Prof. Dr. Claudia Hübner

Staatsrätin für Demographischen Wandel und für Senioren im Staatsministerium

Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner
Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner im Gespräch mit Hanno Gerwin
Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie hat in Baden-Württemberg eine einzigartige Aufgabe: Claudia Hübner ist Staatsrätin für Demographischen Wandel und Senioren im Staatsministerium und für die CDU Mitglied in der Landesregierung. Die promovierte Juristin aus Balingen ist hauptberuflich Professorin an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg, das Amt der Staatsrätin für Senioren übt Prof. Dr. Hübner ehrenamtlich aus. Ein interessantes Modell, das die Stellung älterer Menschen in Baden-Württemberg verbessern helfen und das Land auf den bevorstehenden demographischen Wandel vorbereiten soll.

 

Frau Dr. Hübner, wann wird uns dieser demographische Wandel Ihrer Meinung nach mit voller Wucht erreichen?
In Baden-Württemberg verläuft der demographische Wandel durchaus sanfter und langsamer als im bundesweiten Vergleich. Das kommt daher, dass wir in Baden-Württemberg immer noch eine vergleichsweise hohe Geburtenrate haben, vor allem aber auch von der positiv ausfallenden Zuwanderungsbilanz, da sehr viele Menschen aus Norddeutschland, aber auch aus den Neuen Bundesländern nach Baden-Württemberg gezogen sind.

Wann genau werden wir deutliche Veränderungen spüren?
Die Bevölkerung in Baden-Württemberg wird bis 2011 noch leicht zunehmen, dann wird sie zurück gehen. Im Jahr 2050 werden wir dann insgesamt eine Million Einwohner weniger haben. Das entspräche zweimal Stuttgart.

Das ist eine ganze Menge.
Einerseits ja. Ich sag aber immer: Wir werden weniger, wir werden grauer, und wir werden bunter.

Warum bunter?
Das rekrutiert daraus, dass wir in der kulturellen und ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung Veränderungen haben werden. Bis zum Jahr 2010 wird jeder zweite unter 40 Jahren in den westdeutschen Großstädten einen Migrationshintergrund haben.

Viele Menschen unterliegen heute dem Jugendkult und wollen trotz Alter jung und dynamisch wirken. Wird diese Einstellung irgendwann kippen? Wird man die Vorteile älterer Menschen wieder entdecken?
Wenn heute jemand 60 Jahre alt ist, dann hat er natürlich 60 Jahre seines Lebens hinter sich, aber er hat vermutlich 30 weitere Jahre vor sich, die mit Sinnerfüllung ausgestattet werden sollen oder können. Das Alter wird also neu definiert werden, auch biologisch. Das Problem, das wir in der Bevölkerungsentwicklung haben, könnte man eher mit dem Wort „Unterjüngung“ beschreiben. Das heißt, dass wir zu wenig Kinder haben. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Gesellschaft, auf diese Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur vorzubereiten. Der demographische Wandel ist die Sichtweise von der Wiege bis zur Bahre. Ich möchte fast sagen, „vor“ der Wiege, denn wir müssen zunächst Rahmenbedingungen schaffen, die jungen Menschen Lust macht, was in die Wiege zu bekommen.

Wann darf man einen Menschen als alt bezeichnen, ohne unhöflich zu sein?
Überhaupt nicht. Das Blitzen der Augen und das Feuer des Geistes sind keine Frage des Alters. Wer eine Aufgabe hat, ist nicht alt. Wir haben ein Problem mit der Begrifflichkeit. Ich habe mir überlegt, dem politischen Begriff „Kinderland Baden-Württemberg“ im Zuge der Generationenverantwortung ein Pendant gegenüberzustellen, nämlich „Generationenland“, was für das Miteinander der Generationen und auch der Generationenverantwortlichkeit steht.

Früher war ein hohes Alter ein biblisches Alter. In der Bibel ist das hohe Alter ein Segen.
Meine Aufgabe sehe ich darin aufzudecken, was in den Senioren steckt, welche Potenziale brach liegen. Wir müssen umdenken. Wir müssen weg von einer „Schonungsphilosophie“, hin zu einer „Trainingsphilosophie“.

Wie ist Ihre eigene Einstellung zum Thema Christentum?
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich von meiner Erziehung, meinem Werdegang her diese Sicherheit und dieses innere Gerüst habe, dass es eine größere Ordnung gibt, als die, die wir sehen. Das ist eine Lebenshilfe, auf die ich immer zurückgreifen kann, wenn ich in schwierigen Situationen bin. Ich ertappe mich auch dabei, Verhandlungen mit dieser Instanz, mit diesem lieben Gott zu führen. Es ist mir einfach eine Lebenshilfe.

Für ältere Menschen spielt das Thema Religion oder auch der Glaube in der Regel eine stärkere Rolle als für junge Menschen. Spielt das Thema Glaube und ältere Menschen für Sie eine Rolle, beispielsweise dass Sie die Kirchen als Partner Ihrer Aufgaben sehen?
Auf jeden Fall. Die Kirchen sind ganz wichtige Partner, aber ich sehe alle gesellschaftlich relevanten Kräfte in der Verantwortung, ob es sich um die freien Träger handelt oder ob es Unternehmen sind, die Wirtschaft oder die Gewerkschaften.

Spielt es auch eine Rolle, älter Menschen auf den Tod vorzubereiten?
Es ist eine ganz wichtige Aufgabe, den Tod selbstverständlicher zu sehen und in das Leben mit einzubeziehen. Ohne Tod gibt es kein Leben. Leben und Tod bedingen sich gegenseitig. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir von der Tabuisierung von Tod und Leiden weg müssen. Es gibt beispielsweise die Hospizbewegung, das Schmerzmanagement und viele andere Bereiche, mit denen wir viel selbstverständlicher umgehen müssen.

Haben Sie selber Angst vor dem Tod?
Ich habe keine Angst vor dem Tod. Wie vermutlich jeder Mensch habe ich Angst vor dem Leiden, aber auch da kann ich auf meinen Glauben an eine höhere Ordnung oder Instanz zurückgreifen. Ich habe in meinem Leben soviel Gutes erfahren und soviel Glück gehabt, dass ich den Glauben als ein Gerüst sehe, auch in der Phase des Ende des Lebens. Wie es dann sein wird, weiß ich nicht.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ich habe keine Vorstellung von Fegefeuer, Bestrafung, dem jüngsten Gericht und dem Paradies, aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es für das Leben an sich mit dem Tod zu Ende sei. Eine nähere oder konkrete Vorstellung habe ich nicht. Aber ich glaube, dass es irgendwo etwas geben wird. Mit dem Tod, ist für mich die Vorstellung einer großen Harmonie, einer großen Ruhe und einem großen Aufgefangensein verbunden sein wird.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Dass es Frieden auf der Welt gäbe, keine Grausamkeiten mehr und Folter, dass das menschliche Leid, das so weit verbreitet ist, weniger wird.

 

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