Inga Rumpf

die Rocklady mit kirchlichem Hintergrund

Inga Rumpf
Inga Rumpf im Gespräch mit Hanno Gerwin
Inga Rumpf im Gespräch mit Hanno Gerwin.

Sie gilt als Deutschlands Soulsängerin mit Weltklasse Niveau. Inga Rumpf schreibt seit 30 Jahre Popgeschichte. Über 100 großartige Rock-, Folk-, Soul- und Bluessongs zählen zu ihrem Repertoire, die sie unter anderem auch für Udo Lindenberg und Tina Turner schrieb. Inga Rumpf ist Anfang der 70er Jahre - zeitgleich mit Bob Dylan - mit Protestsongs gegen den Krieg groß geworden. Als Tochter eines Seemanns, hat sie von Hamburg aus die Republik erobert. Die Rocklady ist außerdem in vielen Kirchen aufgetreten. Sie war die christliche Botschafterin der EXPO 2000. Mit ihrem Song "Walking in the Light" nahm sie auf Wunsch der Kirchen die Seligpreisungen der Bergpredigt auf.

 

Inga Rumpf, Rock- und Protestsongs bringt man gerne in Zusammenhang mit Sex, Drugs and Rock `n` Roll. Sie machen das in ehrwürdigen Kirchenräumen. Warum?
Oh! Der Rock `n` Roll ist schon lange her. Inzwischen singe ich schon seit 1999 Gospels in Kirchen.

Aber es rockt auch!
Ja klar, es rockt. Das ist das Tolle an Gospels: Man verbindet damit sehr besinnliche aber auch sehr temperamentvolle Musik. Gospels, Rituals, Soul, Rockmusik und Jazz haben alle eine Quelle.

Wie sind Sie damit in die Kirchenräume gekommen?
Das Interesse an der Kirche begann bei mir schon sehr früh. Ich komme aus Hamburg. Und da ist natürlich der Michel die schönste Kirche für uns Hamburger. Das ist zum Einen ein Wahrzeichen Hamburgs für mich ist er aber auch das Tor zum Himmel gewesen. Ich bin als kleines Mädchen sehr oft dort gewesen und dachte, warum muss man immer so leise sein? Hier möchte ich gerne mal laut singen. Irgendwann hat mich der Pastor eingeladen, den Gottesdienst musikalisch zu begleiten. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. So entwickelte sich das weiter.

Was die Musik in der Kirche anging, so war man damals, als Sie begonnen haben in den Kirchen zu singen, noch nicht sehr liberal. Gab es Leute, die gesagt haben: Mensch, das gehört sich doch nicht! Der ehrwürdige Raum und die laute Sängerin! Oder lief es eher konfliktfrei?
In den Kirchen, in die wir eingeladen werden, Gospels zu singen, ist man ziemlich tolerant und man freut sich, dass die Kirchen sehr voll sind. Es gibt natürlich auch einige, die sind damit nicht ganz einverstanden, aber das soll nicht unser Problem sein.

Im Laufe der Zeit haben Sie aber auch nichtchristliche Songs geschrieben, mit denen Sie groß geworden sind. Trennen Sie das, oder ist das Christliche darin indirekt auch enthalten?
Ich trenne das nicht mehr. Ich texte selber und komponiere selbst die Musik. Im Wesentlichen geht es um "Liebe, Glaube, Hoffnung", um die irdischen Liebesangelegenheiten. Aber die Liebe, die ich mit meinen Texten und meiner Musik ausdrücke, ist ziemlich umfassend. Das betrifft auch die Liebe zu Gott.

Das finde ich sehr interessant. Können Sie mir das ein bisschen genauer erklären, die Liebe zu den Menschen und die Liebe zu Gott? Wie hängt dies zusammen?
Das hängt unmittelbar miteinander zusammen, denn ich glaube, der Sinn in einer Gemeinschaft liegt darin, sich untereinander zu verstehen, zu verständigen. Das ist, was die Schöpfung von uns möchte, dass wir uns alle gut vertragen. Die Liebe zu Gott, meine persönliche Liebe, drücke ich durch meine Dankbarkeit aus. Ich bin dankbar dafür, dass ich singen und leben darf. Das macht mich sehr glücklich. In meinen Gebeten denke ich daran, dass es anderen Menschen schlechter geht als mir und überlege, was man tun kann, dass es besser wird.

Wie stellen Sie sich Gott vor, wenn Sie ihn beschreiben oder besingen sollten?
Das ist sehr schwierig. Ich glaube, wir können das gar nicht erfassen. Das ist so abstrakt, so eine ultra, mega Übergröße. Ich denke, dass das auf einem Prinzip beruht. Alles was hier lebt beruht auf Prinzipien. Ganz wichtig für uns ist ein Zusammenhalt, ein Zusammensein.

Ist Gott vergleichbar mit dem Universum? Viele Menschen stellen sich Gott als Universum vor, weil dieses so unendlich, undurchschaubar und unüberblickbar ist. Oder ist er eher eine Figur wie Jesus, also ein Mensch, der über die Erde wandert und Gutes tut und dadurch zeigt, dass er Gott ist?
Jesus ist natürlich eine Idealgröße. Aber es gibt viele, außer Jesus, die uns spirituell beeinflussen. Wir Christen haben Jesus und halten an ihm als menschliche Person fest. Man sagt, es gäbe viele Universen. Das, was dazwischen und darüber ist, so stelle ich mir Gott vor.

Es gibt viele, wie Jesus. Hatten Sie schon mit Menschen zu tun, von denen Sie dachten, das könnte jemand sein, der mir wie Jesus begegnet?
Eigentlich nein. Wir haben alle unsere Schwächen und keiner ist vollkommen. Jesus hat sehr große Promoter gehabt, ohne Paulus wäre Jesus wahrscheinlich vielleicht gar nicht bekannt geworden. Viele Schreiber haben in der Bibel über Ihn berichtet und ihn wahrscheinlich auch verklärt. Für mich war Jesus in meiner Protestzeit - um da noch einmal drauf zurückzukommen - einer der ersten Rebellen. Damals in Palästina war das nicht einfach, politisch gesehen. Es ist auch heute nicht einfach. Jesus war für mich neben seiner spirituellen Größe ebenso eine politische Figur.

Stichwort "Protest". Ist das vorbei? War das mal: Inga Rumpf, die parallel zu Bob Dylan gegen den Krieg angesungen hat, gibt es da noch was? Oder sind Sie älter und abgeklärter geworden?
Ja, ich bin reifer geworden. Früher sprang ich auf ziemlich alle Themen an. Heute bin ich etwas leiser und auch weiser geworden. Der Protest drückt sich anders aus. Er drückt sich in der Lebensart aus. Man verweigert einige Sachen, die man sonst bedenkenlos mitgemacht hat. In der Nahrung z.B., ganz wichtig.

Was verweigern Sie?
Ich verweigere Junkfood, Fastfood-Ketten, große Lebensmittelkonzerne, soweit es geht. Ich beschränke mich meistens auf Grundnahrungsmittel, die ich selber zubereiten kann und essen kann. Da weiß ich, was ich habe.

Was möchten Sie erreichen? Möchten Sie die Leute mit Ihren Liedern heute noch zum Protest bewegen, aufrütteln?
Nein. Eine ganze Generation, z.B. die Rockgeneration, hat wirklich für was gekämpft und hat auch einiges bewegt. Irgendjemand hat mal gesagt, ohne Jeans und Coca-Cola wäre der eiserne Vorhang wahrscheinlich gar nicht gefallen. Ich möchte in meinen Konzerten die Leute natürlich bewegen, möglichst am Herzen bewegen und ihnen ein paar schöne Stunden in der Gemeinschaft in der Kirche bereiten. Denn dort zeigt sich die Gemeinschaft am Deutlichsten, die Gemeinde sozusagen. Dort zeigt sich, dass wir alle zusammengehören, auf den anderen schauen können und nicht so abgetrennt, also anonym leben.

Wenn Sie in der Kirche auftreten, so gestalten Sie Kirche auf eine ganz besondere Art und Weise. Die Leute, die sich daran beteiligen, finden diese Gemeinschaft vielleicht am ehesten. Ansonsten haben es die Kirchen nicht immer so leicht, dieses Gefühl zu erzeugen. Man spürt eher Distanz. Was sollte man anders machen? Was kann man von Ihnen lernen?
Ich bin kein Prediger, obwohl ich früher eine Band hatte, die Citypreachers hieß. Vielleicht bin ich aber doch ein Prediger, wenn man meine Texte liest. Diese liturgischen Zeremonien sind alte überholte Traditionen. Sicherlich werden sie von einigen Pastoren auch verändert und aufgelockert, was uns sehr willkommen ist. Ich glaube, hier geht es außerdem um Hierarchien, ähnlich wie in der Politik.

Bei Ihnen ist etwas, was aus dem Herzen kommt. Wo kommt das her? Sie haben keinerlei Theologie studiert. Hatten Sie eine Erziehung, die Sie stark christlich geprägt hat?
Meine Mutter ist mit mir zur Kirche gegangen. Ich habe die Bibel schon sehr früh gelesen, weil sie mich interessiert hat, als ältestes Buch der Menschen und als Chronik. Ansonsten kommt es aus dem Bauch heraus.

Was gefällt Ihnen an der Bibel am Besten? Welche Figuren oder Geschichten berühren Sie besonders?
Die Entstehungsgeschichte, also das erste Kapitel sozusagen. Dann natürlich Jesus, hauptsächlich was er in der Bergpredigt gesagt hat. Darin liegt der Kern der ganzen Sache, und das kann ich richtig gut nachvollziehen.

Ich habe gelesen, dass Sie eine sehr offene, der Zukunft zugewandte Frau sind. Gibt es Dinge, wovor Sie Angst haben, wovor Sie sich zurückziehen?
Ich habe z.B. Angst davor, dass die Menschen in den Städten immer schlechter leben, dass die ganze Politik immer mehr gegen den Bürger gerichtet wird, dass es Kriege gibt, dass wir irgendwann nicht mehr genügend gutes Wasser haben oder dass es zu teuer wird, dass die Luft immer schlechter wird. Das sind für mich die nächsten Dinge, die mich bedenklich stimmen.

Wie ist das, wenn man älter wird, haben Sie Angst davor? Oder ist es was Schönes? Wird man reicher und vielleicht auch freier?
Ja. Ich habe festgestellt, dass man reicher und freier wird. Wenn man eine gewisse Zeit richtig hart gearbeitet hat, wie ich das gemacht habe, dann sammeln sich viele Erfahrungen. Man wird reicher an Lebenserfahrung, man weiß, was man will und was man nicht will, was man kann und was man nicht kann. Um gesund ins Alter zu geht, dafür muss man selber sorgen. Da können einem manche Ärzte auch nicht helfen.

Wenn Sie einmal einen Wunsch frei hätten, einen einzigen, was würden Sie sich wünschen?
Einmal in die Zukunft gucken, nur ganz kurz.

Was versprechen Sie sich davon?
Ich verspreche mir davon, dass ich heute vielleicht danach leben kann, obwohl man eigentlich schon weiß, wie es in der Zukunft wird. Man liest sehr viel. Ich bin auch sehr interessiert an Science Fiction. Im Grunde ist die Entwicklung schon klar, und danach sollte man heute schon leben. Das ist das Wichtigste.

 

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