Nina Ruge

ZDF-Moderatorin und Geschichtenerzählerin

Nina Ruge im Gespräch mit Hanno Gerwin
Nina Ruge im Gespräch mit Hanno Gerwin
Nina Ruge im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sie begann mit Nachrichten und ist heute eine der wichtigsten Moderatorinnen des ZDF. Nina Ruge moderiert seit 1997 die Sendung „Leute heute“. Daneben schreibt die 1956 geborene Fernsehfrau Bücher und erzählt auch biblische Geschichten - in Buchform. Nina Ruge hat sich mit der Bibel persönlich auseinandergesetzt und so bleibt beim Erzählen der Geschichten nicht verborgen, wie sie selbst zur Bibel steht.

 

Frau Ruge, in Ihrem Buch spielt die Schöpfungsgeschichte eine große Rolle. Sie erzählen sie sehr ausführlich und bringen durchaus auch Ihre eigenen Anmerkungen oder Interpretationen mit ein. Ich finde das sehr spannend. Sie erzählen beiden Schöpfungsgeschichten, die in der Bibel erzählt werden. Evolutionstheorien sind in Amerika ein riesiges Thema. Wie ist das für Sie?
Ich habe mir überlegt, wie es wohl für Kinder sei. Sie erfahren natürlich, dass die Welt durch einen Urknall entstanden ist und dass es unendliche Zeiträume waren, bis überhaupt Materie entstanden war und noch viel länger, bis es dann überhaupt Leben auf der Erde gab. Dann kommt man mit die Bibel, in der es heißt, Gott habe all das in sieben Tagen erschaffen. Darum habe ich mit der Frage begonnen: „Wo ist dein Lieblingsort?“ Dann schrieb ich, es gäbe zwei Träume dazu, die haben ganz viele Menschen geträumt, sowohl den einen, wie auch den anderen, schon seit 3.000 Jahren. Die Kinder wissen rational, dass es den Urknall gab, dass Evolution stattfand, damit wir heute auf der Erde sind, und trotzdem gibt es diese beiden Träume, wie Gott die Erde schuf. Diese andere Ebene ist für sie vielleicht genauso real ist wie die Evolutionstheorie.

Ist das kein Wiederspruch für Sie, Evolutionstheorie einerseits und die Schöpfungsgeschichte der Bibel andererseits?
Ich habe natürlich eine ganze Menge gelesen in Sachen Bibelexegese, um die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge zu verstehen. Vieles was man damals gegessen hat oder die Brauchtümer von damals verstehen wir heute gar nicht mehr. Es heißt auch, dass man die Schöpfungsgeschichte als eine Abstraktion begreifen muss. Das hat nichts damit zu tun, dass man versucht real zu erklären, wie die Welt entstanden sei, sondern mit der Tatsache, dass in allem, was existiert, etwas göttliches ist, das die Schöpfungsgeschichte bestimmt. Deshalb habe ich diese in Form eines Traumes gepackt.

Das würde auch die Frage nach der Zeit, an der man sich festhalten könnte, beantworten, dass ein Tag vielleicht Milliarden von Jahren entspricht. Zeit spielt für Gott ja keine Rolle spielt, das ist eine menschliche Kategorie. Hat die intensive Beschäftigung mit der Bibel Sie verändert? Wurden neue Erkenntnisse auch im Blick auf Ihren eigenen Glauben geweckt?
Ja. Ich glaube, ich gehöre wie viele aus meiner Generation zu denen, die ziemlich früh angefangen haben, zu suchen. Warum bin ich hier auf der Welt? Was ist das Wirkliche, das mich glücklich macht? Ist es mehr, 95 Paar Schuhe zukaufen oder eine Reise in die Karibik machen und dabei schon wieder nach der nächsten zu gieren. Was ist es? Ist es der Augenblick? Und wenn's der Augenblick ist, was ist daran das Schöne? Ist es vielleicht das Göttliche? Ich suchte natürlich lange, und wie viele meiner Generation machte auch ich genau diese Erfahrung mit der Bibel und dem christlichen Glauben und bin entfernte mich erst mal ganz weit weg davon. Ich bin dann zu vielen Religionen gekommen. Ich habe immer gesucht. Mal intensiver, mal nicht so sehr. Du siehst auf, erlebst alles mögliche, suchst und suchst und siehe da, es liegt dir vor den Füßen und Gott ist in dir, du musst es nur spüren.

Also, Sie würden sagen, dass Sie das Christentum wieder entdeckt haben.
Ja. Ich fand in der Bibel vieles von dem, was ich in vielen anderen Zusammenhängen bereits gefunden hatte. In der Bibel steht es oft sehr, sehr echt, klar und sehr, sehr gut. Ich glaube auch, dass jeder Mensch, der nach Glück und Erfüllung sucht, sich auf einer Reise befindet. Das sind immer wieder neue Stationen, die man durchläuft und die wichtig sind. Man muss sich den Wert dieser Reise bewusst zu machen und viel Zeit und Energie darauf verwenden, vielleicht mehr als auf andere Dinge.

Sie haben sehr viel mit Menschen zu tun - auch in Ihrer Sendung „Leute heute“, Sie sehen Biografien und Schicksale. Sie haben sich auch mit den Biografien und Schicksalen biblischer Personen und Persönlichkeiten beschäftigt. Jona spielt in Ihrem Buch beispielsweise eine große Rolle. Sehen Sie in den biblischen Personen mit ihren Erlebnissen, ihrem Glauben und das, was sie bewegt, typische Ähnlichkeiten mit den Menschen heute, oder ist es eine ganz andere Welt?
Der Ähnlichkeiten wegen ist die Bibel so unglaublich universell. Jona sagt am Ende beispielsweise, er wolle, dass alle bestraft werden, die in irgendeiner Form Vergehen begangen hätten. Er ist auch bestraft worden und möchte, dass brutale Gerechtigkeit herrscht. Und das Gott nicht vergibt.

Die Geschichte Jesu' wird in Ihrem Buch nicht zu Ende erzählt, sondern endet mit dem Beginn der Tätigkeit Jesu. Er hat seine Jünger gefunden und geht jetzt eigentlich richtig los. Die Kreuzigung und die Auferstehung kommen nicht vor. Gibt es dafür einen Grund?
Es passte einfach nicht mehr ins Buch rein: Wir hatten sowieso noch mehr geschrieben, zum Beispiel Josef und seine Brüder. Diese Geschichte finde ich so unglaublich bewegend. Ich würde sagen, zwei Drittel des nächsten Bandes sind schon voll. Wenn ich die Passionsgeschichte so erzähle, wie ich die anderen Geschichten erzählt habe, so wäre es für Kinder ab fünf oder sechs mit Sicherheit sehr starker Tobak. Und da müssen wir noch einen Weg finden.

Das ist eine ganz tolle Herausforderung.
Es geht darum, die konsequente Brutalität des Systems von damals zu zeigen. Menschen wurden ans Kreuz genagelt und auf grauenvolle Weise einem fürchterlich langen Lebens- und Todeskampf vor den Augen gieriger, geiler und grauenhafter Menschen ausgesetzt. Natürlich würde ich das nicht ausschmücken, aber das ist eine Herausforderung. Ich weiß noch nicht wie, aber es muss natürlich passieren, weil es zum Grundwissen eines Christen und Menschen, die in einer christlichen Gesellschaft aufwachsen, dazu gehört.

Welche Bedeutung hat Jesus für Sie?
Für mich ist Jesus der Erlöser, derjenige, der den Menschen auf eine kompromisslose Weise klargemacht hatte, wie man anders leben kann, was man alles nicht braucht und was letztlich an Mut zu dieser Lebensweise gehört, die ganz konsequent bedeutet, für andere zu leben und für eine Welt, in der wir im Grunde die nächste Ebene erreichen. Wenn wir es evolutionsgeschichtlich ganz nüchtern sehen wollen, ist das unsere Zukunft, als Weltgesellschaft auf eine solche Ebene zu kommen. Das Interessante ist, dass es immer mehr Menschen gibt die davon überzeugt sind, dass nur das die Lösung sein kann. Vielleicht war Jesus nicht der erste, weil es in der Geschichte immer mal Überlieferungen von solchen Persönlichkeiten gab, die diese Botschaft kompromisslos gelebt haben. Bei der Speisung der Fünftausend in der Wüste, sagte Jesus, man solle fünf Laib Brot und zwei Fische teilen und plötzlich war es so soviel, dass es für alle reichte. Die Menschen glaubten, Jesus sei wie ein Zauberer, dem müssten sie glauben, dann müssten sie nicht mehr soviel arbeiten. Er sei der richtige. Und dann stellte sich Jesus hin und sagte, das wichtige sei doch eigentlich, Mitmenschlichkeit und Liebe gepredigt zu haben. Aber nur wenige hatten ihn wirklich verstanden. Jesus war kein Zauberer, sondern derjenige, der das in uns freisetzen kann, was wir alle in uns haben. Er sagte: „Ich bin dass Licht und die Liebe“, und jeder von uns ist es.

Pfingsten ist die Geburtstunde der Kirche, weil der Geist in die Welt kommt und sich manifestiert als „Kirche“. Wie ist Ihr Verhältnis zur Kirche?
Ein neugieriges. Ich muss sie erst richtig entdecken. Wir produzierten an Maria Himmelfahrt, 15. August, eine Sondersendung in Altötting. Dabei versuchte ich, für die Zuschauern, die mit Wallfahrt und dem christlichem Glauben nicht viel am Hut haben, das herüberzubringen, was Menschen bewegt, dort so froh in der Gemeinschaft zu sein und wie gereinigt und geläutert wieder nach Hause zu gehen. Für mich war das eine große Bereicherung, mich so der Institution Kirche genähert zu haben. Ich selbst würde nicht mit einem Kreuz auf dem Rücken um die Gnadenkapelle herumlaufen, weil ich weiß, dass sich mein Glaube ausdrückt.

Ruhiger? Zurückgezogener?
Ich kann an einem Morgen wie diesem Gott spüren.

Das ist aber etwas für Sie persönlich.
Das ist etwas für mich persönlich. Gleichzeitig weiß ich aber, dass ich bei dem richtigen Pfarrer sehr viel Anregung finden kann. Diesen muss ich aber noch finden. Dann gehe ich auch Sonntagvormittags in die Kirche. Meine Recherche ist allerdings bisher sehr dünn. Es gibt eine neue Generation von Menschen, die Glauben leben wollen, und das hat mit all den Verboten und dieser unerotischen Art, mit der der Glaube früher zelebriert wurde, nichts mehr zu tun.

Können Sie mit anderen darüber reden oder mit anderen zusammen beten?
Beten tue ich alleine. Das gemeinsame Beten habe ich bisher noch nicht gefunden. Mit anderen über den Glauben reden, ja. Wenn man ein tiefes Gespräch führt, kommt man an den Punkt, wo man sich fragt: Was hält mich wirklich? Es ist nicht mein Partner, es ist nicht mein Job. Es ist vielleicht auch nicht die Gesundheit. Was ist es, was mich und die Welt zusammenhält? Letztlich ist es nur der Glaube.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Dass ich auf diesem Weg weiter gehen darf – möglichst gesund!

 

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