Uwe Seeler

den deutschen Rekordfußballer und vorbildlichen Sportler

Uwe Seeler im Gespräch mit mit Hanno Gerwin
Uwe Seeler im Gespräch mit mit Hanno Gerwin
Uwe Seeler im Gespräch mit mit Hanno Gerwin

Er ist dafür bekannt, deutsche Fußballgeschichte geschrieben – oder besser gesagt geschossen und geköpft – zu haben. Uwe Seeler wurde 1936 geboren und ist seit seinem neunten Lebensjahr Mitglied beim Hamburger Sportverein HSV. Wegen seinen überragenden fußballerischen Leistungen – vier WM-Teilnahmen, dreimal Fußballer des Jahres sowie Ehrenspielführer der Nationalelf – und aufgrund seiner ganz besonderen Fairness, verkörpert Uwe Seeler deutschen Spitzenfußball wie kaum ein anderer. Nachdem er seine aktive Karriere beendet hatte, engagiert sich Uwe Seeler heute mit seiner Stiftung für die Unterstützung in Not geratener Menschen. Er, der Leistungsträger, möchte Menschen fördern, die es in der Leistungsgesellschaft schwer haben.

 

Herr Seeler, sehr viel Erfolg haben Sie in Ihrem Leben Ihrem Körper zu verdanken. Was haben Sie für Ihren Körper getan?
Da ich ja ein Nachkriegskind bin, trainierte ich täglich auf der Straße. Ich bolzte auf Trümmergrundstücken und machte Fallrückzieher und Kopfballflugbälle auf dem Kopfsteinpflaster auf der Straße. Wir spielten Straße gegen Straße. Ich trieb viel Sport, und das ist mir ganz gut bekommen.

Das waren noch keine „Trainingsprogramme“. Diese gab es damals noch gar nicht.
Nein.

Sie hatten Talent, und das Spielen machte Ihnen soviel Spaß, dass Sie bis an Ihre Grenzen gingen.
Absolut! Ich hatte gottseidank einen guten Trainer, Günther Mahlmann. Nach dem Krieg baute er beim HSV die ganze Jugendarbeit wieder auf. Ich hatte zweimal die Woche Training, ging aber anfangs nicht regelmäßig hin. Da bekam ich natürlich Schelte von meinem Vater, und so ging ich doch wieder hin. Das Ganze nahm seinen Lauf: ich spielte in Auswahlmannschaften zunächst beim Hamburger Fußballverband, dann beim Fußballverband Norddeutschland und später auch in der Jugendnationalmannschaft. Es machte mir einfach Freude, Fußball zu spielen, mich zu bewegen, ein bisschen unterwegs zu sein.

Haben Sie schon als Junge gemerkt, dass Sie dieses außergewöhnliche Talent besitzen oder nahmen Sie das damals gar nicht so wahr?
Ich hatte Freude und Spaß am Fußball, aber andere merkten wohl, dass da ein bisschen mehr war und schickten mich auf Lehrgänge. Als ich dann Jugendnationalspieler wurde, dachte ich mir natürlich bereits, dass da noch ein bisschen mehr drin war. Das Ziel eines jeden jungen Spielers ist es, zunächst in die Ligamannschaft des Vereins zu kommen. Wenn man das geschafft hat, dann sind die Auswahlmannschaften das nächste, und das Endziel ist die Nationalmannschaft.

Was war das für ein Gefühl, das erste Mal in der Nationalmannschaft zu spielen?
Da ist schon ein außergewöhnliches Gefühl, vor allem, wenn man wie früher bei uns wusste, bei Sepp Herberger musste man ein Jahr kontinuierlich gut spielen, sonst wurde man überhaupt nicht erst gerufen.

Sie sind nie übermütig geworden oder waren abgehoben. Was hat Sie davor geschützt? Schließlich könnte man bei so großem Erfolg schon mal leicht abheben.
Das Elternhaus schützte mich davor. Ich komme aus einem kleinen, bescheidenen Elternhaus. Meine Eltern betreuten immer liebevoll und mit Herz und wussten genau, dass man nie abhebend darf sondern immer fest auf dem Boden bleiben muss. Mein Vater war selbst ein guter Fußballer. Er wusste was Sache ist und hielt meinen Bruder und mich stets auf Trapp. Vor allem lehrte er uns, nicht so zimperlich zu sein, wenn wir mal einen verstauchten Knöchel hatten: „Stell‘ dich nicht so an! Mach‘ einen nassen Lappen drum, in zwei Tagen ist alles wieder gut.“ – Und so ging es dann auch sehr gut. Zu keiner Zeit wurden wir übermütig, selbst nicht in der Zeit, in der ich Nationalspieler war und Höchstleistungen erbrachte. Man soll sich freuen, anderen Leuten mit seinem Fußball eine Freude machen zu können, aber mehr auch nicht. Nur weil man vielleicht ein bisschen gut Fußball spielen kann, ist man kein besserer Mensch.

Das klingt aus dem Munde eines der größten Fußballspieler Deutschlands unglaublich bescheiden.
Das ist so. So habe ich gelebt, und damit bin ich gut gefahren.

Da steckt ja eine gewisse Wertigkeit dahinter, Ehrlichkeit, Fairness und Menschlichkeit. Welche Rolle spielt der christliche Glaube dafür? Hat er für Sie eine Rolle gespielt?
Ich glaube nicht. Für mich spielte es eine Rolle, fair miteinander umzugehen, hart aber korrekt zu sein und die Leistung des Anderen anzuerkennen. Das habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Ich war unheimlich ehrgeizig und konnte schlecht verlieren. Trotzdem war es meine Devise, gewinnen wollen, aber auch verlieren zu können. Ich glaube, zu einem guten Sportler gehört auch verlieren können. Es gibt schließlich Tage, an denen andere besser sind, und das muss man akzeptieren.

Ihr soziales Engagement haben Sie ganz ausführlich geäußert, indem Sie die „Uwe Seeler Stiftung“ gründeten. Sie unterstützen Menschen, die in Not geraten sind. Was sind das für Menschen?
Ich half bereits von jungen Jahren an, ob ich nun mal meine Fußballschuhe, eine Hose oder ein Trikot mit Unterschrift für einen wohltätigen Zweck weggab. Auch das kam aus dem Elternhaus. Meine Eltern sagten immer: „Uwe, egal wie viel es ist, auch wenn es wenig ist, du musst immer helfen.“ – Seit über 30 Jahren engagiere ich mich bei muskelkranken Kindern. Anlässlich meines 60. Geburtstags gründete ich meine Stiftung gegründet. Meine Frau brachte mich auf den Gedanken, eine eigene Stiftung zu gründen, damit ich wüsste, wo das Geld hinginge. Das machte ich mit sehr viel Erfolg. Ich unterstütze seelisch, geistig, körperlich behinderte Personen, dann natürlich auch meine Muskelkranken. Vor einem dreiviertel Jahr nahm ich auch den Behindertensport dazu, weil ich der Meinung bin, dass behinderte Sportler enorm viel leisten, und da ziehe ich den Hut vor. Noch besser ist, dass diese behinderten Sportler anderen behinderten Kollegen, die sich teilweise schon aufgegeben haben, unheimlich viel Lebensmut einhauchen, und das muss unterstützt werden.

Dieses Engagement für die Gesellschaft ist nicht selbstverständlich, auch nicht für Fußballer, die heute die großen Stars sind.
Im Fußball gibt es sehr viel Wohltätigkeit, auch beim Deutschen Fußball-Bund. Es wird viel gemacht. Wenn aber jeder etwas tun würde, dann ginge es den Bedürftigen noch besser. Es können ja nie genug sein!

Und entscheidend ist das Vorbild der Eltern. Haben Sie diese Vorbildfunktion bei Ihren Kindern auch so realisieren können?
Das Familienleben wird bei uns groß geschrieben. Meine Eltern hatten wenig und leisteten bei uns Kindern großes. Ob mir das bei meinen Kindern gelungen ist oder bei den Enkeln gelingt, wo es mir ja ein bisschen besser geht, ist immer fraglich. Meine Frau hat aber eine gute Hand und zieht auch mal die Leine. Dennoch wollten wir auch, dass es den Kindern heute besser gehen soll. Aber obwohl wir heute in Wohlstand leben – es soll auch sein – muss man ab und zu bei den eigenen Kindern die Leine ziehen und sagen: „Moment mal!“

Wie sieht das aus, wenn Uwe Seeler die Leine zieht?
Da bin ich jetzt mal wieder ganz ehrlich, das macht meistens meine Frau. Ich bin da ein bisschen weich.

Das glaube ich nicht wirklich.
Ja, doch. Diese etwas unangenehmeren Sachen macht dann meine Frau.

Sie sind fast 50 Jahre verheiratet. Das ist für Fußballer in den heutigen Tagen nicht selbstverständlich. Worin besteht das Geheimnis?
Das ist schwer zu sagen. Zum einen passte es bei uns, wir hatten die gleichen Ziele. Alles, was wir heute haben, mussten wir uns erarbeiten, und das hat Spaß gemacht. Wir lernten uns sehr jung kennen und hatten gleich gegenseitiges Vertrauen. Wir führen eine ganz normale Ehe, wie alle anderen auch. Es gibt auch mal Zoff oder Streit, das gehört einfach dazu. Das ist ja das Reizvolle daran. Aber ich glaube, man muss sich immer in der Mitte treffen, miteinander unterhalten und auch die Probleme besprechen. Dann findet man immer den richtigen Weg, und den haben wir bislang gefunden und wollen ihn weiter finden.

Dann sind Sie ein zuverlässiger, treuer Mensch?
Das kann ich nicht beantworten. Aber ich habe unheimlich viel Achtung und natürlich auch Liebe. Ich bin dankbar dafür, dass meine Frau mir dabei half, Beruf- und Leistungssport machen zu können.

Haben Sie Ihre Eltern christlich erzogen?
Nicht zu sehr, muss ich sagen. Ich bin evangelisch und ich glaube, ich lebe das, obwohl ich, um ganz ehrlich zu sein, nicht allzu oft in die Kirche gehe. Ich lebe das auch im Stillen und versuche nicht nur zu nehmen, sondern eher zu geben, besonders den Leuten, die bedürftig sind, die krank sind, auch älteren Leuten. Ich glaube, dass ich ein ganz guter Christ bin, in dem was ich tue. Es ist besser Taten sprechen zu lassen, als einmal mehr in die Kirche zu gehen.

Das entspricht in etwa den gelebten Zehn Geboten. Es sind ja nicht viele Gebote, aber wenn man sich ein bisschen dran halten würde, wär manches vielleicht auch einfacher.
Ja, das ist richtig. Ich könnte die Zehn Gebote nicht so einfach runter sagen, aber ich glaube, ich lebe sie.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten. Was würden Sie sich wünschen?
Das klingt vielleicht abgedroschen, aber schon in jungen Jahren wünschte ich mir immer Gesundheit für die ganze Familie. Wenn ich gesund und munter bin, kann ich alles machen, kann mich bewegen und kann arbeiten, Darum freue ich mich, auch in meinem etwas reiferen Alter noch beweglich zu sein und arbeiten zu können. Ich arbeite gerne und sage es auch immer wieder. Ich werde oft gefragt, warum ich all das mache. Dafür gibt es einen einfachen Grund: ich bin glücklicher, wenn ich denen helfen kann, die nicht so wie wir auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

 

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