Werner Sonne

Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio

Werner Sonne im Gespräch mit Hanno Gerwin
Werner Sonne im Gespräch mit Hanno Gerwin
Werner Sonne im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er ist seit vielen Jahren im Fernsehen zu sehen, immer dann, wenn es um wichtige politische Neuigkeiten geht. Besonders in Wahlkampfzeiten versucht er zwischen Schein und Sein zu unterscheiden, und das durchaus mit Erfolg. Werner Sonne ist Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, war zuvor ARD-Studioleiter in Washington und Warschau und moderiert politische Schwerpunktsendungen. Der gelernte Journalist ist ein Vollprofi, der viele Medien kennt. So war er zunächst bei einer Kölner Tageszeitung, dann bei einer Nachrichtenagentur und anschließend beim Radio. 1981 kam er schließlich zum Fernsehen. Werner Sonne kennt die Politik und die Politiker sehr genau, hört die vielen Zwischentöne und kann präzise darüber berichten. In Zeiten von Bundestagswahlen ist einer wie Werner Sonne Gold wert, und seine Worte haben gewicht.

 

Werner Sonne, Sie haben im Laufe Ihrer journalistischen Laufbahn mit so vielen Politikern gesprochen, dass Sie einen recht guten Überblick haben. Sie haben immer versucht herauszufinden, was Wahrheit und was Täuschung ist. Wie wahrhaftig sind Politiker?
Politiker sind besser als ihr Ruf. Das muss ich gleich vorweg mal sagen, da Politiker heutzutage im Generalverdacht sind nur an sich zu denken, geldgierig, machthungrig und faul zu sein. Das Bild des Politikers ist heute einfach schlecht, und dagegen muss man halten. Die Politiker und Politikerinnen haben heutzutage eine wichtige Funktion für uns alle in der Demokratie. Das ist das Wichtigste. Die Suche nach der Wahrhaftigkeit bleibt eine Suche, sie gelingt mal mehr und mal weniger. Es stehen politische Interessen im Vordergrund. Unsere Aufgabe als Journalisten ist es, durch diesen manchmal verhängten Nebel mit Hilfe unserer Recherchen und Fragen hindurchzustoßen. Das gelingt mal besser, mal weniger gut, aber das ist unsere Aufgabe.

Sind Sie mal von einem Politiker offen angelogen worden?
Ja, ich glaube schon. Ich kann mich nicht an einen konkreten Fall erinnern, den ich Ihnen jetzt präsentieren könnte. Der Politiker hat natürlich seine Wahrheit, dann gibt es noch die objektive Wahrheit, und beides stimmt nicht immer überein.

Das ist im Wesentlichen die Grundintension und das Wichtigste für einen Journalisten. Sie sind schon sehr lange Journalist, eigentlich von Jugendtagen an. Wie ist ihre eigene Einstellung zu dieser Wahrheit und wie wichtig ist Ihnen das persönlich?
Die Wahrheit ist unser Credo schlechthin. Wenn wir das nicht haben, können und müssen wir unseren Beruf aufgeben. Wer sich als Journalist nicht der Wahrheitsfindung verpflichtet fühlt, hat in unserem Beruf nichts verloren.

Womit kann man Sie kränken?
Indem man mir beispielsweise vorwirft, ich fühlte mich diesen Idealen nicht verpflichtet, ich würde Kumpanei mit Politikern betreiben und mich an sie anlehnen, ich sei nicht objektiv, ich sei parteiisch, damit könnte man mich kränken.

Kommt das vor?
Es kommt immer wieder mal vor, dass man versucht, mir politische Etikette anzuhängen. CSU-Generalsekretär Söder sagte mal zu mir: „Sie sind doch ein Schröder-Mann.“ - Irgendwo habe ich mal gelesen, ich sei CDU-nahe. Die Wahrheit ist, ich gehöre keiner politischen Partei an. Darauf lege ich allergrößten Wert.

Aber wenn Sie dann wählen gehen, machen Sie in der Abgeschiedenheit der Wahlkabine dann doch ihr Kreuzchen.
Ja, dann bin ich selbstverständlich ein Staatsbürger wie alle anderen auch. Nichtsdestotrotz hindert mich das daran, als Journalist das zu tun, zu sagen und zu berichten, was der Wahrheit so nahe wie möglich kommt. Außerdem behalte ich mir vor, mal so und mal so zu wählen, wie viele Millionen andere Deutsche auch.

In der Bibel gibt es das Gebot „Du sollst nicht lügen.“ - Glauben Sie, dass man das aufrechterhalten kann?
Ja, das gehört ja zu den Zehn Geboten, und warum soll man die nicht aufrechterhalten? Sie machen auch heute nach wie vor einen Sinn. Ob wir alle immer danach leben, ist eine völlig andere Frage. Aber wir sind eben nur Menschen, und deshalb sind wir auch Sünder. Das betrifft Sie, betrifft mich, und betrifft auch die Politiker. Da muss man nicht an der Menschheit verzweifeln.

Sie würden sagen, die Zehn Gebote sind eine gute Sache bis heute?
Ja, im Prinzip schon. Sie haben sich als Richtschnur insgesamt bewährt und vor allem haben wir keine besseren anzubieten. Insofern handelt es sich dabei um bewährte Richtlinien, an die wir uns nach Möglichkeit halten sollten, wenn es uns auch nicht immer gelingt.

Die Kirchen haben auch immer ein besonderes Verhältnis zur Politik. Den einen sind sie zu politisch, den anderen zuwenig. Wie würden Sie das aus Ihrer sehr differenzierten Sicht heraus beurteilen?
Ich glaube, dass die politische Kirche eher nachgelassen hat als zunimmt. Wir haben Zeiten erlebt, vor allem in der Nachkriegszeit, wo die Kirchen einen sehr viel größeren Einfluss auf die Politik hatten. Das hat sich sehr relativiert, also wenn Sie so wollen normalisiert.

Fänden Sie es gut, wenn die Kirchen mehr Einfluss nehmen würden?
Nein. Wenn die Kirchen ihre Werte nach vorne stellen, dann ist das völlig in Ordnung. Aber jeder hat nach seiner Façon selig werden zu dürfen. Deshalb sollte der Einfluss auf die Politik nicht überborden. Ich finde die momentane Regelung recht gut, ein politisches Klima zu haben, in dem die Kirchen auch eine Rolle spielen, aber eben nur eine Rolle, wie andere Gruppen auch. So kann und muss jeder selbst entscheiden, ob er sich danach richtet oder nicht.

Sie waren mal vor vielen, vielen Jahren Messdiener.
Richtig.

Wie ist Ihre Einstellung zum Glauben heute?
Ich bin in ein katholisches Elternhaus hineingeboren und damit in eine gewisse Religiosität hineingewachsen. Ich komme aus dem Hunsrück, dort ist man überwiegend katholisch. Als junger Mensch stellte ich diese Religiosität nicht in Frage. Je älter ich wurde, um so relativer wurde meine Einstellung zur „organisierten“ Religion. Seitdem ich damit anfing, auf eigenen Füßen zu stehen, entwickelte ich ein distanzierteres Verhältnis zur organisierten Religion. In diesem Zustand befinde ich mich heute noch.

Sie sind aber noch Kirchenmitglied, was für Journalisten nicht selbstverständlich ist.
Ja, das bin ich nach wie vor, und das lässt sich auch kritisch hinterfragen. Dazu haben Sie jedes Recht.

Keineswegs, ich möchte das nicht hinterfragen.
Aber ich meine, man kann das. Meine Familie ist katholisch, unser Kind ist katholisch getauft. Es wäre aber übertrieben, wenn ich unsere Familie - und mich vor allem - als besonders auffallend oder demonstrativ religiös bezeichnen würde.

Wie stellen Sie sich Gott vor? Nehmen Sie an, Sie müssten ein Bild malen.
Ha! Ich stelle ihn mir sicher nicht als alten Mann mit Rauschebart vor mit irgend so einen heiligen Geist, der als Taube herumkurvt und einem etwas jüngeren Vertreter, der Jesus heißt. Das ist ein sehr schwieriges Bild, das man von Gott hat. Es ist sicherlich eher im Geistigen als im Figürlichen anzusiedeln.

Was bedeutet Jesus für Sie?
Er war Religionsgründer und ursprünglich Anführer einer jüdischen Sekte. Daraus hat sich unter ganz vielen unterschiedlichen Einflüssen das Christentum entwickelt. Das ist die historische Wahrheit. Wenn man an Gott glaubt, ist er sicherlich derjenige, an dem man seinen Glauben festmachen kann und vielleicht auch muss.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ja, ich glaube schon, dass es so was gibt.

Beten Sie?
Nein, jedenfalls nicht regelmäßig, wie man sich das bei einem religiösen Menschen vorstellt. Es kann in sehr besonderen, sehr vereinzelten Situationen schon mal annähernd vorkommen. Ich habe mich in meinen späteren Lebensjahren mal wieder etwas intensiver aus gegebenem Anlass mit der Bibel beschäftigt.

Ist es Ihnen wichtig, dass Ihr Kind religiös erzogen wird? Dass es in diese Glaubenswelt irgendwie hineinwächst?
Ja, aber das Religiöse dominiert nicht in unserer Erziehung. Es war stärker der Wunsch meiner Frau als mein eigener Wunsch und ich habe mich dem gebeugt. Im Nachhinein betrachtet finde gut, dass es so ist. Unser Kind traf unlängst die Entscheidung, sich aus dem Religionsunterricht abzumelden. Diese Entscheidung konnte er an seiner Schule mit zwölf Jahren treffen, und ich bedauere dies.

Warum?
Weil ich hoffte, dass der Religionsunterricht dabei hilft, Werte zu vermitteln. Ich habe es aber nicht erzwungen. Wir haben es ihm freigestellt in der Hoffnung, dass er in ein Leben hineinwächst, wo er in der Lage ist, das für sich selber zu bewerten und entscheiden. Aber wie gesagt, ich hätte es vorgezogen, wenn er im Religionsunterricht geblieben wäre.

Glauben Sie, dass die Kirchen manches besser machen könnten?
Ich meine, die Kirchen könnten in vieler Hinsicht näher am Menschen sein, gerade die katholische Kirchen. Sie ist da auf einem ganz guten Weg mit dem neuen Papst, war es auch schon mit dem alten Papst. Machen wir uns nichts vor, natürlich gibt es hier einen Spagat zwischen einer konservativen Lehre, die unbeweglich ist und dem Versuch, stärker auf die Menschen zuzugehen, wie wir es beim Weltjugendtag 2005 in Köln erlebt haben.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich bin mit meinem Leben überwiegend zufrieden. Das ist ein sehr erfreulicher Zustand, wenn man das nach 58 Jahren sagen kann. Darum habe ich keine besonders herausragenden Wünsche, die es wert wären, in diesem Zusammenhang so herausgestellt zu werden. Jeder Mensch hat diesen oder jenen Wunsch, aber es wäre beinahe frivol Ihnen zu sagen, ich würde noch gerne das Segeln lernen.

Warum?
Es würde mir Spaß machen, aber...

Segeln zu lernen ist doch ein guter Wunsch.
Ja, aber wenn man an die hohen Ziele denkt, die wir von der Menschheit erwarten, dann ist das ein trivialer Wunsch und deshalb führe ich den hier nicht ernsthaft an.

 

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