Mario Galla

Top-Model

Mario Galla ist eines der erfolgreichsten männlichen Models in Deutschland. Seit seiner Geburt hat der 27-jährige Hamburger ein stark verkürztes Bein und trägt eine Prothese. Im Gespräch mit Hanno Gerwin spricht Mario Galla über das Leben mit einer Beinprothese und seine ungewöhnliche Berufswahl.

 

Von Heidi Klum haben wir alle gelernt, dass Models vor allen Dingen richtig laufen können müssen und, dass viele verschiedene Arten gibt, falsch zu laufen. Wie haben Sie das richtige Laufen mit Ihrer Prothese gelernt?
Da ich grundsätzlich humple, spielt das Ganze bei mir keine große Rolle. Ich gebe mir natürlich Mühe, mein Humpeln so gut wie möglich zu verbergen. Generell gibt es darüber hinaus den Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Models, wobei männliche Models viel lässiger gehen können und keinen bestimmten Gang haben müssen, wie es bei Frauen der Fall ist. Das kommt mir natürlich gelegen. Teilweise muss man als Mann in seinem Alltagsgang gehen, oder auch mal marschieren. Das hängt von der Show ab und wird einem kurz vorher mitgeteilt. Auf den Gang wird bei Männern weniger Wert gelegt, als bei Frauen.

Da Sie hinter einer Art Theke standen, konnte man Ihr Bein als Sie entdeckt wurden, nicht sehen. Wie war der Entdeckungsmoment, als Ihr Bein bemerkt wurde?
Im ersten Moment hat die Person, die es gesehen hat, irritiert geguckt. Ich erklärte ihm, dass ich eine Prothese habe und diese zum Gehen benötige. Natürlich war es auch für mich ein sehr aufregender Moment, als ich mich vor einer fremden Person entblößen musste. Ich wollte mich auch keinen Illusionen hingeben und es einfach versuchen, selbst wenn es danach vorbei gewesen wäre.
Aber diese Besonderheit wurde einfach als etwas Neues betrachtet. Für mich selbst war in dem Moment viel wichtiger, dass ich davon ausgegangen war, generell nicht als Model arbeiten zu können. Ich wusste nicht, welche Typen in diesem Business gefragt sind und glaubte, dass meiner es nicht ist. Von der Kopf- und Körperform habe ich einfach nicht geglaubt als Model arbeiten zu können. Aber, dass gerade dieser spezielle Look – die blonden Haare, die blauen Augen- zu der Zeit sehr gefragt war, war mir nicht bewusst.

Sie haben sich quasi selbst als Model entdeckt. Wie war dieser Moment für Sie?
Als ich die Chance, von der Agentur aufgenommen zu werden, hatte ich mein erstes Shooting, das unbezahlt gemacht wurde. Dieses Shooting macht man lediglich um Bilder für die Mappe zu sammeln. Dabei dachte ich „Warum mache ich das eigentlich, ohne dafür bezahlt zu werden?“. Während und nach dem Shooting habe ich gemerkt, wie viel Spaß ich daran hatte. Ich sah es nicht als Arbeit an, sondern vielmehr als Spaß, an diesem kreativen Prozess teilhaben zu können, mit diesen Leuten unterwegs zu sein und etwas Unkonventionelles tun zu können. Dazu muss ich sagen, dass ich damals in der Ausbildung beim Norddeutschen Rundfunk war und dort acht Stunden am Tag im Büro saß. Dazu war das Modeln eine super Abwechslung und gleichzeitig ein sehr starker Kontrast. Ich habe gemerkt, dass ich diese Arbeit lieber mache, als die Arbeit, die ich in diesen täglichen acht Stunden sonst mache. Aus diesem Grund war ich bereit viel Zeit und Energie in die Modelarbeit zu investieren. Das hat sich für mich zum Traum entwickelt. Es war früher nie mein Traum Model zu werden aber als ich die Chance erhielt und bemerkte wie viel Spaß ich daran hatte, hat es sich über die Zeit zum Traumberuf entwickelt.

Sie sind sehr erfolgreich in Ihrem Beruf. Würden Sie sich als talentiert bezeichnen?
Ob ich talentiert bin, müssen andere beurteilen, jedoch kann ich soweit bestehen, da ich noch gebucht werde und genügend Jobs habe. Daher gehe ich davon aus, etwas richtig zu machen. Ob ich es toll mache und an manchen Tagen vielleicht nur mittelmäßig – das ist eine andere Frage. Auf jeden Fall mache ich es so gut, dass ich zumindest bestehen kann. Für mich ist das Wichtige, mit etwas, das mir Spaß macht, Geld verdienen zu können.

Die Modelbranche ist eine eitle Branche, in der vermutlich viel Konkurrenzdenken herrscht. Ob jemand nun schöner ist, den besseren Job hat oder mehr Geld verdient, Konkurrenz und Eitelkeit spielen häufig eine bedeutende Rolle. Wie gehen Sie damit um?
Man muss das Ganze mit einer gewissen Distanz sehen und sich innerhalb dieser Branche ein dickes Fell anschaffen, sodass man ab und an Enttäuschungen abprallen lassen kann.

Eventuell sind Sie in diesem Punkt stärker als andere, da Sie schon in Ihrer Kindheit häufig ins Krankenhaus mussten, die Prothese anpassen lassen mussten, sportlich vielleicht nicht mithalten konnten und daher härter trainieren mussten. Sind das Dinge, die Ihnen mehr Kraft gegeben haben?
Sicherlich sind das Dinge die mir mehr Disziplin und Ehrgeiz gegeben haben. Auf jeden Fall gelingt es mir, mich gut auf neue Situationen vorbereiten zu können, teilweise in dem Maße, dass ich andere übertreffen kann. Ich arbeite hart an mir und verfolge die Ziele, die ich vor Augen habe. Früher im Basketballtraining wollte ich beispielsweise nie der Letzte beim Sprint sein. Dafür habe ich ein oder zwei Extratrainingseinheiten eingelegt. Das war immer mein Anspruch.

Wurden Sie als „behindert“ empfunden?
Nein. Natürlich gibt es einzelne Situationen, in denen es offensichtlich ist, aber generell nehme ich mich selbst als normale Person wahr, da diese Behinderung immer ein Teil von mir war und ich so geboren und aufgewachsen bin. Ich wurde diesbezüglich zu einem selbstbewussten Menschen erzogen und gehe selbstbewusst auf Menschen zu. Somit vermittele ich anderen, meine Behinderung nicht als Problem anzusehen, wodurch sie selbst auch zu diesem Schluss gelangen.

Welcher Aspekt in der Erziehung Ihrer Eltern hat sich besonders positiv auf diese Sichtweise ausgewirkt?
Meine Eltern haben mir erlaubt, mich selbst auszuprobieren und genau wie alle anderen Kinder auf Bäume zu klettern und vielleicht auch einmal runterzufallen, sodass die Prothese gelegentlich repariert werden musste. Man ärgert sich in solchen Momenten, jedoch ist das kein Grund auf diese Dinge zu verzichten und zuhause zu bleiben. Diese Einstellung hatten sowohl meine Mutter als auch mein Vater. So konnte ich mich immer frei ausprobieren, obwohl es auch andere Situationen gab, z. Bsp. dass ich aufgrund meiner Gleichgewichtsprobleme erst spät Fahrrad fahren lernte. In solchen Situationen versucht man Alternativen zu finden, indem man etwa statt dem Fahrrad fahren im Maisfeld Verstecken spielen wollte.

Sind Sie auf diese Weise reifer geworden als andere Gleichaltrige?
Auf eine gewisse Weise wurde ich selbstständiger, da ich kreativer wurde und mir oft einen Plan B überlegen musste, um mit bestimmten Situationen anders umgehen zu können.

Sie zitieren in Ihrem Buch John F. Kennedy: „Bete nicht für ein leichtes Leben, sondern dafür, ein stärkerer Mensch zu sein.“. Wofür beten Sie?
Ich bete definitiv dafür, ein stärkerer Mensch zu sein, in jeder Situation stark zu bleiben und mich nicht unterkriegen zu lassen. Und dafür, an meinen Träumen arbeiten zu können.

Wie ist Ihre generelle Einstellung zu Religion?
Ich bin kein wirklich religiöser Mensch. Ich denke ab und zu, dass es irgendwas gibt, jedoch mache ich das nicht an einer bestimmten Religion fest. Ich bin zwar evangelisch getauft, aber ich glaube fest an das Schicksal.

Aufgrund Ihrer Erfahrungen haben Sie vielleicht einen stärkeren Bezug zu Werten als andere. Zum Beispiel dürfte Gerechtigkeit eine wichtige Rolle spielen, wenn man ein Handicap hat.
Ich weiß niht ob es von meiner Behinderung rührt, aber ich bin generell ein Mensch, der ein starkes Gerechtigkeitsempfinden hat. Ich möchte, dass jeder gerecht behandelt wird, selbst andere gerecht behandeln, und selbst ebenfalls gerecht behandelt werden. Es kann sein, dass mein Handicap dabei unterbewusst eine Rolle spielt.

Wie würden Sie Ihre eigenen Kinder, wenn Sie welche hätten, erziehen?
So, wie meine Mutter mich erzogen hat: Offen und selbstbewusst. Ich habe noch nicht viel Erfahrung mit Kindererziehung, jedoch denke ich dass diese Art der Erziehung angebracht ist.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?
Von mir aus, kann alles so bleiben, wie es bisher ist. Im Grunde wünsche ich mir, es weiter nach oben zu schaffen. Beruflich wünsche ich mir weiterhin Erfolg, etwa eine große Kampagne. Privat ist mir Gesundheit das Wichtigste. Einfach ein glückliches Leben.

 

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