insofern hat sich einiges getan.

Wie kann man Familie und den Beruf als Politiker vereinen?
Ich glaube, es geht nur dann, wenn man gemeinsam hinter diesem Beruf steht. Dieser Beruf im Bundestag ist sehr zeitaufwendig, und wenn man niemanden hat, der zu einem steht, ist das fast nicht zu machen. In der Freizeit, kommen die Bürger aus dem Wahlkreis mit ihren Problemen. Man muss dann natürlich versuchen, ein offenes Ohr zu haben. Da ist es ganz entscheidend, dass jemand hinter einem steht, der einen stützt und hält.

Müsste die Politik nicht mehr für Familie und Kinder tun? Früher, nicht nur in biblischen Zeiten, hatte man mit vielen Kindern einen großen Vorteil. Die Alterssicherung wurde auf diese Weise geregelt und man genoss ein höheres Ansehen als die Familien, die wenige Kinder hatten. Heute sind viele Kinder ein Armutsrisiko und man hat nicht den Nutzen, wie man ihn früher hatte, mal abgesehen davon, dass es natürlich sehr schön ist, Kinder zu haben. Im privaten Bereich ist Familie gesehen etwas sehr schönes und wird akzeptiert. Gesellschaftlich ist es schwierig, Kinder zu haben.
Man hat in unserer Gesellschaft die Kosten, die Kinder verursachen, an die Familien weitergegeben. Die Vorzüge hingegen stellt man der Allgemeinheit zur Verfügung. Das ist das Grundproblem. Heute werden die Kinder als Last gesehen. Gerade in diesen Bereichen muss man ansetzen. Es ist vernünftig, dass immer wieder Vorstöße gemacht werden, dass man im Bereich der Rentenversicherung darüber nachdenkt, dass man die Kinder entsprechend mit berücksichtigt und insofern glaube ich, dass da noch sehr viel zu tun ist.

Das würde heißen, dass man, wenn man Kinder hat, beispielsweise weniger Rentenversicherung bezahlt?
Ja, oder später dann auch mehr Anteile aus der Rente bekommt.

Warum hat man je Kind nicht auch ein Stimmrecht mehr? Oder warum bekommen Familien mit Kindern kein stärkeres politisches Mitbestimmungsrecht?
Wenn man die Entwicklung der Demokratie anschaut, hatten wir eine Zeitlang ein Stimmrecht, das von der Steuer abhing, wer viel Steuern zahlte, sollte mehr Stimmen haben, als einer, der wenig Steuern bezahlte. Dann sagte man, jede Familie soll eine Stimme haben und hat diese Stimme dem Familienoberhaupt, dem Mann übergeben. Im Zuge der Gleichberechtigung erhielten auch die Frau das Stimmrecht. Die nächste Diskussion ist jetzt die, wie Kinder berücksichtigt werden. Die einen sagen, man könnte Kinder ab 15, 16 oder 17 Jahren wählen lassen. Die anderen meinen, man könnte doch den Eltern die Stimme für die Kinder geben. Es ist durchaus vernünftig, über beide Ideen nachzudenken.

Um auf unsere christliche Grundlage zu sprechen zu kommen, da spielen die Kinder eine sehr große Rolle. Nicht, Jesus hebt die Kinder hervor und sagt: „Wenn ihr nicht wie die Kinder werdet, dann könnt ihr Gott gar nicht richtig verstehen, das Himmelreich nicht erfahren.“ Müsste die CDU diesen christlichen Aspekt nicht noch mehr in die Politik mit einbringen?
Das sehe ich in vielen Teilbereichen genauso. Im aktuellen Tagesgeschäft werden diese Grundlagen häufig nicht mehr vermittelt. Ich habe den Eindruck, dass sich die Mediengesellschaft in den letzten Jahrzehnten dazu entwickelt hat, immer weniger christliche Fundamente bei Interviews von Politikern rüberzubringen, sondern immer nur noch ganz kurz geschnittene, kurze Kommentare, die nur noch einen Teilbereich beleuchten. So wird den Menschen gar nicht mehr klar, in welche Richtung Politik gemacht wird.

Warum sollte man bei der politischen Argumentation nicht auch mal den christlichen Glauben als Begründungshintergrund bewusst auch öffentlich nennen.
Das ist durchaus vernünftig und richtig, wird aber deutlich zu wenig gemacht.

Wie ist das bei Ihnen?
Ich bin überzeugter Christ. Ich war in meiner Jugend im CVJM und bei der Liebenzeller Mission aktiv. Heute bin ich nicht mehr so aktiv, die Bibel habe ich aber immer noch im Regal stehen und lese regelmäßig darin. Da mein Bruder Pfarrer ist, wird auch häufig über solche Themen in der Familie diskutiert. Meine Mutter war eine Zeitlang in der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden tätig, daher stehen die christlichen Themen sehr hoch auf der Tagesordnung.

Beten Sie auch vor schwierigen Entscheidungen, wenn Sie unsicher sind?
Ich bete nicht nur vor schwierigen Entscheidungen. Ich bete täglich mehrmals. Ich weiß persönlich nicht, was dann das bessere System ist. Ob man dann betet, weil es gerade mal an der Zeit ist und man jetzt halt beten muss oder ob es nicht wirklich besser ist, wenn man aus sich heraus das Bedürfnis hat zu beten. Beides hat seine Berechtigung. Der Glaube ist so unterschiedlich und sollte auch in seiner Vielfalt bestehen können. Jesus weist in der Bibel darauf hin, dass man nicht schauen soll, wie die anderen leben, sondern akzeptieren muss, dass es unterschiedlich gelebten Glauben gibt. Ich glaube, dass viele Wege zu Gott führen.

Wovor haben Sie Angst?
Ich habe manchmal Angst, falsche Entscheidungen zu treffen. Es gibt Themen, über die man sich wirklich Gedanken macht, für mich ganz aktuell die Diskussion mit dem Einsatz in Afghanistan. Wir haben Tornados hingeschickt, die Überwachungsaufgaben übernehmen, aber selbstverständlich wissen wir, dass wir beim Afghanistaneinsatz auch schon gefallene Soldaten zu beklagen haben. Man entscheidet da ein Stückweit mit über Leben und Tod, und das ist nicht so einfach.

Wie haben Sie entschieden?
Ich stimmte bei dem ersten Afghanistaneinsatz dagegen, weil ich ihn grundsätzlich für falsch hielt. Was mir in der politischen Diskussion fehlt, ist die Frage des sogenannten Ausstiegsszenarios.

Haben Sie Angst vor dem Tod?
Manchmal ja, weil ich nicht so genau weiß, wie ich damit umgehen soll, aber auch da halte ich mich an meinen Glauben, der mir sagt, dass es nach dem Leben noch weiter geht, und dann freue ich mich auch drauf.

Wie stellen Sie sich das vor?
Das sollte man sich gar nicht vorstellen, weil man sich’s nicht vorstellen kann. Da lassen wir uns besser überraschen, wie es dann wohl sein wird.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, einen Tag lang aus der Perspektive eines Bundeskanzlers betrachten, um zu sehen, was man da wirklich bewegen kann. Es gibt aber noch einen zweiten, fast gleichrangigen Wunsch. Ich würde gerne mal mit einer schwangeren Frau tauschen, um mal zu spüren wie sich das anfühlt, wenn ein Baby von innen gegen den Bauch boxt. Das sind meine zwei Hauptwünsche.

 

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