Jasmin Tabatabai

Schauspielerin starker Frauenrollen

Jasmin Tabatabai im Gespräch mit Hanno Gerwin
Jasmin Tabatabai im Gespräch mit Hanno Gerwin
Jasmin Tabatabai im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie spielt starke Frauenrollen und mit dem Kinofilm „Bandits“ hatte sie ihren großen Durchbruch. Für die aus Persien stammende Schauspielerin Jasmin Tabatabai folgten noch viele andere große Kino- und Fernsehrollen. Immer spielte sie die freiheitsliebende, manchmal ruppige, emotionale und unabhängige Frau. So auch in ihrer Rolle in „Sams in Gefahr“. In dem Kinderfilm spielt sie eine kühle und nicht sehr kinderliebe Lehrerin. Jasmin Tabatabai steht aber fest auf zwei Beinen. Sie ist nicht nur in Kino und Fernsehen erfolgreich, sondern sie singt auch – z.B. zusammen mit Nena – und hat bereits eine goldene Schallplatte kassiert.

 

Jasmin Tabatabai, bis zum zwölften Lebensjahr lebten Sie in Persien, dem heutigen Iran und sind dort zur Schule gegangen. Wenn Sie jenen Schulalltag mit dem in Deutschland vergleichen, stellen Sie Unterschiede fest?
Nicht sonderlich, da ich auf der Deutschen Schule in Teheran war. Das Schulsystem entsprach dem deutschen. Der Unterschied war vielleicht, dass wir den ganzen persischen Background hatten, z.B. hatten wir Persischunterricht. Es waren unglaublich viele Mischlingskinder wie ich auf der Schule. Die deutschen Kinder waren hoffnungslos in der Unterzahl. Persisch war Hauptbestandteil des Unterrichts. Aber gute wie fiese Lehrer, das gab es sowohl in Persien als auch in Deutschland. In der Grundschule gab es eine Lehrerin, vor der ich richtig Angst hatte, ich bekam sogar Alpträume.

Wurden die Kinder geschlagen?
Nein, das nicht. In den 70er Jahren war das auch dort nicht mehr erlaubt. Aber die besagte Lehrerin hätten das vielleicht manchmal ganz gerne gemacht. Die eine oder andere Anleihe habe ich von ihr für meine Rolle der Frau Müller-Klessheim in "Sams in Gefahr" übernommen.

Kinder sind ihren Lehrern oftmals für eine lange Zeit ausgeliefert. Ist das nicht auch sehr prägend und wichtig?
Ja. Die ganze Prägung, alles was man vom Unterricht mitnimmt, hat wirklich unmittelbar mit den Lehrern zu tun. Wenn man in einem Fach wie Physik einen Lehrer hat, den man gerne hat, dann nimmt man richtig was mit und hat dann auch eine gute Note. Hingegen ein fieser Lehrer, der Kinder nicht besonders gerne mag, kann einem auch einfach ein Fach total verderben.

Was erwarten Sie von einer guten Lehrerin?
Es ist sehr wichtig, dass sie ein Mensch ist, vor dem Kinder Respekt haben. Ein Mensch, der ein Vorbild ist. Ich hatte früher eine Sportlehrerin, die war richtig fett und absolut unsportlich. Sie konnte kein Rad schlagen, hat jedoch von uns erwartet, dass wir es konnten. Pubertäre Kinder wie wir haben diese Frau überhaupt nicht ernst genommen. Wir hatten auch Recht, denn ich finde, dass ein Lehrer Vorbild sein muss. Kinder spüren das instinktiv, und wenn sie jemanden nicht ernst nehmen, tanzen sie ihm auf der Nase herum.

Sie haben eine kleine Tochter. Noch ist sie nicht in der Schule. Was soll ihr dort mal beigebracht werden und was nicht?
Es ist wichtig, dass man die Kinder dahingehend unterstützt, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Nicht, um sich anzupassen und nichts zu sagen, also den bequemen Weg zu gehen. Ich würde auf jeden Fall eine Schule aussuchen, wo das wirklich gefördert wird.

Was möchten Sie Ihrer Tochter fürs Leben mitgeben? Haben Sie Werte oder Grundsätze?
Ja, natürlich. Ganz klassische, konservative Werte: Z.B., dass es nicht cool ist zu lügen, zu betrügen oder zu stehlen. Dass man Menschen gegenüber Respekt hat, egal woher sie sind, welcher Religion sie angehören und aus welcher Schicht sie kommen. Und Mut zur eigenen Meinung. Ganz, ganz normale Werte.

Was halten Sie von den Zehn Geboten?
Im Prinzip geht das ja meine Wertevorstellung darauf zurück. Ja, sie sind okay. Wenn ich auch in bestimmten Punkten ein gläubiger Mensch, ein wertekonservativer Mensch bin, so bin ich doch kein besonders religiöser Mensch. Ich halte nicht außerordentlich viel von Religionen, die praktiziert werden.

Haben Sie Ihr Heimatland aus religiösen Gründen verlassen?
Nein, dazu war ich ein bisschen zu klein. Ich war gerade mal zwölf.
Die Ursache war, dass im Iran Bürgerkrieg war, eine Revolution stattfand. Die deutsche Schule wurde geschlossen. Es war relativ klar, was mit dem Land passierte.

Hatte das Einfluss auf Ihre religiöse Erziehung?
Ich bin nicht religiös erzogen. Mein Vater hat immer gesagt, es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt. Es ist nicht wichtig zu wissen, dass man nicht den einzig richtigen Weg habe, weil ich einer bestimmten Religion angehöre. Ich finde es sogar blasphemisch, so zu denken. Es geht alles auf ein Urwissen zurück, wie auch die Zehn Gebote. Ich glaube nicht, dass sie von einer Religion so erfunden wurden. Ethische Grundwerte haben mit Menschlichkeit zu tun. Jede Religion geht auf einen sehr herausragenden, tollen Menschen zurück oder auf richtige Werte.
In den letzten 2000 Jahren wurden Religionen dazu missbraucht, viel Leid über die Welt zu bringen. Ob Islam, Christentum oder Judentum - keiner hat die Wahrheit für sich gepachtet.

Sind das vielleicht nicht eher die Religionsgemeinschaften?
Ja. Aber ich finde es immer ein bisschen bequem zu sagen, das habe doch nichts mit dem Islam oder dem Christentum zu tun, wenn diese oder jene das ein oder andere gemacht haben. Da könne die Religion doch nichts dafür.
Das wird fehlinterpretiert. Jede Institution muss sich auch danach bewerten dürfen, ob sie funktioniert oder nicht.
Letzten Endes sind wir Menschen vielleicht nicht reif genug für eine Religionsgemeinschaft, ohne sie zu missbrauchen.

Das finde ich einen sehr guten Gedanken.
Das heißt ja nicht, dass der Grundgedanke nicht gut sei. Aber ich glaube, man kann auch ein gläubiger Mensch sein, ohne einer Religionsgemeinschaft anzugehören.

Können Sie sich eine andere Welt vorstellen, die transzendent oder größer ist und die Schöpfung bestimmt?
Ja natürlich. Ich glaube an einen höheren Sinn.

Beten Sie mit Ihrer Tochter? Oder würden Sie das wollen?
Meine Tochter ist noch zu klein dazu. Wenn sie alt genug ist, kann sie selber entscheiden, ob sie das tun möchte oder nicht.
Beten kann auch einfach sein, ab und zu dankbar zu sein, danke zu sagen für das, was man im Leben hat. Viele Leute verwechseln das Beten mit dem Wünschen: Ich möchte im Lotto gewinnen oder 30 kg abnehmen!

Das ist wie mit der Liebe auch. Die Liebe ist ein wunderschönes Gefühl, trotzdem wird viel Schlechtes damit angestellt. Vielleicht ist das mit der Religion ähnlich.
Wovor haben sie Angst?

Vor ganz normalen Dingen, vor denen jeder Angst hat.

Sie spielen immer die Rolle der starken, selbständigen Frau, die keine Angst kennt. Entspricht das Ihrem Wesen?
Das ist die Schublade, in der ich stecke. Das heißt jedoch nicht, dass ich keine Angst vor ganz normalen Dingen habe und mich nicht um die Gesundheit oder das Wohlergehen meiner Liebsten sorge. Es ist gar nicht so wichtig, Angst zu haben oder nicht. Es gibt doch diesen sehr schlauen Spruch, den man in fast jedem Hollywoodfilm irgendwann mal hört: "Der Held und der Feigling haben eines gemeinsam. Und das ist die Angst."
Im Leben stellt sich die Frage, ob man über seine Angsthürde hinwegsteigt oder ob man sich mit der Angst konfrontiert, ob man sie überwindet oder lässt man sich von ihr das Leben diktieren.

Und wie machen Sie es?
So und so. Aber ich versuche zumindest immer, mich der Angst zu stellen.

Wie gehen Sie mit Feinden um, mit Leuten, die gegen Sie agieren?
Besonders wirksam ist, Ihnen das Beste zu wünschen. Nennen Sie es beten. Jemand, der Gegner von einem anderen ist, hat ein ganz bestimmtes Problem. Und dieses Problem steckt in einem selber drin. Wenn man jemandem seinen Erfolg, seine funktionierende Ehe oder sein glückliches Leben anneidet, dann tut man das nur, weil man selbst davon nichts hat.
Das Beste, was man machen kann ist wirklich, diesem Menschen das zu wünschen, was er sich offensichtlich so sehr wünscht, wonach er sich so sehr sehnt.

Können Sie immer eine so abgeklärte Haltung einnehmen?
Das wäre der Idealfall.

Würden Sie auch kämpfen, wenn es um eine Sache geht?
Wenn mich oder meine Familie jemand bedroht, ja.

Im Film "Sams in Gefahr" gehören sie nicht zu den Personen, die sich etwas wünschen dürfen. Haben Sie das bedauert?
Nein, eigentlich nicht.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Darüber müsste ich richtig lange nachdenken. Am Besten wünscht man sich das, was man sich nicht kaufen kann. Die Gesundheit z.B., ist mir superwichtig!

 

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