Dr. Norbert Röttgen

Bundesumweltminister

Dr. Norbert Röttgen im Gespräch mit Hanno Gerwin
Dr. Norbert Röttgen im Gespräch mit Hanno Gerwin
Hanno Gerwin

Dr. Norbert Röttgen, gelernter Jurist, war zunächst parlamentarischer Geschäftsführer der CDU. Jetzt als Bundesumweltminister ist Norbert Röttgen zuständig für Fragen wie Solarenergie, die Kernenergie, CO2-Ausstoß, Klimawandel und natürlich vor allem für die Frage wann die Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Norbert Röttgen beschäftigt sich mit dem Thema Klima, aber auch unter dem Gesichtspunkt „Bewahrung der Schöpfung“.

 

Herr Minister, schön das Sie da sind, vielen Dank.
Danke ich bin gerne hier.

Bewahrung der Schöpfung und Umweltschutz sin das Synonyme oder kann man da Unter-schiede fest machen?
Ja natürlich, es sind andere Kategorien. Schöpfung, Bewahrung der Schöpfung ist schon ein originär christlicher Terminus. Ich habe mal den Ratschlag bekommen, dass ich den durch einen säkularen Be-griff ersetzen solle, um vielleicht noch mehr anzusprechen.

Zum Beispiel, was könnte das dann für ein Begriff sein?
Ja genau das war der Punkt, das war auch meine Frage und ich habe keinen gefunden. Das finde ich ohne jede Überheblichkeit eigentlich ein Beitrag der Christen, um über die Dimension und das Ver-hältnis von Natur und Mensch zu sprechen. Es gibt keinen anderen Begriff, der das ausdrückt.

Bei der Schöpfung ist ja vor allen Dingen auch Gott als Schöpfer verantwortlich. Bewahrung der Schöpfung ist das Werk des Menschen, wie viele Möglichkeiten hat der Mensch und wo greift der Schöpfer auch ein, im Sinne von möglicherweise Umweltkatastrophen?
Der Mensch ist Teil der Schöpfung, er kann sein Schicksal nicht von dem anderen Teil der Schöpfung ablösen, loslösen. Das ist in dem Römerbrief von Paulus auch sehr deutlich ausgeführt. Wir sind hervorgehoben als das Ebenbild Gottes und haben damit den Auftrag bekommen die Schöpfungsin-tention Gottes fortzuführen.

Damit argumentieren Sie ja ganz stark aus christlicher Überzeugung heraus. Ist das für Sie auch tatsächlich die Motivation, sich für die Umwelt in der Form zu engagieren?
Der persönliche Glaube eines Menschen erfasst ja nicht einzelne Sektoren der Personen, so nach dem Motto: „Am Sonntag und im Alltag mache ich die Politik mit all ihrer taktischen Notwendigkeit und Finessen“, sondern sie erfasst ja die ganze Person, also auch das politische Handeln. Insofern ist es auch kein Sektor von Politik der wiederrum christlich begründet ist, sondern der Christ bemüht sich sozusagen um diesen Glauben und das tut er ganz oder gar nicht. Also ist das sozusagen auch nicht das Feld meiner christlichen Betätigung sondern der Christ ist als Politiker auch Christ.

Ist das auch schon ein besonderer Ansatz gewesen bevor Sie Bundesumweltminister gewor-den sind, dass Sie diesen Zugang zur Schöpfung haben?
Es hat ja jeder seinen Zugang zum Christentum und viele, insbesondere jüngere Menschen, haben den Zugang zum Christentum gerade an der Stelle wo Sie sagen: „Wir müssen etwas für die Schöpfung tun und das ist mit meinen Glauben, wenn ich überhaupt an einen Schöpfer Gott glaube, untrennbar verbunden“. Ist das auch für Sie so ein Ansatz gewesen?

Nein es gehört untrennbar zum christlichen Glauben, auch zu meinem Glauben, es war für mich aber nicht ein besonderer Einstieg. Ich bin sozusagen nicht ein geborener Schöpfungstheologe, so wie ich auch finde, dass man Christ sein nicht auf einer Aussage, die einem besonders gut gefällt oder die man für besonders aktuell hält, reduzieren kann, sondern es ist ja eine umfassende Lösungs- und Teilbot-schaft, die dann einen großen Quellenbereich in der Bibel hat. Ich glaube, dass dieses Feld der Bewah-rung der Schöpfung, auch um des Menschen Willen und um der Schöpfung selbst Willen, weil sie eigene Würde, eigenes Recht hat, aber auch des Menschen Willen, weil er sonst keine Zukunft hat. Eigentlich einer der wichtigsten Anwendungsfelder aus dem christlichen Verständnis, oder auch in Einzelfällen aus dem christlichen Glauben heraus praktizierte Politik ist, das ist das Besondere.

Wie sind Sie zum Christentum gekommen?
Durch meine Eltern natürlich.

Die Einstellung der Eltern spielt ja eine wichtige Rolle. Was sind das für Schlüsselerlebnisse, regelmäßige christliche Gemeinschaftserfahrungen oder Familienerfahrungen an die sie sich erinnern?
Das ist ja in Fällen durchaus unterschiedlich. Bei mir war es kein Saulus Erlebnis, also ich kann kein singuläres Ereignis mitteilen, sondern es entsprach und entspricht dem Lebensvollzug meiner Eltern. Da es ein glaubwürdiger Lebensvollzug war und ist, habe ich als Kind, meine Geschwister und ich, das nicht in Frage gestellt. Irgendwann fängt die Beschäftigung natürlich an, durchaus auch theologisch. Ich habe eine sehr intensive Phase mit Glaubens- und Religionsfragen gehabt, ausgelöst durch meinen Religionslehrer, der ein sehr guter Religionslehrer war, der ganz sicher nicht oberflächlich Frömmigkeit verkündet hat, sondern sehr exegetisch vorgegangen ist, was mich sehr angesprochen hat. Das war aber keine Krisenphase sondern eine Phase eines ausgeprägten Interesses.

Sie haben ja selbst eine Familie, drei Kinder und jetzt sind Sie in der Rolle das Christentum weiterzugeben an ihre Kinder. Wie machen Sie das in der Familie. Vielen Leuten fällt das ja schwer, die es gerne hätten aber nicht so praktizieren können?
Ja, es ist eigentlich nur deshalb schwieriger, weil auch die berufliche Absorption Inanspruchnahme z. B. bei mir sehr stark ist und auch bei meiner Frau, die berufstätig auch etwas eingeschränkt ist. Insofern ist die Zeit wahrscheinlich geringer geworden, aber im Übrigen ist es jetzt mit Kindern auch gar nicht so schwer zu beten oder in die Kirche zu gehen. Kinder habe Interesse und nehmen das auf, natürlich nicht in meinem oktroyierten Sinne.

Ich denke, dass es eine wichtige Erfahrung ist, wenn Kinder ihre Eltern beten sehen, denn die Eltern sind ja die Großen und Starken und im Gebet sind sie mit den Kinder auf gleicher Ebene.
Ja, es ist aber eben für die Kinder dann auch eine familiäre Erfahrung. Sie werden dadurch angeregt, stellen Fragen, der christliche Glaube hält ja vieles überraschendes bereit und so kommt man auch in ein Gespräch, das sich dann entwickelt. Wie gesagt, bei Allem was es ist, vielleicht auch das moderne Leben oder Teile des Lebens von heute ist, dass das größte Damoklesschwert immer die geringe Zeit ist, die überall hin schwebt. Das gilt dann aber wiederrum auch für das gesamte Familienleben und nicht für diesen einen durchziehenden Teil.

Glauben Sie, dass die Zehn Gebote noch funktionieren, dass sie ihre Gültigkeit behalten haben?
Ich halte diese Gebote, wie auch andere Aussagen- es sind ja Gebote die nicht in Stein gemeißelt sind, in der Weise, das sie zu einer Zeit gehören und nicht in die andere Zeit mitgenommen werden können, sondern das sie uns aufgegeben sind und gegeben sind, anvertraut sind um sie immer in unsere Zeit zu setzen. Wir haben einen lebendigen Glauben, den wir auch mit in unsere Zeit nehmen, um ihn zu Konservieren. Zu Tabuisieren hieße ihn zu einer leblosen Antiquität zu machen und darum verliert die Bibel, die Zehn Gebote nichts von ihrer Gültigkeit, aber sie müssen immer wieder neu in die Zeit gesetzt werden.

Was kann ein Einzelner oder eine einzelne Familie für den Umweltschutz konkret tun und was ist vielleicht das Wichtigste, was Sie Ihren Wählern auf den Weg geben können?
Wir konsumieren die Schöpfung und nehmen sie darum den nächsten Generationen weg, also von der Schöpfung zur Zerstörung und zur Beseitigung der Schöpfung. Dieses Bewusstsein ist keine Predigt, sondern leider ein empirisches Faktum und wenn es zum Teil des persönlichen Bewusstseins wird, dann ist es der unverzichtbare Schritt für eine Änderung auch von kollektiven Verhalten und politischen Entscheidungen.

Einerseits müssen Sie ja eigentlich jedem empfehlen so viel wie möglich auch auf kleinster Ebene zu tun, weil sich das so zusammensetzt wie Sie sagen, die ganze Gesellschaft wird dann anders. Andererseits könnte ich mir vorstellen, dass es einen Bundesumweltminister manchmal nervt, wenn Leute auf solch kleine Dinge beharren und immer sagen:“ Es geht um die Müllordnung, du darfst das nicht wegwerfen“.
Die Umweltpolitik in der Vergangenheit hatte oftmals zu Unrecht einen belehrenden Ton. Diese Haltung ist nicht hilfreich, sie ist auch nicht begründet und angemessen. Darum möchte ich kein Bevor-mundungsminister sein, ich glaube auch nicht, dass ich einer bin, sondern ich versuche sehr rational Umweltpolitik zu erläutern. Es hat eben keine Zukunft, so wie wir leben. Es hat aber sehr viel Chance und Möglichkeiten, wenn wir unsere Wirtschafts- und Lebensweise vom Verbrauch der Natur und der Ressourcen umstellen, zur Schonung, Respekt und effizienten Umgang mit unseren Ressourcen.

Wenn sie einen Wunsch frei hätten, was würden sie sich wünschen?
Die Frage kann ich nicht beantworten, weil es so viele unterschiedliche Dinge gibt, die ich mir wünschen kann. Ich habe jedenfalls viele zahlreiche Wünsche und nicht wahrscheinlich den einen Großen.

Dankeschön für das Gespräch.

 

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