Katja Ebstein

Schlagerstar mit Klassikfaible

Die Sängerin hat eine klassische Gesangsausbildung und wurde 1965 entdeckt. Sie ist in ihrer Chansonkarriere die Frau mit den langen rotblonden Haaren geblieben. Dreimal nahm Katja Ebstein am Grand Prix Eurovision für Deutschland teil. 1970 und 1971 erreichte sie den dritten Platz, 1980 wurde sie Zweite. Ansonsten hat sich für Katja Ebstein im Laufe der Zeit sehr viel verändert: Am Anfang ihres Erfolgs standen Schlager wie "Wunder gibt es immer wieder". Weiter ging´s mit Chansons und Musicals. Heute spielt Katja Ebstein außerdem erfolgreich Theater. Mit dem Album „Wilde Rosen und andere Träume“ ging sie von 2010 bis 2012 auf Tournee. Derzeit arbeitet sie an einer neuen Platte und ist auf Schlager-Tour unterwegs und engagierte sich im Frühjahr 2013 für das Thema Organspende auch politisch.

 

Katja Ebstein - seit Ihrem 14. Lebensjahr lieben Sie Heine, sind Sie ein treuer Mensch?
Ja, wen ich mal adoptiert habe, dem bin ich sehr treu.

Was fasziniert Sie an Heine?
Irgendwo kommt er mir manchmal vor wie ein Alter Ego. Natürlich von mir zu ihm gewählt, weil er in seiner Themenwahl, und in Allem, was Menschen betrifft, sicher neugierig war. Er hat nichts ausgelassen zu beschreiben, was er an sich erfährt oder an sich erfahren hat. Bei anderen eben auch zu beobachten und dann darüber seine entsprechenden Gedichte oder Prosa oder was auch immer, Bemerkungen zu machen. 

Ist das Interesse an Menschen auch was für Sie gilt?
Ja, mich interessiert der Mensch sehr.

Und was sehen Sie, wenn Sie sich die Menschen angucken?
Ich sehe alles was die Welt reflektiert. Ich sehe all das Auf und Ab, was ich an mir erlebe auch bei anderen, in den vielen verschiedenen Facetten ihrer Möglichkeiten. Und ich sehe, dass wir eine so lange Linie haben - die sehe ich mal als Durchmesser durch den Erdball gehend - und vom Negativpol bis zum Pluspol haben wir alle Möglichkeiten. 

Hat das jeder Einzelne von uns?
Jeder Einzelne eigentlich in sich. Die trägt er in sich, ob er sie entdeckt, ob er sie anwendet, das ist im Dunkeln. 

Welche Eigenschaften stören Sie am meisten?
Neid, Habsucht, Missgunst und Lieblosigkeiten. Aber da muss man immer hinterfragen, warum ist einer so. Bei all diesen Dingen, muss man eigentlich erst einmal hinterfragen, warum ist Jemand so geworden, war er als Kind auch schon so, oder wurde er durch das häusliches Milieu dahin trainiert.

Das ist ein psychologischer Ansatz. Sind Sie eine gute Psychologin?
Ich kann mich intuitiv in fast Jeden hineinversetzen. 

Was sind Ihre eigenen Stärken?
Ich habe eine unheimlich Treue zum Menschen an sich. Ich kann mich selbst auf die Schippe nehmen - so wichtig bin ich nicht. Ich habe auch keine vordergründige Angst. Sagen wir mal so: Das, was andere als Risiko bezeichnen, ist für mich noch lange Keines.

Wo fängt bei Ihnen das Risiko an?
Das weiß ich nicht so genau. ich habe natürlich Ängste um nahestehende Menschen. Vor dem Menschenverlust habe ich unheimlichen Schiss. Das möchte ich nicht so gerne erleben, aber man muss es ja trotzdem irgendwann, wenn alte Menschen von Einem gehen, wie z. B. die Eltern. Das fällt mir am Schwersten. Aber ständige Ängste bewege ich nicht in mir, selbst wenn ich sie in mir hätte. Ich stelle mich dem, was Außen ist. Ich stelle mich auch dem, was Innen ist und habe da meine Kämpfe in mir und mit mir selbst, z. B. mit meiner Schlendrigkeiten.

Wie sieht das aus?
Manchmal muss ich mich belohnen - gegen meine Vorsätze. 

Wie belohnen Sie sich?
Das ist ganz verschieden. Ganz banal und profan, genau wie andere Leute auch. Entweder ich esse ganz viel Schokolade oder gehe auch mal einkaufen. 

Sagen Sie sich, Das habe ich mir verdient?
Ich denke mir dann: Das habe ich mir jetzt verdient, und dann beschwichtige ich mein schlechtes Gewissen, dass ich eigentlich gegen meine Grundsätze oder gegen gewünschte Grundsätze lebe. 

Was sind Ihre Grundsätze?
Ein Grundsatz ist: Leben und leben lassen. Das klingt jetzt so profan, aber hat eine tiefe Wahrheit. Jeder muss ja mit seinen Fehlern zurechtkommen. Und dann konzediere ich dem Anderen genau dieselbe Anzahl, oder noch mehr, Fehler als mir selbst, weil ich immer denke, wieso denn, wo bin ich denn mit meinem Fehlverhalten ständig. Ja, es darf nur nicht gewisse Dinge übersteigen, wo ich meine, da muss ein Mensch in der Lage sein, sich anders zu verhalten. 

Können Sie das an einem Beispiel zeigen?
Nein, weil es dann in Richtung Verbrechen geht. Ich meine, es muss schon viel früher anfangen. Und was ich überhaupt nicht ertragen kann, sind Scheinheiligkeiten - deswegen bin ich mit Heine sehr identisch in Bezug auf Heucheleien.

Gehen Sie dann an die Decke?
Wenn es mir nahestehende Menschen sind, überlege ich mir, warum er sich jetzt so verhält. Scheinheilige Nahestehende Menschen kenne ich eigentlich niemanden. Und wenn mir Jemand nahesteht und sich unverständlich im Moment verhält, nachdem man sich lange kennt, dann denke ich mir auch: Was habe ich eigentlich getan, dass dieser Mensch sich so jetzt verstecken muß. Eigentlich bin ich jemand, der es herausfordert, dass derjenige es mir klar sagt - auch wenn’s mir nicht passt, was Sache ist. 

Das klingt unheimlich verständnisvoll.
Ja ich explodiere dann schon!

Das will ich wissen, das funktioniert dann auch?
Ja, ja. Die Cholerik - ich will nicht alles auf meinen Vater schieben - das habe ich sicher von ihm geerbt, weil er auch immer ganz schnell auf Hundert und ganz schnell wieder unten war. Aber das wussten wir dann. 

Also hauen Sie auch mit der Faust auf den Tisch, wenn es  sein muss?
Ja, aber nicht auf jemanden, sondern auf den Tisch. Aber ich schmeiße mit nichts, da könnte man ja auch jemanden verletzen. Aber, ich kann schon richtig explodieren. Ich finde das auch befreiend.

Ich finde auf Ihrer CD auch ganz gefühlvolle, ganz romantische, ganz zärtliche Lieder.
Ja, weil’s drin steckt.

 

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