† Joachim Fuchsberger

Journalist, Schauspieler, Moderator

Er hat die deutsche Film- und Fernsehgeschichte so geprägt, wie kaum ein anderer: Joachim Fuchsberger, Journalist, Schauspieler und Moderator - ist das Multitalent, der deutschen Film-, Theater- und Fernsehszene und über viele Jahrzehnte der Liebling der Zuschauer.
In rund 80 Filmen hat Joachim Fuchsberger (alias Blacky) mitgespielt, über 500 Fernsehsendungen hat er moderiert, fast alle großen Film- und Fernsehpreise hat er gewonnen.
Da waren die Edgar Wallace Filme in den 1960er und 70er Jahren, die unvergessenen Sendungen „Auf Los geht’s Los“ und schließlich die Sendungen über Joachim Fuchsbergers Wahlheimat Australien. Jetzt hat Blacky seine Erinnerungen herausgebracht: „Erstens kommt es anders...“. Hanno Gerwin führte das Interview im Herbst 2007, Joachim Fuchsberger verstarb im September 2014.

 

Joachim Fuchsberger, haben Sie gedacht, dass Ihr Leben ganz anders werden würde?
Joachim Fuchsberger: Na ja, wie jeder junge Mensch hat man Pläne. Man hat Vorbilder. Man hat einen eigenen Vater, dem man nacheifern möchte. Es gab eine Zeit, da wollte ich Pilot werden. Rennfahrer wollte ich auch werden, weil ich als Kind schon immer auf Formel 1 Rennen mitdurfte. Aber es kam dann immer anders.
Das oberste Kriterium für einen Wechsel war immer die Frage, ob mir etwas Spaß macht, ob es mich interessiert. So wurde ich Rundfunksprecher. Als ich gemerkt habe, was das für eine ungute Angelegenheit sein kann, habe ich gesagt: nein, da gehe ich auch wieder weg. Was ich mir ein Leben lang versucht habe zu erhalten, ist Unabhängigkeit.

Was war die größte Wendung, die für Sie vielleicht auch im Rückblick die überraschendste war?
Das ist sicherlich der erste große Film. Da wurde ich plötzlich mit etwas konfrontiert, wovon ich wirklich keine Ahnung hatte. Ich war Rundfunk- und Nachrichtensprecher beim Bayerischen Rundfunk, aber eine große Rolle in einem Film zu spielen, das war zu überraschend.
Paul May, mein Entdecker, sagte damals, ich brauche keinen, den jeder kennt, ich brauche keinen Star. Ich will einen haben, mit dem sich ungefähr sieben Millionen deutsche Soldaten identifizieren können. Der Film 08/15 wurde ein Riesenerfolg weltweit.

Wie hat der Erfolg auf Sie gewirkt?
Man gerät manchmal in Gefahr, so ein bisschen vom Boden abzuheben. Ich hatte aber das ungeheure Glück eine Frau zu finden, die immer einen imaginären Holzhammer bei sich hatte, mit dem sie mir aufs Hirn haute, in dem Moment, wo der Höhenflug begann.

Und das haben Sie sich auch immer gefallen lassen?
Ja, ich bin einer der leidenschaftlichsten Pantoffelhelden die man sich überhaupt nur vorstellen kann.

Die sind nicht oft verheiratet gewesen?
Meine jetzige Frau ist meine zweite Frau. Das ist aber auch eine meiner Lebenserfahrungen. Wie soll ein Mensch beurteilen, ob er Glück hat im Leben, wenn er kein Unglück hatte, wenn er nicht beide Seiten kennt. Das enorme Glück das ich hatte, indem ich die Frau gefunden habe, die jetzt seit 54 Jahren an meiner Seite kocht und redet und liegt und schläft und schimpft und mich berät.

Was ist das Geheimnis einer gelingenden Ehe? Können Sie mal einen Tipp geben?
Man darf den Respekt nicht verlieren, und man darf den Partner nicht als sein Eigentum betrachten.

Was war in Ihrem Leben ein Weg, wo Sie gesagt haben, das ist nicht das Richtige, da gehe ich wieder zurück? Oder gab es das gar nicht?
Eigentlich nicht. Es gab eine Zeit, in der ich versucht habe, wie man so schön sagt, ein zweites Bein auf die Erde zu kriegen, also noch einen anderen Beruf zu machen, um mich abzusichern, weil die Gunst des Publikums sehr schnell vergeht.

Sie sind eigentlich einer, den die Zuschauer immer geliebt haben.
Ja, ich habe sie auch nie betrogen meine Zuschauer.

Was heißt das?
Ich habe immer versucht mein Bestes zu geben und betrachte unsere Arbeit, die wir für das Publikum machen als eine Bringschuld. Wir sind gefordert das Maximale aus uns herauszuholen, weil das Publikum das verdient hat.

Sie schreiben am Ende Ihres Buches auch von gesundheitlichen Sorgen. Haben Sie Angst vor dem Tod?
Nein.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Nein, auch nicht.

Woran glauben Sie?
An das Jetzt. An das, was mich unmittelbar umgibt. Und ich glaube an das, was ich in mir fühle. Ich glaube an viele Dinge. Ich mache den Unterschied zwischen Agnostik und zwischen einem Atheisten. Ich glaube, dass ein Mensch der an nichts glaubt, gar nicht leben kann. Ich glaube zum Beispiel unverbrüchlich an die Liebe meiner Frau. An die Verantwortung der Zweisamkeit ,die wir seit 54 Jahren produzieren. Ich glaube an sehr viel, ich glaube an Freundschaft, ich glaube an diese sehr irdischen Dinge. Wir sind verantwortlich für das, was wir tun. Ich beneide die Menschen fast, die ihre Kraft und alles, was sie persönlich ausmacht, aus einem starken Glauben, ihren Glauben an Gott, beziehen, wenn sie ihn dort finden. Wunderbar.

Kennen Sie solche Leute?
Aber natürlich. Meine eigene Mutter war ein gutes Beispiel dafür. Meine Mutter hat zum Beispiel alles in die Hände Gottes gelegt und hat gesagt, er wird es schon richten.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?
Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Treue, Fleiß.

Eine Person wie Jesus Christus. Was halten Sie von der?
Ich spiele gerade im Augenblick die Rolle eines Papstes. Eines römisch-katholischen Papstes, wo versucht wird, den Menschen die Schwierigkeit aufzuzeigen, in der vornehmlich die römisch-katholische Kirche ist, weil sie auf ihren Dogmen basiert und auch darauf besteht.

Wie spielen Sie diese Rolle? Worauf legen Sie Wert?
Ich trage eine große Verantwortung, weil ich auf der anderen Seite sehe, wie entsetzlich es auf Menschen wirken kann, wenn man versucht, ihren Glauben zu zerstören. Plötzlich sagen sie, ja, jetzt haben wir etwas verloren, woran wir uns orientiert haben. Das darf man nicht tun.

Der Krieg hat sie sehr stark geprägt?
Wir waren ständig mit dem Tod konfrontiert und wussten nicht, ob wir in der nächsten halben Stunde noch leben. Da hat man keine Angst mehr vor dem Tod.

Aber das bedeutet auch eine gewisse Abstumpfung?
Nein, überhaupt nicht. Das ist eine Erkenntnis, die einen befreit. Wenn ich jetzt dasitze und sage, jetzt bin ich also bald 81 Jahre alt und ab jetzt habe ich ständig Angst vor dem Tod, dann tut mir ein Zahn weh, dann tun mir die Füße weh, dann kann ich nicht mehr richtig laufen, das ist ja scheiße. Nichts von alledem. Es ist mir eben auch wurscht, ob die Sonne scheint, oder ob es regnet. Ich wache auf und spüre die Hand meiner Frau neben mir und sage: fabelhaft, die schnauft noch, ich schnauf noch. Da ist mir doch wurscht, was da draußen für ein Wetter ist, oder?

Wenn Sie mal einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich bin wunschlos glücklich. Ich habe so ungeheuer viel Glück in meinem Leben gehabt, dass ich dafür nur große Dankbarkeit empfinde. Wenn ich gefragt werde, was wünschen sie sich, dann sage ich, dass ich noch lange Denken kann. Ja, da krieg ich nachher wieder eine auf die Rübe, aber ich sage es trotzdem: Ich wünsche mir, dass ich vor meiner Frau gehe, weil ich ohne sie ohnehin nicht leben könnte.

Joachim Fuchsberger, schönen Dank für das Gespräch.

 

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