Dr. med. Philipp Rösler

Bundesvorsitzender der FDP und deutscher Vizekanzler

Dr. med. Philipp Rösler im Gespräch mit Hanno Gerwin
Dr. med. Philipp Rösler im Gespräch mit Hanno Gerwin
Dr. med. Philipp Rösler im Gespräch mit Hanno Gerwin

Der Erfolg wurde ihm buchstäblich nicht in die Wiege gelegt. Er verlor nämlich kurz nach seiner Geburt, im fernen Vietnam, seine leiblichen Eltern im Krieg und wurde dann im Alter von 9 Monaten von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, der bei der Bundeswehr seine medizinische Ausbildung absolvierte und dort auch zum Dr. med. promovierte.
Philipp Rösler kam früh für die FDP in den niedersächsischen Landtag, wurde dann früh FDP Fraktionsvorsit-zender und später Wirtschaftsminister. Im Kabinett Merkel war der 1973 geborene Philip Rösler lange Zeit der jüngste Minister. Er ist verheiratet, hat zwei kleine Zwillingstöchter und bezeichnet sich selbst als Familienmenschen, der für die Familie notfalls auch die politische Karriere opfern würde.
Das Interview wurde im Juli 2010 geführt, als Philip Rösler Bundesgesundheitsminister war.

 

Herr Bundegesundheitsminister Rösler, wenn Sie frei entscheiden könnten, das Gesundheitssystem so zu ändern, wie Sie es für richtig halten, ohne andere Parteien und irgendwelche Rücksichtnahmen, was würden Sie am liebsten ändern?
Ich glaube ich würde versuchen das Wettbewerbliche auszugestalten, Schluss zu machen mit der Planwirtschaft, Schluss zu machen mit der Bürokratie. Ich weiß aber sehr wohl, gerade dann, wenn man ein bisschen ins Amt hinein geschnuppert hat, wenn man das so sagen darf, dass es keinen Reset-Knopf gibt für das deutsche Gesundheitssystem. Man muss sich schon die Mühe machen Schritt für Schritt vor zu gehen.

Würden Sie diese Gesundheitsprämie dann weiterhin favorisieren?
Das ist, glaube ich, nicht das Entscheidende an einer Reform, sondern das Entscheidende ist tatsächlich ein wettbewerb-liches System, wo sich die Leistungserbringer, also die Heilberufe, ihre Therapie wirklich selber aussuchen können, die sie für richtig halten für ihre Patientinnen und Patienten. Wo sich Patienten ihre Leistungserbringung aussuchen können, wo sich Krankenkassen aussuchen können, wie sie zu welchem Preis auch die Versicherten behandeln. Und ich glaube solch ein System wäre besser in der Lage dafür zu sorgen, dass das einbezahlte Geld am Ende auch bei den Menschen ankommt.

Stichwort Zwei-Klassen-Medizin, die gesetzlich Versicherten, die privat Versicherten und die unterschiedliche medizinische Versorgung, die für beide da ist. Wie bewerten Sie das?
Also Ziel ist es, dass die 70 Mio. gesetzlich Versicherten die hochwertige medizinische Versorgung, die sie heute genießen können, eben auch morgen noch gewährleistet bekommen. Darauf konzentrieren wir uns im Prinzip in der gesamten Politik. Natürlich hat man auch die privaten Krankenversicherungen, die vor großen Kostensteigungsproblemen stehen, mit im Blick, aber entscheidend sind für uns die 70 Mio. Versicherten.

Was tun Sie selbst für Ihre Gesundheit?
Eindeutig zu wenig. Man hat als Politiker glaube ich eher einen ungesunden Lebensstil. Man kann an dieser Stelle zu-mindest kein ganz großes Vorbild sein. Aber ich versuche jetzt wenigstens ein wenig an der frischen Luft spazieren zu ge-hen, gerade wenn die Urlaubszeit kommt, bisschen Rückenschule oder Ähnliche Dinge zu machen, weil man doch sehr viel sitzt.

Wäre es Ihnen wichtig, dass die Bevölkerung mehr für ihre Gesundheit tut?
Das ist glaube ich ganz entscheidend. Es ist nicht nur meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass Krankenbehandlung immer und zu jeder Zeit finanzierbar bleibt, sondern meine Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass die Menschen möglichst lange gesund bleiben und da ist Prävention, also Vorbeugung, der Schlüssel dazu.

Sie haben sich selbst als Familienmensch geoutet und gesagt, die Familie geht Ihnen letztlich auch über die Karriere. Stehen Sie noch dazu, jetzt als Bundesminister?
Das auf jeden Fall. Wenn meine Frau sagen würde, es geht mit den beiden Kindern nicht mehr, du bist zu lange weg, dann würde ich mir was anderes suchen müssen. Ich glaube Familie ist das Entscheidende. Ich habe das ganz oft bei Politikern gesehen, die eine große, vielleicht eine brillante Karriere hingelegt haben, aber am Ende darüber ihre Familie vergessen haben und als dann das politische Leben vorbei war, haben sie festgestellt, dass doch das Entscheidende fehlt. Den Fehler möchte ich nicht machen.

Wenn Sie selber an Ihre eigene ganz besondere Familienkonstellation denken, was ist das Beste, was Sie mitbekommen haben von Ihrem Vater? Was ist für Ihr ganzes Leben entscheidend?
Die Eigenständigkeit, trotzdem das Verantwortungsbewusstsein, also der Wunsch zur Freiheit auf der einen Seite, aber die Bereitschaft zur Verantwortung auf der anderen Seite. Und zwar Verantwortung für sich selber zu übernehmen aber eben auch für andere, später für seine eigene Familie oder für andere Menschen eben im Amt eines Politikers.

Wie ist es mit Ihrem Abstammungsland, welche Rolle spielt Vietnam für Sie?
Außer bei meinem Aussehen spielt das für mich keine Rolle. Ich habe da jetzt keine ganz großartige Beziehung dazu. Ich war bisher auch nur ein einziges Mal da in meinen 37 Jahren. Natürlich hat man jetzt in der Funktion mehr damit zu tun, man spricht häufig auch mit dem Botschafter, Vize-Gesundheitsministerin. Aber das sind dienstliche Termine, emotional hat man damit genau so viel zu tun, wie mit allen anderen Staaten auch.

Sie sind auch Mitglied in der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Wie kam es dazu?
Also für mich ist Glaube, Religion ganz wichtig. Ich hab mich vor 10 Jahren dazu entschlossen mich taufen zu lassen. Ich war im Krankenhaus tätig, im christlichen Krankenhaus in Hannover und habe dann das Pflegepersonal gefragt, wie sie denn zu recht kommen mit dem Sterben, mit dem Leid, mit dem Tod. Und dann haben die gesagt: Herr Rösler, wir sind ein christliches Haus. Das fand ich beeindruckend. Ich habe mich dann mit meiner damaligen Freundin sehr lange, intensiv über Kirche, über Glauben unterhalten und mich dann zur Erwachsenentaufe entschieden und meine damalige Freundin war auch meine Taufpatin. Wir sind jetzt verheiratet, haben zwei Kinder, also hat sich meine Taufpatin da in der Tat wirklich bis zum Letzten um mich gekümmert und ich habe das auch nie bereut.

Das ist eine ganz außergewöhnliche religiöse Karriere, wenn man so sagen darf. Wie ist dieser Entschluss bei Ihnen gereift, zu sagen, ich will dazu gehören? Sie hätten ja auch sagen können, ich kann auch glauben ohne Kirche, was manche Leute tun.
Die katholische Kirche hat im Moment keinen ganz guten Stand, aber nichts desto trotz, glaube ich, unabhängig davon was man über die Spitze denkt: die Basis ist hochgradig in Ordnung, sehr engagiert, arbeitet für die Menschen. Und die Idee der Gemeinde, dass Solidarität dort gelebt wird, dass die Starken den Schwachen helfen, das finde ich faszinierend, und da habe ich mich dann auch in der Verantwortung gesehen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn Sie Ihre Kinder erziehen, welche Rolle spielt dann die Religion?
Eine große Rolle, wir haben die Kinder natürlich schon getauft, katholisch und wollen sie natürlich auch im christlichen Glauben erziehen. Das ist meiner Frau und mir ganz wichtig.

Krankenhausseelsorge spielt eine große Rolle im Krankenhaus, was kann Krankenhausseelsorge Gutes be-wirken?
Erst mal bin ich bin allen Seelsorgerinnen und Seelsorger dankbar dafür, dass sie diese wichtige Aufgabe wahrnehmen. Ich glaube gerade dann, wenn man im Krankenhaus ist, hat man die Seelsorge, im wahrsten Sinne des Wortes, besonders nötig. Wichtig ist, dass es Menschen gibt, die trotz des hektischen, klinischen Alltags auch Zeit für die Menschen haben, eben für die Seele und deswegen ist es eine ganz tolle Einrichtung.

Wenn Sie mal einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Das ist jetzt kein Witz und es ist auch doof, wenn der Gesundheitsminister das sagt, aber Gesundheit ist schon eigentlich mit das Wichtigste.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Aktuell

Best of 500

Ruth-Maria Kubitschek, Wim Wenders, Udo Walz.

Best of 500

Roberto Blanco, Hartmut Engler und Steffen Wink, Hella von Sinnen

Best of 500

Jürgen von der Lippe, Sandra Maischberger, Jürgen Todenhöfer

Best of 500

Xavier Naidoo, Maybrit Illner, Winfried Kretschmann

2005: Franziska van
Almsick

Olympischer Schwimmstar


Weitere Interviews

Daniel Alter
Katrin Altpeter
Thomas Anders
Prinz Asfa-Wossen Asserate
Ayman
Seine Exzelenz Monsieur Anatole Bacanamwo
Joe Bausch
Rufus Beck
Volker Beck
Ben Becker
Dr. Günther Beckstein
Caroline Beil
Ben*Jammin
Prof. Dr. Ernst Benda
Dr. Christine Bergmann
Fredi Bobic
Wolfgang Bosbach
Jonathan Böttcher
† Pierre Brice
Fabian Bruck
Prof. Dr. Michael Buback
Frieder Burda
Geraldine Chaplin
Botschafter Daniel R. Coats und Marsha Coats
Luigi Colani
Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
Michael Degen
† Dr. Heinz-Horst Deichmann
Ulrich Deppendorf
Hauke Diekamp
Kai Diekmann
Pater Domenico
Albie Donnelly
Ray Dorset
Heike Drechsler
Burkhard Driest
Katja Ebstein
Dr. Ursula Engelen-Kefer
Hartmut Engler
Andreas Englisch
Andreas Eschbach
Dieter Falk
Veronica Ferres
Fil da Elephant
Gotthilf Fischer
Dr. Ulrich Fischer
Ottfried Fischer
Gotthilf Fischer
Axel E. Fischer
Joy Fleming
Jürgen Fliege
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Teflon Fonfara
Fools Garden
Dr. Peter Frey
Amelie Fried
Dr. Michel Friedman
Peter Friedrich
Andreas Fritzenkötter
† Joachim Fuchsberger
Jürgen Fürwitt, alias Jott
Galileo
Mario Galla
Cae Gauntt
Dr. Heiner Geißler
Dr. Heiner Geißler
Petra Gerster und Christian Nürnberger
Uschi Glas
Mario Gomez
Katrin Göring-Eckardt
Jürgen Gross
Friedlinde Gurr-Hirsch
Stefan Gwildis
Matthias Habich
Peter Hahne
Corinna Harfouch
Jimmy Hartwig
Dieter Thomas Heck
Gert Heidenreich
Ala Heiler
Hans-Olaf Henkel
Tony Henry
Ken Hensley
Eva Herman
High South
Dieter Hildebrandt
Klaus Hoffmann
Prof. Dr. Gertrud Höhler
Birgit Homburger
Christiane Hörbiger
Guildo Horn
Chris Howland
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. Claudia Hübner
Eddi Hüneke
Maybrit Illner
Janina and the Deeds
† Gottfried John
Jorginho
† Hellmuth Karasek
Volker Kauder
Brendan Keeley
Kathy Kelly
Kathy Kelly
Dr. Timm Kern
Dr. Katja Keßler
Arabella Kiesbauer
Ephraim Kishon
Matthias Kleinert
Prof. Dr. Guido Knopp
2003: Sebastian Koch
Juliane Köhler
Peter Kraus
Winfried Kretschmann
2011: Winfried
Kretschmann

Dr. Gabriele Krone-Schmalz
Ruth-Maria Kubitschek
Sven Kuntze
Heinz Rudolf Kunze
Leonard Lansink
Manfred Lautenschläger
Donna Leon
Hera Lind
Caroline Link
Joachim Llambi
Andrea Kathrin Loewig
Wolf Maahn
Paul Maar
2015: Motsi Mabuse
Roland Mack
2004: Peter Maffay
Kurt Salomon Maier
Sandra Maischberger
Marie-Luise Marjan
Tony Marshall
Marc Marshall & Jay Alexander
Carlos Martinez
Henry Maske
Maybebop Pop- Quartett
Gisela Mayer
Gerhard Meier-Röhn
Hans Meiser
Reinhold Messner
Meret Meyer
Middle of the Road
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther
Gary Mullen
Franz Müntefering
Xavier Naidoo
Dr. Rupert Neudeck
No Angels
Elisabeth Noelle-Neumann
Ulrich Noethen
Ingrid Noll
Normal Generation?
Chris Norman
Günther H. Oettinger
Mario Ohoven
Cem Özdemir
Peilomat
Phil
Hermann Poppen
Avi Primor
Seine Königliche Hoheit Bernhard Prinz von Baden
Johannes Rau
Heribert Rech
Maestro Gian Piero Reverberi
2000: Sir Cliff Richard
Sir Cliff Richard
Lars Riedel
Armin Rohde
Dr. med. Philipp Rösler
Claudia Roth
Dr. Norbert Röttgen
Wynton Rufer
Nina Ruge
Thomas Rühmann
Inga Rumpf
Barbara Rütting
Dr. Wolfgang Schäuble
Marco Schiefer
Schily
Rezzo Schlauch
Renate Schmidt
Ulla Schmidt
Doris Schmidts
Dr. Peter Scholl-Latour
Walter Scholz
Detlev Schönauer
Dietmar Schönherr
Birgit Schrowange
Martin Schulz MdEP
Alice Schwarzer
Ulrike Schweikert
Uwe Seeler
Florian Sitzmann
Werner Sonne
† Lothar Späth
Paul Spiegel
Walter Spindler
Willi Stächele
Rolf Stahlhofen
Thomas M. Stein
Bernd Stelter
Dr. Monika Stolz
Annika Strebel
2012: Christina Stürmer
Prof. Dr. Rita Suessmuth
Stephan Sulke
Jasmin Tabatabai
Horst Tappert
Erwin Teufel
The Temptations
Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Olaf Thon
Prof. Dr. Klaus Töpfer
Ulrich Tukur
Tomi Ungerer
Franz Untersteller MdL
Sir Peter Ustinov
2005: Franziska van
Almsick

Herman van Veen
Ute Vogt
Berti Vogts
Dr. Antje Vollmer
Dr. Ursula von der Leyen
Jürgen von der Lippe
Jürgen von der Lippe
Frhr. von Gemmingen-
Guttenberg

Wolf von Lojewski
Hella von Sinnen
Margarethe von Trotta
Beatrice von Weizsäcker
Florian Wahl
Prof. Dr. Norbert Walter
Udo Walz
2014: Udo Walz
Willi Weber
Konstantin Wecker
Prof. Peter Weibel
René Weller
Wim Wenders
† Guido Westerwelle
Urich Wickert
Heidemarie Wieczorek-Zeul
† Roger Willemsen
Ron Williams
Steffen Wink
Harald Wohlfahrt
Guido Wolf
Sydney Youngblood
Andrea Zangemeister
Joana Zimmer
Dr. Robert Zollitsch
Rolf Zuckowski
Brigitte Zypries