Dietmar Schönherr

legendärer Schauspieler, Quizmaster und Entwicklungshelfer

Dietmar Schönherr im Gespräch mit Hanno Gerwin
Dietmar Schönherr im Gespräch mit Hanno Gerwin
Dietmar Schönherr im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er war der legendäre Commander McLane der Raumpatrouille Orion, dann Quizmaster der Show "Wünsch Dir was". Nicht zu vergessen die unzähligen Bühnen- und Filmrollen, die mit Dietmar Schönherr brillant besetzt waren. Eigentlich hätte der berühmte Schauspieler eine hervorragende Rolle nach der anderen spielen können, aber er wollte nicht. Anfang der 80er Jahre geriet er in die Faszination eines schillernden Landes, mitten hinein in die dramatisch aufrührerische Umbruchssituation Nicaraguas, wo er sich seither für die Entwicklung des hilfebedürftigen Landes einsetzt. Dietmar Schönherr hat aus seiner christlichen Einstellung nie einen Hehl gemacht und engagiert sich zeitweise auch stark in christlichen Gruppen.
Darüber hat der mit vielen Preisen ausgezeichnete Schauspieler auch etliche Bücher geschrieben.

 

Dietmar Schönherr, was fasziniert Sie so sehr an dem Land Nicaragua?
Es war kein Zufall, dass ich mich für Nicaragua entschieden habe. Dort fand eine christliche Revolution statt, wenn man das so sagen darf, eine Revolution von barfüßigen, armen Leuten, die einen sehr grausamen Diktator, Somossa, zum Teufel gejagt haben. Das fandd ich unerhört bemerkenswert. Uns ist das 1945 nicht gelungen. Wir mussten befreit werden. In Nicaragua hat sich ein kleines Volk von einer Diktatur befreit, die über 50 Jahre dauerte. Sie wurde also von Generation zu Generation weitervererbt.
Ich war damals sehr stark in der Friedensbewegung engagiert, und wir alle waren nach einiger Zeit frustriert, als wir amerikanische Kasernen blockiert haben, was keinen großen Eindruck gemacht hat. Die deutschen Gerichte interessierte es dann aber doch, und wir wurden wegen Nötigung verurteilt.
Ich konnte damals meine Strafe ummünzen in eine Spende zu Gunsten Nicaraguas, gründete eine eigene Stiftung und bin rübergegangen, ganz gezielt rübergegangen. Ich wurde eingeladen von einem großen Priesterpoeten, Ernesto Cardinal, der damals Kulturminister von Nicaragua war.

Wie kommt es zu Ihrem Engagement und Ihrer Hilfsbereitschaft für Ärmere? Ist das ein Charakterzug, der bei Ihnen schon als Kind da war oder hat sich das irgendwann später entwickelt?
Na ja, das ist schwer nachvollziehbar, wie sich das im Lauf der Zeit entwickelt hat. Mich haben immer schon politische, besonders sozialpolitische Themen interessiert, ganz besonders Kinder und arme Leute, Randgruppen also oder eben die Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns.
Das ist meine Form von gelebtem Christentum, wenn Sie so wollen. Ich gestehe, ich bin kein großer Kirchgänger, vielleicht zu meiner Schande. Ich gehe sehr gerne in Kirchen, wenn sie leer sind.

Geht das auch in Nicaragua?
Ich gehe auch in Nicaragua in die Kathedrale oder in die Kirchen. Auch in Granada gibt es sehr schöne, alte, wunderbare Kirchen und Kathedralen. Ich gehe sehr gern dort hin, damit ich alleine bin, also damit ich mit dem lieben Gott alleine bin.

Was bedeutet die Religion für Sie?
Ich finde, es ist ein ganz wichtiger Gesichtspunkt, dass man christliche Nächstenliebe oder Solidarität - wie auch immer man es dann nennt - lebt, dass man nicht nur darüber redet, sondern dass man auch versucht es zu leben. Das ist meine Form von gelebtem Christentum, ohne dass ich mich jetzt weiß Gott wie rühmen oder auf die Schulter klopfen will. Es ist für mich auch eine ganz selbstverständliche Sache.

Haben Sie das von zu Hause mitbekommen? Was war das Wichtigste, was Ihre Eltern Ihnen mitgegeben haben, wenn Sie sich daran zurückerinnern?
Also, dazu muss ich sagen, mein Vater war Berufsoffizier, General. Diese Leute gelten auch normalerweise als gewalttätig, zumindestens nicht sehr friedensliebend. Aber er war ein wunderbarer, gütiger Vater. Also ohne Dressur, ohne irgendwelchen rigorosen Kommandos. Das gab es überhaupt nicht. Also Toleranz wurde schon in dieser Familie praktiziert. Und da, also dass man eben heute ja sich auch um den Nächsten kümmert. Aber ich denke, bei mir hat sich das ganz besonders ausgeprägt.

Wenn Sie sich an die Serie Raumschiff Orion zurückerinnern, wo Sie Commander McLane gespielt haben - die Reihe hat Sie ja ungeheuer populär gemacht und das liegt jetzt 35, fast 40 Jahre zurück. Was damals Zukunft war, ist heute Gegenwart. Wie bewerten Sie einen Vergleich von Damals und Heute?
Also man muss dazu sagen, dass in der ganzen Sciencefiction - und da gehört Orion genau so dazu - die außerirdischen Wesen immer als feindlich gelten, aggressiv und bösartig. Das ist eine menschliche Vorstellung. Weil die menschliche Rasse so aggressiv ist, denken wir hier, die andern müssen noch böser sein. Ich halte das für einen grundsätzlichen Irrtum.
Die meisten Sciencefiction-Autoren beziehen daraus die Spannung. E.T. ist genau das Gegenteil. Steven Spielberg hat einen Außerirdischen gezeigt, den alle Kinder und alle Erwachsenen mit Tränen in den Augen geliebt haben. Eigentlich eine viel schönere Vorstellung.

Können sie sich vorstellen, dass es anderswo Wesen gibt, die genau so sind wie Menschen?
Also ich glaube es eigentlich nicht. Vielleicht in andern Sonnensystemen. Aber ich meine, wir werden sie nicht so schnell treffen.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
Ich glaube daran, dass unsere Energie und das, was wir in diesem Leben versuchen und vielleicht auch realisieren, in Form von Molekularteilchen übrig bleibt.

Aber nicht sehr individuell.
Ich glaube, dass es so ist und dass einfach die guten Energien, wahrscheinlich auch die schlechten, nicht ganz verschwinden werden. Es wird bleiben. Aber ich glaube nicht daran, dass sich, ich weiß nicht wie viele Milliarden am Jüngsten Tag wiedertreffen werden. Das halte ich für eine schreckliche Vorstellung.

Wovor haben Sie Angst?
Na ja, schwer zu sagen. Im Laufe eines so langen Lebens wird man natürlich mit sehr gefährlichen Situationen konfrontiert. Aber Angst kenne ich eigentlich kaum. Ich habe Angst davor, dass die Menschen nichts aus der Vergangenheit und aus der Geschichte lernen. Z.B. diese Rechtsradikalen mit ihren fürchterlichen Bluttaten, die da passieren. Diese vollkommenen verblödeten Gehirne! Dass so etwas jemals wiederkehren würde, habe ich nie gedacht. Und es kehrt nun wieder. Vielleicht sind das nur Randgruppen. Ich hoffe das. Aber das, was an Stammtischbewusstsein vorhanden ist, davor habe ich Angst. Ich habe auch eine unbeschreibliche Wut darauf, dass diese absolut nur zu Zerstörung und Untergang führende Ideologie hier in irgendeiner Form auflebt. Das finde ich grauenvoll.

Wie gehen Sie mit Wut um? Sind Sie aggressiv?
Ja, also ich war in meinem ganzen Leben sehr jähzornig. Das war auch immer die Hauptsünde, die ich beichten musste. Aber je älter man wird, desto milder wird man natürlich.

Wie gehen Sie mit Niederlagen um? Diese müssen Sie ja auch ein Stück weit in Nicaragua hinnehmen.
Auch das gehört zu einem langen Leben. Menschen, die nur von ihren Erfolgen erzählen, die lügen. Und wenn man so eine Arbeit macht wie ich in Nicaragua, dann ist das selbstverständlich auch mit großen Niederlagen verbunden. Da muss man durch. Da darf man sich nicht entmutigen lassen.
Das Buch, das ich jetzt geschrieben habe, „Die wildroten Tomaten der Rosalia Moralis“, ist ja eine Liebeserklärung an Nicaragua. Die Rosalia Moralis ist eine Metapher für das Land. Und da beschreibe ich auch sehr genau, wie ich mit Niederlagen umgehe.
Manchmal macht es mich natürlich wahnsinnig traurig, wenn etwas misslungen ist oder wenn es nicht so geworden ist, wie ich es mir erhofft habe. Aber es geht immer weiter und ich lass mich davon nicht entmutigen.
Ich glaube, das ist auch das Wesen einer Liebesbeziehung zu einem Land oder unter Menschen. Liebe kann auf Dauer nur existieren, wenn sie große Hindernisse und Niederlagen überwindet, auch in einer Zweierbeziehung. Da gibt es selbstverständlich auch Probleme, Niederlagen. Und wenn man durch kommt, dann ist es Liebe gewesen.

Das wäre fast so etwas wie so eine Art Beziehungstipp: Niederlagen durchstehen!
Ja, das muss man. Heutzutage ist es, glaube ich, sehr modern, dass Paare sich schnell trennen, wenn sie das Gefühl haben, es war nicht ganz so sehr, wie sie es sich vorgestellt haben. Aber es ist nichts im Leben so wie die heile Welt. Man muss es machen, muss die ganze Energie einsetzen, dass es ideal wird, dass es gut wird.

Wenn Sie mit Jugendlichen zu tun haben, was wäre die wichtigste Botschaft, die Sie - auch auf Grund Ihrer Lebenserfahrung und Ihres weiten Horizonts, was Ausland angeht - ihnen sagen möchten?
Man sollte nicht in diesen engen Grenzen seines Landes verharren. Man sollte rausgehen in die Welt, um zu wissen, wie die Welt ist.
Manfred Krug hat einmal zur DDR-Zeit gesagt: „Wie können die Menschen eine Weltanschauung haben, wenn sie die Welt nicht anschauen dürfen?!“
Man muss sich die Welt anschauen, um zu wissen, wie gut das Zuhause ist, wie man sich als Fremder in der Fremde fühlt, wie man dort behandelt wird. Dann wird man auch hier, bei sich zu Hause, Fremde oder was einem vielleicht fremd erscheint, ganz anders behandeln. Das halte ich für ungeheuer wichtig. Auch für die Zukunft.
Es gibt Jugendliche, die auf ihre Finger HASS tätowiert haben. Hass führt immer zum Untergang und zur Vernichtung. Das ist überhaupt keine Lebensphilosophie. Wenn schon irgendetwas tätowiert werden soll, dann LIEBE!

Wenn das passt, aber das kriegt man schon drauf geschrieben.
Das ist ein bisschen schwieriger. Muss man den Daumen auch miteinbeziehen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre das?
Ich würde mir Frieden auf dieser Welt wünschen. Für meine noch verbleibende Zeit Gesundheit, damit ich die Dinge weiter zu Ende führen kann, die ich begonnen habe. Ich bin bescheiden. Aber der Frieden ist vielleicht unbescheiden.

 

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