Stefan Gwildis

den souligen Entertainer der alten Schule

Stefan Gwildis
... im Gespräch
Stefan Gwildis im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er ist ein Entertainer der alten Schule mit Charme und Charisma – hochmusikalisch, mit souliger Stimme und Texten zum Nachdenken: sein ganzes Leben lang macht Stefan Gwildis Musik, singt und spielte bisher auf unzähligen Bühnen Gitarre. Der richtig große Durchbruch kam aber erst nach 20 Jahren. Stefan Gwildis ist ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, hartnäckig bei der Sache zu bleiben und nicht an seinen wahren Talenten zu zweifeln. Nur so stellt sich auch der Erfolg in Form musikalischer Anerkennung ein. Heute wird er sehr oft im Radio gespielt, die Konzerte sind bundesweit ausgebucht.

 

Stefan Gwildis, Sie haben schon soviel und schon so lange Musik gemacht und kennen wahrscheinlich mehr Bühnen als viele andere Musiker. Der Erfolg stellte sich aber erst jetzt so richtig ein. Was hat sich dadurch für Sie verändert?
Mein Album „Neues Spiel“ war der Schlüssel zu vielen Radiostationen. Seither prasselt vieles auf uns nieder, und das verändert.

Geraten Sie dadurch stärker unter Druck?
Wenn es Momente des Drucks gibt, dann wird’s auch immer Lösungen dafür geben. Es ist eine schöne Mischung, das Musizieren und das Privatleben. Denn ich bin nicht nur Musiker und Künstler, sondern auch ein stolzer Familienvater.

Sie sind Papa, Stiefpapa und Stiefopa.
Ja. Mit 17 Jahren verliebte ich mich unsterblich in eine Dame, die drei Kinder mit in die Ehe brachte. Diese Kinder haben mittlerweile auch schon wieder Kinder, allesamt Mädchen, die mich Opa nennen. Insofern bin ich schon Stiefopa. In zweiter Ehe kam mein eigener Sohn zur Welt.

Sind Sie ein treuer Mensch?
Ja. Diese Eigenschaft ist mir sehr wichtig und ich schätze sie auch sehr an den Menschen, die mich begleiten, im privaten wie auch im beruflichen Leben. Wenn man sich über Inhaltliches und Gefühlsmäßiges einig ist, dann gibt’s keinen Grund, den Partner zu wechseln oder neue, andere und neue Felder entdecken muss. Insofern halte ich die Treue für sehr, sehr wertvoll.

Welche Botschaft möchten Sie mit Ihren Liedtexten vermittlen?
Ich möchte das wiedergeben, was mir selbst oft wiederfahren ist. In meinem Leben hatte ich oft das Glück, Menschen zu begegnen und Freunde zu haben, die mir zur rechten Zeit, den rechten Tritt gaben und sagten: „Sieh zu, dass du weitermachst und lass‘ den Kopf nicht hängen. Diese Einstellung versuche ich auch weiterzugeben. Solches spiegelt sich in vielen Songs wieder, wie beispielsweise in „Irgendwas geht immer“.

Sie wollen Mut machen.
Ja, Mut machen und mitzuteilen, nicht zu resignieren, dass man flexibler wird als man ist und man aus den Bahnen raus kommt, in denen man sich bewegt.

Sie spielten in einem Gefängnis vor 100 Haftinsassen. Wie ist Ihr Verhältnis zu Außenseitern unserer Gesellschaft?
Wenn wir Begriffe wie „Freiheit“ verwenden, müssen wir auch darüber nachdenken was es heißt, wenn uns diese Freiheit entzogen wird, wenn hinter uns vier-, fünfmal abgeschlossen wird.

Ging es Ihnen darum, Leute, die am Rande der Gesellschaft stehen in besonderer Weise zu erreichen?
Ja, das auch. Die Direktorin des Gefängnisses sagte: „Die Menschen sind hier, um eine Strafe zu verbüßen, nicht mehr und nicht weniger. Sie sollen dafür nicht belohnt, aber auch nicht weiter bestraft werden.“

Wie ist Ihre Einstellung zur Kirche?
Mein Vater fragte mich, als ich im Konfirmationsalter war, ob ich konfirmiert werden möchte. Als ich herumdruckste, fragte er weiter, ob ich konfirmiert werden wolle, um ein Moped zu bekommen. Natürlich wollte ich ein Moped haben, und das sagte ich ihm mit der Hand auf dem Herz. Und er sagte: „Wenn du ein Moped haben willst, brauchst du dich dafür nicht konfirmieren lassen.“ – Das Interessante damals waren die Themen im religiösen und spirituellen Bereich, beim Pastor Dorn. Ich beteiligte mich an fast jedem Konfirmationsunterricht, im Gegensatz zu anderen Kindern. Aber ich fand die Kirche als Institution überhaupt nicht akzeptabel, so größtenteils heute immer noch. Ich bin bis heute nicht getauft, finde aber religiösen und spirituellen Themen sehr wichtig, und sie verfolgen mich. Trotzdem suche ich immer wieder Kirchen auf. In den Kirchen der Schwarzen wird etwas zelebriert, was sehr viel mit Respekt, Toleranz und Demut zu tun hat, und einen ganz wichtigen Schuss Freude besitzt. Das ist etwas, was mir fehlt, wenn ich beispielsweise in den Kölner Dom gehe, wo ich diese Wucht fühle, die auf mich erdrückend und niederschmetternd wirkt.

Was genau spricht Sie im spirituellen Bereich an?
Es geht im Wesentlichen um die Schöpfung, woher wir kommen. Dann geht es natürlich auch um christliche Grundwerte, wie sie gelebt und praktiziert werden.

Beten Sie?
Ja, aber nicht in der Form, wie man Gebete kennt. Ich nehme oft Kontakt mit Wesen auf, die über mir sind. Ich habe glücklicherweise sehr viel in der Natur zu tun. Wann immer ich Zeit habe, gehe ich raus und beschäftige mich mit diesen Elementen.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ja.

Wenn Sie ein Bild vom Leben nach dem Tod malen würden, wie sähe es aus?
Ich weiß, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, aber in welcher Form, das kann ich nicht sagen. Ich glaube an Seelen, die wandern und ich glaube auch manchmal Menschen zu treffen, bei denen ich das Gefühl habe, dass es alte oder Seelen sind. Manchmal glaube ich, den Unterschied zu erkennen.

Wovor haben Sie Angst?
Ich habe Angst vor Fanatismus und fürchte mich vor der damit verbundenen Ignoranz und Intoleranz. Mir graut vor Anschlägen hier, in diesem Land, weil ich befürchte, dass es hier sehr rückschreitende Auswirkungen haben könnte, dass zerstört wird, was von echter Toleranz und von Akzeptanz geprägt ist. Wenn man es mit einer multikulturellen Gesellschaft ernst meint, müsste vielmehr dafür getan werden.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass man mehr dafür tut, dass die Menschen zusammenwachsen können.

Können Sie mit der Musik was dazu beitragen?
Ja, ganz bestimmt. Darum mache ich sie auch. Es macht es mir großen Spaß, in eine Halle zu kommen, in der Menschen stehen, die vielleicht noch wenig voneinander wissen, mit ihnen zu musizieren und zusehen, dass man am Ende eines Abends quasi eine „Gemeinde“. Das ist großartig und macht Spaß.

 

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