Klaus Hoffmann

Liedermacher und Schauspieler

Ende der 1960er Jahre tingelte der Liedermacher, Schauspieler und Buchautor Klaus Hoffmann in seiner Heimatstadt Berlin durch die Szenenkneipen und sang. Danach ließ er sich zum Schauspieler ausbilden und bekam sofort Engagements an der Freien Volksbühne in Berlin und am Hamburger Thalia Theater. Bei Film- und Fernseheproduktionen räumte er den Bambi und die Goldene Kamera ab. Ununterbrochen machte er Musik und interpretierte den belgischen Chansonnier Jacques Brel. Seit 2000 schreibt Klaus Hoffmann Romane. Unlängst stellte er seine Biographie vor: „Als wenn es gar nichts wär - Aus meinem Leben“.

 

Herr Hoffmann, Sie haben an den unterschiedlichsten Orten – vor allem aber immer wieder in Berlin – unheimlich vieles erlebt, und dann sage Sie lapidar: „Als wenn es gar nichts wär“?
Naja, das ist gar nicht so kokett gemeint. Der Titel entstammt einem Lied, das ich vor zehn Jahren geschrieben habe. Es beinhaltet die Geschichte, auch meine Geschichte, eines Typen, der als Kind anderen Kindern aus dem Nichts heraus Geschichten erzählt. Er etabliert sich und verliert mit der Zeit das, was er mal hatte – nämlich dieses staunende Kind zu sein. Das fand ich so prägnant, dass ich dachte, das ist genau das Richtige. Es ist auch jetzt das Richtige. Mein Weg ist, wieder wie ein Kind auf einem Hocker zu stehen und Geschichten zu erzählen.

Da steckt viel Reflexion drin. Was macht den Sinn des Lebens Ihrer Meinung nach aus?
Die Antwort darauf enthält vieles: Was bewegt dich? Wo kann der Wille wirklich noch geschehen? Ist es „Dein Wille geschehe“? Ist es mein Wille?

Mitte der 70er Jahre bin ich kometenartig mit der Karrierenummer „Die neuen Leiden des jungen W.“ aufgestiegen. Ich konnte mit ganz großen Regisseuren arbeiten, bis hin zu Ingmar Bergman. Es gab auch tolle deutsche Regisseure, die für mich Vatervertreter waren. Mein Vater starb als ich zehn Jahre alt war. Ich war sehr getrieben von dem amerikanischen Wunsch, mich als Schauspieler und Sänger zu zeigen. Im Thalia Theater in Hamburg habe ich dann gesagt: Es geht so nicht mehr. Denn die Inszenierungen wurden schlapper, der Hoffmann wurde schlapper. Ob ich über die Mattscheibe lief oder ein Anderer – das war an sich nicht mehr so wichtig. Ich musste und wollte mich für den Sänger entscheiden. Das hab ich dann 40 Jahre lang gemacht. Die Hildegard Knef sagte mal zu mir, ich solle einfach diese Bühne bespielen, so wie ich es im Sinn hatte.

Sie haben ihr Leben eben auch auf eine Glaubensaussage bezogen: „Dein Wille geschehe.“ – Dieser Satz aus dem Vaterunser bedeutet, sehr aktiv zu sein. Das kann man Ihnen bestimmt nicht absprechen. Allein damit komme ich jedoch nicht an dem für mich vorgesehenen Ziel an?
Es gibt beispielsweise Punkte des Ehrgeizes, bei denen du gegen die Wand läufst, bei denen ich immer wieder gegen die Wand lief. Und diese Besoffenheit, in den Medien herumzutigern, um zu sehen, was bin ich wert. Das bringt nichts. Ich muss stattdessen einen eigenen Wertebegriff entwickeln, der für mich gilt, und ich muss mich auch diesem „ich will“ unterordnen. Das ist nicht mehr nur vom Kopf bestimmt, von meinen Verkaufszahlen oder von der sogenannten Erfolgsquote.
Ich war zweimal in Afghanistan. Das hänge ich jetzt mal raus, obwohl es ein Leidensweg war rüttelte es an meiner Urkraft, diesem: „Warum machst du eigentlich Kunst?“
Ich wusste früher nie, was Kunst ist. Damals wollte ich mich nur zeigen. Ich wollte ein Wort entwickeln und dabei musste ich einer kreativen Strömung folgen. Ich greife gerade das Wort „glauben“ ein wenig ab. „Glaube, Liebe, Hoffnung“ bedeuten dass du etwas wirst, was du immer warst.

Wahrscheinlich können Sie gar nicht anders?
Ich kann schon auch anders, aber ich nutze jetzt die Zeit, um zu werden, was ich bin. Und es steht nicht immer nur in unserer Macht, das zu formen.

Beten Sie auch das Vaterunser?
Ja, ich habe es wieder entdeckt, auf der Bühne. Ich hab es mir geschnappt und habe es öffentlich gemacht, damit ich es verstehe. Die Bühne, die verdammte Dritte Welt, gab mir immer die Erste. Da war und bin ich zu Hause.

Und wie war das dann mit dem Vaterunser beten in der Öffentlichkeit?
Ich wollte erst mal den Leuten provokant auch was um die Ohren hauen. Ich war immer sehr befangen, was die Gottesfrage angeht. Ich wandte mich aber immer mehr und mehr in meiner Stille einem großen Geist zu. Meine Lieder sind voll mit Motiven aus dem Alten Testament.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Er ist vielleicht eine unsichtbare, wabernde Materie, die uns umgibt – feinstofflich.

Diese kann man aber schlecht mit „Vater“ ansprechen.
Da muss man aufpassen, weil dieser „Vater“ bei mir eine persönliche Geschichte hatte, zu dem ich aufsah, weil er so groß und mächtig war. Später hab ich Ersatzfiguren bei den Schauspeilern gesucht. Auch wenn mein Vater so eine quakende Großmutter hatte, die ihm die schlimmsten Stellen aus dem alten Testament um die Ohren haute, ist er doch ein Glaubensmensch gewesen. So auch meine Mutter eine streng erzogene Preußin.

Was ist das wichtigste, das Ihnen Ihr Vater mitgegeben hat? Zehn Jahre sind keine lange Zeit. Aber bei Ihnen noch sehr präsent, das merkt man.
Ich kehre ihn ein bisschen raus. Als wenn es gar nichts wäre, konnte er die Dinge aus dem Stand heraus. Ich habe ihn idealisiert und kopiert. Er war ein großer Erzähler, wie Mark Twain und Charles Dickens. Die Geschichten mündeten dann bei mir, als er noch lebte.

Glauben Sie an Leben nach dem Tod?
Da müssten Sie mir mal eine Menge darüber erzählen, denn ich glaube das leider noch nicht so.

Aber könnten Sie sich vorstellen, dass Sie einfach ganz und gar aufhören, bloß weil ihr Körper nicht mehr mitmacht?
Das glaube ich nicht. Ich habe ja immer viel über die Menschen gejammert, die mich verließen. Das ganze Buch ist voll von Toten. In jedem Interview versammele ich sie um den Tisch: „Herzlich willkommen!“
Ich habe gemerkt, dass die Liebe die Freiheit ist, die wir suchen, die ich suche. Aber wie geht es dann weiter? Wir plaudern zu wenig darüber. Wir packen es unter Okkultismus und Stühle rücken und so weiter. Dabei ist das das beste Thema: Wie geht es weiter?

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich wünsche mir momentan noch mehr Zeit. Mit dem Älterwerden habe ich kein Problem, jedoch mit dem Verabschieden und mit der Frage, was passiert danach. Es ist ja nicht so, dass ich meinen Körper nicht verehre, auch in nicht narzisstischem Sinne. Er dient mir und ich muss ihm dienen, damit wir über die Bühne kommen. Sich damit zu versöhnen, finde ich sehr schwer. Aber vielleicht ist es auch sehr beruhigend, älter zu werden. Wir müssen ja einen positiven Abschluss finden.

 

 

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