Ron Williams

Sänger, Schauspieler und Moderator mit Charisma

Ron Williams
Ron Williams im Gespräch mit Hanno Gerwin

Ron Williams kam in den 60er Jahren als GI nach Deutschland und blieb seitdem in good old Germany. Der schwarze Entertainer kann fast alles: Mit kehliger Stimme Blues, Rock und Folk singen, als Schauspieler Preise gewinnen und im Fernsehen moderieren. Das charismatische Multitalent engagiert sich in Schulen gegen Rassismus und Gewalt. 2004 hat ihm Bundespräsident Köhler das Bundesverdienstkreuz verliehen.

 

Ron Williams, Sie stehen auf der Bühne, spielen Theater, singen, machen Kabarett und Fernsehen. Ein Entertainer mit Multitalent. Wie fing alles an?
Schon als Siebenjähriger stand ich auf der Bühne. Meine Tante, saß am Klavier und ermutigte mich, „Ronny, sing a song“, und das habe ich gern getan. Später in der High School war ich dann quasi der High School Star und Entertainer.

Sie sind als GI, mit 19, nach Deutschland gekommen?
Ja, als GI. Deutschland hatte mich bereits als Schüler an der High School immer schon fasziniert. Ich war sehr gut in der Schule, wenn es um Geographie und Geschichte ging. Und Deutschlands Geschichte hat mich tatsächlich sehr interessiert. Mir war es daher ein riesengroßes Rätsel, wie eine so alte Kultur, wie ein Land, wie ein Volk wie die Deutschen, das eine so großartige Geschichte mit Goethe und Schiller und Beethoven usw. hinter sich hat, in ein solch braunes Loch fallen konnte in den Jahren 1933 bis 1945. Diese Frage hat mich wirklich fasziniert, so dass ich dieses Volk dann unbedingt kennen lernen wollte. Ich wollte dieses Land hautnah erleben, um das alles verstehen zu können. Das habe ich dann auch getan. Wir waren zwar als GIs in einem fremden Land, aber die Deutschen waren insgesamt eine gute Schule für mich. Ich kann Sachen erzählen, dass glaubt man gar nicht. Beim Restaurantbesuch erschraken die Leute immer wieder, wenn ich als Farbiger eine Gaststätte betrat, hörte ich öfter abfällige Äußerungen, „ein Neger, ein Neger, haben sie es gesehen, ein Neger ist das“. Ich bin aufgestanden, bin rüber gegangen und habe gesagt, „hören Sie gnädige Frau, sagen Sie das noch zehn mal, dann kriegen Sie zehn Mark von mir, aber sagen Sie es laut, damit alle es hören können“.

Auf diese Weise haben Sie die Leute erzogen. Die Deutschen waren ja gerade in den 60er, 70er Jahren nach Amerika hin orientiert?
Man kann nicht sagen, dass das Land in den 60er Jahren sehr einladend wirkte, aber es hatte was. Mein Vater, eigentlich mein Onkel, ist Liedersänger und Stimmlehrer und war selbst ein großer Tenorbariton. Er hat als junger Mensch als Gastsänger in London sogar schon vor König George von England gesungen. Er war immer schon ein großer Liebhaber von Schubert. Ich hörte also zu Hause tagtäglich diese Musik. Denn auch meine Mutter, eigentlich meine Tante, ist Lehrerin für Piano und Orgel. Ich hatte also aufgrund dieser Musik, dieser Kultur, immer schon eine Ader für Europa. Und so kam das.

Sie haben gesagt, dass Sie Ihre Talente von Gott haben?
Ja, von Gott oder den Göttern oder den Göttinnen.

Beschreiben Sie mal den Gott, zu dem Sie beten.
Für mich gibt es nicht den einen Gott. Mein Gottesbild ist geprägt durch verschiedene Religionen. Ich war in fünf verschiedenen Kinderheimen und jedes Heim hatte einen anderen religiösen Träger. Baptisten, Methodisten, Sieben-Tage-Adventisten: bei jedem Heimwechsel musste ich deren Religion annehmen. Das war nicht leicht.
Wenn ich zu Gott bete, denke ich immer: er hat so eine Riesenarbeit, wie soll er überhaupt Zeit für mich haben. Ich rede zwar mit ihm, aber ich muss mir selbst helfen. Ich muss spirituelle Eigenverantwortung haben. Seit 1971 meditiere ich morgens und abends, wenn ich Zeit habe. Die Meditation ist für mich Gottheit, aber nicht die Vorstellung: ein Mann mit einem weißen Bart, der auf der Wolke hockt, irgendwo. Daran glaube ich nicht.

Reden wir über Jesus. Jesus kann man besser verstehen.
Er ist ein großer Lehrer und vielleicht für viele heilig. Für mich, ist er ein sehr Bedeutender, für unsere Kultur wahrscheinlich der Bedeutendste. Buddha darf man auch nicht vergessen und Mohammed ist für viele Menschen auf dieser Erde auch sehr wichtig. Ich habe für mich gelernt, nicht zu behaupten, mein Gott ist der Richtige. Gott kann ein Baum sein, ein Adler. Wo man diesen Gott platziert, ist jedermanns eigene Sache.

Aber Sie selbst können ja auch für sich entscheiden.
Ja und ich entscheide mich nicht für eine Gottheit in einer Person.

Lesen Sie in der Bibel?
Ein wunderbares Buch. Ich habe es gelesen. Ich schreibe zurzeit an meinem Martin- Luther-King Musical und habe aus etlichen Bibelgeschichten geschöpft, um das Leben des Pastors, Bürgerrechtlers, Friedensnobelpreisträgers, Ermordeten, meinem Helden, zu beschreiben. Zu allererst war er Pastor und dann erst politischer Aktivist. Ohne Gewalt, mit Liebe. Für mich ist das mein Gottbild. Gott ist Liebe. Und Liebe im Sinne von Liebe, Toleranz, Verständnis. Mein Glaube ist, die Seele kann nicht sterben.

Und wie stellen Sie sich das danach vor? Das Paradies zum Beispiel?
Ich weiß, dass es weitergeht. Meine Mutter sagte mir, bevor sie starb: „Ron, falls ich mal nicht mehr bin, nicht weinen, nicht traurig sein, denn in Gotteszeit, bist du bei mir und da habe ich verstanden, was für ein Bild sie von der Unendlichkeit des Seins hatte. Das ist Glaube für mich.

Wenn Sie einen einzigen Wunsch frei hätten, was wäre es?
Die Chance, mit Martin Luther King Junior zu reden. Er ist für mich der Größte. Der Mann, der unser Land wirklich verändert hat, ohne Gewalt, ohne Armeen, ohne politische Macht, nur mit Liebe, Verständnis und Geduld. Ein wunderbarer Mensch.

 

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