Dr. Monika Stolz

Ehemalige Ministerin für Arbeit und Soziales in Baden-Württemberg

Ministerin Dr. Monika Stolz im Gespräch mit Hanno Gerwin
Ministerin Dr. Monika Stolz im Gespräch mit Hanno Gerwin
Ministerin Dr. Monika Stolz im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie steht in Baden-Württemberg an allererster Stelle, wenn es um Arbeit, Familie und Soziales geht. Dr. Monika Stolz ist die Ministerin für genau dieses Resort. Die CDU-Politikerin ist für dieses Amt mit eigenen Erfahrungen ausgestattet, denn Dr. Monika Stolz ist promovierte Medizinerin und kennt die Zusammenhänge zwischen medizinischen und sozialen Bereichen. 1951 geborenen, sind der Politikerin und vierfachen Mutter auch Themen wie Kinder und Erziehung nicht fremd, und sie weiß wie schwer es ist, Kindererziehung und Familie unter einen Hut zu bringen. Monika Stolz lebt seit langem in Ulm und kandidiert auch im dortigen Wahlkreis. Bei der Landtagswahl 2006 holte sie 43,8% der Stimmen. Ministerpräsident Günther Oettinger holte sie als Ministerin ins Kabinett. Das Interview wurde 2008 geführt.

 

Frau Dr. Stolz, kam es für Sie die Anfrage, Ministerin zu werden, überraschend oder war das bereits vorbesprochen?
Nein, es war nicht geplant. Ich habe die Dinge in der Politik immer auf mich zukommen lassen. Als der Ministerpräsident mich fragte, ob ich das Amt übernehmen würde, sagte ich natürlich auch gerne ja.

Ist das ein schöner Moment?
Man muss sich schnell entscheiden. Es ist eine sehr reizvolle Aufgabe und eine Chance, die ich sehr gerne wahrnahm.

Ihr Ministerium umfasst ein riesiges Resort. Die Ministeriumsbezeichnung lautet „Arbeit und Soziales“. Darin enthalten sind auch Themen wie Familie, Frauen, Medizin und Gesundheit. Welche Menschengruppe, für die Sie zuständig sind, hat es am meisten nötig in Baden-Württemberg?
Es geht vor allem um Menschen, die Unterstützung oder Hilfe brauchen, da möchte ich eigentlich keinen Unterschied machen. Wir müssen uns um die Kinder in unserem Land kümmern, die Hilfe brauchen, müssen aber auch insgesamt unser Land kinderfreundlich machen. Einerseits gilt es darauf zu achten, dass unsere Jugendlichen einen guten Weg gehen können, andererseits ist unsere zunehmend ältere Gesellschaft – und damit die zunehmend pflegebedürftigen Menschen - ein ganz wichtiges Thema. Das sind wichtige Aufgaben für das nächste Jahrzehnt. Es gibt in allen Altersstufen Menschen, für die wir ein Stück politische Verantwortung übernehmen sollten.

Sie sind auch Kinderbeauftragte der Landesregierung. Zu Beginn des Jahres 2008 benannten Sie als oberste Priorität, die Kinderarmut zu bekämpfen. Wie ist der Stand in Baden-Württemberg? Welche Rolle spielt dieses dramatisches Schlagwort „Kinderarmut“?
Was die Zahlen betrifft, stehen wir in Baden-Württemberg nicht so schlecht da. Wir haben den niedrigsten Anteil an Kindern, die Hartz-IV-Empfänger sind, und wir haben auch die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit von allen deutschen Bundesländern. Umso mehr müssen wir uns jedoch um die Kinder kümmern, denen es nicht so gut geht. Dafür gibt es allerdings kein Patentrezept. Es ist immer ganz wichtig, dass wir Politiker nicht so tun, als würden wir schnelle Lösungen kennen und praktizieren können. Für uns ist das Wichtigste, dass wir für Eltern, für alleinerziehende Mütter Möglichkeiten schaffen, am Arbeitsmarkt teil zu haben. Das ist für mich die beste Sozialpolitik.

Wenn es der ganzen Familie besser geht, geht es auch den Kindern besser.
Die eigene Existenz sichern zu können, ist die beste Lösung gegen Armut. Das heißt auch, Kindern Chancen in der frühen Förderung und in der Ausbildung zu geben, damit sie in der Lage sind, einen Beruf zu ergreifen und im Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Können Sie überhaupt direkt etwas für die Kinder tun, ohne es gleich für die Eltern zu tun?
Den Blick nur auf die Kinder zu haben, greift zu kurz, denn die ersten Menschen, die den Kindern Chancen geben, sind immer die Eltern. Das fängt von frühbeginn bei den Müttern und Vätern an, ob es ihnen beispielsweise gelingt, eine gute Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Darum ist das Motto „Starke Kinder heißt auch starke Eltern“ für mich ganz wichtig, auch in den Bereichen, in denen wir die Eltern im Blick haben.

Gibt es zur Bekämpfung der Kinderarmut, ein konkretes, modellhaftes Projekt?
Es wird nie ein Projekt geben, das die Probleme löst. Ich rede immer von Bausteinen, die wir ergreifen müssen. Bei Kinderarmut müssen wir uns nach der Ursache fragen. Die häufigste Ursachen sind Arbeitslosigkeit und Alleinerziehung. Es gibt natürlich auch andere Ursachen, wie zum Beispiel gescheiterte Familien, wo wir als Politiker nicht direkt eingreifen können, das ist ein gesellschaftliches Problem. Aber auch da geht es häufig darum, alleinerziehenden Eltern auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu geben, damit sie die Existenz des Kindes sichern können.

Sie haben vier eigene Kinder und eine steile Karriere gemacht. Bevor Sie Ministerin wurden, waren Sie promovierte Medizinerin und studierten Volkswirtschaft. Wie haben Sie das hingekriegt? Haben Sie einen sehr hilfsbereiten Mann?
Ja, das will ich auch immer betonen. Beruf, Studium und Familie zu vereinbaren, das gelingt am besten in einer Partnerschaft, in der beide das gleiche wollen und in der beide die Pflichten übernehmen. Ich hatte immer das Glück, bei meinem Mann auf Verständnis zu stoßen. Er unterstützt meine Berufstätigkeit und unterstützte mich auch während meines Studiums unterstützt. Unsere Arbeitsteilung zu Hause war immer sehr partnerschaftlich. Ohne das wäre vieles nicht möglich gewesen.

Welche Eigenschaften sind für eine solche Organisation wichtig?
Man muss „ja“ zu einer gewissen Belastung sagen. Im Schlafwagen geht das nicht. Man muss es wollen, und man muss es gemeinsam wollen. Vielleicht muss man sich auch einen gewissen Perfektionismus abgewöhnen. Das tut den Kindern gut und tut auch der Familie gut.

Als Ministerin brauchen Sie aber die Perfektion.
Ja, am Arbeitsplatz brauche ich sie natürlich.

Schreiben Sie sich Termine, die mit Ihren Kindern zu tun haben, genauso dick in Ihren Ministerkalender wie andere Termine?
Die habe ich auch im Kalender.

Welche Rolle spielen die Eltern als Vorbild für die Kinder? Was haben Ihre Kinder gerne von Ihnen angenommen und wo haben sie sich in eine ganz andere Richtung entwickelt?
Das ist schwer zu sagen. Man entdeckt viele gemeinsame Züge. Das faszinierende an Kindern ist, dass sie einem permanent den Spiegel vorhalten.


Was haben Sie da gesehen?
Ach, nicht immer das Beste. Kinder begleiten ihre Eltern durchaus kritisch, und das finde ich das Schöne an der Erziehung von Kindern. Es ist ein gegenseitiger Prozess. Die Bereicherung durch meine Kinder und die Erziehung meiner Kinder möchte ich in meinem Leben nicht missen.

Welche Rolle spielt für Sie die Religion, beispielsweise um den Alltag zu meistern?
Religion spielt eine wichtige Rolle. Gerade, wenn man Verantwortung für Kinder übernimmt, ist Religion und Glaube und die damit verbundene Zuversicht ein großer Reichtum.

Spielt das religiöse Leben in Ihrer Familie eine große Rolle?
Durchaus, aber in einem sehr lockeren Rahmen. Meine Mutter kam aus dem katholischen Rheinland und vermittelte mir den katholischen Glauben auch auf rheinische Art. Mein Vater kam aus Franken, wo die etwas strengere Art des Glaubens vermittelt wurde. Diese Mischung aus rheinischer Lockerheit und dann fränkischer Ernsthaftigkeit haben sie unseren Kindern dann auch vermittelt.

Manchmal fällt es ja nicht so leicht, mit Kindern über Religion zu reden. Es gibt Eltern, die das ganz gerne tun würden, aber nicht so recht wissen, wie sie anfangen sollen. Wie war das bei Ihnen?
Ich glaube, es ist weniger eine Sache des vielen Redens, als mehr das Vorleben. Worte sind das eine, aber das Wichtigere ist zu zeigen, dass man aus dem Glauben heraus leben kann. Es kann mir durchaus etwas bringen am Sonntag in die Kirche zu gehen.

Wenn die Kinder das sehen, überzeugt sie das am stärksten?
Ja. Es gibt durchaus Grenzerfahrungen, wenn beispielsweise ein Familienmitglied stirbt oder wenn Großeltern sterben. In solchen Situationen kann man zeigen, dass der Glaube sehr wertvoll sein kann.

Manche religiösen Gebräuche, Sitten oder auch Feste haben in der Öffentlichkeit keine große Bedeutung mehr. Besonders Pfingsten ist ein Fest, mit dem viele Menschen nichts mehr anfangen können. Was bedeutet Ihnen Pfingsten?
Pfingsten ist sicher nicht das einfachste Fest der Kirche, da es sehr abstrakt ist. Es hat mit dem Heiligen Geist zu tun.

Und den sieht man nicht.
Man sieht ihn nicht und kann ihn auch schlecht vermitteln. Für mich ist Pfingsten ein Fest, an dem man daran erinnert wird, dass man aus dem Glauben heraus lebt und der Geist des Glaubens für die Gemeinschaft ganz wichtig ist. Pfingsten ist weniger ein Fest für einen alleine, sondern mehr ein Anmahnen an die versammelten Gläubigen, aus dem Geist heraus zu leben und dies auch zu dokumentieren.

Vielleicht sollten die Kirchen Pfingsten mehr als bisher als ihr großes Fest feiern. Schließlich steht es für die Gründung der Kirche aus dem Geist heraus. Dann würde Pfingsten auch bei der Bevölkerung mehr Interesse wecken.
Ja, ich wünsche den Kirchen in vielen Bereichen einfach viel mehr Selbstbewusstsein.

 

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