Willi Stächele

Baden-Württembergs Staatsminister

Staatsminister Willi Stächele (CDU) im Gespräch mit Hanno Gerwin
Staatsminister Willi Stächele (CDU) im Gespräch mit Hanno Gerwin
Staatsminister Willi Stächele (CDU) im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er macht seit langem schon Politik in Baden-Württemberg. Der CDU-Politiker Willi Stächele, Staatsminister und Minister für europäische Angelegenheiten, ist seit 2005 für Medien- und Filmpolitik sowie für Europafragen zuständig, kümmert sich um Grundsatzfragen und ist politischer Vertreter des Ministerpräsidenten. Die politische Karriere des studierten Juristen begann schon bereits 1981, als er mit 30 Jahren Bürgermeister von Oberkirch wurde. Danach begleitete er das Amt des Staatssekretärs, war Chef der baden-württembergischen Landesvertretung und von 2001 bis 2005 Landwirtschaftsminister – das passt zu seiner Liebe zu Land und Leuten.

 

Herr Minister, Sie sind mit Baden verbunden. Heimatliebe – das darf man Ihnen getrost nachsagen, daraus haben Sie nie einen Hehl gemacht. Was schätzen Sie besonders an Baden?
In der Tat, die Verwurzelung mit der Heimat ist für mich ganz wichtig. Aufgewachsen bin ich im Markgräfler Land, und durch die berufliche Betätigung als Bürgermeister in Oberkirch bin ich ein Rundum-Badener. Das wissen die Stuttgarter. Ich führte auch schon mal einen Wahlkampf unter dem Titel „Der Badener für Stuttgart“. Ich denke, es ist die Lebensart, die ich von Kindesbeinen an mit aufnehmen durfte. Auf eine Formel gebracht: Die Einen arbeiten um zu leben, die Anderen leben um zu arbeiten. Also wir arbeiten, damit wir gut und vernünftig leben können, aber man darf das nie unterschätzen. Die Badener sind auch ungemein fleißig.

Und was schätzen Sie an den Schwaben?
Pfiffigkeit, Genauigkeit und ein zielorientiertes Handeln und mit Geld umzugehen wissen. Die Kombination von Schwaben und Badener, die Baden-Württemberger also, sind eine Erfolgsstory geworden. Wahrscheinlich können wir uns deshalb gegenseitig so gut gebrauchen.

Sie passen im Grunde also hervorragend zusammen.
Ja. Ich bin auch stolz darauf, als Badener neben dem Ministerpräsidenten sein zu dürfen. Das war vielleicht ein ganz kluger Schachzug von ihm, in der Villa Reitzenstein zusammen mit einem Badener das ganze Land zu vertreten.

Sie arbeiten sehr eng mit dem Ministerpräsidenten zusammen, sind auch sein politischer Vertreter. Politisch funktioniert das wunderbar. Wie ist das menschlich?
Ist so ein Ministerpräsident auch ein Freund, oder geht das zu weit?

Diese Gemeinsamkeit rührt aus einer langjährigen Freundschaft. Wir sind seit 1992 im Landtag, dann hat sich eine ganz intensive Freundschaft entwickelt. Es ist immer gut, wenn man auf Freundschaft aufbauen kann. Das ist im Grunde der Inbegriff des Vertrauens und der Verlässlichkeit. Er ist mein Chef, der Ministerpräsident. Aber wir sprechen auch viel unter vier Augen.

Sie sind Jurist und waren früher als Staatsanwalt tätig.
Ich war ein Jahr Verkehrsstaatsanwalt in Freiburg.

Waren Sie ein strenger Staatsanwalt?
Nein, ich war ein eher milder Staatsanwalt. Allerdings lernt man schnell, dass es nicht nur um Milde geht, sondern um Prävention. Alkoholbedingte Unfälle mit Todesfolgen reißen Menschen in furchtbare Schicksale, die Betroffenen, aber auch die Verursacher. Ich habe alles drangesetzt Sorge zu tragen, dass man nicht trinkt, wenn man sich hinterher ans Steuer setzt. Es war sehr interessant, ein Jahr als Staatsanwalt tätig zu sein. Dann war ich ein Jahr in Bonn als Beamter für die Justiz in der Landesvertretung tätig. Es war sehr spannend, so jung die politische Bonner Szene zu erleben.

War das die Weichenstellung dafür, in die Politik zu gehen und Bürgermeister zu werden?
Nein, das begann viel früher. Mein Vater war Bürgermeister von zwei kleinen Gemeinden, und da ist man natürlich am Mittagstisch miteinbezogen. Der erste entscheidende Einstieg war, als ich mit knapp 21 Jahren in das Kreisparlament von Lörrach gewählt wurde. Da war ich noch ein bärtiger, langmähniger Student.

Sie sind mit 30 Jahren Bürgermeister geworden, das ist jung.
Ja, das war jung. Die Stadt hatte etwa zwanzigtausend Einwohner, und es war eine interessante Aufgabe, die ich übernehmen durfte. Meine 17-jährige Bürgermeistertätigkeit machte Spaß.

Politikverdrossenheit ist heute nicht nur ein Schlagwort, viele Menschen glauben nicht mehr an die Politik und lehnen sie ab, aber Sie lieben die Politik. Warum?
Wer mit ganzer Leidenschaft dabei ist, dem tut es manchmal weh zu sehen, dass wir Politiker laut Umfragen nach den Versicherungsvertretern nun wirklich ganz am Ende der Skala des Ansehens stehen. Aber manchmal tut es gut zu hören: „Wir sind froh, dass Sie diesen Job machen“. Überall dort, wo Sie in direkte Berührung mit den Menschen kommen, kriegen Sie Zuspruch. Mir macht es nach wie vor Spaß. Es ist spannend! Ich habe es noch keine Sekunde bereut, den Weg des Politikers begangen zu haben.

Wenn Sie die Medienlandschaft betrachten, sei es in Baden-Württemberg oder darüber hinaus, was hätten Sie gerne anders?
Die zentrale Aufgabe besteht momentan in der Digitalisierung, Es ist eine neue Zeit, die jetzt anbricht. Was mir aber nicht passt, ist der Zeitdruck, unter dem Journalisten stehen. Den Abschreibjournalismus und auch mangelnde Recherche finde ich widerlich. Dann sollte man auch nicht nur der Hatz der Schlagzeilen verfallen, gerade auch im Umgang mit den politischen Themen und Politikern. Es gibt aber auch viele gute Journalisten, die sich mühen.

Sie sind mit der katholischen Kirche verbunden. Wie ist Ihre Einstellung zum Glauben?
Ich hatte das Glück, dass mir in der bewährten Art der katholischen Kirche die Korsettstangen eingepflanzt worden sind – als kleiner Bub, als Ministrant, als Anhänger der katholischen Jugendbewegung. Solche Korsettstangen eingepflanzt zu bekommen, ist heute total umstritten. Aber ich bin dankbar, denn das sitzt.

Das haben Sie aber nicht immer so gesagt. Hat Sie das auch gestört?
Ja, aber mit der Zeit begreift man, dass eine Grundfeste da ist. Was man letztlich daraus ableitet, muss man immer wieder im Lichte der Geschehnisse, Ereignisse und neuen Erkenntnisse werten. Ich würde mich arm fühlen, wenn ich nicht den Bezug zum christlichen Glauben hätte. Das gibt natürlich auch Kraft, und manche Situationen übersteht man mit Sicherheit besser, wenn man weiß, irgendwo sind wir aufgehoben.

Können Sie eine Situation benennen, wo der Glaube für Sie wirklich wichtig wurde?
Lebenssituationen sind eng mit dem Glauben verbunden, gerade dort, wo man liebe Menschen verliert. Man ist dankbar, die Stütze durch den Glauben zu haben, beispielsweise wenn man familiäre Entwicklungen sieht, die da und dort uneben sind.

Beten Sie bewusst vor einer schweren Entscheidung?
Ja. Es sind persönliche Worte, die ich verwende. Zu sagen „lieber Gott, hilf mir“, ist ein schwieriger Satz. Es ist wichtig, dass man das kann.

Im Rückblick betrachtet: Gab es auch Jahre, von denen Sie gesagt haben, das waren keine guten Jahre?
Nein, das kenne ich nicht. Das hängt vielleicht mit meiner Lebenseinstellung zusammen. Man sagt mir nach, ich sei ein lebensfroher Typ. Mein Lebensstil ist es, fröhlich und optimistisch zu sein, jede Chance zu nutzen, lachen zu können und auch anderen von dieser Fröhlichkeit mitgeben zu können. Die Fröhlichkeit ist eine gute Grundlage, auch für die Arbeit.

Das ist eine sehr gute Lebenseinstellung.
Es ist ganz wichtig, dass man sich das nicht nehmen lässt.

Wann hat Ihnen die Familie besonders viel bedeutet, besonders viel Kraft gegeben?
Immer dann, wenn man ein bisschen runtersaust, ist die Familie der Hort, wo man sich rückversichert und merkt, dass diese Familienbande doch mehr sind. Dann tut es gut, wenn man Töchter hat, die sich einem zuwenden, wenn sich die Frau einem zuwendet.

Würden Sie sich als Familienmensch bezeichnen?
Wenn Sie unter einem Familienmenschen einen verstehen, der viel daheim ist, dann bin ich es nicht ganz. Aber in Bezug auf die Werte und die Bedeutung von Familie, dann schon. Es bedeutet mir auch sehr viel, über den engeren Familienkreis hinaus regelmäßig bei größeren Familientreffen den Kontakt zu halten.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Der erste Wunsch ist immer der, dass die ganze Familie und ich gesund bleiben. Auch Wünsche verändern sich im Laufe der Jahre, und jetzt ist es so, dass ich mir sage: Menschenskinder, es ist ganz gut, wenn der Herrgott dich schützt und dir Gesundheit gibt.

 

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