Ayman

den erfolgreichen deutschsprachigen Pop-Newcomer

Ayman
Ayman im Gespräch mit Hanno Gerwin
Ayman im Gespräch mit Hanno Gerwin

Ayman ist der erfolgreichste deutschsprachige Pop-Newcomer des Jahres 2001. Dafür bekam er beim Echo in Berlin zwei Awards und für sein Debütalbum "Hochexplosiv" den Platinstatus.
Ayman hat eine sehr gefühlvolle und ausdrucksstarke Stimme, mit der er interessanterweise Jugendliche, aber auch Ältere in seinen Bann zieht. Er stammt von tunesischen Eltern ab und spricht zudem neben deutsch auch fließend englisch und französisch.

 

Wenn von deiner musikalischen Karriere die Rede ist, dann spricht man stets vom "Newcomer", vom "Senkrechtstarter". Es ging alles unheimlich schnell. Wann hast du für dich dein musikalisches Talent entdeckt?
Eigentlich schon ziemlich früh. Mit elf, zwölf, dreizehn Jahren fing ich an, mich für bestimmt Musikstilrichtungen wie Hip Hop aber auch arabische, orientalische Musik zu interessieren. Dann hat es sich Stück für Stück entwickelt.

Seid ihr eine musikalische Familie?
Nicht so, dass wir sagen, wir sind Vollblutmusiker. Wir haben wie andere Familien auch viel Musik gemacht und viel gesungen.

Was muss man machen, um Popstar zu werden?
In erster Linie muss man einen starken Willen haben. Man muss auch spüren, dass man sich von der Musik angezogen fühlt, dass man Musik machen möchte und man muss vor allem sehr viel Geduld haben. Ich wollte jeden Tag Musik machen und irgendwann kam es von ganz alleine.

Man muss auch ehrgeizig sein!?
Der Wille allein reicht wohl nicht. Man muss schon davon besessen sein, um es wirklich zu schaffen, denn sonst verliert man den Mut, und mit einem Mal hat man nicht mehr die Energie.

Haben dich andere unterstützt und gefördert? Oder war es eher ein Alleingang?
Bis zu dem Zeitpunkt, als die ersten Produzenten kamen, hat mich so gut wie keiner gefördert. Für jeden in meinem Umkreis war es natürlich ein Traum, der weit entfernt war. Viele haben auch nicht dran geglaubt und sagten: „Ach, lass’ ihn mal. Der wird schon sehen, dass es nicht so einfach ist.“ Ich war besessen und habe es immer wieder versucht. Ich musste negative Erfahrungen machen, und trotzdem war dies mein Weg, den ich gehen wollte. Letztlich kam die Unterstützung erst dann, als ich die Produzenten kennen gelernt habe.

Auf deiner CD „Hochexplosiv“ ist eine Danksagung enthalten. Da bedankst du dich ausdrücklich bei Gott für dein Talent. Warum?
Ich glaube, man braucht sich nur umzuschauen. Es gibt Menschen, die können singen und dann gibt es Leute, die fühlen kein bisschen Musik. Gerade weil es Menschen gibt, die unterschiedlich Musik fühlen, würde ich sagen, dass ich meine Stimme, mein Talent von Gott bekommen habe.

Wie stellst du dir Gott vor?
Ich würde sagen, Gott ist niemand, den man sehen kann, Gott ist eigentlich überall. Gütig ist er auf jeden Fall. Ich habe sehr viel Pech gehabt, lange vor meiner Musikkarriere und dann kam das Glück einfach. Deswegen denke ich, es muss einen Gott geben.

Bist du religiös erzogen worden?
Mit Sicherheit! Jedoch nicht so extrem, wie sich das viele Menschen vorstellen, wenn sie hören, dass ich muslimischer Tunesier bin. Wir sind nicht mehr und nicht weniger intensiv beschäftigt mit dem Islam als andere Familien. Es ist bei mir so, dass ich in Berlin geboren und aufgewachsen bin. Zwischendurch habe ich in Tunesien gelebt. Die Familie war wirklich darauf bedacht, dass wir die Traditionen mitbekommen, Richtlinien und Regeln des Islams, z.B. den Ramadan. Okay, ich bin ehrlich: Ich habe nicht jeden Ramadan gefastet, weil es beruflich nicht ging. Für mich ist es wichtig, dass ich im Herzen Moslem bin. Da ich weiß, was ein Moslem ist oder was seine Werte sind, reicht dies völlig für mich aus. Ich muss es nicht nach außen hin zeigen.

Wie lebst du deine Religion im Alttag?
Eigentlich lebe ich sie kaum. Man kann sie nicht irgendwie leben. Es sei denn, ich bete 5 Mal am Tag, dann muss man sich vor dem Beten auch waschen. Einmal im Leben sollte man nach Mekka pilgern. Für mich ist das alles ziemlich weit entfernt.

Gebete spielen dennoch eine große Rolle?
Nicht täglich. Erst wenn man merkt, ich habe Probleme, dann betet man. Wie bei anderen auch.

Gibt es Kontakte zu Christen auch unter Musikern?
Natürlich ich habe gute Kontakte zu Xavier Naidoo. Man merkt es ihm auch an, er ist sehr überzeugt, sehr weise. Sein Glaube gibt ihm die Kraft, diese Ruhe auszustrahlen und andere Menschen zu bewegen. Er hat mich auch schon durch seine Persönlichkeit beeinflusst, gerade weil wir musikalisch aus der gleichen Richtung kommen.

Siehst du viele Verbindungen zum christlichen Glauben?
Ich sehe die Verbindungen zu jedem Glauben, ob es das Judentum, der Islam oder der Buddhismus ist. Es wird meistens versucht nach außen zu bringen, dass ein guter Mensch ein göttlicher Mensch ist, der irgendwann einmal im Paradies landet. Das ist die Message, die jeder Glaube rüberbringt.

Auf deiner CD bedankst du dich außerdem bei deiner Familie. Welche Rolle spielt sie für dich?
Familie ist für jeden Menschen wichtig. Wenn man zusammen kommt, lebt man auf. Das gibt Rückhalt. Man kann einer Familie mehr vertrauen, als irgendjemand anderem. Ein Mensch, der keine Familie hat, muss alleine alle Probleme lösen.

Womit kann man dich kränken?
Wenn man die Familie beleidigt. Wenn man versucht, mein Leben zu zerstören. Wenn es mir gut geht, dann geht es meiner Familie auch gut. Geht’s mir schlecht, geht es der Familie auch schlecht. Jede Mutter, jeder Vater macht sich Sorgen um die Kinder.

Wovor hast du Angst?
Vor unheilbaren Krankheiten.

Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hättest?
Auf jeden Fall Frieden auf Erden. Ich hoffe, dass sich die Religionen in Zukunft verstehen, dass es nicht so harte Konflikte gibt, wie sie in letzter Zeit passiert sind. Das bringt die Menschheit durcheinander. Gibt es weiter solche Konflikte, dann wird es nicht einfach sein, von Land zu Land zu fahren, um andere Sitten kennen zu lernen. Das ist etwas, was ich mir wünschen würde. Und dann natürlich Gesundheit. Ohne Gesundheit kann man nichts mehr machen. Nicht klar denken, fortbewegen und in Richtung Zukunft sehen.

 

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