Fools Garden

die „Beatles“ aus Baden-Württemberg

Melodiöser Gitarrenpop kennzeichnen Fools Garden, die Band aus Pforzheim. Mit dem Hit „Lemon Tree“ landeten sie ihren großen Erfolg: höchste Chartplatzierungen, in 45 Sprachen gecovert und in mehr als 40 Ländern veröffentlicht. Dann wurde es stiller um die Band aus Pforzheim. Im April 2003 trennte sich die Band nach 12 Jahren und formierte sich 2004 um die Gründungsmitglieder Peter Freudenthaler und Volker Hinkel neu. Geblieben ist ihren Songs die Sehnsucht nach einem sinnvollen, friedlichen und erfüllten Leben.

 

Es war 1996, als wir uns das erste Mal unterhielten. Was macht „Fools Garden“ jetzt anders als damals?
Wir haben inzwischen viel mehr Erfahrung im Musikgeschäft gesammelt. Eigentlich hatte sich die Band nicht aufgelöst, wir trennten uns lediglich von unseren ehemaligen Mitmusikern. Wir waren an einem Punkt, an dem es nicht mehr so richtig Spaß machte. Das grundlegende Ziel bestand darin, das tun zu dürfen, was uns viel Spaß machte. Als dieser Spaß verloren war sagten wir uns, ganz schnell handeln zu müssen und aufzupassen, dieses Boot nicht untergehen zu lassen, sondern mit einer neuen Besatzung wieder an den Start zu kriegen. Das haben wir dann auch geschafft.

Ging das friedlich? Trennungen finden ja oft auch im Streit statt.
Ja, es ging friedlich. Eine Trennung vollzieht sich meistens nicht von jetzt auf nachher, sondern entwickelt sich schon im Vorfeld.

In deinem Fall müsste man sagen, man lebt sich nicht, sondern man spielt sich auseinander.
Wir lebten uns auch auseinander. Jeder, der eine längere Zweierbeziehung hinter sich hat weiß, wie das ist. Man fängt an zu grübeln und spürt, dass man nicht mehr das bekommt, was man braucht und auch nicht mehr geben kann, was der andere braucht. Man macht sich mehr kaputt, als dass wir uns Gutes damit tun.

Eine Fünferbeziehung ist noch mal schwieriger, als eine Zweierbeziehung.
Ja. Man hat dann auch Gedanken wie „demokratische Einheit in einer Band“. Demokratie schön und gut, aber das funktioniert dann doch nicht immer.

Ihr könnt euch aber treffen, zum Beispiel in Pforzheim im Kaffee und sagen, komm!
Auf jeden Fall. Das ist zwar schon eine ganze Weile nicht mehr passiert. Mit dem Roland, unserem ehemaligen Keyboarder habe ich erst vor ein paar Wochen telefoniert. Wir wollten uns auf ein Bierchen treffen abends. Das wird aber immer schwieriger, im Privatleben ein bisschen Zeit freizuschaufeln, da er ein Kind hat und ich inzwischen auch drei Kinder habe. Auch mein Beruf nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, aber wir leben ja hoffentlich noch eine Weile.

Das wollen wir hoffen. Aber nun zur Musik: „Lemon Tree“ wurde in 45 Sprachen übersetzt, jeder kennt das Lied. Eigentlich kennt man nicht „Fools Garden“, sondern „Lemon Tree“ sage ich jetzt mal böse.
Ja. Neulich waren wir unterwegs im Auto und es lief „Lemon Tree“ im Radio. Meine Tochter rief: „Papa, dein Lied kommt! Gell, dein Lied ist unglaublich bekannt, gell du bist nicht so bekannt“, sagte sie dann. Ich dachte bei mir, Kinder und Narren sagen die Wahrheit.

Wie klingt eure Musik heute?
Das ist ganz unterschiedlich, eine Art Synchronphilosophie, fernab von allen Trends. Wir kümmerten uns nie darum, was gerade hip war. Wenn man versucht, so zu klingen wie das andere tun, rennt man immer einem Trend hinterher. Das war wohl auch das Geheimnis von „Lemon Tree“ vor zehn Jahren. In einer Zeit, in der nur Techno und Dance in den Charts eine Rolle spielten, sorgte dieses kleine Liedchen für soviel Aufsehen zwischendurch. Aber, wir haben damals schon ganz andere Sachen gemacht als „Lemon Tree“.

In Russland hattet ihr unheimlich viel Erfolg. Wie kommt das? Das ist doch ein ganz anderer Kulturkreis?
Weil die Russen einen unglaublich guten Musikgeschmack haben. Jeder, der schon mal in Russland war, spürt, dass ihm ein völlig anderes Lebensgefühl entgegenschlägt als in Mitteleuropa. Das haben wir vor ein paar Jahren schon festgestellt, als wir das erste Mal in Lettland und Litauen waren, wo die Menschen irgendwie noch ganz anders ticken als es bei uns hier der Fall ist. Da sind die Leute noch nicht so überschwemmt mit Konsum, mit täglichen Konzerten und Ausstellungen, Dorf- und Stadtfesten. Die Radiostationen spielen dort auch mal einen anderen Song außer „Lemon Tree“. Das ist sehr schön, wenn man live die Songs aus dem neuen Album singt, in einer Halle mit achttausend Leuten, die alle Songs mitsingen. Das ist schon ein unglaublich bewegendes Gefühl.

Du sagtest, „Lemon Tree“ ist etwas, das hat Bestand. Es gibt Dinge, die gehören zu einem, die sind unverrückbar. Woran glaubst du bei dir selbst, was gehört sozusagen zu dir, was du auf keinen Fall aufgeben möchtest?
Oh, jetzt wird's schwierig. Schon mein ganzes Leben lang bekomme ich zu hören: „Ach, der ist nett.“ - Ich kann natürlich auch anders, aber anscheinend habe ich wirklich etwas an mir, um stets als nett eingestuft zu werden. Es gab eine Zeit, da wollte ich nicht immer nur dieser nette, liebe sein. Inzwischen sag ich mir, lieber so als wenn alle Gegenteiliges sagen würden.
Dann bin ich vielleicht manchmal auch ein bisschen zu nachsichtig. Das wurde mir wohl mit in die Wiege gelegt. Ich bin jemand, der relativ vorurteilslos auf die Leute zugeht.

Wobei verstehst du keinen Spaß?
Na, wenn's um Ungerechtigkeiten in der Welt geht, schon im Kleinen, wenn es um Gewalt im Allgemeinen geht, Gewalt an Kindern, Gewalt im Krieg.

Wie ist es mit den zehn Geboten? Kennst du die?
Ich könnte sie nicht alle aufzählen. Klar kenne ich Du sollst nicht töten, Du sollst nicht ehebrechen, Du sollst nicht stehlen und, und, und. Ich glaube, die wurden automatisch in unserem Bewusstsein eingepflanzt. Sie sind bei mir, auch ohne die Bibel gelesen zu haben. Man hat so was wie ein universelles Bewusstsein, das einem sagt, was man darf und was nicht.

Willst du die Bibel nicht lesen oder hast du sie einfach noch nicht gelesen?
Ich hab schon ein paar mal angefangen, die Bibel zu lesen. Mich schreckte immer die Sprache ab, weil ich merkte, viele Sätze zweimal, dreimal lesen zu müssen und vom Satzbau und der Übersetzung her nicht ohne weiteres zu verstehen. Teilweise dann sicherlich auch auf Grund der zeitlichen Abstände, da die Bibel vor schon etwas längerer Zeit geschrieben wurde.

Die Texte gehen weit zurück. Die Bibel müsste man daher in einer modernen Sprache lesen.
Das ist aber auch ein generelles Problem in einer Gesellschaft im Bezug auf die Gesetzesgebung.

Du hast drei Kinder, bist aber bewusst nicht verheiratet? Warum nicht? Was stört dich daran?
Wir haben uns eigentlich nie gegen das Heiraten ausgesprochen. Unsere erste Tochter war nicht geplant. Sie kam zur Welt und wir sagten uns, zu Heiraten, nur weil wir ein Kind haben, wäre blöd. Wir hatten nicht vor zu Heiraten. Neulich sprachen wir zu Hause darüber. Da haben unsere Töchter, die sind jetzt zehn und acht, ganz heftig protestiert und gesagt: „Oh ne, wir wollen nicht das ihr heiratet!“ - Die finden es inzwischen ganz cool, dass ihre Eltern nicht verheiratet sind. Ich würde mich allerdings nicht dagegen wehren. Allerdings finde ich es auch ganz schön, dass wir's ohne diesen Trauschein solange gepackt haben. Es gibt so viele in unserem Bekanntenkreis, die plötzlich heirateten und inzwischen gar nicht mehr zusammen sind. Vielleicht liegt da auch ein gewisses Geheimnis drin. Ich weiß es nicht.

Betest du mit deinen Kindern abends?
Ja, nicht regelmäßig, aber wir beten schon zum lieben Gott, dass er auf sie aufpasst, und dass Annabelle, wenn sie mal Angst hat oder nicht schlafen kann, keine Alpträume kriegt. Gott ist eine unglaubliche schöne Hilfestellung, speziell für Kinder, die auch dieses Bild von Gott noch haben, durch wen auch immer vermittelt, das wir Erwachsene oftmals nicht mehr haben, das auch ich in diesem Sinne nicht mehr habe. Für Kinder ist es eine schöne Brücke, um ihre Herkunft und das Leben zu erklären, was Kinder auch brauchen.

Stimmt. Erwachsene auch.
Ja, als Kind ist man viel mehr an diesen Fragen dran. Ich sag das oft bei unseren Konzerten, weil sich ein paar unserer Lieder mit diesem Thema befassen. Ich habe soviel gelernt in meinem Leben, weiß über Chemie Bescheid, über Geschichte, Religion, Musik, habe aber immer noch die gleichen Fragen, wie ich sie als Kind hatte, fühle mich aber von den Antworten oftmals weiter entfernt als früher. Man muss immer flexibel sein, immer wieder andere Wege und Erklärungsmodelle finden. Vielleicht brauchen wir auch gar keine Erklärungsmodelle, sondern sollten das Leben in seiner Schönheit genießen und gar nicht alles hinterfragen, sondern bewusst durch die Welt gehen. Dann spürt man dieses göttliche Welt einfach.

Das hat auch ein bisschen mit Dankbarkeit zu tun. Wenn man diese göttliche Welt wahrnimmt, dann ist man auch dankbar dafür.
Auf jeden Fall.

Wenn du einmal einen einzigen Wunsch frei hättest, was würdest du dir wünschen?
Klingt das jetzt komisch, wenn ich sage, dass ich eigentlich wunschlos glücklich bin? Trotzdem würde ich mir wünschen, mit Menschen, die bereits gegangen sind, noch mal zu sprechen. Letztes Jahr starb mein Vater. Er war schon 87, hatte ein paar Ehen hinter sich und einige Kinder in die Welt gesetzt. Wir hatten ein sehr inniges, offenes Verhältnis und konnten über alles miteinander sprechen. Seit er weg ist, kommen mir trotzdem noch Dinge in den Kopf, wo ich mir sage, ach, das hätte ich ihn auch noch fragen sollen. Aber, vielleicht kommt das irgendwann mal.

 

Aktuell

Best of 500

Ruth-Maria Kubitschek, Wim Wenders, Udo Walz.

Best of 500

Roberto Blanco, Hartmut Engler und Steffen Wink, Hella von Sinnen

Best of 500

Jürgen von der Lippe, Sandra Maischberger, Jürgen Todenhöfer

Best of 500

Xavier Naidoo, Maybrit Illner, Winfried Kretschmann

2005: Franziska van
Almsick

Olympischer Schwimmstar


Weitere Interviews

Daniel Alter
Katrin Altpeter
Thomas Anders
Prinz Asfa-Wossen Asserate
Ayman
Seine Exzelenz Monsieur Anatole Bacanamwo
Joe Bausch
Rufus Beck
Volker Beck
Ben Becker
Dr. Günther Beckstein
Caroline Beil
Ben*Jammin
Prof. Dr. Ernst Benda
Dr. Christine Bergmann
Fredi Bobic
Wolfgang Bosbach
Jonathan Böttcher
† Pierre Brice
Fabian Bruck
Prof. Dr. Michael Buback
Frieder Burda
Geraldine Chaplin
Botschafter Daniel R. Coats und Marsha Coats
Luigi Colani
Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
Michael Degen
† Dr. Heinz-Horst Deichmann
Ulrich Deppendorf
Hauke Diekamp
Kai Diekmann
Pater Domenico
Albie Donnelly
Ray Dorset
Heike Drechsler
Burkhard Driest
Katja Ebstein
Dr. Ursula Engelen-Kefer
Hartmut Engler
Andreas Englisch
Andreas Eschbach
Dieter Falk
Veronica Ferres
Fil da Elephant
Gotthilf Fischer
Dr. Ulrich Fischer
Ottfried Fischer
Gotthilf Fischer
Axel E. Fischer
Joy Fleming
Jürgen Fliege
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Teflon Fonfara
Fools Garden
Dr. Peter Frey
Amelie Fried
Dr. Michel Friedman
Peter Friedrich
Andreas Fritzenkötter
† Joachim Fuchsberger
Jürgen Fürwitt, alias Jott
Galileo
Mario Galla
Cae Gauntt
Dr. Heiner Geißler
Dr. Heiner Geißler
Petra Gerster und Christian Nürnberger
Uschi Glas
Mario Gomez
Katrin Göring-Eckardt
Jürgen Gross
Friedlinde Gurr-Hirsch
Stefan Gwildis
Matthias Habich
Peter Hahne
Corinna Harfouch
Jimmy Hartwig
Dieter Thomas Heck
Gert Heidenreich
Ala Heiler
Hans-Olaf Henkel
Tony Henry
Ken Hensley
Eva Herman
High South
Dieter Hildebrandt
Klaus Hoffmann
Prof. Dr. Gertrud Höhler
Birgit Homburger
Christiane Hörbiger
Guildo Horn
Chris Howland
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. Claudia Hübner
Eddi Hüneke
Maybrit Illner
Janina and the Deeds
† Gottfried John
Jorginho
† Hellmuth Karasek
Volker Kauder
Brendan Keeley
Kathy Kelly
Kathy Kelly
Dr. Timm Kern
Dr. Katja Keßler
Arabella Kiesbauer
Ephraim Kishon
Matthias Kleinert
Prof. Dr. Guido Knopp
2003: Sebastian Koch
Juliane Köhler
Peter Kraus
Winfried Kretschmann
2011: Winfried
Kretschmann

Dr. Gabriele Krone-Schmalz
Ruth-Maria Kubitschek
Sven Kuntze
Heinz Rudolf Kunze
Leonard Lansink
Manfred Lautenschläger
Donna Leon
Hera Lind
Caroline Link
Joachim Llambi
Andrea Kathrin Loewig
Wolf Maahn
Paul Maar
2015: Motsi Mabuse
Roland Mack
2004: Peter Maffay
Kurt Salomon Maier
Sandra Maischberger
Marie-Luise Marjan
Tony Marshall
Marc Marshall & Jay Alexander
Carlos Martinez
Henry Maske
Maybebop Pop- Quartett
Gisela Mayer
Gerhard Meier-Röhn
Hans Meiser
Reinhold Messner
Meret Meyer
Middle of the Road
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther
Gary Mullen
Franz Müntefering
Xavier Naidoo
Dr. Rupert Neudeck
No Angels
Elisabeth Noelle-Neumann
Ulrich Noethen
Ingrid Noll
Normal Generation?
Chris Norman
Günther H. Oettinger
Mario Ohoven
Cem Özdemir
Peilomat
Phil
Hermann Poppen
Avi Primor
Seine Königliche Hoheit Bernhard Prinz von Baden
Johannes Rau
Heribert Rech
Maestro Gian Piero Reverberi
2000: Sir Cliff Richard
Sir Cliff Richard
Lars Riedel
Armin Rohde
Dr. med. Philipp Rösler
Claudia Roth
Dr. Norbert Röttgen
Wynton Rufer
Nina Ruge
Thomas Rühmann
Inga Rumpf
Barbara Rütting
Dr. Wolfgang Schäuble
Marco Schiefer
Schily
Rezzo Schlauch
Renate Schmidt
Ulla Schmidt
Doris Schmidts
Dr. Peter Scholl-Latour
Walter Scholz
Detlev Schönauer
Dietmar Schönherr
Birgit Schrowange
Martin Schulz MdEP
Alice Schwarzer
Ulrike Schweikert
Uwe Seeler
Florian Sitzmann
Werner Sonne
† Lothar Späth
Paul Spiegel
Walter Spindler
Willi Stächele
Rolf Stahlhofen
Thomas M. Stein
Bernd Stelter
Dr. Monika Stolz
Annika Strebel
2012: Christina Stürmer
Prof. Dr. Rita Suessmuth
Stephan Sulke
Jasmin Tabatabai
Horst Tappert
Erwin Teufel
The Temptations
Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Olaf Thon
Prof. Dr. Klaus Töpfer
Ulrich Tukur
Tomi Ungerer
Franz Untersteller MdL
Sir Peter Ustinov
2005: Franziska van
Almsick

Herman van Veen
Ute Vogt
Berti Vogts
Dr. Antje Vollmer
Dr. Ursula von der Leyen
Jürgen von der Lippe
Jürgen von der Lippe
Frhr. von Gemmingen-
Guttenberg

Wolf von Lojewski
Hella von Sinnen
Margarethe von Trotta
Beatrice von Weizsäcker
Florian Wahl
Prof. Dr. Norbert Walter
Udo Walz
2014: Udo Walz
Willi Weber
Konstantin Wecker
Prof. Peter Weibel
René Weller
Wim Wenders
† Guido Westerwelle
Urich Wickert
Heidemarie Wieczorek-Zeul
† Roger Willemsen
Ron Williams
Steffen Wink
Harald Wohlfahrt
Guido Wolf
Sydney Youngblood
Andrea Zangemeister
Joana Zimmer
Dr. Robert Zollitsch
Rolf Zuckowski
Brigitte Zypries