Mario Ohoven

Präsident des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) und erfolgreicher Unternehmer

Mario Ohoven
Mario Ohoven im Gespräch mit Hanno Gerwin
Mario Ohoven im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er ist ein sehr erfolgreicher, mehrfach ausgezeichneter Unternehmer und der Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft. Mario Ohoven, stammt aus einer der ältesten rheinischen Unternehmerfamilien und ist inzwischen seit über 30 Jahren als gelernter Banker im Bereich Vermögensanlagen tätig. Bekannt ist er auch für seine kritischen Wirtschafts- und Kapitalmarktprognosen. Sein Buch „Die Magie des Powerselling“ war 3 Jahre lang in den Bestsellerlisten.

 

Herr Ohoven, wie definieren Sie den Begriff „Mittelstand“? Wo fängt Mittelstand an und wo hört er auf?
Da ist man sich noch uneinig. Normalerweise definiert sich ein mittelständisches Unternehmen über einen Umsatz von 250 Millionen Euro und 500 Mitarbeitern. Von Inhabern geführte Unternehmen nennen sich aber auch Mittelstand. Der Mittelstand umfasst deutschlandweit ungefähr 98 Prozent aller Betriebe, beschäftigt 70 Prozent aller Mitarbeiter und bildet ungefähr 80 Prozent der Lehrlinge aus. Daher spricht die Politik vom Mittelstand als die Wirbelsäule der Nation.

Würde man also den Mittelstand aus der Wirtschaft herauslösen, bliebe nicht viel übrig.
Nein. Wir haben in Deutschland 3,5 Millionen Betriebe. Nur 1 % davon sind Großbetriebe und Konzerne. 2,6 Millionen Betriebe beschäftigen einen bis 20 Mitarbeiter. Das ist die Wirbelsäule. Ohne Mittelstand gäbe es keine Wirtschaft. Ohne Konzerne gäbe es aber auch keinen Mittelstand und ohne Mittelstand keine Konzerne. Es entstehen Synergie-Effekte. So entwickeln beispielsweise die Konzerne Grundlagen in anderen Ländern und investieren dort, was der Mittelstand nicht kann. Anschließend nehmen sie uns auf ihrem fahrenden Zug mit.

Lassen Sie uns über Ihr Unternehmen sprechen. Wie klein war dieses am Anfang, und wie groß ist es heute?
Wir haben zu Hause eine Papierfabrik, die 1810 gegründet wurde und 2010 ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Dort wurde ich ausgebildet. Der Lebensgefährte meiner Mutter – mein Vater starb früh – war Vorstandsmitglied einer sehr großen Bank. Er riet mir, in die Finanzdienstleistungsbranche zu gehen. Meine Mutter legte zwar fürchterlichen Protest ein, aber ich bin bis heute in der Finanzdienstbranche tätig. Ich war damals erst Geschäftsführer, dann ging ich als Vorstandsmitglied in eine sehr große Unternehmensgruppe und machte mich selbständig. Diese Firma gibt es jetzt seit fast 30 Jahren und gehört die meiste Zeit zu den Marktführern. Viele Jahre waren wir die Nummer 1.

Verraten Sie uns Ihren Jahresumsatz?
Die gesamte Unternehmensgruppe liegt mit ihrem Jahresumsatz bei 300 Millionen Euro.

Das ist dann richtiger Mittelstand.
Das ist richtiger Mittelstand. Von außen wird das manchmal überschätzt. Wir haben insgesamt 130 Mitarbeiter, und das ist ein typischer mittelständischer Betrieb.

Sie sind ein sehr unternehmungsfreudiger und risikobereiter Mensch. Zeichnet Sie das als Unternehmerpersönlichkeit aus? Sind diese Eigenschaften der Grund dafür, dass Sie Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft sind?
Ich habe mich schon früh für den Mittelstand eingesetzt. Bereits vor über 20 Jahren schaltete ich Anzeigen wie „Mittelständler wehrt euch!“ Denn obwohl 98 bis 99 Prozent aller Betriebe in Deutschland dem Mittelstand angehören, haben diese leider nicht die Plattform, die Ihnen gebührt. Geht ein Großbetrieb pleite, kommt anschließen sogar der Bundeskanzler mit einem riesigen Scheck. Wenn ein kleines Unternehmen pleite geht, kommt kein Bundeskanzler, kein Minister, da kommt nur einer, und das ist der Gerichtsvollzieher. Aus diesem Grunde habe ich mich eingesetzt. Wo sich andere Verbände vielleicht mit dem Zuwachs von Mitgliedern etwas schwer tun, haben wir bis heute großen Erfolg.

Sie sind ein Mensch, der bisher sehr viel Erfolg in seinem Leben hatte. Hoffentlich auch in der Zukunft. Was macht Ihren Erfolg aus?
Erfolg ist kein Zufall sondern System.

Auch Arbeit?
Auch Arbeit. Während man auf den Erfolg wartet, muss man währenddessen eine Menge dafür tun. Erfolg ist eines der Grundprinzipien in dieser Welt. Ohne Erfolg kann ich nichts bewegen, und wenn ich Unternehmer bin, dann kann ich auch definitiv nicht sozial tätig sein ohne Erfolg. In der heutigen Zeit gibt es wenig Produktmanagement. Der Deutsche ist dafür bekannt, dass er das Produktmanagement seit ein paar hundert Jahren beherrscht. Das ist aber leider vorbei. Sie brauchen heute auch ein Beziehungsmanagement. Das heißt, ich muss meinem Produkt ein Egomarketing geben, also einen Imagetransfer. Nur 30 Prozent der Menschen sind in der Lage, sich selbst zu definieren und wenn dazu gehöre, dann stelle ich meine Schwächen, meine Sollbruchstellen fest. Erst dann kann ich an dem, was bei mir nicht klappt, arbeiten. Der Mensch verändert sich meistenteils nur unter Schmerzen. Solange es ihm gut geht, verändert er sich nicht. Was ich denke, das strahle ich aus, und was ich ausstrahle, ziehe ich an. Das Unterbewusstsein ist der Arbeitsraum unserer Seele und unsere Seele ist für uns das A und O.

Was wollen Sie im neuen Jahr 2008 erreichen?
Zunächst möchte ich unseren Mittelstand da hinbringen, wo er hingehört. Außerdem gilt es zukunftsbezogene Projekte mit Erfolg zu managen. Wir dürfen das durch die Agenda 2010 Erreichte, was wir der Regierung Schröder zu verdanken haben, nicht zerstören. Die Politiker dürfen nun nicht dran gehen und die Reformen stoppen. Davor habe ich momentan sehr große Ängste. Wenn wir die Reformtätigkeit aufheben, dann sehe ich die Wirtschaft nicht weiterhin so positiv prosperieren. Erhardt sagte mal: „50 Prozent des wirtschaftlichen Erfolges ist die Psychologie.“ Professor Robinson, einer der größten Marketingvertriebswissenschaftler dieser Welt sagt, es seien inzwischen 80 Prozent. Ich denke, dass es die Deutschen jetzt satt haben, so negativ zu denken, dass sie ihr Geld wieder ausgeben und die Binnenkonjunktur hoffentlich anspringen wird. Auch bei den Exporterfolgen bin ich mir sicher. Innerhalb der letzten fünf Jahre war unsere Lohnpolitik in der Bundesrepublik Deutschland sehr zurückhaltend. Aus diesem Grunde haben Exporteure und viele Firmen noch etwas Speck. Verlieren sie diesen, habe ich auch Angst um unsere hervorrage Exportquote.

Wie wichtig sind Werte für Unternehmer?
Werte sind das wichtigste, was es überhaupt gibt. Wir haben einen Werteverfall und sollten darum an unseren Werten arbeiten.

Welche Werte könnten Sie als besonders wichtig benennen?
Glaubwürdigkeit. Wir müssen glaubwürdig und ehrlich sein. Viele Menschen fallen in ein soziales Netzt und fühlen sich in dem wohl dabei. Ich habe größtes Verständnis für Menschen, die keine Arbeit mehr bekommen, denen muss unbedingt geholfen werden. Wir dürfen unser soziales Netz nicht als Hängematte, sondern als Sprungbrett betrachten, als Trampolin, um wieder nach oben zu kommen.

Der christliche Glaube begründet Werte. Wie Was bedeutet Ihnen der christliche Glauben?
Ohne Glauben geht fast nichts. Aus diesem Grund ist der Glaube für mich das A und O. Ich bin Christ und stehe dazu. Man muss aber auch sehen, je besser eine Wirtschaft läuft, desto weniger spielt der Glaube eine Rolle. Im gleichen Augenblick, in dem die Wirtschaft nicht läuft, wo es Kriege gibt und so weiter uns sofort, flüchten die Leute wieder in ihren Glauben. Die Kirche, wäre gut beraten, wenn sie auf Egomarketing, also Imagetransfer setzen würde. Professionell angepackt, würde dies die Kirchen wieder voll machen.

Man sollte also Techniken, die sich in der Wirtschaft bewähren, auch auf die Institution Kirche anwenden?
Ja. Warum tendieren so viele Europäer, Westeuropäer auf einmal zu anderen Glaubensrichtungen als dem Christentum? Weil sich diese hervorragend verkaufen.

Es gibt einen wichtigen Satz von Jesus, den man sicherlich auch Unternehmern jederzeit sagen kann, nämlich, dass man mit seinen Talenten arbeiten soll. Man soll sie vermehren. Sollte man das den Unternehmern weitersagen?
Man muss es offensiv weitersagen. Der Schöpfer hat uns unsere Gene, unsere Substanz mitgegeben, und es ist die Pflicht eines jeden Menschen, sie auszubauen.

Jesus redet auch von den Gefahren des Geldes, von der falschen Annahme, dass man durch irdische Reichtümer sein Leben sichern könnte. Wie legen Sie diesen Satz aus?
Mit Geld können Sie in der heutigen Zeit eine Menge bewegen, ohne Geld ist es in dieser sehr materiellen Zeit sehr schwierig. Habe ich Geld, kann ich sozial eine ganze Menge bewegen, und ich kann meinen richtigen Charakter zeigen, denn wer Geld hat, hat es nicht mehr nötig, irgendwelche Wege zu gehen, um sich selbst zu verleugnen.

Gibt es keine Gefahren, die vom Reichtum ausgehen können?
Doch, es gibt jede Menge Gefahren und zwar im gleichen Augenblich, in dem mit dem Geld falsch umgegangen wird. Leute die richtig mit dem Geld umgehen, sind unabhängiger und freier, weil sie ihre Meinung äußern können und eine Menge mit dem Geld für die Menschheit tun können. Die Menschen, die in der Sonne stehen, müssen den Menschen helfen, die auf der Schattenseite stehen.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten. Was würden Sie sich wünschen?
Dass ich sehr, sehr glücklich wäre.

 

Aktuell

Best of 500

Ruth-Maria Kubitschek, Wim Wenders, Udo Walz.

Best of 500

Roberto Blanco, Hartmut Engler und Steffen Wink, Hella von Sinnen

Best of 500

Jürgen von der Lippe, Sandra Maischberger, Jürgen Todenhöfer

Best of 500

Xavier Naidoo, Maybrit Illner, Winfried Kretschmann

2005: Franziska van
Almsick

Olympischer Schwimmstar


Weitere Interviews

Daniel Alter
Katrin Altpeter
Thomas Anders
Prinz Asfa-Wossen Asserate
Ayman
Seine Exzelenz Monsieur Anatole Bacanamwo
Joe Bausch
Rufus Beck
Volker Beck
Ben Becker
Dr. Günther Beckstein
Caroline Beil
Ben*Jammin
Prof. Dr. Ernst Benda
Dr. Christine Bergmann
Fredi Bobic
Wolfgang Bosbach
Jonathan Böttcher
† Pierre Brice
Fabian Bruck
Prof. Dr. Michael Buback
Frieder Burda
Geraldine Chaplin
Botschafter Daniel R. Coats und Marsha Coats
Luigi Colani
Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
Michael Degen
† Dr. Heinz-Horst Deichmann
Ulrich Deppendorf
Hauke Diekamp
Kai Diekmann
Pater Domenico
Albie Donnelly
Ray Dorset
Heike Drechsler
Burkhard Driest
Katja Ebstein
Dr. Ursula Engelen-Kefer
Hartmut Engler
Andreas Englisch
Andreas Eschbach
Dieter Falk
Veronica Ferres
Fil da Elephant
Gotthilf Fischer
Dr. Ulrich Fischer
Ottfried Fischer
Gotthilf Fischer
Axel E. Fischer
Joy Fleming
Jürgen Fliege
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Best of 500
Teflon Fonfara
Fools Garden
Dr. Peter Frey
Amelie Fried
Dr. Michel Friedman
Peter Friedrich
Andreas Fritzenkötter
† Joachim Fuchsberger
Jürgen Fürwitt, alias Jott
Galileo
Mario Galla
Cae Gauntt
Dr. Heiner Geißler
Dr. Heiner Geißler
Petra Gerster und Christian Nürnberger
Uschi Glas
Mario Gomez
Katrin Göring-Eckardt
Jürgen Gross
Friedlinde Gurr-Hirsch
Stefan Gwildis
Matthias Habich
Peter Hahne
Corinna Harfouch
Jimmy Hartwig
Dieter Thomas Heck
Gert Heidenreich
Ala Heiler
Hans-Olaf Henkel
Tony Henry
Ken Hensley
Eva Herman
High South
Dieter Hildebrandt
Klaus Hoffmann
Prof. Dr. Gertrud Höhler
Birgit Homburger
Christiane Hörbiger
Guildo Horn
Chris Howland
Bischof Dr. Wolfgang Huber
Prof. Dr. Claudia Hübner
Eddi Hüneke
Maybrit Illner
Janina and the Deeds
† Gottfried John
Jorginho
† Hellmuth Karasek
Volker Kauder
Brendan Keeley
Kathy Kelly
Kathy Kelly
Dr. Timm Kern
Dr. Katja Keßler
Arabella Kiesbauer
Ephraim Kishon
Matthias Kleinert
Prof. Dr. Guido Knopp
2003: Sebastian Koch
Juliane Köhler
Peter Kraus
Winfried Kretschmann
2011: Winfried
Kretschmann

Dr. Gabriele Krone-Schmalz
Ruth-Maria Kubitschek
Sven Kuntze
Heinz Rudolf Kunze
Leonard Lansink
Manfred Lautenschläger
Donna Leon
Hera Lind
Caroline Link
Joachim Llambi
Andrea Kathrin Loewig
Wolf Maahn
Paul Maar
2015: Motsi Mabuse
Roland Mack
2004: Peter Maffay
Kurt Salomon Maier
Sandra Maischberger
Marie-Luise Marjan
Tony Marshall
Marc Marshall & Jay Alexander
Carlos Martinez
Henry Maske
Maybebop Pop- Quartett
Gisela Mayer
Gerhard Meier-Röhn
Hans Meiser
Reinhold Messner
Meret Meyer
Middle of the Road
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther
Gary Mullen
Franz Müntefering
Xavier Naidoo
Dr. Rupert Neudeck
No Angels
Elisabeth Noelle-Neumann
Ulrich Noethen
Ingrid Noll
Normal Generation?
Chris Norman
Günther H. Oettinger
Mario Ohoven
Cem Özdemir
Peilomat
Phil
Hermann Poppen
Avi Primor
Seine Königliche Hoheit Bernhard Prinz von Baden
Johannes Rau
Heribert Rech
Maestro Gian Piero Reverberi
2000: Sir Cliff Richard
Sir Cliff Richard
Lars Riedel
Armin Rohde
Dr. med. Philipp Rösler
Claudia Roth
Dr. Norbert Röttgen
Wynton Rufer
Nina Ruge
Thomas Rühmann
Inga Rumpf
Barbara Rütting
Dr. Wolfgang Schäuble
Marco Schiefer
Schily
Rezzo Schlauch
Renate Schmidt
Ulla Schmidt
Doris Schmidts
Dr. Peter Scholl-Latour
Walter Scholz
Detlev Schönauer
Dietmar Schönherr
Birgit Schrowange
Martin Schulz MdEP
Alice Schwarzer
Ulrike Schweikert
Uwe Seeler
Florian Sitzmann
Werner Sonne
† Lothar Späth
Paul Spiegel
Walter Spindler
Willi Stächele
Rolf Stahlhofen
Thomas M. Stein
Bernd Stelter
Dr. Monika Stolz
Annika Strebel
2012: Christina Stürmer
Prof. Dr. Rita Suessmuth
Stephan Sulke
Jasmin Tabatabai
Horst Tappert
Erwin Teufel
The Temptations
Dr. h. c. Wolfgang Thierse
Olaf Thon
Prof. Dr. Klaus Töpfer
Ulrich Tukur
Tomi Ungerer
Franz Untersteller MdL
Sir Peter Ustinov
2005: Franziska van
Almsick

Herman van Veen
Ute Vogt
Berti Vogts
Dr. Antje Vollmer
Dr. Ursula von der Leyen
Jürgen von der Lippe
Jürgen von der Lippe
Frhr. von Gemmingen-
Guttenberg

Wolf von Lojewski
Hella von Sinnen
Margarethe von Trotta
Beatrice von Weizsäcker
Florian Wahl
Prof. Dr. Norbert Walter
Udo Walz
2014: Udo Walz
Willi Weber
Konstantin Wecker
Prof. Peter Weibel
René Weller
Wim Wenders
† Guido Westerwelle
Urich Wickert
Heidemarie Wieczorek-Zeul
† Roger Willemsen
Ron Williams
Steffen Wink
Harald Wohlfahrt
Guido Wolf
Sydney Youngblood
Andrea Zangemeister
Joana Zimmer
Dr. Robert Zollitsch
Rolf Zuckowski
Brigitte Zypries