Horst Tappert

den Mann, der 25 Jahre Derrick war

Horst Tappert im Gespräch mit Hanno Gerwin
Horst Tappert im Gespräch mit Hanno Gerwin

25 Jahre hat er über 280 mal den berühmten Kriminalkommissar Derrick gespielt. Horst Tappert hat die Schauspielerei von der Pieke auf gelernt. Seit 1973 entwickelte sich Derrick von Argentinien bis Zimbabwe zur internationalen Serie. Horst Tappert ist am 13.12.2008 im Alter von 85 Jahren verstorben.

 

Herr Tappert, Derrick ist mit Ihnen alt geworden und Sie sind mit Derrick jung geblieben. Wie sehen Sie das?
Das ist ein zauberhaftes Kompliment, das habe ich noch nie gehört. Also ich glaube wir sind beide gleichzeitig etwas älter geworden. Aber vielleicht ist Derrick ein bisschen älter noch als ich. Das ist durchaus möglich, ja.

Warum?
Ich glaube, dass sich eine Serie nach einer bestimmten Zeit festgelaufen hat und darum sollte man sie nicht endlos weiterführen. Obwohl! Derrick hätte man noch 50 Jahre drehen können. Ich dachte mir aber, Schluss machen.

Wie sieht denn Ihr Leben danach aus?
Das sieht prima aus. Ich habe einige Filme abgeschlossen und ein Buch geschrieben. Es ist ein turbulenteres Leben als vorher.

Es hat bestimmt eine ganze Menge Verwechslungen gegeben, bei denen Herr Tappert und Derrick verwechselt wurden, nicht wahr?
Laufend, laufend, und das war mir nicht unangenehm. Es ist eine Zuneigung der Leute. Sie mögen diese Figur, und darum sagen sie zu mir Derrick. Das ist in Ordnung.

Wenn man so oft die Rolle des Kommissars spielt und derart ins Detail gehen muss, wird man dann irgendwann selber zum Kommissar?
Nein, niemals. Ich habe mir stets vorgestellt, wie ich wohl als Kriminalkommissar wäre. Ich hätte ja einer werden können. Mein Vater war Beamter, ich hätte ja auch Beamter bei der Polizei werden können. Aber ich habe immer trennen können zwischen meinem Beruf als Schauspieler und der Rolle. Das fiel mir gar nicht schwer. Ich habe mich persönlich eingebracht in die Rolle, habe ihr viele Züge von mir gegeben. Und nach dem Dreh habe ich Schluss machen können. Ich habe die Rolle vergessen und bin nach Hause gefahren, als Privatmann Tappert.

Bei Kriminalfällen geht es unheimlich oft um Details, man muss auch viele technische Dinge wissen. Wird man im Lauf der Jahre zu einer Art Experte, um glaubwürdig zu wirken?
Ja, man wird hellhöriger und aufmerksamer. Aber wir waren gut beraten vom Polizeipräsidium München. Man hat sich dort sehr bemüht, uns Starthilfe zu geben, z.B. in der Verhörtechnik. Von Mordkommission wurde uns geraten, vom Waffengebrauch möglichst abzusehen, denn die Mordkommission schießt selten. Dort werden alle Fälle mit dem Kopf gelöst, man überlegt und sitzt zusammen. Das ist wie ein Puzzlespiel, bis man den Täter hat. Dann wird dem Ermittlungsrichter vorgelegt, worauf die meisten Fakten hinweisen. Der Ermittlungsrichter entscheidet, ob die Haftgründe ausreichen. Dann wird der Täter in Haft genommen und eines Tages kommt es zum Prozess. Der Richter sagt dann: „Sie bekommen die und die Strafe“, und dann schreitet er zur Urteilsbegründung, die Aufschluss über den Täter gibt. Was ist das für ein Mensch und welche Charakterstärken, welche Schwächen hat er.

Welche Ihrer Eigenschaften, die der Zuschauer von Ihnen nicht kennt, sind anders als bei Derrick?
Viele wahrscheinlich. Als Privatmensch bin ich sensibler. Ich behalte nicht immer so die Ruhe, wie die Figur Derrick. Ich raste auch manchmal aus, wenn es mir nicht schnell genug geht. Ich arbeite gerne schnell. Ich bin so geboren und ich habe nichts hinzu gelernt, außer dem Beruf, und den beherrsche ich ziemlich gut. Ich bemühe mich, immer schnell vorwärts zu kommen. Und wenn es mal stagniert, dann flippe ich schon mal aus.

Was bringt Sie so richtig an die Decke?
Nun ja, wenn z.B. beim Drehen lange Zeit beleuchtet wird und plötzlich steht fest, die Beleuchtung stimmt wieder nicht. Wir müssen sie ändern, wir müssen die Scheinwerfer umbauen. Da werde ich ein bisschen sauer. Wir waren trotzdem alle dicke Freunde, das ganze Team und ich. Ich habe den anderen nicht den Star vorgespielt.

Kennen Sie keine Starallüren?
Nein, kenne ich nicht und mag ich auch nicht.

Dann sind Sie so natürlich, wie Sie auch in der Rolle wirken?
Absolut, ich bin dafür, mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben und vor allen Dingen der Mensch zu bleiben, der ich immer war und der bin ich, von Geburt an: durch Charakterbildung, durch Erziehung usw. Daraus hat sich ein eigenständiger Mensch entwickelt. Ich habe mir nie bieten lassen, nach Vorschriften zu leben. Ich habe meinen eigenen Charakter herausgebildet, und den habe ich versucht, überall durchzusetzen.

Wenn man in Ihrem Buch liest, dann hat man das Gefühl, dass Sie ein sehr offener und optimistischer Mensch sind, was in der Rolle als Derrick nicht so deutlich wurde. Ist das richtig?
Das könnte sein. Ich besitze sehr viel Humor. Wenn Sie jedoch Leiter eines Morddezernates sind und haben einen Mord nach dem andern - und Sie wissen, während der gleichen Zeit passieren hunderttausend andere Morde auf der Welt - da können Sie nicht fröhlich werden. Derricks Charakter war nicht so angelegt, dass ihm je das Nachdenken über Mord und Totschlag abhanden kommt.
Die Not der Kinder, die mit der Machete zerstückelt werden, die Grausamkeit, die in der ganzen Welt herrscht, Mensch gegen Mensch. Das ist für mich unbegreiflich. Auch Derrick weiß, dass man diese Grausamkeit durch die Ermittlung eines Mordfalles, durch das Ermitteln des Täters, nicht loswerden kann. So lange es Menschen gibt, werden sich Menschen gegenseitig umbringen. Das ist eine Schande.

Aber Horst Tappert ist fröhlicher als Derrick. Worüber lachen Sie?
Ich lache über alles, was gut ist. Kennen Sie den? Ein Mann geht zum Arzt und der sagt ihm: „Ich habe ein gute und eine schlechte Nachricht für Sie.“ Sagt der andere: „Zuerst die schlechte.“ „Ja gut,“ sagt der Arzt, „Sie haben Alzheimer.“ – „Und die gute Nachricht?“ – „Wenn Sie nach Hause kommen, haben Sie es vergessen.“

Haben Sie Angst vor dem Alter?
Nein, ich habe auch keine Angst vor dem Tod. Einmal muss Schluss sein.

Wie stellen Sie sich ein Leben nach dem Tod vor?
Ich stelle es mir immer sehr abstrakt vor, eine Welt hinter unseren Welten. Ich kann sie nicht benennen, weil ich sie nicht kenne. Ich werde vielleicht den Übergang schaffen und sie dann kennen lernen, wenn es sie gibt. Ich halte es mit Sokrates: Wenn es diese Welt nicht gibt, dann werde ich der peinlichen Lage entgehen, vielen unliebsamen Menschen zu begegnen und ich werde Ruhe und Frieden und keine Schmerzen, keine Krankheit mehr haben und in Ruhe schlafen.

Wie ist Ihre Einstellung zur Religion?
Die ist sehr interessiert. Ich bin Protestant, Lutheraner und als solcher geboren und getauft worden. Ich mache mir auch politische Gedanken um das Wirken der Kirche in der Öffentlichkeit. Ich glaube, Reformen sind nötig. Die Hoffnung der Leute war beim Antritt des Papstsamts durch Wojtyla sehr groß. Man sagte damals, jetzt kommt ein moderner Papst, es kann vieles umgestellt werden. Das ging komischerweise, denn Wojtyla kam aus einer Diktatur, was ihn geprägt hat. Da können Sie machen, was Sie wollen! Er wendet die selben diktatorischen Mittel in seiner Kirche an. Nicht alles halte ich für richtig, obwohl er ein ungeheuer sympathischer Mann ist. Er ist menschlich vollkommen integer aber er ist auch sehr krank. Seine Auslandsbesuche finde ich sehr tapfer. Sie sind nötig, sie stärken vielleicht die Bindung zwischen den einzelnen Nationen. Aber ob sie wirklich effektiv sind, das bezweifle ich.

Gehen Sie selber ab und zu in die Kirche?
Ja. Ich gehe in jede Kirche, die mir gefällt. Mich interessiert die Bauart und die Geschichte der Kirche selbst. Ich finde die Ruhe und die Kühle in der Kirche sehr wohltuend. Man findet wieder zu sich selbst, man streift alles ab, was einen belastet, Stress, alles mögliche. Ich finde dort Muse und Ruhe.

Was heißt für Sie Glück?
Glück ist kein dauerhafter Zustand. Wer das behauptet, ist ein Vollidiot. Glück besteht aus Glücksmomenten. Es gibt im Leben eines jeden Menschen Glücksmomente, und darüber sollte man sich freuen. Man sollte dankbar sein, dass man diesen Glücksmomenten begegnet. Das Glück auf Dauer kann es nicht geben, denn dann müssten Sie jeden Tag Gefahr laufen, von einem Auto überfahren zu werden und Sie müssten das Glück haben, schnell davor wegzuspringen. Aber das passiert so nicht.

Wann waren Sie das letzte Mal so richtig glücklich?
Als ich in meinem Haus in Norwegen war. Ich bin mit meiner Frau etwas früher gefahren. Es war die Zeit der Mitternachtssonne. Die Sonne steht dann 24 Stunden am Himmel. Das ist ein so gewaltiger Eindruck! Vor mir lag das Meer, die Lofoten, der Zugang nach Narvik oben. Ich war rundherum glücklich, zumal das Haus sehr einsam liegt. Es gibt keine Zäune, nichts. Die Tiere kommen bis ans Haus.

Wenn Sie einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden sie sich wünschen?
Ich habe nicht mehr viele Wünsche. Ich würde mir wünschen, belastbar und gesund zu bleiben. Wenn ich eine Rolle spiele, so wünsche ich mir, dass es eine gute Rolle ist, denn ich möchte nach dieser erfolgreichen Serie keinen Mist machen.

 

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