Florian Sitzmann

Musiker und Mitglied der Söhne Mannheims

Florian Sitzmann im Gespräch mit Hanno Gerwin
Florian Sitzmann im Gespräch mit Hanno Gerwin
Florian Sitzmann im Gespräch mit Hanno Gerwin

Florian Sitzmann ist ein vielseitiger Musiker, Pianist, Keyboarder, Arrangeur und Produzent. Er spielt seit dem 5. Lebensjahr Klavier und hatte schon mit 7 Jahren seinen ersten Auftritt. Dann folgte eine umfassende musikalische Ausbildung: Komposition, Orchesterleitung, Badisches Konservatorium, Sinfonieorchester und ein abgeschlossenes Studium an der staatlichen Hochschule für Musik. Florian Sitzmann spielt in verschiedensten Formationen, viele prominente Künstler setzten auf ihn: Xavier Naidoo, Sascha, Laith al Deen und viele andere. Genauso lang ist die Liste der Künstler, für die er Musik produziert. Und dann ist er noch Dozent an der Popakademie Mannheim und einer der Söhne Mannheims.

 

Wie kommt es, dass jemand so vielfältig in der Popwelt vernetzt ist?
Mich hat Musik schon immer extrem als Ganzes interessiert. Ich war noch nicht richtig Jugendlicher, da fand ich schon spielen, arrangieren oder komponieren gleichermaßen interessant. Leider wurde das damals in der Ausbildung in meinem Alter gar nicht so stark berücksichtigt. Das ist heute sicherlich ganz anders. Aber in den damaligen Konzepten gab es das nicht so. Mir blieb gar nichts anderes übrig als zu sagen ja gut, ich nehme den Klavierunterricht, ich nehme das Studium, aber ich habe nebenbei noch Betätigungsfelder, die meine anderen Interessen in einem Maße bedienen, wie ich das in der Ausbildung momentan so nicht kriegen kann.

Wie ist das, wenn man mit verschiedenen Leuten zusammenspielt? Muss man sich da sehr umstellen oder gibt es eine professionelle Ebene, die unabhängig davon ist, mit wem man zusammenspielt?
Das verändert sich so langsam mit den Jahren. Ich glaube, wenn man jung ist und anfängt mit all diesen Dingen, muss man eine extreme Flexibilität besitzen und sich auf ganz vieles verschiedenes einstellen können. Sonst hat man gar keine Chance zu begreifen, um was es im Einzelfall geht, und was gerade erwartet wird, und was jetzt gerade auch für das Projekt ganz wichtig und toll ist. Das ist auch das Spannende daran. Heute, wo ich schon einen gewissen Namen in bestimmten Bereichen habe, und wo Leute aus verschiedensten Umfeldern aus ganz verschiedenen Gründen zu mir kommen, ist eher eine gewisse Konstanz gefragt.

Gibt es Konkurrenz unter den Musikern, die zusammen spielen?
Ich habe das große Glück, dass ich in eher konkurrenzarmen Bereichen tätig bin. Natürlich spüre ich Konkurrenz, es gibt unglaublich viele Projekte in der Musikszene, die ohne mich laufen und wo ich denke, "oh schade, dass da der spielt und nicht ich", das gibt es natürlich immer, aber unsere Region, auch die Region Mannheim und Heidelberg, zeichnet stärker als andere Regionen aus, dass man keine so große Lust am Konkurrenzdenken und am Ellenbogen benutzen hat. Wenn jemand gerade Erfolgt hat, oder etwas Tolles macht, dann freuen sich eigentlich alle mit. Und nächstes Mal macht wieder jemand anders etwas Tolles und durch das gemeinsame "Wurschteln" und Arbeiten etwa Interessantes hervorzubringen, das macht eigentlich mehr Spaß als die Punkte auf dem Marktwertskonto zu sammeln.

Sie haben auch schon in großen Kirchen gespielt oder sich auch mit geistlicher Musik beschäftigt. Wie empfinden Sie das?
Na ja, mit der Kirchenmusik habe ich so mein ganz persönliches Verhältnis. Ich will jetzt nicht so weit gehen, von einer Hassliebe zu sprechen.

Warum denn nicht?
Weil das Transportieren von Inhalten, die mit dem Glauben zu tun haben, für mich eine wichtige Sache ist. Aber wenn man Popmusik macht, dann beschäftigt man sich zwangsläufig mit so viel "Blabla", dass ich gar nicht anders könnte, als einen gewissen Teil meines musikalischen Tuns auch Dingen zu öffnen und zur Verfügung zu stellen, hinter denen ich einfach auch mehr stehe, als hinter einem guten Lovesong, an dem ich auch etwas ganz Tolles finden kann.

Das ist die Liebe. Warum Hass?
Weil ich erlebe, dass Musik im kirchlichen Umfeld extrem instrumentalisiert wird. Dass ihr mit einem großen Argwohn begegnet wird, den kaum jemand zuzugeben wagt. Wann immer im kirchlichen Bereich sich etwas verselbständigt, jemand künstlerisch eigenwillig wird. Ich spreche jetzt gar nicht mal nur von mir als Begleitmusiker, sondern von Solisten. Sobald eine Band aus dem kirchlichen Lager plötzlich mehr Erfolg hat, als in ihrer eigenen Kirche, wird das sehr stark beargwöhnt. Es wird extrem vorsichtig darauf geschaut. Es werden manchmal auch wirklich Barrieren errichtet, so dass das nicht wirklich weitergehen kann, weil das dann plötzlich nicht mehr einem Gesamtprogramm dient, aus dem das mal erwachsen ist, sondern weil plötzlich etwas Eigendynamisches stattfindet. Ich glaube, dass ein Erfolg, wie ihn zum Beispiel die Söhne Mannheims haben, - mit zum Teil sehr zentral christlichen Inhalten - nicht hätte zentral aus der Kirche kommen können, so wie im Moment im kirchlichen Bereich Musik gemacht wird und auch darauf geschaut wird.

Das heißt im Grunde genommen, die Kirche möchte eigentlich keine Stars, sondern sie möchte eher die Gleichheit Aller?
Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich finde es wunderbar, dass es in der Kirche eine musikalische Bewegung gibt, die ganz aus den Mitgliedern entstammt und dass man in der Kirche sagt, wir wollen das künstlich Aufgebauschte und das Nacheilen hinter Idolen gar nicht so richtig fördern. Was mir Schwierigkeiten macht, ist, dass gleichzeitig oft der begründete Anspruch da ist, fantastische Musik in den Kirchen haben zu wollen. Dann aber nicht der Weg gegangen wird, der dazu notwendig wäre.

Das geht nicht ohne den Ehrgeiz des Musikers.
Das geht aber auch nicht ohne den Ehrgeiz einer Gemeinde oder einer kirchlichen Plattform, wo man sagt, ja wir wollen das wirklich haben. Ich glaube an eine Dualität, dass man beides haben kann. Also die Laienbewegung, die die Menschen in der Kirche mit ins Musizieren hineinnnimmt, aber ich glaube auch, dass Raum da wäre für eine sehr professionelle, groß angelegte und stilistisch breit angelegte Bewegung in der Kirche, die sagt, wir erlauben uns einen Rahmen für Konzerte, für musikalisches Erleben zu bieten, egal ob Popmusik, klassische Musik oder World Music. So dass Menschen, die der Kirche eigentlich eher fern stehen, in die Kirchen hineingeholt werden.
Man müsste das aber wirklich wollen.

Das ist in Amerika anders. Da hat man auch wirkliche Stars in Kirchen.
Es geht gar nicht um Stars. Wenn man dort in Kirchen hineinschaut, die einen bezahlten Musikpastor haben, der sich um nichts anderes kümmert als um professionelle Musik in der Kirche, dann ist eben auch die Gemeindemusik auf einem Level, dass man nicht mehr unbedingt am Samstag Abend in den Club muss, um etwas Besseres zu erleben. Man könnte auch am Sonntag Morgen in die Kirche gehen und hätte dasselbe. Im Bereich der klassischen Kirchenmusik, der Organisten, die zum Teil fantastisch ausgebildet sind, haben wir es ja schon geschafft, dass wir Koryphäen haben in unseren Kirchen. In meiner Kirchengemeinde in Karlsruhe Rüppur war der Kantor Nietzsche, der war eine Koryphäe. Ich bin in den Gottesdienst gegangen, weil der so toll Orgel gespielt hat. Ich wünschte mir, dass es in breiteren stilistischen Gefilden in Kirchen ähnliche Effekte gäbe.

Also Popmusik professionell, aber deswegen nicht weniger geistlich. Das wäre ihr Wunsch?
Das wäre mein Wunsch.

Da wären Sie genau der Richtige, um das durchzusetzen.
Durchsetzen ist ganz schwierig, das würde ich gar nicht wollen, weil ich glaube, man kann nur darauf Lust machen. Ich glaube, jede Gemeinde, jede Kirche, jede kleine Parzelle innerhalb der Kirche, darf sich überlegen, wollen wir das. Wollen wir so eine Kirche sein, die darauf den Fokus richtet. Ich versuche eher so eine Art Botschafter zu sein, für die Idee, dass es in der Kirche professionelles Musikmachen geben darf. Ein großer Teil meiner Arbeit fließt in Bildung im Rahmen der Popakademie Baden-Württemberg. Im Moment ist es so, dass ich für andere Dinge keine Zeit habe. Ich kann mir aber gut vorstellen, die Erfahrungen, die ich dort sammle, auch im kirchlichen Bereich eines Tages stärker einzubringen.

 

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