Frhr. von Gemmingen-
Guttenberg

Forstwirt und Touristiker

Die Familie von Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg wohnt schon seit 1449 am gleichen Ort, nämlich auf der Burg Guttenberg bei Hasmersheim, gleich oberhalb des Neckar gelegen. Das ist eine lange Tradition in der Bernolph Freiherr von Gemmingen- Guttenberg steht und auch heute lebt er auf der stattlichen Burg, die nie zerstört wurde und immer bewohnt war. Bernolph Freiherr von Gemmingen – Guttenberg ist beruflich Forstwirt, Holzhändler und Touristiker, also ein ganz moderner Unternehmer. Er ist aber auch zuständig für sogenannte Patronatspfarreien, denn schon in der Reformationszeit im sechzehnten Jahrhundert fanden schon protestantische Pfarrer Zuflucht.

 

Herr von Gemmingen-Guttenberg ist Ihnen das heute noch bewusst, dass in der Reformationszeit, trotz der Gefahr der Reichsacht, das war ja nicht ganz ungefährlich, sie den protestantischen Pfarrern Zuflucht geboten haben, also ihre Familie die aufgenommen hat hier?
Natürlich ist uns das bewusst. Wir widmen ja auch einen Teil unseres Museums hier auf der Burg Guttenberg dem Thema Reformationsgeschichte. Das ist für die Burg und den Kraichgau hier ein wichtiges Thema.

Man hat überhaupt den Eindruck, dass die Geschichte für Sie nicht irgendetwas ist, schon gar nichts was mit der Schule zu tun hat, sondern dass es Sie jeden Tag umgibt und mit ihnen weiterlebt. Ist das so?
Ja, ich bin damit aufgewachsen. Deshalb ist es für mich etwas ganz Natürliches. Es ist nicht irgendwie angelernt, sondern mit der Muttermilch aufgesogen.

Und Sie sehen auch sofort, das hat jetzt mit den Habsburgern zu tun oder das hat mit den Stauffern zu tun?
Naja, ich bin kein studierter Historiker. Aber ich kann das schon einordnen.

Das unterscheidet Sie ja von den meisten anderen Menschen, die ja vielleicht bis zu ihren Urgroßeltern zurückschauen, manchmal nicht einmal das, und Sie schauen zumindest einmal bis ins Jahr 1449 wenn ich das richtig in Erinnerung habe zurück, als diese Burg von Ihrer Familie erworben wurde – oder wie war das?
Zumindest hier auf dem Guttenberg. Unsere Kinder sind die siebzehnte Generation, seit dem Hans von Gemmingen  die Burg erworben hat. Die Gemmingens selber gehen viel weiter zurück natürlich.

Wie weit geht ihre Genealogie zurück, die sie verfolgen können?
Also lückenlos verfolgen kann man es so bis ins zwölfte, dreizehnte Jahrhundert. Davor gibt es immer wieder mal Nennungen von Gemmingen, die auf irgendwelchen Turnieren auftauchen und da entweder rühmlich oder nicht so rühmlich erwähnt werden in den Turnierbüchern. Da sind so die ersten Erwähnungen im zehnten Jahrhundert.

Aber ihre Burg, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie – mit ihrer Frau und ihren Kindern – leben, die wurde von Hans dem Reichen, so heißt es, erworben. Was haben Sie für ein Verhältnis zu diesem Ur-Ur-Urgroßvater?
Na gut ich habe ihn natürlich nicht gekannt, aber das, was man sich so von ihm erzählt, finde ich das ganz interessant. Mein Vater hat einmal gesagt, er sei eigentlich Hans im Glück gewesen, weil er eben nicht nur „der Reiche“ genannt wurde und das auch nicht völlig zu Unrecht, der hat reich geheiratet und hat ein unglaubliches Vermögen auch schon vorher gehabt wohl und dann eben eine Landscheinin von Steinach geheiratet. Seine Schwiegermutter war eine Gemminger von Worms, genannt Dahlberg, also das waren reiche Leute damals. Er hat 24.000 rheinische Gulden bekommen für diese Ehe, 6.000 hat ihn Guttenberg mit 3, x Dörfern gekostet, also da blieb auch noch ein bisschen was übrig. Der Mann wurde sehr alt, er wurde fast 90 Jahre alt. Für die damaligen Zeiten ein Methusalem. Und er war unglaublich sportlich, also er kommt in allen möglichen Turnierbüchern vor, er hat Jura studiert, war Hofrichter in Heidelberg, war also auch nicht ganz unterbelichtet und dieser bunte Strauß von Fähigkeiten und glücklichen Fügungen haben ihm also diesen Beinamen „der Reiche“ und mein Vater sagt eben „Hans im Glück“ eingebracht.

Also der liegt jetzt etwa 500 Jahre zurück und Sie wissen sehr viel von dem. Viele wissen von ihren Großeltern nicht so viel, wie sie von ihm. Gilt das für andere Vorfahren auch? Haben sie tatsächlich so viel Kenntnis über die einzelnen Generationen?
Ich weiß über einige viel, aber natürlich über viele mehr fast nichts. Es gab natürlich Vertreter von Generationen, die sich jetzt vielleicht mir noch nicht erschlossen haben. Vielleicht muss das auch nicht unbedingt sein. Die Besonderen kenne ich glaube ich.

Gibt es welche, denen Sie sich besonders verbunden oder ähnlich fühlen oder wo Sie sagen, also da sehe ich viele Charaktereigenschaften, jedenfalls so wie es überliefert ist, wo ich mich selber wieder finde?
Immer mal wieder gibt es so Gemmingsche Züge wo man denkt: „Ach, ein Déjà-vu“(lacht).

Also dass Jemand ein guter Angler war oder ein guter Jäger oder so etwas?
Ja, mein Großvater war zum Beispiel ein unglaublicher Gründer zum Beispiel. Der hat sehr viele Unternehmen gegründet, nicht immer ganz erfolgreich. Aber er war unglaublich unternehmerisch denkend und hat das Leben genossen. Das ist schon ein Vorbild für mich. Und dann gab es einen Karl Reinhart im 19. Jahrhundert, der ein passionierter Jäger war. Gern gesehen an allen möglichen Höfen als Finanzberater. Er war auch da immer Kanzler und hatte ganz gute Stellungen, konnte sehr gut mit Geld umgehen, hat 110 Hirsche geschossen in seinem Leben, war sehr passioniert und war ein Pfeifenraucher- ein Pfeifensammler. Als wir das Archiv digitalisierten, bekamen wir einen Brief in die Hände, den einer seiner Neffen wohl geschrieben hat an dessen Schwester, dass er den alten Onkel Karl auf seine alten Tage auf dem Guttenberg besucht hat. Aber er sei leider zu spät gekommen. Der Onkel Karl sei leider schon kalt gewesen, seine Pfeife sei jedoch noch warm gewesen (lacht).

Tolle Geschichte. Das heißt dieses Bewusstsein der Generationen ist bei Ihnen auf ganz andere Weise da. Nun sind Sie ja aber auch ein moderner Mensch. Sie sind in der heutigen Zeit Unternehmer und müssen nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeiten. Da hilft Ihnen wahrscheinlich auch die Tradition nicht unbedingt, sondern Sie müssen in der heutigen Zeit ihre Geschäfte machen. Wie ist dieser Widerspruch mit der Geschichte einerseits und der modernen Zeit andererseits?
Ich glaube, das ist überhaupt kein Widerspruch. Jede Generation hat modern gelebt und hat sich modern gefühlt natürlich in so einem alten Kasten und natürlich immer vor dem Hintergrund der Geschichte und der eigenen Familiengeschichte. Aber man muss natürlich immer das Beste draus machen und bedient sich modernen Mitteln. Natürlich mal früher, mal später, aber das ist überhaupt gar kein Widerspruch. Wir waren die ersten in der Gegend, die einen DSL- Anschluss hatten, weil Internet sehr wichtig wurde.

Sie sind ja auch im Internet sehr aktiv. Sie sind einerseits Holzhändler, Waldbesitzer, also Sie stellen auch gewissermaßen das Holz selber her oder sind da auf der Erzeugerseite, und aber auch Touristiker. Wenn Sie das so vergleichen – ihr Geschäft, mit dem sie heute das Unternehmen betreiben, mit dem, wie die Menschen früher das Geld verdient haben, um die Burg zu unterhalten und ihren Lebensunterhalt zu verdienen – was ist da der größte Unterschied?
Vielleicht, dass es viel weniger stabil ist. Also früher war man vielleicht von den Ernten und den Jahreszeiten und Kalamitäten viel mehr abhängig, aber heute ist die Konjunktur doch sehr wichtig und man muss immer Werbung machen, damit genug Leute hier auf die Burg kommen. Die deutsche Greifenwarte spielt dabei eine große Rolle, das Museum, die Gastronomie hier. Und man muss viel stärker unternehmerisch denken, damit man so eine große Anlage unterhalten kann. Früher, ich sage mal in den Zeiten des alten Reiches, vor 1806, waren ja immerhin fast ein Viertel der Einnahmen der Familie aus sogenannten Gefällen, also aus Steuereinnahmen der Dörfer. Zum Guttenberg gehörten in der Spitze so sieben Dörfer dazu, also der Zehnt – so sagte man – bildete schon einen verlässlichen Teil des Einkommens. Das fiel dann weg – heute würde man sich freuen über zehn Prozent Einkommenssteuer natürlich und man ist sehr viel mehr darauf angewiesen, dass diese Anlage sich von sich heraus ernährt. Das war früher anders: Mein Großvater sagte noch am Sonntag: „Mach bloß die Tore zu, sonst kommen fremde Leute in die Burg“ und heute müssen wir natürlich die Tore weit aufmachen, damit genügend Menschen hier auf die Burg kommen, um so eine Anlage aus eigenen Mitteln erhalten zu können. Renovierungsaufwendung kann man keinem Unternehmen ans Bein binden, das wäre früher oder später wegen dieses Wettbewerbsnachteils natürlich pleite oder hätte große Nachteile. Deshalb muss die Anlage sich selber ernähren und da sind wir auch ganz zuversichtlich, dass sie das weiterhin schafft. Und wir müssen natürlich auf der anderen Seite immer laufend renovieren, um diese Burg, die eine der ganz wenigen nicht zerstörten Staffenburgen in Deutschland ist, eben weiter so schön erhalten zu können.

Wie ist so das Ansehen eines Adeligen in der heutigen Gesellschaft überhaupt? Begegnet Ihnen mehr Bewunderung, Hochachtung oder auch Neid?
Das müssen Sie die anderen fragen (lacht).

Welche Erfahrungen machen Sie da?
Also eigentlich ist es so: Die, die mich kennen, begegnen mir ganz normal, da spielt der Adel keine Rolle. Die meisten Leute sind vielleicht ein bisschen distanzierter, ohne dass ich das werten möchte, das ist einfach ein subjektives Empfinden. Hochachtung oder Neid spielt da weder noch eine Rolle oder ganz wenig. Aber das nehme ich nicht bewusst wahr.

Ihre Beziehung zur Kirche, das hatten wir zu Beginn schon gesagt, ist schon sehr alt. Sie waren einer der ersten überhaupt, die den evangelischen Glauben angenommen haben, gegenüber zum Kaiser, der den katholischen Glauben verteidigt hat. Es war ja ein katholisches Reich. Und es gibt auch Patronatspfarrstellen, das heißt Sie sind auch Patron für bestimmte Gemeinden. Wie ist das für Sie? Welche Gemeinden gehören da dazu?
Das ist Höffenaht und Neckarmühlbach. Das sind zwei Kirchen, zu deren Patron ich sozusagen das Vergnügen habe. Das ist ein altes, fast mittelalterliches Kirchenrecht. Die Familie hat damals eben die Kirche gegründet, gebaut und gestiftet. In Neckarmühlbach ist es sogar so, dass die Kirche im Prinzip in meinem Grundbuch steht – das ist mein Eigentum eigentlich, oder unser Eigentum, Familienbesitz. Natürlich hat die evangelische Kirche das Kanzelrecht, ich kann da jetzt nicht einfach irgendetwas veranstalten, was mir in den Sinn käme, sondern das geht dann über das örtliche Pfarramt. Aber wir waren von Anfang an für diese Baulichkeiten und auch für diese Pfarrstellen zuständig. Das hat sich heute mit einem langen Prozess, ausgehend vom 19. Jahrhundert bis nach dem zweiten Weltkrieg des letzten Jahrhunderts umgesetzt, dass man diese Pfarrstellen abgelöst hat. Diese Pfarrstellen waren ja alles Stiftungspfarrstellen. Man hat gesagt: „Hier möchte ich einen Pfarrer haben“ und hat dann dem ein bestimmtes Einkommen garantiert. So und so viele Fuder Wein und ein Fass Honig im ganzen Jahr, ein Klafter Holz und so weiter. Dreieinhalb Liter am Tag umgerechnet (lacht). Und der Nackarmühlbacher Pfarrer hatte zum Beispiel das Recht am Tisch jeden Mittag mit zu essen und das war ja auch eine Form des Unterhalts quasi. Er hat sich dann auch beschwert über das Essen und hat meinen Vorfahren dann geschrieben: „Bitte wenigstens einmal die Woche etwas anderes als immer nur Lachs (lacht).

Verwöhnter Bengel.
Man hat diese Pfarrstellen unterhalten, später natürlich mit Geld und dann hat man das abgelöst, weil das natürlich dann auch zu teuer war.

Was tun Sie heute noch für die Pfarrstellen?
Als Patron hat man natürlich einmal formelle Rechte und Pflichten. Das heißt, wenn eine Pfarrstelle vakant würde, was derzeit Gott sei Dank nicht der Fall ist, aber das ist in der Vergangenheit leider schon häufiger passiert. Dann wird diese Pfarrstelle so wie üblich in diesem Pfarrerblatt ausgeschrieben und die Pfarrer bewerben sich. Aber die Bewerber, so ist die Theorie, bewerben sich bei mir und ich präsentiere den geeigneten Bewerber oder die geeignete Bewerberin dem Kirchengemeinderat.

Das heißt Sie haben so eine Art Vorauswahl, die Sie auch wahrnehmen.
Ja, die nehme ich wahr. Das ist die Theorie. Die Praxis ist, dass man gottfroh ist, wenn sich endlich jemand auf die Stelle bewirbt auf eine seit langem vakante Stelle. Hier auf dem Land scheint es schwieriger zu sein als in Freiburg oder in Karlsruhe.

Es sind kleine Pfarreien.
Ja, mit mehreren Predigtstellen häufig. Aber das ist das Recht und auch die Pflicht.

Und wenn Sie jetzt wirklich Jemanden nicht wollten, aus Gründen, die für Sie wichtig sind, dann könnten Sie auch sagen, sie möchten den bestimmten Kandidaten nicht?
Ja, dann würde ich den nicht präsentieren. Normalerweise oder in der Praxis hat sich eher – es kommt alle paar Jahre einmal vor und je weniger desto besser-  auch so eine Art Instanz eingebürgert, dass wenn Gemeindemitglieder nicht zufrieden sind mit dem Pfarrer, dass er nicht gut predigt zum Beispiel, dass Sie sich dann beim Patron beschweren.

Das kommt vor?
Das kam in der Vergangenheit vor, ja. Schon lange nicht mehr, aber das kam früher mal vor. Oder meine Großmutter hat auch meinem Vater immer wieder gesagt: „Also das geht nicht. Da musst du jetzt als Patron eingreifen“ und so weiter.

Dann können Sie da auch vermittelnd wirken zum Beispiel?
Ja.

Jetzt sind ja Kirchengemeinderatswahlen/Ältestenwahlen, das heißt die Gemeinde wählt ihre Ältesten. Welchen Einfluss hat da der Patron?
Also keinen Formellen. Ich bin ganz normales Gemeindemitglied wie alle anderen auch.

Sie wählen auch?
Ja natürlich. Meine Frau ist aktiv, meine Mutter war aktiv, mein Vater war aktiv früher. Ich war eigentlich seit ich denken kann ein Gemeindemitglied. Bei uns ist das so ein bisschen aufgeteilt – ich mache die Patronseite und meine Frau ist im Kirchengemeinderat. Sie ist auch in der Bezirkssynode hier. Ich habe über sie natürlich eine gute und enge Verbindung zum Pfarrer und einen engen Draht in dieses Gemeindegeschehen hinein und komme auch zu diesen Gemeinderatssitzungen dazu, wenn ich denke, dass das von der Thematik her sinnvoll ist. Ich frage den Pfarrer vorher oder manchmal fragt er mich, ob es nicht besser wäre ich käme dazu und dann ist es ein gutes Miteinander. 

Haben Sie finanzielle Verpflichtungen für die Pfarrei?
Baulich ja.

Baulich komplett?
Das ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, also in Höffenaht nicht. Hier ist Dach und Fach zu zwei Dritteln mein Vergnügen. Da kommt schon manchmal was zusammen.

Ja das glaube ich. So ein historisches Gebäude zu erhalten ist keine billige Angelegenheit unter Umständen. Wie ist da ihr Verhältnis zur Landeskirche? Sprechen Sie sich da mit der Landeskirche ab?
Ja. Es gibt immer wieder Inspektionen der Baulichkeit und der Dr. Karls kommt dann wegen der Glocken oder der Orgel. Wir setzen uns zusammen und das muss schon vernünftig sein- es ist ein kleines Kirchlein und eine noch kleinere Gemeinde. Wir sind froh, dass wir so gut versorgt sind. Es wäre schade, wenn so eine Kanzel verweist würde, an der die Reformationsgeschichte hier in der Region begann.

Haben Sie das Gefühl, dass dieses Patronatswesen, was ja eine sehr lange Geschichte hat, der Gemeindearbeit gut tut, weil es vielleicht noch etwas persönlicher ist als wenn Sie nicht da wären?
Ich glaube schon. Das ist mein subjektives Empfinden. Ich glaube das aus zwei Gründen: Also einmal, dass ich mich direkt einmischen kann und zweitens – und das ist glaube ich das wichtigere Argument- weil ich einen direkteren Draht auch nach Karlsruhe hab, der Landesbischof Dr. Fischer und auch dessen Vorgänger haben es immer verstanden die Patronatsherren mit einzubinden und mit regelmäßigen Treffen einfach den Kontakt stabil zu halten – auch zum Oberkirchenrat. Und meistens geht es ja um Vakanzen und Probleme, die damit zusammenhängen. Da habe ich keine Scheu nach Karlsruhe zu fahren und freue mich immer über offene Türen. Und das glaube ich, wenn jetzt so eine kleine Gemeinde wie hier die Neckarmühlbach, Hasmersheim, Hochhausen, wenn die so in der Kirchenhierarchie drin stecken, da braucht es schon viel Mut und Elan so einen Schritt zu machen.

Um dort auch beachtet zu werden. Und da können Sie die Gemeinde unterstützen, indem Sie das Sprachrohr sind.
Ja, das versuche ich sehr.

Wie ist ihre eigene Einstellung zur Religion? Sie sind ja qua Amt mit der Kirche verbunden und haben da Rechte und Pflichten. Das sagt aber noch nichts darüber aus, wie Sie selber dazu stehen.
Ja, ich mache das nicht quand prequeur. Ich bin ein gläubiger Mensch. Ich bin zwar kein wahnsinnig fleißiger Kirchgänger, obwohl es meine eigene Kirche ist, aber mein Glaube gibt mir sehr viel Kraft. Es gibt ja auch nicht nur Schönwetterphasen, sondern auch schwierige Phasen und der Glaube an Gott und diese Gewissheit – da ist etwas, was mich hält, was ich auch physisch manchmal so bemerkt hab in meinem Leben. Das kann ich mir gar nicht vorstellen, so etwas vermissen zu müssen. 

Wie, würden Sie sagen, ist es dazu gekommen? Denn das ist ja immer so ein bisschen die Frage. Wenn ich es jetzt ganz akademisch ausdrücken würde, würde ich sagen religiöse Sozialisation. Sie sind in dieser Familientradition eingebunden, wo es schon diese Beziehung zur Kirche gab. In der Reformationszeit ist ihre Familie sogar ganz bewusst evangelisch geworden. Ist das das Entscheidende oder ist es letztlich vielleicht in jeder anderen Familie auch der persönliche Bezug?
Der persönliche Bezug, das Vorleben der Eltern und der Großeltern, das sind die Menschen, die ich gekannt habe. Meine Urgroßeltern habe ich nichtmehr gekannt. Das ist sicherlich ganz wichtig. Auch die Eltern meiner Mutter, auch von der Seite, das war ganz selbstverständlich. Und deshalb für mich als Kind auch selbstverständlich, dass man dieses Wertegebäude und das Gebet, der Bezug zu Gott und dieses freudige – auch Singen- Paul Gerhardts Lieder zum Beispiel. Und das war für uns nicht täglich Brot, aber es gehörte sicherlich dazu. Und dann quasi in der Pubertät, durch die Konfirmation – vorher wäre es wahrscheinlich noch ein bisschen früh gewesen- man musste sich damit auseinandersetzen. Das ist auch passiert, aber es war eigentlich selten ein kritisches Hinterfragen, eher so ein freudiges Erstaunen oder Bemerken, wenn man gespürt hat, da ist was, was mich hält.

Gelingt Ihnen das, das ihren Kindern so weiter zu geben? Die Zeiten sind ja was das angeht auch nicht einfacher geworden.
Ich versuche es (lacht). Sie sind 11, 14 und 15, also schauen wir mal.

Wenn Sie jetzt so in die Historie schauen, das ist Ihnen ja permanent präsent. Würden Sie sagen, dass es heute schwieriger ist, zu glauben? Oder sich mit dem christlichen Glauben zu identifizieren- mit der Kirche sich zu identifizieren als früher? Oder ist es nicht so?
Es gibt ja die Unterschiede zwischen dem Glauben an Gott und der Institution der Kirche. Das sind ja zwei völlig getrennte Paar Stiefel. Ich glaube es ist in den guten Zeiten leicht an Gott zu glauben, wenn wir in einer Kriegsphase sind fragt man sich natürlich: warum lässt der liebe Gott so etwas zu? Auf der anderen Seite sieht man in vielen Krisenländern volle Kirchen, weil die Menschen eine Stütze brauchen, eine Hoffnung. Jemanden brauchen, der von der Kanzel die Hoffnung predigt und die Liebe predigt und die Leute wieder aufrichtet. Ich glaube, dass heute – es sind ja zwei gegenläufige Momente und ich glaube, dass der Glaube in schlechten Zeiten die Leute mehr in die Kirche oder zum Glauben treibt als anderswo. Heute haben wir vor allem auf dem Land eher leere Kirchen.

Worauf führen Sie das zurück?
Uns geht es wahnsinnig gut.

Unserer Gesellschaft geht es insgesamt zu gut, um diese Nähe und diese Hilfe auch zu brauchen.
Ja. Es gibt auch eine Konkurrenz von vielen anderen Veranstaltungen und Zerstreuung auf allen Kanälen.

Und insofern ist, sagen wir einmal, dieser direkte Bezug in ihrer Patronatsgemeinde mit den Möglichkeiten, auf den Menschen zuzugehen eine Stärke.
Vielleicht, ja.

Was ist Ihnen an der Bibel besonders wichtig? Gibt es eine Geschichte, bei der Sie sagen, das ist für mich eine Schlüsselgeschichte?
Also wir haben ja hier einige Bibeln und es gibt ein paar Bibeln, die sind als Buch an sich mir wichtig, weil sie ein Sinnbild für eine Geschichte abgeben. Bei uns in der Bibliothek liegt eine deutsche Bibelübersetzung aus dem Jahr 1434. Das ist ungefähr hundert Jahre vor der Lutherbibel. Auch handgeschrieben und ich habe früher als kleiner Junge immer gedacht: „Oh wie schön ist das geschrieben“. Wie fleißig muss der Mensch gewesen sein? Er war Lehrer hier auf der Burg. Bis mein Vater sagte, dass dieser Mann in permanenter Todesgefahr schwebte. Eine deutsche Übersetzung stand auf dem Index der heiligen römischen Kirche. Man durfte so etwas gar nicht haben.

Und das war vor Luther, diese Übersetzung?
Ja, nur die lateinische Version, nur die Vulgata, war zugelassen, das war 100 Jahre vor Luther. Das heißt, nur derjenige, der Latein konnte, konnte eigentlich den Inhalt der heiligen Schrift sich selber erarbeiten. Alle anderen waren darauf angewiesen, was der Pfarrer ihnen so erzählt. Und seitdem betrachte ich dieses Buch mit ganz anderen Augen: Das war etwas Verbotenes.

Ja, das ist ein ganz anderer Bezug zur Bibel, der Anderen gar nicht möglich ist – diese Erkenntnis zu gewinnen. Wenn Sie mal einen Wunsch frei hätten, ganz egal was, was würden Sie sich wünschen?
Was würde ich mir wünschen? Vielleicht noch mal ein Gespräch oder die Möglichkeit für meinen Vater, dass er die Burg sich anschaut von oben und ein Gespräch mit ihm was daraus überall geworden ist.

Weil er das nicht mehr gesehen hat.
Genau.  Er ist mit 69 gestorben, viel zu früh. Und hat an allen möglichen Themen gearbeitet und das hat sich natürlich überall weiterentwickelt. Zum Teil auch ganz anders als er es sich gedacht hat und das wäre spannend für mich.

Interessant. Das ist auch wieder ein Wunsch, der mit der Historie verbunden ist. Dankeschön für das Gespräch Bernolph, Freiherr von Gemmingen-Guttenberg hier auf der Burg Guttenberg hoch über dem Neckar gelegen, wo übrigens auch ein Burgmuseum ist. Es gibt auch eine Burgschenke mit richtigen Rittermahlen. Es gibt die deutsche Greifenwarte, die hier ihren Sitz hat, wo man den Falken zuschauen kann und die Besucher sich vor den großen Vögeln fürchten lernen – also ein interessantes Ausflugsziel hoch über dem Neckar gelegen.

 

 

 

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