Mario Gomez

Bayern-Stürmer und Fußballnationalspieler

Mario Gomez ist Deutsch-Spanier und Schwabe durch und durch. Im oberschwäbischen Riedlingen im Donautal geboren, arbeitete sich Mario Gomez mit Fleiß, Energie und Talent nach oben. Heute spielt er beim FCBayern München und in der Nationalmannschaft. Der 1985 geborene Profifußballer, ist ein schneller Torjäger und ein heimatverbundener Mensch mit viel Familiensinn und einer großen Fußballerzukunft.

 

Mario Gomez, Sie sind Deutsch-Spanier und bekennender Oberschwabe. Wie passt das zusammen?
Das ist ganz einfach. Meine Mutter kommt aus Unlingen, Oberschwaben. Meine ganze Jugend habe ich in der Heimat verbracht. Ich fahr auch wöchentlich noch dort hin und bin sehr glücklich, von dort zu sein.

Aus welcher spanischen Region stammt Ihr Vater, aus einer Großstadt oder eher aus dem ländlichen Bereich?
Das Dorf, aus dem meine Großeltern und mein Vater stammen, ist noch kleiner als Unlingen. Sie kommen aus Anbujan, einem Dorf mit ungefähr 400 Einwohnern. Es liegt irgendwo am Rande der Sierra Nevada.

In Unlingen machten Sie ihre ersten Fußballversuche. Wie war es, als man plötzlich sah, dass Sie mehr konnten, als die Kicker, mit denen Sie von Kinderbeinen an gespielt hatten?
Ich habe immer viel dafür getan und wollte es auch immer. Mein Traumberuf als kleines Kind war nie Feuerwehrmann. Ich wollte immer schon Fußballer werden und war immer fixiert auf den Fußball, mit dem ich im Garten, zu Hause im Wohnzimmer alles Mögliche kaputtschoss. Ich bekam schon früh Angebote vom VfB Stuttgart, auch vom SSV Ulm, wollte aber erst nach dem Schulabschluss von zu Hause weg.

Fiel es Ihnen schwer, aus dem ländlichen Raum und dieser behüteten Umgebung nach Stuttgart und dann nach München zu ziehen?
Es fiel mir relativ leicht und hatte nur wenig Heimweh. Anfänglich war es eine große Umstellung, aber ich fuhr oft nach Hause, um meine Eltern und Kumpels weiterhin zu sehen.

Wann war der Punkt für Sie erreicht, an dem Sie merkten, dass Sie es schaffen würden?
Den Gedanken, dass ich es schaffen würde, hatte ich immer schon. Ich bin sehr positiv eingestellt und es ging kontinuierlich nach oben. Von Saulgau ging ich zum SSV Ulm, dann zum VfB Stuttgart. Dort war ich in der Jugendmannschaft sehr erfolgreich und schaffte recht schnell den Anschluss an die Profimannschaft.

Wie haben Ihre Auszeichnungen „Fußballer des Jahres“ oder „Deutscher Meister“ erlebt? Waren das Glücksmomente?
Man kann nicht in Worte fassen, was da passiert ist. Ich glaube, das werde ich erst realisieren können, wenn ich sechzigjährig mit meinen Enkeln auf dem Sofa sitze und darüber nachdenke, dann werde ich Gänsehaut bekommen. Momentan habe ich keine Zeit darüber nachzudenken. Es ging alles sehr schnell und war ein fantastischer Moment. Stuttgart erlebte noch nie eine solche Euphorie, wie an diesem Tag. 250.000 Leute waren auf der Straße, in der Innenstadt. Für zwei Kilometer Wegstrecke brauchten wir mit dem Autokorso fünf Stunden. Es war sehr faszinierend. Die Krönung war natürlich die Auszeichnung "Fußballer des Jahres".

War Ihre Familie an dem entscheidenden Tag im Stadion?
Ja, ich lud alle möglichen Leute ein und schöpfte die Möglichkeit aus, so viele Karten wie möglich zu bekommen.

Sie müssen ein guter Techniker sein und brauchen sehr viel Ehrgeiz. Aber welche Kraft hält Sie im Inneren zusammen? Welche Werte sind für Sie wichtig?
Ich weiß, woher ich komme, ich weiß, wer mir wichtig ist. Ich habe heute noch genau dieselben Freunde wie vor zehn Jahren. Es ist für mich von großer Bedeutung, dass mein Umfeld stimmt und ich mich zu Hause sehr wohl fühle. Wenn das nicht stimmt, kann es auch im Fußball nicht stimmen. Innerlich muss man ganz klar wissen, was man will.

Sie sind ein Fußballer, der nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit dem Kopf spielt.
Ja, ich bin keiner, der nur gegen den Ball treten kann, sondern verstehe auch, was Drumherum passiert. Ein Grund dafür könnte sein, dass ich aus Verhältnissen komme, in denen sich mein Vater wirklich alles sehr hart erarbeiten musste. Mittlerweile ist er in einer beruflichen Position, die nicht leicht zu erreichen ist. Das ist für mich natürlich auch eine Vorbildfunktion und war bereits in meiner Kindheit unheimlich wichtig.

Welche Rolle spielt für Sie die Religion?
Früher musste ich von meinen Eltern aus zur Kirche. Ich war sogar Ministrand. Mittlerweile kann ich die Kirche nur noch ganz selten besuchen, da wir an den Wochenenden spielen. Ich bin aber sehr gläubig.

Den Spaniern sagt man nach, sie seien ein sehr religiöses Volk und hingen auch sehr intensiv mit dem Herzen am Glauben. Sie wohnten früher am Fuße des Berges Bussen, der Heilige Berg Oberschwabens. Sind Sie auch ab und zu hinaufgestiegen zur dortigen Wallfahrtskirche?
Ja, früher sind wir oft sonntags oder auch an Weihnachten mit der ganzen Familie hochmarschiert. Von unserem Haus bis zur Wallfahrtskirche, sind es vielleicht zwei Kilometer Luftlinie. Das war unser Anlaufpunkt.

Es ist ja eine Marienwallfahrtskirche. Spielt Maria eine Rolle für Sie?
Wie gesagt, ich bin sehr gläubig. Ich glaube an etwas, das da oben ist, sonst hätte ich es sicherlich auch nicht so weit geschafft. Was da oben ist, darüber lässt sich streiten. Aber da ist etwas, woran ich ganz fest glaube.

Empfinden Sie dafür Dankbarkeit?
Ja, natürlich. Jedem von uns ist der Weg ein bisschen vorgezeichnet, und den muss man dann letztendlich selber gehen.

Beten Sie in kritischen Situationen, vielleicht auch vor schweren Entscheidungen?
Ich bete relativ wenig.

Wovor haben Sie Angst?
Ich bin ein Typ, der sich relativ wenig negative Gedanken macht. Negativen Einfluss brauche ich nicht, und deswegen denke ich gar nicht groß darüber nach.

Leiden die Familienbande unter Ihrer Karriere?
Ich verstehe mich mit meinen Eltern und meiner Schwester sehr, sehr gut. Das funktionierte bei uns von klein auf schon immer sehr gut, auch heute nach wie vor. Wir sind beide sehr fleißige Kinder. Meine Schwester ist sehr intelligent, sie studierte Architektur. Ich glaube, unsre Eltern sind sehr stolz auf uns zwei.

 

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