Ute Vogt

die baden-württembergische SPD-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Ute Vogt im Gespräch mit Hanno Gerwin
Ute Vogt im Gespräch mit Hanno Gerwin
Ute Vogt im Gespräch mit Hanno Gerwin

Als Powerfrau und Spitzenkandidatin der SPD lieferte Ute Vogt 2001 dem baden-württembergischen CDU-Ministerpräsidenten einen heißen Wahlkampf und nahm sich fest vor, Erwin Teufel vom Thron zu stoßen. Sie ist Heidelbergerin und schätzt als Kurpfälzerin die direkte, ehrliche, zupackende Art. Die 36jährige mag Mountain-Bike-Fahren, nennt als Lieblingstiere Kühe und wollte als Kind Sängerin werden. Aber dann wurde Ute Vogt Juristin und SPD MdB.

 

Frau Vogt, Heidelberg, Wiesloch, Pforzheim, Karlsruhe... – Jede Menge badische Metropolen! Was gefällt Ihnen am meisten an den Badenern?
Die Lebensfreude, die die Badener haben und auch die offene und aufgeschlossene Art. Es ist im ganzen Land unheimlich schön und es gibt sehr unterschiedliche Mentalitäten. Aber in Baden ist es leichter, schnell eine fröhliche Stimmung zu erhalten.

Und jetzt die Gretchenfrage: Was gefällt Ihnen an den Württembergern?
Die Württemberger haben oft einen hintergründigen Witz und gesunden Humor. Sie sind ein bisschen schwerer zu knacken, aber wenn man die Schale durchwunden hat, dann sind die Württemberger unheimlich herzliche Menschen, die einem dann dauerhaft die Treue halten.

Sie sind eine Frau, die als taff, locker, ehrgeizig und ausgestattet mit viel Power bezeichnet wird. Was würden Sie selbst sagen, worin liegen Ihre größten persönlichen Stärken?
Ich bin ein sehr offener Mensch. Sicher geradlinig, auch durchsetzungsfähig.

Und Ihre Schwächen?
Ich bin manchmal etwas vorschnell, zu spontan oder aufbrausend, so auch in manchen Äußerungen. Aber es ist wohl ein bisschen die kurpfälzer Art, dass man sehr schnell sehr direkt wird und manchmal Dinge äußert, von denen man sich sagt: Hätte ich etwas länger überlegt, hätte ich es diplomatischer formuliert.

Jedoch versuchen Sie nicht Ihre Schwäche zu vermeiden oder gar zu verstellen, sondern stehen dazu.
Ja, ich denke, es ist ein Problem unserer Zeit, wenn Politiker immer wieder versuchen, eine Rolle zu spielen, um irgendjemanden darzustellen. Ich halte es für wichtig, den Menschen deutlich zu machen, dass Politiker und Politikerinnen Schwächen und Stärken haben, wie andere Menschen auch. Sie haben eine Vorbildfunktion und müssen sich in bestimmten Dingen strengere Maßstäbe gefallen lassen. Aber alles in allem sollte man merken, dass man ein Mensch ist.

Politik besteht nicht nur darin, das bessere oder andere Programm zu haben, sondern Poitik stellt auch den Mensch dar. Sie sind äußerlich gesehen – Geschlecht, Alter - ein ganz anderer Mensch, als der amtierende baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel. Bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr sind Sie gegen Ihn angeteten. Was unterscheidet Sie von Ihrem Kontrahenten?
Ich habe eine andere Art, mit Menschen umzugehen und ich bin jemand, der sehr davon lebt, Kontakt zu Menschen zu haben. Was mir an der Politik die größte Freude bereitet, ist die Vielfältigkeit der Begegnungen, die daraus resultierende Chance, von anderen Menschen etwas lernen zu können und diese Erfahrungen in Politik umzusetzen.
Ich entwickle Politik sehr stark im Dialog und bin jemand, der durch seine Offenheit beratungsfähig ist. Ich würde mir nie anmaßen zu behaupten, in allen Themen immer alles ganz alleine und genau und richtig zu wissen. Vielmehr bin ich eher darauf angewiesen, dass andere mit mir arbeiten. Ich ermuntere Leute ganz offensiv dazu, mitzumachen und würde nicht an ihren Interessen vorbei regieren.

Welche Rolle spielt für Sie die Familie?
Wir haben einen großen Familienzusammenhalt. Ich bin zwar selbst nicht verheiratet, aber ich habe eine riesige Verwandtschaft. Wir pflegten immer schon ein großes Familienleben mit Cousins und Cousinen. Ich habe eine Schwester, die Kinder hat und mit denen ich regelmäßig Kontakt habe. Das Familienleben spielt eine große Rolle. Durch die Verwandtschaft habe ich Rückhalt. Wenn es Schwierigkeiten gab, war es mir immer wichtig zu wissen, dass man sich auf die anderen verlassen kann, wenn man Hilfe benötigt.

Wenn Sie Kinder hätten, was sollten diese einmal können oder wissen oder glauben?
Sie sollten vor allem unbedingt selbstständig sein. Sie sollten wissen, dass sie eigenständig Verantwortung übernehmen müssen und sie sollten in der Lage sein, nicht nur an sich selbst zu denken sondern bereit zu sein, für andere auch Verantwortung zu übernehmen.
Es ist wichtig, immer zu wissen, dass das, was man tut, stets Auswirkungen auf andere hat. Es ist wichtig, in diesem Bewusstsein zu leben.

Was war das Beste, was Ihre Eltern Ihnen mitgegeben haben?
Eigenständigkeit und dieses Gefühl, mich von Anfang an als eigenständige Persönlichkeit zu akzeptieren, die vieles entscheiden darf, aber dann auch die Konsequenzen zu tragen hat. Von zu Hause habe ich viel Rückhalt bekommen. So wusste ich: Egal was passiert, ich kann immer wieder heim kommen. Und wenn es mal schief geht, dann ist jemand da, der trotzdem zu mir hält.

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
Fürchterlich viele Niederlagen hatte ich bislang noch nicht zu verkraften, zumindest im politischen Bereich. Wie jeder andere Mensch auch, versuche ich Niederlagen zu verarbeiten Solches verarbeite ich eher mit Freunden oder in privaten Gesprächen. Ich versuche, aus Fehlern zu lernen. Aber wie gesagt, bei Wahlen, Gott sei Dank, blieben mir bislang große Niederlagen erspart.

Sind Sie nachtragend?
Nein. Wenn mir was nicht passt, dann sage ich das sehr schnell. Wenn man mit mir einen richtigen Streit hat, ist es besser, als wenn ich Dinge in mich hinein fresse. Ich habe aber ein sehr gutes Gedächtnis, d.h. ich kann mir bestimmte Erfahrungen sehr lange merken. Streit mit jemandem führt jedoch nicht dazu, dass es dauerhafte Zerstrittenheit gäbe.

Was verzeihen Sie nicht oder schwer?
Heuchelei kann ich überhaupt nicht leiden. Wenn jemand super freundlich tut und und man weiß genau, dass in Wirklichkeit keine echten Gefühle dahinter stecken. Das ist etwas, was ich sehr verabscheue: Falschheit.

Wovor haben Sie Angst?
Ich bin kein ängstlicher Mensch. Ich wüsste nicht, was mich fürchterlich ängstigen könnte.

Sie haben früher im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken mitgearbeitet. Wie ist Ihre Einstellung zum Christentum, zum christlichen Glauben?
Ich bin überzeugt, dass ich niemals zur SPD gekommen wäre, wenn ich nicht vorher kirchliche Jugendarbeit gemacht hätte. Aus meiner Sicht spielt es in der sozialdemokratischen Partei eine große Rolle, was man vom Christentum und von christlicher Erziehung mitbekommt. Nämlich, für den Andern und für Gerechtigkeit zu sorgen. Dafür zu sorgen, dass es auch eine soziale Rücksichtnahme gibt. Das hat mich in meiner Kindheit und Jugend geprägt. Dies finde ich jetzt auch in meiner politischen Arbeit wieder.

Und Ihre persönliche Einstellung zum Glauben? Beten Sie?
Ja, ab und zu schon. Ich gehe nicht sehr regelmäßig in die Kirche. Ich gehe gerne in die Kirche, wenn es z.B. Gottesdienste im Freien gibt. Bei uns macht die Landjugend häufiger Veranstaltungen dieser Art. Das finde ich schön, weil es auch etwas mit dem praktischen Leben zu tun hat.
Mit rituellen Abläufen habe ich Schwierigkeiten, diese mache ich nicht so gerne. Deshalb finde ich das Beten gut, denn beten kann man, wann immer es sich gerade ergibt. Aber es verhält sich nicht so, dass ich das Beten auf den sonntäglichen Kirchgang beschränken würde.

Welchen Satz oder welche Botschaft aus der Bibel erachten Sie als gut, würden Sie als Motto gelten lassen?
Es gibt viele, die mir einfallen. Ich würde vielleicht das Gebot der Nächstenliebe, den Nächsten zu lieben, wie sich selbst, als einen wichtigen Satz betrachten.

Haben Sie Angst vor dem Tod? Denken Sie manchmal darüber nach?
Nein, diesbezüglich bin ich so richtig katholisch. Ich glaube wohl, dass man sich nach dem Tod wiedertrifft und denke, dass ich viele Menschen, die ich verloren habe, dann wiedersehen werde. Deshalb ist der Tod nichts, was mich ängstigt.

Wenn Sie einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Dass die Menschen lernen, friedlich miteinander zu leben und aufhören, sich zu bekämpfen, Intrigen zu spinnen oder gegenseitig mit Waffen aufeinander loszugehen.

 

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