Eddi Hüneke

Sänger der A-capella Band "Wise Guys"

Eddi Hüneke
Eddi Hüneke im Gespräch mit Hanno Gerwin
Eddi Hüneke im Gespräch mit Hanno Gerwin

Wise Guys heißt übersetzt so viel wie „Die Besserwisser“. Die Wise Guys sind wahrscheinlich Deutschlands bekannteste A-Capella Band und füllen mit ihren kreativen Songs und mit ihren pfiffigen Texten ganz große Hallen.
Die Wise Guys begeistern bei ihren Konzerten große Menschenhallen vor allen Dingen auch auf den Kirchentagen mit über 70 000 Besuchern. 2010 haben die Wise Guys den Kirchentagsong auf den ökumenischen Kirchentag geschrieben, Die Hoffnung bleibt.

 

Die Gitarre ist da, schön, dass auch Eddi da ist und uns diesen Song einmal improvisiert, allerdings ohne die Kollegen.
Genau, also normalerweise singen wir das nur mit Stimmen. Das ist jetzt die ursprüngliche Situation, geschrieben habe ich den Song auch mit dieser Gitarre vor ca. einem halben Jahr. Der Text ist nicht von mir, aber die Musik und es hörte sich ungefähr so an.

Damit die Hoffnung bleibt, oder die Hoffnung im Zusammenhang mit dem Glauben, so ist das ja bei dem ökumenischen Kirchentag gemeint, oder aber auch die Hoffnung, die eine Kirche vermittelt. Welche Hoffnung ist das?
Naja, es gibt glaube ich verschiedene Hoffnungen. Wir haben einfach so ein bisschen versucht, die Hoffnungen aus unserem eigenen Leben aufzuzählen. Was ich eben auch gerade angespielt habe ist die zweite Strophe, dass eben mal realisiert wird, dass Kinder nicht nur ein Beiwerk sind. Ich glaube da sind wir in Europa schon auf einem sehr gutem Weg aber das es vielleicht auch Weltweit noch ein bisschen voran geht. Die Hoffnung ist natürlich bei mir persönlich ganz stark da, dass wir ökologisch noch irgendwie die Kurve kriegen und nicht diesen ganzen Planeten zerstören. So gibt es eben verschiedene Aspekte der Hoffnung würde ich sagen.

Kann die Kirche heute Hoffnung vermitteln?
Die Kirche, gerade die katholische Kirche, steckt natürlich in einer tiefen Krise. Ich denke das ist unabhängig davon oder sie wird danach auch gestärkt daraus hervorgehen und natürlich kann der Glaube Hoffnung vermitteln. Menschen, die an Gott glauben haben eine leichtere Möglichkeit zu hoffen als Menschen die das nicht tun.

Warum glauben Sie das?
Wenn man Glaube so versteht wie ich es tue, als ein Vertrauen darauf, dass das Leben gehalten ist und dass eine tiefere Dimension mitschwingt die nicht auf der Oberfläche zu erkennen ist, dann kann die Verzweiflung über das was an Schrecklichem geschieht in der Welt, dem man natürlich in die Augen sehen muss, nicht ganz so tief reißen wie wenn man sie als Einziges sieht. Welche Form dieser Glaube annimmt, wie sehr er sich an das anlehnt was die Kirchen wirklich propagieren, äußern oder wie sie sich darstellen, das ist natürlich sehr individuell.

Das war jetzt sehr schön gesagt „mit der Hoffnung“, da ist man traurig, dass man Eddi dann doch nicht im schwarzem Talar auf der Kanzel sehen kann.
Ich hatte die Möglichkeit gestern Morgen eine Bibelarbeit zu machen, da waren über 1000 Menschen da.

Bekommt man da nicht Lust, das abgebrochene Theologiestudium zu Ende zu führen?
Ich bin dem, was kommt, noch völlig offen gegenüber. Ich habe 4 Kinder und ich habe einen Beruf, der mich mehr als ausfüllt – diese beiden Sachen zu vereinen ist schon Herausforderung genug. Wenn ich dann noch ein Studium mit mir herumschleppe, ist dies die letzten Jahre immer mehr zu einem Ballast geworden, der mir das Gefühl vermittelt, ich sollte mich öfter an meinen Schreibtisch setzen.

Was war die Motivation fürs Theologiestudium?
Ich habe den Beruf des Pfarrers kennengelernt, da mein Vater Pfarrer war.

In England?
Auch in England. Meine Eltern stammen aus Deutschland und lebten 12 Jahre in England, dort wurde ich auch geboren. Mein Vater war dann noch 12 Jahre in Köln evangelischer Pfarrer. Ich habe ein sehr positives Bild dieses Berufes mitbekommen. Man kann sicherlich auch andere Beispiele finden, aber ich hatte das Gefühl, es ist ein Feld in dem jemand sich austoben kann, der gerne Menschen zusammen bringt, der gerne mit anderen Menschen zusammen in die Tiefe schaut und das sind beides Dinge die ich sehr gerne tue. Deshalb hatte ich das Gefühl, das könnte etwas für mich sein und so habe ich irgendwann mit dem Studium angefangen.

Das ist ja eigentlich ganz toll, wenn der Vater als Pfarrer dieses Vorbild vermittelt. Es gibt ja diesen Spruch, der vielleicht nicht ganz ernst gemeint ist: „Mit Pfarrers Kinder, Müllers Vieh…..“
Ich habe über meine Eltern natürlich auch andere Pfarrersfamilien kennengelernt und habe das Gefühl, dass Pfarrerskinder häufig von der Kirche entfremdet sind, dass ihnen das alles zu viel geworden ist, z.B. jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Oder dass sie selbst in eine Art Über-Frömmigkeit verfallen und sehr eng mit dem Glauben umgehen. Damit kann ich persönlich nicht sehr viel anfangen.

Beides trifft auf Sie nicht zu?
Ich habe das Glück, dass meine Eltern mir in allen Dingen, nicht nur in Glaubens- und Kirchenfragen sehr viel Freiheit gelassen haben und damit selbst in der Ruhe waren ein positives Bild davon vermitteln konnten.

Toll, das ist schon fast eine Theorie, wie man mit Kindern in der Erziehung umgehen soll, damit sie Christen werden. Das ist ja erstrebenswert.
Damit sie ihren eigenen Weg in dieser Welt finden. Ich bin immer weiter davon weggekommen zu sagen, dass sie Christen werden. Warum soll irgendjemand Christ werden? Er kann auch Atheist oder Moslem sein, wenn er Verantwortung für sein Leben übernimmt. Innerhalb des Christentums gibt es so viele.

Wie gehen Sie mit Ihren eigenen 4 Kindern in dieser Hinsicht um?
Ja, ähnlich. Wir beten abends und vor dem Essen, wir üben eine kleine grundlegende christliche Frömmigkeit ein. Wir versuchen sonntags auch in die Kirche zu gehen, was momentan logistisch etwas schwierig ist, da unser Kleinster zu dieser Zeit immer schläft. Wir versuchen den Zugang zum Glauben zu vermitteln auch mit Büchern. Auch wenn andere Gedanken oder Einflüsse kommen, versuche ich schon klar zu machen….

Die Freiheit, die Sie selbst erlebt haben, wollen Sie auch in der eigenen Familie praktizieren?
Ja.

Lassen Sie uns über die Stimme sprechen. Für die Wise Guys sind die Stimmen entscheidend, als Deutschlands bekannteste A-Capella-Band. Was kann die Stimme vermitteln? Warum sind die Wise Guys so erfolgreich mit ihren Stimmen? Das ist ja nicht nur, weil sie schön singen können, das tun andere auch.
Das ist eine gute Frage. Warum wir so erfolgreich sind ist für mich ein Rätsel. Ich vermute, dass es zum Einen mit den Songs zusammen hängt, die meisten sind von Daniel und er schafft es in die Alltagswelt einzudringen. Es gibt immer wieder Menschen, die uns sagen die Lieder haben ihnen geholfen, die Lieder sind für jede Lebenssituation.

Ist es auch ein bewusstes Anliegen oder ist das mehr Zufall?
Ich glaube es ist uns schon klar, dass wir nichts singen wollen mit dem Leute nichts anfangen können, sondern dass jeder Song möglichst viele Identifikationsflächen bieten sollte.

Damit es Leuten auch hilft damit was auszusprechen oder auszudrücken?
Ja, um dann über sich selbst oder über uns lachen zu können. Wir haben eine gewisse Authentizität auf der Bühne, wir sind relativ nah. Da sind wir wieder bei der Stimme. Die Stimme ist das direkteste was man an Performance machen kann. Wenn Sie ein Schlagzeug oder eine Gitarre vor sich haben ist immer eine Barriere zwischen mir und dem Publikum. Wir haben diese Barriere nicht. Wir stehen in unmittelbarem Kontakt und die Stimme kommt aus dem Inneren. Es wird nicht nur gesprochen, es geht nicht nur über den Verstand, es geht vielmehr noch übers Herz und so schwingt in den Konzerten viel mit und das ist einer der Schlüssel.

Das sind dann die großartigen Momente. Irgendwo habe ich gelesen, dass wenn ihr das empfunden habt, ihr euch jedes Mal umarmt habt oder euch in den Arm genommen habt auf der Bühne.
Ja, das war beim Kirchentag in Bremen 2009.

Weil dann die Emotion durchgeschlagen und auf Publikum übergegangen ist?
Ja genau. Das kann man nicht einstudieren. Wenn das in dem Moment empfunden wird, dann fusionieren wir mit dem Publikum. Das ist einfach ganz toll, das zu erleben.

Und wenn dann noch 40.000 Menschen mitziehen und sich alle in den Arm nehmen, dann ist ja alles gelungen.
Wenn Sie mal einen Wunsch frei hätten…

Sämtliche Atomkraft weg, überall.

 

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