Andrea Zangemeister

Chefredakteurin von „BILD der Frau“

Andrea Zangemeister
Andrea Zangemeister im Gespräch mit Hanno Gerwin
Andrea Zangemeister im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie ist Chefredakteurin der erfolgreichsten Frauenzeitschrift des Hamburger Zeitungsimperiums, dem Axel Springer Verlag. „BILD der Frau“ ist die größte europäische Frauenzeitschrift und hat jede Woche fünf Millionen Leserinnen. Die lebenslustige und agile Vollblutjournalistin, Chefredakteurin Andrea Zangemeister steuert schon seit 20 Jahren den Erfolgkurs von „BILD der Frau“. Die Besonderheit besteht darin, dass die Chefredakteurin den Frauen nicht nur Lebenshilfe sondern auch Lebensfreude bieten möchte. Andrea Zangemeister ist überzeugte Christin und schreibt auch recht unverblümt darüber in der Frauenzeitschrift.

 

Andrea Zangemeister, „Jesus lebt“, und das auf zwei Seiten in „BILD der Frau“. Das war 1995. „BILD der Frau“ ist schließlich keine Kirchenzeitung oder christliche Zeitung. Wie ist das möglich?
Es war damals kurz vor Weihnachten. Ich stand nachts im Badezimmer und habe mich plötzlich furchtbar darüber geärgert, dass alle Leute über Geschenke nachdenken und darüber, dass Jesus für viele ganz weit weg und eine tote, alte, ferne Sache ist, die Geschenke jedoch ganz nah. Plötzlich sah ich die Zeile vor mir: „Jesus lebt“. Am nächsten Tag habe ich mir in der Redaktion Menschen gesucht, für die Jesus lebt, und die mir auch erklären konnten, warum er für sie lebt.

Das klingt recht außergewöhnlich. Wie hat Ihre Redaktion darauf reagiert?
Meine Mitarbeiter sind schon „all sorts of crazyness“ bei mir gewohnt, trotzdem sie sehr skeptisch waren. Inzwischen gibt es in der Redaktion viel mehr Christen, als am Anfang. Da bin ich mir ganz sicher.

Achten Sie darauf, dass in Ihrem Team auch Christen sind?
Nein. Ich freue mich, wenn eine unserer Redakteurinnen gut und zusätzlich Christin ist.

Wie haben Ihre Leserinnen reagiert, als in „Bild der Frau“ das Thema Christentum plötzlich so massiv und positiv aufgegriffen wurde?
Zunächst haben wir Leserinnen gewonnen, die wir früher nicht hatten. Ich denke, wir haben zusätzlich eine andere Sorte Leser gewinnen können.

Und Sie haben keine Leserinnen verloren?
Meine Jesusgeschichten sind im Grunde immer sehr gut angekommen.

Wie ist Ihr persönlicher Weg zum Christentum gewesen? Was hat Sie so vom christlichen Glauben überzeugt, dass Sie ihn in „BILD der Frau“ so thematisieren?
Ich war schon immer sehr spirituell. Immer schon habe ich mich für die unsichtbaren Dinge genauso interessiert, wie für die sichtbaren, so auch für die Astrologie. Diese interessiert mich nach wie vor, jedoch nicht als Konkurrenz zum Glauben. Astrologie stellt sich mir als Psycho-Puzzlespiel eines Persönlichkeitsbildes dar: Wie ist ein Mensch? Warum ziehen sich zwei Leute an? Im Übrigen sind die Sterne die Instrumente vom lieben Gott, und der ist groß genug, dass er über die kleinen Sternchen herrschen kann und über deren kleinen Einfluss auf uns winzige Ameisenmenschen.

Wenn er das Universum beherrscht, so beherrscht er also auch die Sterne?
Absolut! Die Astrologie darf jedoch keine Ersatzreligion sein. Noch heute redigiere ich das Horoskop unserer Zeitschrift selbst, weil ich nicht möchte, dass ein falscher Zungenschlag Einzug hält.

Versuchen Sie, die Astrologie christlich zu deuten?
Nein, ich deute nicht christlich, ich formuliere anders. Also wenn es heißt „Jupiter macht dich glücklich“, dann sage ich, mit Jupiter bist du glücklich. Jupiter selbst macht gar nichts. Das macht Gott. Jupiter ist lediglich das Instrument. Das Ganze ist etwas subtil. Leider gehört mir das Blatt nicht, sonst würde ich das ganze Horoskop rausschmeißen.

Früher waren Sie für Esoterik, Spiritualität und auch für das Metaphysische offen, jedoch keine Christin. Wie haben Sie zum Christentum gefunden?
Ich habe ein Haus am Waldrand in der Lüneburger Heide gebaut. Eingezogen bin ich bereits als Christin. Während der Bauzeit habe ich in einer Ferienwohnung in einem Bauernhaus gewohnt. Dies dauerte glücklicherweise drei Jahre. In dieser Zeit lernte ich die Bäuerin des Hofes kennen zu lernen. Als überzeugte Christin hat sie meine Spiritualität in den christlichen Kanal gelenkt.

Was genau hat Sie überzeugt? Was war besser als das Vorherige?
Die christliche Liebe - Jesus - ist etwas Warmes. Franz von Assisi und ganz besonders Mutter Theresa sind meine Helden. Dieses Geben, diese Idee, dass Jesus einen in die Arme nimmt, wenn man stirbt, das finde ich wesentlich schöner, als in irgend ein schwarzes Loch mit einem von Buddha aufgeklärten Geist zu plumpsen. Das ist mir zu kalt. Das Christliche ist wärmer.
Ein wesentlicher Moment der Überzeugung war der, als ich mir das Rauchen abgewöhnen wollte. Das wollte ich zuvor schon tausend mal. Ich habe 60 Zigaretten am Tag geraucht. Ich betete in der Dorfkirche, dass Jesus mir helfen möge, damit ich es schaffe - ab ersten Januar mal wieder. Und dann ist es tatsächlich passiert. Ich habe es schon zehn mal alleine probiert und nicht geschafft. Seitdem weiß ich definitiv, dass es ihn gibt, auch für mich. Er meint es gut mit mir und hilft mir. Wenn er es so gut mit mir meint, so muss auch ich für ihn etwas machen. Ich bin natürlich keine Heilige und ich mache tausend Sachen falsch und begehe tausend Sünden. Meine spirituelle Heimat ist jedoch Jesus Christus. Das ist einfach so. Und das hat sich immer mehr durch diese Zigarette so gefestigt.

Sie rauchen bis heute nicht?
Nein, überhaupt nicht.

Manche Leute behaupten, wenn man als überzeugter Christ leben möchte, so habe man es schwer in der Welt, dann könne man keine Karriere machen und ecke überall an. Wie stehen Sie dazu?
Selbstverständlich kann man mit Jesus Erfolg haben, mit der guten Energie, die dahintersteht. „Niemand kommt zum Vater denn durch mich“, d.h. nicht, dass man durchs Schlüsselloch hindurchmuss, sondern durch das, was uns Gott lehrt. Und das, was er lehrt, ist wundervoll: Liebe, Geben, auf Gewalt verzichten. Was gibt’s denn da besseres!? Man muss Vorschussliebe geben, dann kriegt man was zurück. Man muss nicht darauf schielen, dass man was zurückkriegt. Jemand, der nicht gibt, der bekommt auch nichts. Wenn einer immer nur an sich denkt, so ist da kein Segen drauf, wie bei all den Egotrippern von heute, alles vereinsamte Autisten. Diese Menschen sind zu eng. Die Hände muss man aufmachen. Das ist gut.

Ich möchte Ihnen einige Bibelstellen nennen und von Ihnen wissen, wie Sie diese auslegen. Z.B.: Wenn Dich einer auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die linke hin.
Darüber habe ich einen Kommentar geschrieben. Würde ich mit meinem Körbchen in den dunklen Wald rausgehen und da käme einer und will mir was, dann würde ich Ihn mit dem Knie wo hintreten. Das ist wohl klar! Ich würde nicht darauf warten, bis er mich haut, nein. Es geht bei dieser Bibelstelle darum, dass ein Konflikt, der sich verhärtet, beendet wird. Ich halte von Vergeben, von Verzeihen, damit es ein Ende hat, ganz viel.

Ich hab noch einen Spruch: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.
Hier zeigt sich ein Übersetzungsfehler in der Bibel. Kamel heißt nämlich nicht Kamel, sondern genauso Tau, Strick. Es gibt auch Reiche, die in den Himmel kommen. Es gibt viele Reiche, die ihren Reichtum dazu benutzt haben, Leuten zu helfen. Ich glaube schon, dass diese Menschen in den Himmel kommen. Ein Reicher steht in diesem Falle für einen, der immer nur für sich selber anhäuft, also ein Egotripper, wie ich ihn vorhin geschildert habe. Für viele gelte ich bestimmt als wohlhabend, aber ich hau das Geld derartig raus, dass gar nichts bleibt. Dadurch bin ich bestimmt nicht mehr wohlhabend.

Sie reiben sich auch an der Bibel. Sie setzen sich damit auseinander und versuchen zu verstehen. Gibt es auch Bibelstellen, die Sie ablehnen?
Der Apostel Paulus sagt z.B., dass die Homosexuellen vom Teufel besessen sind. Das kann ich nicht glauben. Jesus ist nicht so klein, und er hat solches nie selber gesagt. Man kann nur beten, dass der Heilige Geist kommt und einen erfüllt.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Frieden auf Erden.

 

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