Ulrike Schweikert

Erfolgsautorin

Die in Schwäbisch Hall geborene Schriftstellerin Ulrike Schweikert machte zunächst eine Banklehre und war im Wertpapierhandel tätig, bevor sie Wertpapiere gegen Buchseiten eintauschte.Seitdem schreibt sie Romane, phantasievoll und historisch korrekt. Das macht sie mit großem Erfolg, denn sie begeistert ein Millionenpublikum. In ihrem neuesten Roman, „Das kastilische Erbe“, stehen zwei Frauen im Mittelpunkt, die in verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Welten leben und doch sehr viel gemeinsam haben. Frauenschicksale sind der Stoff, der in Ulrike Schweikerts Geschichten eine große Rolle spielt.

 

Von Herbert Grönemeyer gibt es das Lied "Wann ist ein Mann ein Mann" mit jeder Menge Informationen, wann ein Mann ein Mann ist. Wann ist für Sie eine Frau eine Frau?
Eine Frau ist eine Frau, wenn sie sich bewusst ist, dass sie als Frau leben darf und wenn sie ein Leben in ihrem Sinne gestalten kann, ohne sich zu verstellen und ohne männlich sein zu müssen. Das wäre meines Erachtens die falsch verstandene Emanzipation, sich den Männern anzugleichen. Ich denke, die Frau muss ihre eigenen Stärken leben können und damit anerkannt werden.

Widmen wir uns den Frauen aus Ihrem neuesten Roman. Was zeichnet diese aus und warum verstehen die beiden sich?
Eine der beiden ist Journalistin. Das liegt mir nahe, ich habe ja auch mal im Journalismus gearbeitet. Sie hat die natürliche Neugierde, die Journalisten auszeichnet, und sie möchte in der Geschichte forschen. Sie erbt ein Anwesen in Kastilien und geht der Geschichte des Anwesens nach. Die Geschichte der zweiten Frau spielt im 15ten, 16ten Jahrhundert, zurzeit der Königin Isabel die Katholische und deren Hofdame, die mit der modernen Figur in dieser Familiengeschichte verbunden ist. Die beiden waren sehr resolute und sehr selbstbewusste Frauen, die das Mögliche in ihrer Zeit für sich und für ihre Umgebung erreicht haben.

Die historische Person hat der der neuzeitlichen, die sie entdeckt hat, etwas mitzuteilen. Hat das denn noch die gleiche gesellschaftliche Gültigkeit, damals wie heute?
Die persönlichen Dinge ja. Die politischen und die Glaubensbedingungen waren anders. Das wird in meinem Roman etwas aufgeweicht, weil ich davon ausgehe, dass es mehr gibt, als unser Verstand begreifen kann. Im Glauben ist das ja schon immer so, aber auch in magischen Dingen. Es gibt mehr zwischen den Menschen, mehr Erfahrungsaustausch, als wir heute mit den normalen Sinnesorganen vielleicht wahrnehmen. In meinem Roman steckt auch Fantasy mit drin. Ich glaube nicht an alles, was in dem Buch beschrieben ist.

Was glauben Sie?
Ich glaube, dass wir nur an einem bestimmten Punkt unseres Verstandes und unserer Erkenntnis sind und dass es in vielen Jahren wieder ganz andere wissenschaftliche Erkenntnisse geben wird. Das sieht man, wenn man einen Blick zurück in die Geschichte wirft. Damals sagten die Menschen: „Das ist Fakt, und so muss es sein!“ – Hundert Jahre später dachte man dann schon ganz anders. Darum muss man auch die Vorstellung jenseits des Begreifbaren zulassen.

Nicht jeder sagt, ihm sei diese Dimension bekannt. Sie kennen diese Dimension jenseits des Begreifbaren?
Es gibt Erfahrungen, die man nicht beschreiben oder erklären kann. Meine Vorfahrin beispielsweise, eine Urgroßtante, hatte den Zeitpunkt des Todes ihres Mannes gespürt. Er ist im Krieg gefallen, und in diesem Moment stand sie da, ließ das Geschirr fallen und sagte: „Jetzt ist ihm was passiert!“ Es war nachweislich – in diesem Moment wurde er im Krieg tödlich verwundet. Das sind Dinge, die kann man sich mit der heutigen Wissenschaft auch nicht erklären.

Sie machen etwas sehr Spannendes: Sie tauchen in die alte Zeit ein, die sie sehr genau recherchieren – das hat auch richtig was mit historischer Arbeit zu tun – und dann schreiben Sie so, dass der Mensch von heute unheimlich viel mitnehmen kann. Er wird ja nicht nur unterhalten, sondern auch angeregt, über Zusammenhänge nachzudenken. Auch die Bibel ist ein Buch, das vor langer Zeit geschrieben wurde. Trotzdem gibt es Menschen, die die Bibel heute mit großer Bewegung und großer innerer Anteilnahme lesen. Hat es miteinander zu tun, dass bestimmte Wahrheiten zeitlos sind?
Was ist die "Wahrheit"? Jeder hat seine eigene Weltsicht und seine eigene Wahrheit. Es ist ganz wichtig, dass jeder diese Wahrheit haben darf. Darin liegt vielleicht das Geheimnis der Freiheit, dass wir uns selbst weiterentwickeln und forschen können, um zu sagen, das ist jetzt meine Sicht. Es ist aber auch ganz wichtig zu wissen, dass viele Grundprinzipien und viele Grundbedingungen im Lauf der Zeit nicht geändert haben. Vieles, was den Menschen damals wichtig war in ihrem Leben, ist den Menschen heute genauso wichtig. Früher waren die Menschen auch auf der Suche und wollten wissen, wo sie herkommen, wie’s weitergeht, warum sie leben und wie sie leben. Diese Fragen zu stellen und darauf Antworten zu suchen, ist wohl zeitlos.

Vertrauen, Liebe, Glaubwürdigkeit sind Werte, die schon immer wichtig waren.
Das war den Menschen damals wichtig und ist es heute.

Vielleicht liegt darin das Geheimnis historischer Romane. Losgelöst von dem, was einen täglich bedrängt, können sie eine besondere Bedeutung haben.
Heute schauen wir auf die fremden Kulturen um uns herum. In den Büchern richten wir den Blick gerne auf die Kulturen früherer Zeitalter. Wir sehen Menschen, die Bedürfnisse hatten. Im Gegensatz zu den heute eher individuell ausgerichteten Menschen, mussten sie früher im Kollektiv funktionieren. Es waren beispielsweise ganz andere Dinge entscheidend, um sich als Paar zusammenzutun. Die Gefühle und die Liebe waren eher nachrangig. Trotzdem gab es diese Gefühle, nur wurden sie anders ausgelebt. Die Rahmenbedingungen waren früher zwar anders, aber die Grundbedürfnisse und Grundwesenszüge der Menschen sind auf Dauer gleich geblieben.

Was fasziniert Sie so sehr an der Vergangenheit, dass Sie sich in diese Zeiten hineindenken? Sie könnten ja auch ganz modern schreiben, dann bräuchten sie diese ganze Recherche nicht und es wäre trotzdem ein spannendes Buch.
Es ist vielleicht diese Reiseneugier. Ich reise sehr gerne und schau mir andere Länder an. Ich reise aber auch gerne in die Geschichte und schau mir andere Kulturen an. Am meisten interessieren mich dabei die Umbruchzeiten, in denen etwas ganz Neues, ganz Spannendes passiert ist, Zeiten, in denen sich die Menschen neue Erkenntnisse aneigneten und ihre Art zu leben änderten, weil sich die politischen Verhältnisse wandelten. Auch änderten sich wissenschaftliche Erkenntnisse, weil die Kirche an Einfluss dazugewonnen oder verloren hatte. So fanden beispielsweise Grausamkeiten statt, weil viele von der Inquisition überzeugt waren, unbedingt diese Glaubensreinheit wahren zu müssen und Wege zu gehen, die sich später als falsch herausgestellt haben.

Sie haben sich immer wieder mit der Kirche beschäftigt, beschäftigen müssen, weil sie in der Historie eine ganz große Machtinstitution war. Hat sich Ihr eigenes Verhältnis zur Kirche dadurch verändert?
Zu der Institution Kirche, vor allem der katholischen Kirche, ja. Da stelle ich sehr, sehr vieles in Frage und lehne auch sehr vieles ab. Aber mein persönlicher Glaube hat sich dadurch nicht geändert, wobei der natürlich mit vielen Fragen durchsetzt ist. Denn wenn man solche Themen wie Hexenverfolgung oder Inquisition aufarbeitet, fragt man sich unwillkürlich, warum all das zugelassen wurde. Warum gab es so viel Leid – gibt es heute immer noch – und warum sind die Menschen untereinander so wahnsinnig grausam? Es übersteigt manchmal die Vorstellungskraft und das, was man ertragen kann, wenn man zum Beispiel die Akten von Hexenprozessen liest. und die Motivation, die dahinter steht, erkennt, nämlich, dass es manchmal gar kein Glaubenseifer war, sondern eine Möglichkeit, um an Geld heranzukommen, beispielsweise für einen Schlossbau. Es wurden ein paar Hexen verbrannt und deren Vermögen eingezogen.

Wie beantworten Sie sich die Frage, warum die Menschen untereinander so grausam sind?
Diese Frage kann ich mir nicht beantworten. Ich kann höchstens sagen: Gut, dem Menschen wurde der freie Willen gegeben, und das ist das Ergebnis, damit müssen wir Menschen jetzt selber klar kommen. Früher richtete man Fürbitten an die Heiligen, die doch dann bei Gott bitteschön ein gutes Wort einlegen sollten, er solle da und da helfen. So funktioniert es eben nicht.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Dass die Menschen zu diesen Grausamkeiten nicht mehr fähig sind.

Das wäre eine schöne Welt.
Vielleicht aber doch nicht. Vielleicht wäre dann die Freiheit, sich zu entwickeln, zu sehr eingeschränkt. Das weiß ich nicht. Die Freiheit der Entwicklung ist mir aber manchmal zu destruktiv.

Das wäre doch ein schönes Fantasy-Thema. Schreiben Sie doch mal von einer Welt, in der das Böse nicht mehr vorkommt. Das fände ich toll.
Darüber kann ich mir mal Gedanken machen, ja.

 

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