Cem Özdemir

Bundesvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

Dieser Mann steht persönlich für eine Deutsch-Türkische Erfolgsgeschichte und er hat es bis an die Spitze von Bündnis 90/Die Grünen geschafft. Cem Özdemir ist der Bundesvorstand der Partei, zusammen mit Claudia Roth, mit der er außerdem die schwäbischen Wurzeln gemeinsam hat. Denn Cem Özdemir wurde 1965 in Bad Urach geboren nachdem sein Vater vier Jahre vorher als einer der ersten türkischen Gastarbeiter aus einem kleinen türkischen Dorf nach Deutschland gekommen war. Der studierte Diplom-Sozialpädagoge wurde schon 1981 Mitglied der Grünen, war im Baden-Württembergischen Landesvorstand und war Bundestagsabgeordneter und zuletzt erneut mit über 83% als Bundesvorsitzender bestätigt.

 

Sie haben 1997 einen Satz gesagt: "Ich bin deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln." Ich würde gerne diesen Satz ein bisschen genauer anschauen. Was machen die türkischen Wurzeln bei Ihnen bis heute aus?
Erst einmal bin ich Staatsbürger dieses Landes, Schwabe, Europäer und meine Vorfahren kommen aus der Türkei. Sprich meine Eltern, meine Mutter, mein Vater kommen beide aus der Türkei. Aber ich bin in Deutschland geboren. Damals gab es leider das Geburtsrecht noch nicht, das wir unter Rot-Grün eingeführt haben. Das heißt ich bin mit der Geburt in dem Land, in dem ich geboren bin, erst einmal zum Ausländer geworden, obwohl ich besser Schwäbisch als Türkisch, die Sprache meiner Eltern, sprach. Ich musste dann die Einbürgerung beantragen. Heute ist das ja Gott sei Dank ein bisschen sinnvoller geregelt. Die Verbindung in die Türkei bestand über meine Eltern, Freunde und  Verwandte dort, aber es war immer klar: meine erste Heimat ist Deutschland beziehungsweise das Schwabenländle.

Sie sprechen auch perfekt schwäbisch.
Wir können das Gespräch jetzt auch ganz auf schwäbisch führen, wenn Sie wollen. Aber ich weiß nicht ob alle ihre Zuhörer das dann verstehen. 

Ja, wir müssen unseren badischen Landesteil auch berücksichtigen, deshalb bleiben wir besser beim Hochdeutsch.
Genau. Die Türkei war für mich natürlich auch immer ein Land, zu dem ich eine besondere Beziehung habe, weil meine Eltern dort her kommen. Ich spreche auch Türkisch, aber es war immer klar, meine erste Heimat ist Deutschland. 

Und wie wirken sich die Wurzeln heute noch aus? Sind Sie besonders aufmerksam, wenn in der Türkei etwas passiert- was ja im Moment gerade der Fall ist?
Ich verfolge es natürlich. Ich war auch dort, als es auf dem Taxim-Platz losging. Ich habe viele Freunde, die dort auch aktiv sind, die dort Aktivisten waren, die das dort angefangen haben. Aber für mich ist immer klar, wenn ich dort aktiv bin und mich einbringe, dann kommt eben ein deutscher Politiker, der zwar türkisch spricht, die Türkei (glaube ich)sehr gut kennt – aber ich spreche dort aus der Perspektive eines Bundesdeutschen Politikers, eines europäischen Politikers, der in der Türkei etwas sagt und lege auch sehr viel Wert darauf, dass ich dort auch so wahrgenommen werde. Als ich 1994 zum ersten Mal in den deutschen Bundestag gewählt wurde, haben einige türkische Tageszeitungen geschrieben – damals noch in Bonn, die Bundeshauptstadt: „Türkischer Sieg in Bonn“ und „Wir haben Bonn eingenommen“ und so weiter. Und ich dachte schon, was ist denn da los, war da irgendein Fußballspiel, das ich verpasst habe? Bis ich merkte, es geht um mich und meine Wahl. Und ich habe dann sehr schnell versucht klarzumachen, dass ich Abgeordneter Deutschlands bin und nicht der Türkei, also auch kein türkischer Abgeordneter bin, sondern, wenn dann ein türkischstämmiger Abgeordneter, was ja nicht ganz dasselbe ist. Einfach um auch zu verhindern, dass es Versuche gibt, mich zu vereinnahmen, um auch klar zu sagen: Ich rede mit der Perspektive eines Inländers hier und nicht mit der Perspektive eines Mannes, der von außen auf das Land blickt. 

Sie sind auch kein Einwanderer, dazu  haben Sie sich auch schon geäußert?
Ja ich bin kein Einwanderer, das würde als Begriff glaube ich eher auf meine Eltern zutreffen. Wobei auch die mittlerweile im schwäbischen Bad Urach Wurzeln geschlagen haben. So tiefe übrigens, dass es mir nicht gelungen ist, und auch meiner Frau, sie davon zu überzeugen vielleicht zum Beispiel nach Berlin zu kommen, weil das wegen den Kinder besser gewesen wäre. Aber sie haben gesagt: „Wenn man einen alten  Baum einmal verpflanzt, kann man ihn nicht ein zweites Mal verpflanzen.“  Und dann haben sie natürlich auch noch gute Argumente mit der Schönheit der Landschaft dort und mit ihren Nachbarn. Jeder grüßt Jeden, Jeder kennt Jeden, Jeder erkundigt sich nach Jedem und da habe ich natürlich die schwächeren Argumente. 

Sollen ihre Kinder auch türkisch lernen?
Das ist bei uns etwas kompliziert. Meine Frau ist Argentinierin, das heißt wir haben noch eine zusätzliche Sprache Zuhause und zwei Sprachen haben leider bislang das Nachsehen. Wir sprechen Zuhause Deutsch, ich spreche mit den Kindern ausschließlich Deutsch und meine Frau spricht Spanisch mit den Kindern. Sie wachsen zweisprachig auf und in der Schule kommen ja weitere Sprachen dazu wie Englisch. Schwäbisch und Türkisch haben leider bislang ein bisschen das Nachsehen. 

Das kann vielleicht noch kommen und die Großeltern helfen da vielleicht auch?
Die Großeltern helfen sehr mit. Und sie freuen sich auch, wenn die Kinder, wie jetzt gerade, bei ihnen sind. Meine Kinder können türkisch singen, zählen und so weiter, aber jetzt nicht wirklich ein Gespräch führen. Während Spanisch und Deutsch fließend funktionieren, beide Sprachen hin und her. Da sieht man übrigens auch, dass das gar kein Problem ist für Kinder. Kinder können spielerisch mit zwei oder mehr Sprachen umgehen. Wichtig ist nur, dass die Eltern darauf achten, dass sie das fein trennen. Also wenn der eine Elternteil die eine Sprache, der andere Elternteil die andere Sprache spricht dann geht das glänzend. Deshalb ist das auch immer Quatsch, wenn man sagt: die Eltern sollen alle nicht mehr türkisch oder griechisch oder italienisch oder spanisch sprechen, sondern Deutsch sprechen. Das sagt man ja oft in der Politik. Wenn meine Eltern mit mir Deutsch gesprochen hätten, dann würde ich heute nicht hier bei Ihnen sitzen. Denn dann würde ich kein vernünftiges Deutsch zusammenbringen, da würde ich jetzt irgendetwas rumstammeln.

Also ihre Eltern haben mit Ihnen nur Türkisch gesprochen?
Ja, sie sprachen nicht so gut Deutsch. Mit meinem Vater haben alle in der Fabrik so gesprochen: „Du holen Bier, Abdullah, du kommen her, Abdullah, du gehen nach Hause, Abdullah, was du machen, Abdullah“ Ich weiß das, weil ich einmal in der Fabrik bei meinem Vater gejobbt habe und gemerkt  habe, wie die mit ihm sprechen. Als ich selbst einmal auf dem Bau gejobbt habe, um Geld zu verdienen, und ich bilde mir ein ich kann einigermaßen Deutsch, ich kann auch schwäbisch schwätzen wenn es sein muss (lacht), kam die Chefin eines Tages zu mir, stupfte mich von hinten an, als ich gerade dabei war etwas umzusägen und sagte: „Wann du anfangen, wann du aufhören bei Firma Müller?“. Und dann habe ich gesagt: „Frau Müller, haben sie ein Sprachproblem? Können Sie nicht mehr Deutsch? Soll ich ihnen helfen oder was?“ (lacht). Und dann sagte sie: „Oh, ich habe nicht gewusst, dass du Deutsch kannst.“  Aber woher sollte Sie es auch wissen, ich habe mich einen Tag vorher vorgestellt.

Das ist eine schöne Szene, das kann man sich gut vorstellen.
Insofern, ich möchte jetzt nicht alles damit rechtfertigen, aber so ein bisschen kann ich schon verstehen, woher das auch kommt, dass die erste Generation auch nicht wirklich gutes Deutsch entwickeln konnte. Zurück zu ihrer Frage: Wichtig ist es, dass man überhaupt als Eltern mit seinen Kindern spricht. Und zwar die Sprache, die man am besten spricht, die sollte man sprechen. Wenn das nicht Deutsch oder Schwäbisch oder Badisch ist, dann muss man eben schauen, dass die Kinder in den Fußballverein kommen oder sonst irgendwo zusammen kommen mit anderen Kindern, damit sie frühzeitig Deutsch lernen und halt auch gerne früh in die KiTa gehen, damit sie sehr früh mit anderen Kindern zusammen kommen und ihre Deutschsprachkenntnisse entwickeln können.

Das ist eigentlich Migrationspolitik ganz praktisch. Ich finde das schön, weil man daran tatsächlich sieht, dass es eigentlich genauso laufen sollte, es braucht keine großen Theorien mehr. Werte spielen immer eine große Rolle, nach denen man seine Politik, seine Erziehung ausrichtet. Welche Unterschiede sehen sie zwischen den türkischen Wurzeln, Werten und den deutschen?
So große Unterschiede habe ich eigentlich gar nicht erfahren. Natürlich gibt es logischerweise  Unterschiede, wenn man die praktische Ebene betrachtet. Bei uns ist es so: An den Feiertagen macht man die Türe weit auf, lädt alle ein, kocht für alle und freut sich, wenn möglichst viele Leute kommen. Ich bin jetzt im evangelischen Urach aufgewachsen, überwiegend evangelisch, zum Teil pietistisch bzw. neupietistisch, und bei meinen christlichen Freunden war es so: An Weihnachten bleibt man unter sich, die Türen gehen zu. 

Hat Sie das erst einmal gestört oder befremdet?
Ich habe das nicht verstanden. Es hat mich nicht befremdet, aber ich wollte eben gerne dazugehören. Ich wollte wissen was machen die an Weihnachten, was ist Weihnachten, wie geht das? Und meine Eltern haben, damit ich mich nicht ausgegrenzt fühle, auch einen Weihnachtsbaum hingestellt und mit mir zusammen schön geschmückt. Aber Weihnachten ist in der christlichen Botschaft nicht nur einfach  einen Weihnachtsbaum aufstellen, mal ganz davon abgesehen, dass sich in der Bibel über den Weihnachtsbaum nichts findet. 

Das ist interessant, dass Sie das als Muslim, säkularer Muslim, reklamieren.
Ich hatte im Religionsunterricht immer eine Eins, aber das nur am Rande. Ich war auch der Einzige, der immer aufgepasst hat im Religionsunterricht, während meine christlichen Freunde immer etwas anderes gemacht haben. Ich durfte auch teilnehmen. 

Worauf führen Sie das zurück, dass es Sie so interessiert hat? Das bekommt man ja nicht einfach so.
Kinder sind neugierig. Sie wollen gerade das lernen, was sie nicht kennen und so war ich auch und wollte wissen: Was machen meine Nachbarn? Und das hat mich immer gewundert, dass man sich gegenseitig nicht einlädt.

Ich höre da auch Kritik heraus, das darf man ruhig auch so sagen.
Was heißt Kritik, später wurde ich dann einmal Gott sei Dank eingeladen. Ich hatte einen Freund, der hieß Hartmut und seine Eltern haben mich dann zu sich nach Hause eingeladen. Ich war gespannt und dachte natürlich: Die haben für mich jetzt bestimmt kein Geschenk, weil ich nicht zur Familie  gehörte, aber ich bekam einen Kalender und habe mich unglaublich gefreut darüber, dass sie auch für mich ein Geschenk hatten, obwohl ich gar kein evangelischer Christ bin. Und sie haben mich beim Weihnachtsfest einfach mitmachen lassen. Und man sagt ja immer die Türken wollen sich nicht integrieren, sie passen sich nicht an, sie lernen kein Deutsch. Da mag ja auch was dran sein, da gibt es sicherlich auch Beispiele dafür, aber ich habe es auch oft andersherum erlebt. 

Sie hätten sich gerne mehr eingebracht, als man Sie gelassen hat.
Ich kenne beide Seiten. Ich treffe viele Deutsche, die mir sagen: „Mensch, die Türken reagieren so oder bringen sich nicht ein oder lernen nicht Deutsch oder kommen nicht zum Elternabend.“. Ich bekomme aber auch die andere Seite mit, wo wir Türken die Deutschen einladen und diese kommen dann nicht. Oder wo sie mir sagen: „Die laden uns nie ein.“ Und ich glaube da müssen sich alle aufeinander zubewegen, mal ganz abgesehen  davon, dass ich auch glaube, dass es DIE Türken genauso wenig gibt wie es DIE Deutschen gibt. Dass es genauso wenig DIE Christen gibt wie es DIE Muslime gibt. Wir haben uns ein bisschen angewöhnt, dass wir immer gerne über ganze Religionen und Volksgemeinschaften sprechen - ich halt nicht so viel davon. Ein persönliches Beispiel: Die Mutter meiner argentinischen Ehefrau, meine Schwiegermutter, kommt einmal im Jahr zu uns zu Besuch  und sie spricht fließend Englisch, natürlich neben ihrer Muttersprache Spanisch. Sie ist auch Journalistin und ist in Deutschland, natürlich immer darauf angewiesen, dass sie internationale Presse liest oder das, was sie über das Internet verfolgt. Und sie war mal hier als dieser ganz schlimme Bericht über Kindstötungen kam, über Kinder, die verhungert sind oder zu Tode geprügelt wurden. Da gab es mal einen Fall, wo eine Mutter mehrere Kinder nach der Geburt im Garten vergraben hat, so schlimme Fälle wie dieser kamen damals gehäuft vor, und dann fragte sie mich: „Woran liegt denn das eigentlich, dass in Deutschland so viele Kinder vernachlässigt werden, verhungern, von ihren Eltern getötet werden? Ist das jetzt irgendwie ein deutsches Problem? Ist das, weil es hier mehr Protestanten gibt oder hat es irgendetwas mit den indogermanischen Wurzeln der Deutschen zu tun (Stichwort Feuer)?“ Dann habe ich gesagt: „Deutsche machen das nicht, das sind Ausnahmen.“ Jetzt frage ich Sie mal: Fast jeden Tag werde ich gefragt, warum die Muslime Ehrenmorde begehen, warum die Muslime alle ihre Frauen in Zwangsehen haben wollen, warum die Muslime irgendwie alle Terroristen seien und so weiter. 

Sie sehen ja, das ist das gleiche Vorurteil.
Klar kann man so miteinander reden, aber ist das gut? 

Nein, das ist sicher nicht gut.
99% der Muslime sind gar nicht so und bei den Christen und den Juden und den Atheisten ist es genauso. 

Ihnen ist es eigentlich wichtig den Menschen individuell anzuschauen. So wie Sie auch ihre Erfahrungen gemacht haben.
Schauen Sie sich einmal die Nachmittagstalkshows in Deutschland an oder viele Talkshows, wenn es um den Islam geht, dann sitzen da immer tief verschleierte Frauen oder Männer mit langen Bärten und komischen Gewändern. Also ich laufe doch auch nicht so herum.
Meine Mutter trägt kein Kopftuch und ihre Mutter trug auch schon kein Kopftuch. Sie kommt aus Istanbul. Die ersten Kopftücher, die meine Mutter auf der schwäbischen Alb gesehen hat waren von schwäbischen Bäuerinnen. Was auch völlig okay ist, also nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Aber immer diese Pauschalisierung, die finde ich so schade, es gibt doch schon genug Vorurteile auf der Welt, wir müssen Sie nicht auch noch multiplizieren. Wir sollten eher schauen, dass man sich kennenlernt. Natürlich heißt kennenlernen nicht, dass man alles gut finden muss, was der andere sagt und macht. Das kann ja auch heißen, dass man seine eigenen Werte vertritt. Darum geht es ja gar nicht. Die Neugierde, die sollten wir uns erhalten.

Was würden Sie denn sagen, was Sie am Islam schätzen, so wie Sie es erlebt haben aus diesem persönlichen Bereich und was Sie am Christentum schätzen, so wie Sie es erlebt haben?
Was schätze ich? Im Prinzip das, was ich an allen Weltreligionen schätze: Dass der Kern aller Weltreligionen eigentlich nichts anderes ist als der Versuch, dass man die menschliche Würde schätzt, dass man Achtung hat vor dem Leben, Achtung hat vor allen Geschöpfen. Und dass man versucht, die Erde in einem Zustand zu verlassen, dass man sich bei seinen Kindern und Kindes-Kindern dafür nicht entschuldigen muss. Ich leite davon – da bin ich ja nicht der Einzige, meine Partei macht das – den Gedanken der Nachhaltigkeit ab. Diesen kann man ja aus der Ökologie herleiten, man kann ihn aber natürlich theoretisch auch aus dem Christentum herleiten. Das was im Christentum die „Bewahrung der Schöpfung“ ist, kann ich übersetzen mit Nachhaltigkeit. 

Gibt es im Islam einen vergleichbaren Wert, den man so religiös mit Nachhaltigkeit übersetzen kann?
Sie speisen sich alle aus denselben Quellen. Es ist ja kein Zufall, dass sie alle im selben Flecken Erde entstanden sind. Unserer ursprünglich erst einmal fruchtbaren Erde. Tragisch ist es ja, dass dort die Menschen solche Kämpfe austragen, dass es dort so viele Kriege gibt und so viel Leid herrscht, aber wenn man einmal zurück zu den Wurzeln geht, sind sie alle ja nicht weit auseinander. Vielleicht ist es auch das Problem, dass sie so eng beieinander sind, dass sie sich so nah sind und dass alle eigentlich im anderen auch etwas von sich wiedererkennen. 

Würden Sie sich denn als religiösen Menschen bezeichnen?
Meine Mutter hat versucht, mir die Kenntnisse der Religionen zu vermitteln. Ich würde mich als neugierigen Menschen bezeichnen. Als Jemanden, der gerne zuhört, der gerne dazulernt. Ich war jetzt mit meiner Tochter, damit sie das auch kennenlernt, am Freitag in der Synagoge. Ich gehe mit ihr in die evangelische Kirche, damit sie bei einer katholischen Mutter auch die evangelischen Werte mitbekommt.

Ist ihre Frau ist katholisch?
Der muslimische Vater, bringt die Tochter in die evangelische Kirche und in die Synagoge und meine Frau kümmert sich leider nicht so um diese Dinge, deshalb bin ich dafür zuständig dafür zu sorgen, dass unsere Kinder auch mitbekommen, was es alles noch gibt auf dieser wunderschönen Erde und es ist alles Reichtum. 

Das ist ihnen wichtig, sonst würden Sie das nicht tun?
Ganz abgesehen davon, ob man religiös ist oder nicht, das ist auch Allgemeinbildung. Selbst der Atheist kommt gar nicht an der Kirchengeschichte vorbei, wenn er sich mit Kulturgeschichte beschäftigt. Man versteht den Zustand unseres Landes gar nicht und viele Fragen auch nicht, wenn man nicht weiß, dass das natürlich auch mit der Reibung mit den Kirchen entstanden ist und insofern gehört es zu unserem Leben dazu und ich sehe in den Kirchen auch in vielen Fragen Bündnispartner. Jetzt gerade in einer Zeit, in der Alles durchökonomisiert wird und die Verwertbarkeit immer wichtiger wird. Alles muss schneller sein, alles muss rationalisiert werden. Von G9 zu G8, Bachelor, Master und ganz schnell auf den Markt, damit man verwertbar ist und das Ganze geht nur noch um die Frage: Kannst du etwas leisten? Alles andere spielt keine Rolle mehr, oder spielt immer weniger eine Rolle. Es ist nicht schlecht, wenn es auch Etwas gibt, was diese Fragen auch beleuchtet, die jenseits der ökonomischen Verwertbarkeit sind. Fragen, die einfach den Kernbestandteil des menschlichen Lebens, die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen und davon haben wir nicht zu viel, sondern eher zu wenig in der Gesellschaft.

Wenn Sie mal einen einzigen Wunsch frei hätten, was immer Sie wollen. Was würden Sie sich wünschen?
Jetzt darf ich nicht sagen, das Direktmandat in Stuttgart (lacht). Wahrscheinlich auch keine Wunschmaschine, dass ich neue Wünsche generieren kann. Ich würde mir wünschen, dass wir Menschen unser Potential erfassen, dass wir bereits alles in uns haben – man muss gar nicht lange suchen. Alles das, was wir suchen ist in uns. Wir sind reich beschenkt und wir haben die Intelligenz, so zu leben, dass wir ohne die Atomenergie auskommen, ohne Kohleenergie auskommen. Wir haben die Intelligenz in einer Welt zu leben ohne Kriege, die uns das Leben zur Hölle machen. Ohne Hunger, ohne dass Menschen dursten müssen. Ohne dass Frauen geknechtet werden. Das alles ist in uns drin, aber es kommt in vielen Teilen der Welt leider nicht zum Vorschein. Und ich glaube, dass es eine Beleidigung der menschlichen Intelligenz ist, wie wir diesen Planeten gegenwärtig organisieren.

Eigentlich ein religiös-philosophischer Wunsch, dankeschön für das Gespräch.

 

Aktuell

Best of 500

Ruth-Maria Kubitschek, Wim Wenders, Udo Walz.

Best of 500

Roberto Blanco, Hartmut Engler und Steffen Wink, Hella von Sinnen

Best of 500

Jürgen von der Lippe, Sandra Maischberger, Jürgen Todenhöfer

Best of 500

Xavier Naidoo, Maybrit Illner, Winfried Kretschmann

2005: Franziska van
Almsick

Olympischer Schwimmstar


Weitere Interviews

Daniel Alter
Katrin Altpeter
Thomas Anders
Prinz Asfa-Wossen Asserate
Ayman
Seine Exzelenz Monsieur Anatole Bacanamwo
Joe Bausch
Rufus Beck
Volker Beck
Ben Becker
Dr. Günther Beckstein
Caroline Beil
Ben*Jammin
Prof. Dr. Ernst Benda
Dr. Christine Bergmann
Fredi Bobic
Wolfgang Bosbach
Jonathan Böttcher
† Pierre Brice
Fabian Bruck
Prof. Dr. Michael Buback
Frieder Burda
Geraldine Chaplin
Botschafter Daniel R. Coats und Marsha Coats
Luigi Colani
Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
Michael Degen
† Dr. Heinz-Horst Deichmann
Ulrich Deppendorf
Hauke Diekamp
Kai Diekmann
Pater Domenico
Albie Donnelly
Ray Dorset
Heike Drechsler
Burkhard Driest
Katja Ebstein
Dr. Ursula Engelen-Kefer
Hartmut Engler
Andreas Englisch
Andreas Eschbach
Dieter Falk
Veronica Ferres
Fil da Elephant
Gotthilf Fischer
Dr. Ulrich Fischer
Ottfried Fischer
Gotthilf Fischer
Axel E. Fischer
Joy Fleming
Jürgen Fliege
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Teflon Fonfara
Fools Garden
Dr. Peter Frey
Amelie Fried
Dr. Michel Friedman
Peter Friedrich
Andreas Fritzenkötter
† Joachim Fuchsberger
Jürgen Fürwitt, alias Jott
Galileo
Mario Galla
Cae Gauntt
Dr. Heiner Geißler
Dr. Heiner Geißler
Petra Gerster und Christian Nürnberger
Uschi Glas
Mario Gomez
Katrin Göring-Eckardt
Jürgen Gross
Friedlinde Gurr-Hirsch
Stefan Gwildis
Matthias Habich
Peter Hahne
Corinna Harfouch
Jimmy Hartwig
Dieter Thomas Heck
Gert Heidenreich
Ala Heiler
Hans-Olaf Henkel
Tony Henry
Ken Hensley
Eva Herman
High South
Dieter Hildebrandt
Klaus Hoffmann
Prof. Dr. Gertrud Höhler
Birgit Homburger
Christiane Hörbiger
Guildo Horn
Chris Howland
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. Claudia Hübner
Eddi Hüneke
Maybrit Illner
Janina and the Deeds
† Gottfried John
Jorginho
† Hellmuth Karasek
Volker Kauder
Brendan Keeley
Kathy Kelly
Kathy Kelly
Dr. Timm Kern
Dr. Katja Keßler
Arabella Kiesbauer
Ephraim Kishon
Matthias Kleinert
Prof. Dr. Guido Knopp
2003: Sebastian Koch
Juliane Köhler
Peter Kraus
Winfried Kretschmann
2011: Winfried
Kretschmann

Dr. Gabriele Krone-Schmalz
Ruth-Maria Kubitschek
Sven Kuntze
Heinz Rudolf Kunze
Leonard Lansink
Manfred Lautenschläger
Donna Leon
Hera Lind
Caroline Link
Joachim Llambi
Andrea Kathrin Loewig
Wolf Maahn
Paul Maar
2015: Motsi Mabuse
Roland Mack
2004: Peter Maffay
Kurt Salomon Maier
Sandra Maischberger
Marie-Luise Marjan
Tony Marshall
Marc Marshall & Jay Alexander
Carlos Martinez
Henry Maske
Maybebop Pop- Quartett
Gisela Mayer
Gerhard Meier-Röhn
Hans Meiser
Reinhold Messner
Meret Meyer
Middle of the Road
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther
Gary Mullen
Franz Müntefering
Xavier Naidoo
Dr. Rupert Neudeck
No Angels
Elisabeth Noelle-Neumann
Ulrich Noethen
Ingrid Noll
Normal Generation?
Chris Norman
Günther H. Oettinger
Mario Ohoven
Cem Özdemir
Peilomat
Phil
Hermann Poppen
Avi Primor
Seine Königliche Hoheit Bernhard Prinz von Baden
Johannes Rau
Heribert Rech
Maestro Gian Piero Reverberi
2000: Sir Cliff Richard
Sir Cliff Richard
Lars Riedel
Armin Rohde
Dr. med. Philipp Rösler
Claudia Roth
Dr. Norbert Röttgen
Wynton Rufer
Nina Ruge
Thomas Rühmann
Inga Rumpf
Barbara Rütting
Dr. Wolfgang Schäuble
Marco Schiefer
Schily
Rezzo Schlauch
Renate Schmidt
Ulla Schmidt
Doris Schmidts
Dr. Peter Scholl-Latour
Walter Scholz
Detlev Schönauer
Dietmar Schönherr
Birgit Schrowange
Martin Schulz MdEP
Alice Schwarzer
Ulrike Schweikert
Uwe Seeler
Florian Sitzmann
Werner Sonne
† Lothar Späth
Paul Spiegel
Walter Spindler
Willi Stächele
Rolf Stahlhofen
Thomas M. Stein
Bernd Stelter
Dr. Monika Stolz
Annika Strebel
2012: Christina Stürmer
Prof. Dr. Rita Suessmuth
Stephan Sulke
Jasmin Tabatabai
Horst Tappert
Erwin Teufel
The Temptations
Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Olaf Thon
Prof. Dr. Klaus Töpfer
Ulrich Tukur
Tomi Ungerer
Franz Untersteller MdL
Sir Peter Ustinov
2005: Franziska van
Almsick

Herman van Veen
Ute Vogt
Berti Vogts
Dr. Antje Vollmer
Dr. Ursula von der Leyen
Jürgen von der Lippe
Jürgen von der Lippe
Frhr. von Gemmingen-
Guttenberg

Wolf von Lojewski
Hella von Sinnen
Margarethe von Trotta
Beatrice von Weizsäcker
Florian Wahl
Prof. Dr. Norbert Walter
Udo Walz
2014: Udo Walz
Willi Weber
Konstantin Wecker
Prof. Peter Weibel
René Weller
Wim Wenders
† Guido Westerwelle
Urich Wickert
Heidemarie Wieczorek-Zeul
† Roger Willemsen
Ron Williams
Steffen Wink
Harald Wohlfahrt
Guido Wolf
Sydney Youngblood
Andrea Zangemeister
Joana Zimmer
Dr. Robert Zollitsch
Rolf Zuckowski
Brigitte Zypries