Joana Zimmer

blinde Popsängerin

Joana Zimmer
Joana Zimmer im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie ist eine hervorragende Sängerin, die es bereits auf Platz zwei in den deutschen Singlecharts schaffte – und die immer eine dunkle Sonnenbrille trägt. Joana Zimmer ist von Geburt an blind. Seit ihrem 15. Lebensjahr macht sie Musik, kam mit ihrer außergewöhnlich ausdrucksstarken Stimme bei Universal Music unter Vertrag und startete eine überaus erfolgreiche Karriere als Sängerin einfühlsamer Popsongs. Auf ihrem neuesten Album „Showtime“ singt die 1979 in Freiburg geborene Sängerin große Songs aus den 70er und 80er Jahren. Joana Zimmer ist außerdem Botschafterin der Christoffel-Blindenmission, die sie mit Benefizkonzerten unterstützt.

 

Joana Zimmer, haben Sie die Blindheit irgendwann als Behinderung empfunden oder war sie für Sie ganz selbstverständlich?
Sie war eher selbstverständlich, weil ich damit aufwuchs. Sie schränkte mich nie in dem Sinne ein. Ich konnte alles machen, was ich machen wollte, was ich ausprobieren wollte. Ich habe schon immer gerne Sport gemacht und natürlich auch gesungen.

Wenn Sie heute die Möglichkeit hätten, durch irgendeine medizinische Kunst das Augenlicht zu bekommen, würden Sie das überhaupt wollen?
Ja, warum nicht. Trotz allem müsste ich das Sehen „ erlernen“. Man kann ja nicht auf einmal sehen, sondern nimmt die Dinge zwar wahr, kann sie aber nicht erkennen. Es ist die Frage, ob man das dann möchte.

Sie würden also nicht sagen, die Blindheit wäre Ihre Welt?
Nein, da wäre ich eher neugierig.

Die heutige Welt ist voll von optischen Reizen, was uns sehr unruhig werden lässt. Wie interpretieren Sie diese Unruhe?
Natürlich kenne auch ich die Unruhe in Form von akustischen Reizen, beispielsweise Computer, die sprechen. Wenn man sich darauf einlassen möchte, kann man immer ein hektisches Leben leben. Ich nutze diese technische Entwicklung jedoch dazu, um noch unabhängiger zu sein und versuche mich nicht allzu sehr davon beunruhigen zu lassen. Ich bin ein Mensch, der auch auf ganz andere Dinge Wert legt, wie Sport, gutes Essen oder eben die Musik.

Können Sie diese Dinge möglicherweise stärker genießen als jemand, der durch seine Sehfähigkeit abgelenkt wird?
Ich glaube, es kommt auf die Einstellung an.

Wann haben Sie Ihr Talent zum Singen entdeckt?
Das war sehr früh. Ich wurde nie in irgendeine Richtung gedrängt. Meine Eltern schufen mir Möglichkeiten, mich zu entwickeln und herauszufinden, was mir Spaß macht.

Mit 15 Jahren traten Sie dann in Jazzclubs auf.Hatten Sie den Ehrgeiz, es wirklich ganz nach oben zu schaffen?
Ja, und ich wollte von meiner Arbeit leben können. Der Traum eines jeden Menschen besteht darin, auch in dem, was man beruflich tut, Erfüllung zu finden. Ich bin sehr froh sagen zu können, das zu tun, was ich schon immer tun wollte und davon leben zu können.

Haben Sie es als blinde Sängerin schwerer Anerkennung zu finden?
Das glaube ich nicht. Ich bin relativ natürlich und offen und meine Eltern haben mich sehr zur Selbständigkeit erzogen.

Es gibt berühmte Vorbilder, beispielsweise den blinden Sänger Stevie Wonder.
Stevie Wonder ist für mich ein genialer Musiker. Er singt gut und schreibt auch seine Songtexte selbst. Er hatte einen Hit nach dem anderen, unabhängig davon, ob der sehen kann oder nicht.

Ist er Vorbild für Sie?
Nein, ich achte sein Können und vor allem sein Lebenswerk, wie auch bei Billy Joel oder bei Barbara Streisand, die mich beim Singen inspirieren.

Wenn man bei Ihren Songs genau hinhört, so merkt man, dass Sie sich auch gerne an Barbara Streisand orientieren.
Sie war mir immer ein Vorbild, weil sie einen sehr hohen Wiedererkennungsewert hat. Sie singt sehr schwere Passagen, ohne angestrengt zu klingen.

Wovor haben Sie Angst?
Ängste habe ich eher weniger. Ich könnte sagen, dass ich mich im Dunkeln nicht so wohl fühle, da ich nämlich hell und dunkel unterscheiden kann. Nachtwanderungen fand ich als Kind immer ganz unheimlich.

Wie ist Ihre Einstellung zur Religion?
Ich wurde christlich erzogen, was mir wichtig ist. Wir sind alle ein bisschen abhängig von unserem Umfeld, in dem wir leben, und danach entwickelt sich die Religiosität. Es ist wichtig, Religiosität zu respektieren, da sie ein Teil unserer Kultur ist, und man sollte viel darüber wissen. Ich bin froh, einen sehr guten Religionsunterricht gehabt zu haben. Religiöse Grundsätze müssen aber auch an die Umstände der heutigen Zeit angepasst werden. Wichtig ist auch die Achtung vor anderen Religionen.

Wie verhält es sich mit Ihrem persönlichen Glauben? Gibt er Ihnen Kraft und Stärke?
Ja, sicher. Ich bin davon überzeugt, dass der Glaube wichtig ist, dass es etwas gibt was uns Kraft gibt.

Von Gott möchten Sie nicht reden?
Doch. Aber Gott hat für mich viele Namen und ist in sehr vielen Dingen.

Im Neuen Testament gibt es viele Geschichten über die Heilung von Blinden. Wie wirken solche Heilungsgeschichten auf Sie?
Das ist für mich sehr weit weg und einfach zu unwirklich. Man weiß ja, was heute möglich ist und was nicht. Ich würde jetzt sicher nicht zu einem Heiler gehen.

Sie unterstützen die Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V. Dieser Verein versucht in den Ländern, wo die Leute kein Geld haben, Blindheit zu behandeln und zu heilen. Wie sind Sie zur Christoffel-Blindenmission gekommen?
Man kam auf mich zu. Die CBM ist eine Organisation, die sich weltweit für Menschen mit Handicaps einsetzt, vor allem in Drittländern. Das überzeugte mich, denn wenn ich als Botschafterin für diese Organisation eintrete, dann weiß ich auch, wovon ich spreche, da ich selbst ein Handicap habe. Allerdings lebe ich unter sehr guten Bedingungen und habe nicht die Probleme, die andere Menschen haben, die in Ländern leben, wo das Blindsein ganz anders gewertet wird. Es gibt Menschen in Afrika, die durch Masern erblinden. Durch die Benachteiligung, die sie dadurch in ihrer Umgebung durch ihr Handicap erfahren, sind sie schon fast verloren. Das wichtige an der Arbeit von CBM besteht darin, Menschen unabhängig zu machen, Hilfe zur Selbsthilfe, sozusagen.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde mir wünschen, eine Welt-Tour zu machen. Ziel in meinem Leben ist es, viele Menschen mit meiner Musik zu erreichen und grenzübergreifend Musik zu machen.

 

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