Lars Riedel

den Olympiasieger im Diskuswerfen

Lars Riedel
Lars Riedel im Gespräch mit Hanno Gewin
... mit Hanno Gerwin

Fünffacher Weltmeister, Gold- und Silbermedaillengewinner bei Olympischen Spielen und mehrfacher Deutscher Meister - Lars Riedel wirft die Diskusscheibe ganze 71,5 Meter weit. Der Spitzensportler stammt aus Sachsen und stand schon zu DDR-Zeiten bei den Junioren ganz oben auf dem Siegertreppchen.
Lars Riedel hat ein ausgefallenes Hobby und ungewöhnliche Ansichten, wie er Hanno Gerwin im Interview verraten hat.

 

Lars Riedel, eine Diskusscheibe ist ja etwas anderes als ein Handball. Wie schwer ist so eine Scheibe?
Bei den Männern sind sie zwei Kilo schwer. Das ist im ersten Moment vielleicht nicht viel, denkt man. Diese Kilos aber zu werfen, da merkt man die Grenzen.

Diskuswerfen ist auch was anderes als Fußball oder Tennis, was fast jeder mal ausprobiert hat. Wie kommt man zum Diskuswerfen?
Ich habe natürlich alles in der Leichtathletik gemacht, von Lauf über Sprint und hatte auch überall Spaß dran. Die besten Platzierungen hatte ich jedoch im Ballwurf. Ich wechselte zum Speerwurf und Diskuswerfen über. Schließlich gab es einen, der im Speerwurf besser war und weiter warf. So habe ich mich mehr in Richtung Diskus spezialisiert. Anfänglich war es nicht so, dass ich mir sagte, ich muss unbedingt Diskus werfen. Das hat sich einfach so entwickelt.

Haben die Leute, die Sie gefördert haben, gesagt, sie machen künftig Diskuswerfen?
Ja genau. Ich habe dann immer mal wieder Speer geworfen. Beim Diskuswerfen stellte ich fest, dass ich technisch am besten zurechtkam und auch die größten Fortschritte gemacht habe. Ich hatte Spaß daran, die Technik weiter zu entwickeln und versuche dort noch ein bisschen und da noch ein bisschen zu verändern. Das sind dann Feinheiten, die die entscheidenden Meter ausmachen.

Können Sie sich an die ersten Würfe erinnern? Wie alt waren Sie damals und wie weit haben Sie geworfen?
Das war in der sechsten Klasse. Ich warf damals 15 bis 20 Meter. Die Kraft hat man ja und den Schwung hat man oder man hat ihn nicht.

Das ist ein Sport, der viel Technik und Feintuning braucht?
Genau, es kommt auf die Zehntel und Hundertstel an. So entscheidet sich, ob der Wurf gut oder schlecht ist. Man muss trotzdem sehr viel Kraft haben, um die 2 Kilo zu bewegen. Was ich jetzt bei den Wettkämpfen sehe, liegt zwischen Lockerheit, schönem Schwung und einer gewissen Körperspannung, die man haben muss. Die Balance dazwischen ist sehr schwierig.

Sie haben schon in der ehemaligen DDR Erfolge gehabt. Wenn Sie darauf zurückblicken, ist für Sie als Spitzensportler etwas anders geworden?
In der DDR war man als Sportler umsorgt und brauchte sich um nichts zu kümmern. Die Erfolge waren damals noch nicht so groß. Ich bin wirklich erst nach vorn gekommen, als die Wende schon vorbei war. Aber ich kann aus beiden Systemen das Gute herausziehen. Also die Eigenständigkeit ist jetzt klasse. Das war früher nicht so. Damals hat man in der Trainingsgruppe trainiert.

Wenn man sportliche Höchstleistungen bringen will, muss man talentiert sein und viel Disziplin haben. Wie ist das für Sie persönlich, welche Anlagen haben sie, die Sie so weit nach vorn bringen?
Am Anfang war das nicht so. Ich hatte Spaß dran und auch den Willen gehabt, zu gewinnen. Später war das auch geplant. Du hattest bestimmte Trainingszeiten, musstest da sein. Ich hätte mir damals nie vorstellen können, ohne Trainer zu sein, was ich jetzt schon seit zehn Jahren mache. Irgendwann merkte ich, wenn ich einen Tag nichts machte, dann fiel es mir morgen umso schwerer. Der Wille, konsequent zu trainieren, ist mir irgendwann in Fleisch und Blut übergegangen.

Sind Sie denn ehrgeizig?
Ja, ich bin ehrgeizig. Es gibt aber auch Phasen, in denen ich mich gehen lasse. Auch die brauche ich, um wieder genug Kraft zu schöpfen. Danach kommt die Phase, dort durchzuziehen, wo es wichtig ist. Ich könnte im Februar oder März volle Pulle loslegen. Ich trainiere, versuche meine Würfe zu machen, aber mit dem Kopf bist Du so richtig erst im Sommer dabei. Dann kann mich auch keiner ansprechen.

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?
Also verlieren tut man nicht gerne. Aber man analysiert die Situationen und findet heraus, warum und wieso das so war. Wenn man siegen will und kann, dann muss man auch mal verlieren können.

Wie ist das mit den Konkurrenten? Ist das ein harter Kampf oder hat man auch Freunde?
Wenn der Wettkampf beginnt, dann herrscht eine ziemliche Spannung. Es geht darum, seine Kraft zu zeigen und darum, dass man der Bessere ist. Wenn ich den Hauptkonkurrenten Virgilius Alekhna nehme, Olympiasieger 2000, bei dem ist es ähnlich, wie bei mir. Er macht sein Ding. Ist der Wettkampf vorbei, gratuliert man sich und geht auch mal ein Bier trinken. Das sind nicht die absoluten Freundschaften, aber man akzeptiert sich und man geht fair miteinander um. Das ist das Wichtige. Die Fairness im Sport muss da bleiben, der Beste gewinnt.

Wovor haben Sie Angst ?
Vor einer Verletzung, die so kurz vor einem Wettkampf passiert, dass man einfach nichts mehr machen kann. Das hab ich 1994 erlebt. Es ist schlimm, wenn du weißt, du hast es drauf, hast das ganze Jahr dafür gearbeitet und kannst es nicht zeigen. Das sind so Sachen.

Haben Sie Angst vor dem Alter?
Nicht so sehr. Sicherlich genieße ich jetzt mehr. Die ersten drei, vier Jahre ist man so durchgerannt, durch die Erfolgsetappen. Jetzt genieße ich es, wenn ich an einem schönen Ort bin, wo ich einen Wettkampf habe, genieße ich das Drumherum. Vielleicht werde ich in zwei, drei Jahren aufhören. Ich nehme jetzt alles mehr wahr.

Eine gewisse Gelassenheit, die sie trotz der Spitzenleistung immer durchträgt?!
Im Großen und Ganzen versuche ich das schon.

Von Ihnen ist bekannt, dass Sie aktives Kirchenmitglied sind.
Aktives Mitglied nicht gerade. Meine Schwester und mein Bruder sind ziemlich aktiv. Bei mir war es so, dass ich durch den Sport, meistens nie da war. Ich praktiziere den Glauben mehr für mich selbst. Die Kraft für mein Tun bekomme ich auch aus dem Glauben. Dass ich mir im Training die Kraft natürlich erarbeiten muss, das ist klar.

Sie ziehen aus Ihrem Glauben auch mentale Kraft, um Spitzenleistungen zu bringen?
Ja, vor allem auch im Wettkampf, um nicht so verkrampft zu sein, um mir selbst zu sagen, du versuchst heute alles, du konzentrierst dich, bist voll heiß und versuchst das Ding einfach so weit wie möglich zu werfen. Aber was am Ende dasteht, steht da. Das ist dann eben so.

Das ist ziemlich ungewöhnlich. Wie sind Sie zum christlichen Glauben gekommen? In der ehemaligen DDR war das für einen Spitzensportler nicht gerade selbstverständlich!?
Ich bin hauptsächlich durch meine Eltern christlich erzogen worden. Ich bin der Älteste und habe noch die Jugendweihe und die Konfirmation mitgemacht. Meine Schwester hat nur Konfirmation gemacht, wodurch sie es schon in der Schule etwas schwerer hatte. Ich hab das gar nicht so wahrgenommen. Ich bin auch nicht jede Woche in die Kirche gegangen. Ein Übungsleiter hat mal zu mir gesagt: „Ich weiß, du bist in der Kirche. Mach’ das schön ruhig, dass es nicht auffällt.“

Wenn Sie vor die Alternative gestellt worden wären, entweder du trittst aus oder beendest deine Karriere als Spitzensportler, wie hätten Sie sich entschieden?
Da hab ich nie drüber nachgedacht. Ich hatte vielleicht auch das Glück, dass ich im Sportclub war, wo es etwas lockerer zuging. Zehn, fünfzehn Jahre vorher war das alles noch viel steifer. Ich weiß nicht, wie ich mich entschieden hätte. Den Glauben hätte ich behalten. Ich wäre vielleicht noch weniger in die Kirche gegangen.

Welche Rolle spielt für Sie Familie?
Sie ist für mich immer schon ein wichtiger Rückhalt gewesen, in der Familie kommt man ein bisschen zur Ruhe und schöpft wieder neue Kraft.

Haben Sie Kinder ?
Ja, einen Sohn.

Was möchten Sie Ihrem Sohn einmal mitgeben?
Wichtig ist, dass er sich selbst für bestimmte Sachen entscheidet, dass er sich frei entscheidet. Er soll nachdenken und selbst entscheiden, das ist für mich gut oder nicht gut. Mein Sohn ist ziemlich groß und kräftig und er soll auf die Schwachen ein bisschen aufpassen und sich für sie verantwortlich fühlen. Es macht ihn stolz, wenn er mal jemandem geholfen hat, der kleiner war.

Das ist eben ganz wichtig, dass die Eltern moralische Werte den Kindern mitgeben.
Ja, gerade in der heutigen Gesellschaft werden manche Werte gar nicht mehr dargestellt. Ich denke aber das kommt wieder, weil es einfach wichtig für die Gesellschaft ist. Es ist nicht verkehrt, wenn ein Kind gewisse Grundwerte hat.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
Ich würde gerne sechs, sieben Sprachen sprechen können. Am liebsten Italienisch - ist irgendwie eine schöne Sprache.

 

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