Franz Untersteller MdL

Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft

Seit 2011 ist Franz Untersteller Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft im Land Baden-Württemberg. Bereits seit 1983 hat er die Grünen in der Umwelt und Energiepolitik beraten. Seit 2006 ist er Minister der grünen Fraktion in Baden-Württemberg und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende an der Seite von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

 

Herr Minister, Sie haben sich heute eine kleine, aber feine Ausstellung angesehen: „Umwelt findet Stadt“. Es geht darin um die belebte Natur in dicht besiedelten Städten. Was hat Ihnen an dieser Ausstellung besonders gefallen?
Erst einmal die Präsentation, wie es präsentiert wird, aber auch das man sich diesem Thema in einer Ausstellung widmet. Ich finde was die letzten 10 Jahre stattfand, fand weitgehend unbemerkt von uns allen statt, nämlich das Tier- und Pflanzenarten in urbane Gebiete einwandern und das hat zwei Gründe. Zum einen nämlich das ihre ursprünglich angestammten Lebensräume knapper werden, auch zerstört werden durch Zersiedelung bzw. ausräumen unserer Landschaften, zum Zweiten aber natürlich auch durch unser vieles reisen weltweit. Wir bringen neue Arten, gewollt oder ungewollt, mit in unsere Städte. Diese siedeln sich dann an, sei es Tierarten oder Pflanzenarten. Die ganze Ausstellung hat eine ganze Reihe von Aspekten und ich finde diese richtig gut dargeboten. Ich glaube, dass das eine tolle Initiative unserer Akademie ist.

Früher hat man gespottet, wenn Leute einerseits die Natur, aber auch das Städtische wollten. Es hieß: „Vorm Haus die Straßenbahn und hinter dem Haus den Waldrand“. Inzwischen sind wir auf einem Weg, auf dem Natur und Globalität enger zusammenrücken. Wie sehen Sie das?
Es ist uns gelungen, in den letzten Jahre vermehrt Grünflächen in unsere Städte zu bringen. Das erfolgt nicht zuletzt der Umwelt und des Umweltgedankens zuliebe. Es ist auch eine Chance, Arten in unsere Städte zu bringen. Das gilt auch für industrielle Brachflächen oder Gleisflächen. Man macht sich in der Regel nicht viele Gedanken darüber, dass solche Flächen zum Teil sehr artenreich sind und, dass man dort sowohl viele Tierarten als auch Pflanzenarten findet. Diese Ausstellung ist eine Chance zu demonstrieren, was in unseren Städten geschieht. Außerdem ist es durchaus eine Chance für Bewohnerinnen und Bewohner der Städte oder Kommunen verstärkt daran zu arbeiten, mehr Lebensräume für selten gewordene Arten zu schaffen.

Sie waren vor Kurzem beim Umweltbeirat der evangelischen Landeskirche in Baden und haben dort die kirchliche Arbeit in Sachen Umwelt- und Klimaschutz gelobt. Warum?
Ich halte den Kontakt mit allen großen Kirchen. Nicht nur mit der evangelischen, sondern auch mit der katholischen Kirche. Die großen Kirchen und deren Mitglieder sind in Zusammenhang mit den Veränderungen die wir im kommenden Jahr benötigen, wie etwa die Energiewende und der Klimawandel sehr wichtige Akteure sind. Sie sind sensibilisiert. Im Mittelpunkt steht die Bewahrung der Schöpfung und diesbezüglich sind die Mitglieder in den Gemeinden natürlich sehr wichtige Akteure und Ansprechpartner. Um die Ideen bezüglich der Energiewende und des Klimawandels in den kommenden Jahren umzusetzen, brauchen wir die Gemeinden - sowohl die der evangelischen, als auch die der katholischen Kirche und der anderen großen Kirchen hier im Land. Aus diesem Grund, werde ich mich auch in den kommenden Jahren regelmäßig bei solchen Gelegenheiten, sei es der Umweltbeirat der evangelischen Landeskirche in Baden oder in Württemberg oder sei es in den katholischen Kirchen- sehr engagieren. Ich bin selbst Mitglied der katholischen Kirche. Wenn es Möglichkeiten gibt, Initiativen zu unterstützen, besteht mein Angebot, das was ich machen kann, auch zu machen.

Sie haben es ja selbst gesagt: „Bewahrung der Schöpfung“. Die Kirche und die Christen, haben schon sehr früh nicht von Natur und Umweltschutz gesprochen, sondern von Bewahrung der Schöpfung. Sie haben im Grunde genommen einen biblischen Hintergrund gesehen. Was sagt Ihnen dieser Begriff?
Sowohl was Pflanzen betrifft, als auch was Tiere betrifft haben wir eine riesige Artenvielfalt in unserer Landschaf. Gerade in solch dicht besiedelten Regionen wie Baden-Württemberg erleben wir in den letzten Jahrzehnten in einigen Bereichen zunehmend eine Artenverarmung. Unsere Landschaft wird teilweise ausgeräumt. Streuobstwiesen zum Beispiel sind im Grunde prägend für unsere Landschaft. Wir erleben jedoch zunehmend, dass diese Streuobstwiesen entweder unzureichend gepflegt werden oder sogar zerstört werden, um Flächen durch Baugebiete in Anspruch zu nehmen. Das hat einerseits Folgen für das Landschaftsbild. Andererseits muss man wissen, dass Streuobstwiesen der Biotoptyp mit der höchsten Artenvielfalt sind. Auch hier geht wieder Lebensraum verloren. Das sind Themen, die meiner Ansicht nach gerade bei den Gemeinden der katholischen oder evangelischen Kirche präsentiert werden sollten, wobei auf Möglichkeiten hingewiesen werden sollte, die die Gemeindemitglieder haben. Es ist sehr wichtig, solche Strukturen zu erhalten. Mir persönlich ist es ein sehr wichtiges Anliegen dafür zu werben, solche Landschaftsstrukturen zu erhalten und auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die Gemeindemitglieder haben. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Die Artenvielfalt als Schöpfung zu bezeichnen ist eine grundsätzliche Entscheidung, die ein gelebtes Christentum und einen gelebten Umweltschutz widergibt.
Das ist kein Zufall. In der Umweltbewegung Deutschlands, die mittlerweile etwa 35 Jahre alt ist, waren die großen Kirchen von Beginn an engagiert. Auch in der Auseinandersetzung um Whyl, spielten sowohl die evangelischen Kirchen, als auch die katholischen Kirchen eine große Rolle. Der Umweltbeirat der Badischen Landeskirche ist in der Folge von Whyl gegründet worden und ist mittlerweile 35 Jahre alt. An diesem typischem Beispiel kann man sehen, wie sehr die großen Kirchen engagiert sind. Auch in den Auseinandersetzungen um die Stadtbahn-West in Frankfurt haben die evangelischen Pfarrer eine ganz große Rolle gespielt. Es gibt zahlreiche ähnliche Beispiele.

Sie arbeiten mit Ihrem Ministerium für die Zukunft bezüglich des Klimaschutz, der Energiewende und des Umweltschutz. Wie könnte diese Zukunft in 50 Jahren bestenfalls aussehen?
ich hoffe, dass es uns in 50 Jahren gelungen ist, den Klimawandel halbwegs in Grenzen zu halten. Wir werden erleben, dass wir eine durchschnittliche Erwärmung in unserer Region bekommen. Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass mit den Maßnahmen, die wir eingeleitet haben und im kommendem Jahr voran bringen wollen, gelingt, konventionelle Energien durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Darüber hinaus hoffe ich, dass es uns gelingt, Energieeffizienz zum tragendem Thema zu machen und unabhängiger von Energieimporten zu gestalten, sodass wir in unserer Region eine Wertschöpfung erhalten. Ich glaube, dafür lohnt es sich, sich einzusetzen. Wir sollten auch andere motivieren, sodass nicht nur mein Ministerium, sondern auch sie diesen Weg mitgehen. Spinnt man das Ganze weiter, werden Sie feststellen, dass damit letztendlich auch interessante Jobs für die Zukunft zusammenhängen. Ich bin davon überzeugt, dass Technologie-interessierte Unternehmen davon profitieren werden. Für mich sind die kommenden vier Jahre in der Legislativperiode in erster Linie eine riesige Chance, die mir aber auch Spaß macht.

Sie erwecken nicht den geringsten Eindruck des schlimmen Horrorszenario, das oftmals Sachen Klimaentwicklung gezeichnet wird.
Wir stehen hier natürlich vor einer riesigen Herausforderung, die im zwei-Grad-Ziel besteht. Die Durchschnittstemperatur sollte nicht mehr als zwei Grad zunehmen. Es ist möglich, das bis zum Jahre 2050 zu erreichen. Letztendlich werden wir es nur erreichen können, wenn es uns gelingt, in industriellen Regionen wie Baden-Württemberg, die Kohlendioxidemission um 90 % zu reduzieren. Das bedeutet eine völlig andere Form der Energieversorgung, eine völlig andere Form der Wärmebereitstellung und eine völlig andere Form der Mobilität. Wir haben vier Jahrzehnte Zeit, um dieses Ziel zu erreichen. Das ist eine riesige Herausforderung aber auch eine riesige Chance. Man könnte das als „dritte industrielle Revolution“ bezeichnen. Ich sage immer: „Wenn ein solch hochtechnisiertes Land wie wir, dieses Ziel nicht erreichen kann, dann wird es niemand erreichen.“ Darin besteht die Herausforderung, der wir uns stellen sollten.

 

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