Matthias Habich

den exzellenten Schauspieler und renommierten Theaterdarsteller

Matthias Habich
Matthias Habich im Gespräch mit Hanno Gerwin

Matthias Habich hat die Schauspielerei von der Pieke auf gelernt. Er ist einer der renommiertesten deutschen Theaterdarsteller und ein sehr erfolgreicher Film- und Fernsehschauspieler. Für den Fernsehfilm "Das Urteil" bekam Habich den Grimmepreis. Sehr bemerkenswert agierte er in seiner Rolle in "Klemperer - Ein Leben in Deutschland". "Nirgendwo in Afrika" heißt der farbenprächtige Kinofilm, in dem Habich einen einsamen und klugen Mann spielte, einen jüdischen Abenteurer, der während der Zeit des dritten Reiches nach Kenia auswanderte.

 

In dem Film "Nirgendwo in Afrika" sind Sie der gute Freund, der zur Stelle ist, wenn man ihn braucht dem man sein Vertrauen schenkt und auf den man sich verlassen kann. Was bedeutet Freundschaft für Sie? Ist sie wichtig?
Ja selbstverständlich. Dieser Süßkind ist die ausgestreckte Hand, die ergriffen wird oder auch nicht. Er ist für einen da.
Für mich ist Freundschaft - wie wohl für jeden, bis auf ein paar, die es vorziehen, Eremiten zu sein - etwas ganz Wichtiges, etwas, was von Dauer ist, was man pflegen muss, was von längerer Dauer sein kann als Liebe. Auch die Liebe muss man pflegen, aber ich glaube Freundschaft ist das tägliche Brot der Seele.

Diese Freundschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie immer Distanz hat. Der Süsskind verschwindet zwar immer wieder, ist aber im richtigen Moment wieder da. In einer Szene läuft er Gefahr, dass er das Vertrauen des Freundes Walter missbraucht. Verträgt solches Freundschaft?
Das sollte sie. Ich finde Freundschaft und Liebe sollten nicht ausschließen sondern einbeziehen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass jemand akzeptiert, dass ein Freund der Geliebte seiner Partnerin ist. Das ist eine Frage des Common Sense. Im Grunde sollte Freundschaft Liebe mit einbeziehen.

Wodurch kann man Freundschaft kaputt machen? Was verträgt Freundschaft nicht?
Unaufrichtigkeit, Betrug. Falschheit, Eifersucht, Neid. Da gibt es einiges.

Wie reagieren Sie, wenn Sie enttäuscht werden?
Es kommt drauf an, von wem ich enttäuscht werde, wie groß die Enttäuschung ist.

Sind Sie ein Mensch, der leicht verzeihen kann? Oder sind Sie eher nachtragend?
Das müssten Sie die Menschen in meinem Umkreis fragen. Ich glaube, dass ich nicht nachtragend bin. Ich kann auch nicht lange zornig sein. Es ist ganz schwer mich in Rage zu versetzen, das dauert lange. Aber dann explodiere ich richtig.

Kann sich das auch legen?
Das legt sich relativ schnell. Ich halte es auch nicht aus, eine schlecht Stimmung über länger zu ertragen.

Sie sind nicht nachtragend?
Glaub’ ich nicht, nein. Ich pflege natürlich auch Feinde, die bewahrt man sich. Man muss auch Feindschaften pflegen.

Im Film geht's auch um Liebe. Die Hauptdarsteller stammen aus Nazideutschland und bekommen Asyl in Afrika. Sie als Fremder kennen sich hingegen schon gut aus. Die beiden anderen es schwer, zurecht zu kommen. Warum ist das so?
Sie haben schon zu Hause Schwierigkeiten gehabt, und die Fremde ist noch eine Herausforderung mehr. Sie hätten das wahrscheinlich gar nicht erkannt, wenn sie zu Hause geblieben wären. Es ja oft so, dass man mit Freunden oder Geliebten auf Reisen geht und es stellt sich heraus, es geht nicht miteinander. In einem geschützten Umfeld kommt es gar nicht erst zu diesem Prüfstand, zu dem es in der Fremde kommt.

Im Film gibt es eine Szene, in der sie das jüdische Brot brechen, wie ist ihre Einstellung zum Judentum?
Darüber möchte ich mich nicht auslassen. Dafür reicht mein Wissen einfach nicht. Ich kenne sehr viele jüdische Mitbürger und bin aufgewachsen in einer Familie, in der es viele jüdische Onkels gab, aber beschäftigt habe ich mich weniger damit. Ich bin sicher keiner, der den Zionismus begreift oder gar versteht.

Ist das Judentum eine Religion, die Ihnen sympathisch ist?
Riten haben ihre Bedeutung. Es gibt sie sogar in der Tierwelt. Es sind Bojen im Lebensmeer.
Im Menschen ist das Bedürfnis nach Transzendenz angelegt, gerade mit dem Bewusstsein, sterben zu müssen. Es ist schwer, damit fertig zu werden. Ich glaube auch, dass die einzelnen Religionen - ob Christentum, oder Hinduismus oder andere - sehr viel Gutes aber auch Schlechtes bewirkt haben. Hexenverbrennung, Inquisition...
Sie schufen zwar ethische Leitfäden fürs Leben, an den Grenzen richten sie jedoch Schaudern an. Wenn es einen Gott gibt, so offenbart er sich nicht nur einer Gemeinde, sondern allen auf der Welt. Von der Mikrobe bis zum Menschen sind wir dann Geschöpfe dieses Schöpfers. Und so ist es einfach dumm zu behaupten, dass er sich nur einem Volk offenbart. Dadurch entstehen dann die Konflikte.
Es sollte eine Weltreligion geben. Wenn wir an ein Jenseits glauben, dann gehört es allen.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Ich habe keine Vorstellung von Gott. Meine Religiosität ist sehr vermischt mit Aberglauben, also sehr kindisch. Z.B., dass ich mir den linken Schuh zuerst anziehe, weil ich glaube, es passiert mir irgendwas, wenn ich den rechten zuerst anziehe. Das gehört auch in diesen Bereich von unreifer Religiosität. Ab und zu benutze ich auch den lieben Gott, wenn's mir schlecht geht. Ich hab da ein ziemlich unreifes Verhältnis.

Beten Sie?
Das ist jetzt zu privat. Überhaupt sollte man sich zu Religion gar nicht äußern. Ich finde, das ist ein keusches Gebiet. Dadurch entstehen auch sehr viele Konflikte. Religion ist etwas sehr Persönliches und Individuelles und sollte so keusch behandelt werden wie Sex.

Aber Religion kann auch was Verbindendes sein. Es ist doch etwas, was die Menschen auf einer sehr hohen Ebene miteinander verbindet, wenn sie sich alle als Geschöpfe eines Schöpfers sehen
Wenn das mal gelingen sollte, dann gäbe es keinen Individualismus, es gäbe ein allgemeines Erkennen, dass wir alle eine geistige Quelle haben.

Im Film ist es doch auch möglich. Die Juden nehmen an einem afrikanischen Stammesritual teil und merken, da gibt es Gemeinsamkeiten in den Riten.
Ab und zu spürt man schon, dass da gewisse Gemeinsamkeiten sind, jedoch nicht lange und es kommt wieder zu Konflikten. Religion wird benutzt als Machtmittel.

Haben Sie Angst vorm Tod?
Meistens verdränge ich ihn. Man kann nicht leben und jeden Tag denken, ich werde sterben. Irgendwo ist uns ein Verdrängungsmechanismus eingeimpft, und wir halten uns alle für unsterblich

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ich habe keine Ahnung. Ich glaube nicht. Ich denke, da ist ein großes Nichts. Wenn ich tot bin, stelle ich mir vor, dass es dann so wie damals war, als ich ein Jahr alt war, oder wie es 1930 oder 1870 für mich war.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass ich drei Wünsche hätte und Ihnen dann aber nicht sagen, was ich mir wünsche.

Sie neigen zur Maßlosigkeit?
Nein, aber es könnte doch sein, dass ich mich beim ersten vertue und dann hätte ich noch zwei Wünsche.

 

Aktuell

Best of 500

Ruth-Maria Kubitschek, Wim Wenders, Udo Walz.

Best of 500

Roberto Blanco, Hartmut Engler und Steffen Wink, Hella von Sinnen

Best of 500

Jürgen von der Lippe, Sandra Maischberger, Jürgen Todenhöfer

Best of 500

Xavier Naidoo, Maybrit Illner, Winfried Kretschmann

2005: Franziska van
Almsick

Olympischer Schwimmstar


Weitere Interviews

Daniel Alter
Katrin Altpeter
Thomas Anders
Prinz Asfa-Wossen Asserate
Ayman
Seine Exzelenz Monsieur Anatole Bacanamwo
Joe Bausch
Rufus Beck
Volker Beck
Ben Becker
Dr. Günther Beckstein
Caroline Beil
Ben*Jammin
Prof. Dr. Ernst Benda
Dr. Christine Bergmann
Fredi Bobic
Wolfgang Bosbach
Jonathan Böttcher
† Pierre Brice
Fabian Bruck
Prof. Dr. Michael Buback
Frieder Burda
Geraldine Chaplin
Botschafter Daniel R. Coats und Marsha Coats
Luigi Colani
Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
Michael Degen
† Dr. Heinz-Horst Deichmann
Ulrich Deppendorf
Hauke Diekamp
Kai Diekmann
Pater Domenico
Albie Donnelly
Ray Dorset
Heike Drechsler
Burkhard Driest
Katja Ebstein
Dr. Ursula Engelen-Kefer
Hartmut Engler
Andreas Englisch
Andreas Eschbach
Dieter Falk
Veronica Ferres
Fil da Elephant
Gotthilf Fischer
Dr. Ulrich Fischer
Ottfried Fischer
Gotthilf Fischer
Axel E. Fischer
Joy Fleming
Jürgen Fliege
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Teflon Fonfara
Fools Garden
Dr. Peter Frey
Amelie Fried
Dr. Michel Friedman
Peter Friedrich
Andreas Fritzenkötter
† Joachim Fuchsberger
Jürgen Fürwitt, alias Jott
Galileo
Mario Galla
Cae Gauntt
Dr. Heiner Geißler
Dr. Heiner Geißler
Petra Gerster und Christian Nürnberger
Uschi Glas
Mario Gomez
Katrin Göring-Eckardt
Jürgen Gross
Friedlinde Gurr-Hirsch
Stefan Gwildis
Matthias Habich
Peter Hahne
Corinna Harfouch
Jimmy Hartwig
Dieter Thomas Heck
Gert Heidenreich
Ala Heiler
Hans-Olaf Henkel
Tony Henry
Ken Hensley
Eva Herman
High South
Dieter Hildebrandt
Klaus Hoffmann
Prof. Dr. Gertrud Höhler
Birgit Homburger
Christiane Hörbiger
Guildo Horn
Chris Howland
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. Claudia Hübner
Eddi Hüneke
Maybrit Illner
Janina and the Deeds
† Gottfried John
Jorginho
† Hellmuth Karasek
Volker Kauder
Brendan Keeley
Kathy Kelly
Kathy Kelly
Dr. Timm Kern
Dr. Katja Keßler
Arabella Kiesbauer
Ephraim Kishon
Matthias Kleinert
Prof. Dr. Guido Knopp
2003: Sebastian Koch
Juliane Köhler
Peter Kraus
Winfried Kretschmann
2011: Winfried
Kretschmann

Dr. Gabriele Krone-Schmalz
Ruth-Maria Kubitschek
Sven Kuntze
Heinz Rudolf Kunze
Leonard Lansink
Manfred Lautenschläger
Donna Leon
Hera Lind
Caroline Link
Joachim Llambi
Andrea Kathrin Loewig
Wolf Maahn
Paul Maar
2015: Motsi Mabuse
Roland Mack
2004: Peter Maffay
Kurt Salomon Maier
Sandra Maischberger
Marie-Luise Marjan
Tony Marshall
Marc Marshall & Jay Alexander
Carlos Martinez
Henry Maske
Maybebop Pop- Quartett
Gisela Mayer
Gerhard Meier-Röhn
Hans Meiser
Reinhold Messner
Meret Meyer
Middle of the Road
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther
Gary Mullen
Franz Müntefering
Xavier Naidoo
Dr. Rupert Neudeck
No Angels
Elisabeth Noelle-Neumann
Ulrich Noethen
Ingrid Noll
Normal Generation?
Chris Norman
Günther H. Oettinger
Mario Ohoven
Cem Özdemir
Peilomat
Phil
Hermann Poppen
Avi Primor
Seine Königliche Hoheit Bernhard Prinz von Baden
Johannes Rau
Heribert Rech
Maestro Gian Piero Reverberi
2000: Sir Cliff Richard
Sir Cliff Richard
Lars Riedel
Armin Rohde
Dr. med. Philipp Rösler
Claudia Roth
Dr. Norbert Röttgen
Wynton Rufer
Nina Ruge
Thomas Rühmann
Inga Rumpf
Barbara Rütting
Dr. Wolfgang Schäuble
Marco Schiefer
Schily
Rezzo Schlauch
Renate Schmidt
Ulla Schmidt
Doris Schmidts
Dr. Peter Scholl-Latour
Walter Scholz
Detlev Schönauer
Dietmar Schönherr
Birgit Schrowange
Martin Schulz MdEP
Alice Schwarzer
Ulrike Schweikert
Uwe Seeler
Florian Sitzmann
Werner Sonne
† Lothar Späth
Paul Spiegel
Walter Spindler
Willi Stächele
Rolf Stahlhofen
Thomas M. Stein
Bernd Stelter
Dr. Monika Stolz
Annika Strebel
2012: Christina Stürmer
Prof. Dr. Rita Suessmuth
Stephan Sulke
Jasmin Tabatabai
Horst Tappert
Erwin Teufel
The Temptations
Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Olaf Thon
Prof. Dr. Klaus Töpfer
Ulrich Tukur
Tomi Ungerer
Franz Untersteller MdL
Sir Peter Ustinov
2005: Franziska van
Almsick

Herman van Veen
Ute Vogt
Berti Vogts
Dr. Antje Vollmer
Dr. Ursula von der Leyen
Jürgen von der Lippe
Jürgen von der Lippe
Frhr. von Gemmingen-
Guttenberg

Wolf von Lojewski
Hella von Sinnen
Margarethe von Trotta
Beatrice von Weizsäcker
Florian Wahl
Prof. Dr. Norbert Walter
Udo Walz
2014: Udo Walz
Willi Weber
Konstantin Wecker
Prof. Peter Weibel
René Weller
Wim Wenders
† Guido Westerwelle
Urich Wickert
Heidemarie Wieczorek-Zeul
† Roger Willemsen
Ron Williams
Steffen Wink
Harald Wohlfahrt
Guido Wolf
Sydney Youngblood
Andrea Zangemeister
Joana Zimmer
Dr. Robert Zollitsch
Rolf Zuckowski
Brigitte Zypries