Fredi Bobic

"sunnyboy" unter den Bundesligastars

Fredi Bobic
Fredi Bobic im Gespräch mit Hanno Gerwin
Fredi Bobic im Gespräch mit Hanno Gerwin

Er ist einer, der stürmen, schießen und lachen kann. Fredi Bobic war zumindest zeitweise der Sunnyboy unter den Bundesligastars. Mit seinem spielerischen Einsatz und seiner fröhlichen Art, hat er nicht nur früher die Fans vom VfB Stuttgart und heute bei Hertha auf seine Seite gebracht, sondern auch das Herz des Nationaltrainers erobert. Europameister, Bundesligatorschützenkönig und DFB-Pokalsieger waren seine größten Erfolge. Bei der EM 2004 hat er nicht so viel Glück gehabt.

 

Freddy Bobic, Sie können nicht nur gut Fußball spielen, Sie können auch lachen auf dem Fußballplatz, wo nehmen Sie die gute Laune her?
Ja, ich kann lachen, schließlich habe ich ja mein Hobby ja zum Beruf gemacht und kann das ausüben und es wird sogar bezahlt. Fußball zu spielen ist eine wunderschöne Sache.

Sind Sie ein Mensch, der für Atmosphäre anfällig ist, der spürt ob es gut läuft?
Ich kann mich schon sehr stark davon leiten lassen ich kann da mein Spiel verbessern oder auch verschlechtern wenn nichts los ist. Manchmal ist schwer für die Eigenmotivation den letzten Kick rauszuholen, wenn dann der Laden brennt und die Zuschauer euphorisch sind, dann ist es für jeden Spieler doch noch eine Steigerung seiner persönlichen Leistung möglich. Es gibt nichts schöneres als wenn ein Spiel auf der Kippe steht und die Zuschauer gehen begeistert mit.


Aber Sie sind auch ein emotionaler Mensch, der das spürt?

Das ist richtig. Das kommt wahrscheinlich durch meinen Ursprung: ich bin ja in Slowenien geboren. Meine Mutter ist Kroatin und mein Vater ist Slowene, aber ich bin hier in Deutschland aufgewachsen und habe sicherlich sehr viel südländisches Temperament in mir. Das kann einmal positiv sein, einmal negativ aber ich lebe sehr gut damit.

Wie ist das mit Ihren Wurzeln? Welche Rolle spielt die für Sie?
Eine sehr große Rolle. Ich vergesse nie woher ich komme und wo meine Verwandten leben. Das Familienzusammengehörigkeitsgefühl ist bei uns sehr groß. Man weiß, dass man sich in einer Krisensituation eigentlich nur auf die Familie verlassen kann.

Hat der Krieg damals in Jugoslawien eine große Rolle gespielt, gefühlsmäßig?
Ja, denn man konnte mit den Leuten mitleiden und man wusste auch, was in ihnen vorgeht. Ich kenne die Mentalität, das Temperament der Menschen dort.

Spielt es für Sie eine Rolle, dass Sie als Fußballer auch ein Vorbild sind?
Man muss als Fußballer wissen, dass man auch Vorbild ist für die Kinder auf der Straße.

Was war Ihr Idol?
Mein Idol war damals beim VfB Stuttgart der Hansi Müller, dem ich verfallen war als kleiner Junge.
Und was sind das für Werte die so ein Idol vermitteln kann?
Die Jugend hat ein sehr gutes Gespür, ob einer nur mit dem Strom schwimmt oder ob er auch mal seine Meinung sagt. Die Kinder sind eigentlich immer die ehrlichsten Menschen. Es ist schon sehr interessant und es ehrt einen auch, wenn man genau sieht, dass die Fans wissen, wie sie Dich zu nehmen haben.
Was kränkt Sie denn?
Wenn es ins private geht und nicht ins sportliche, also nicht ins berufliche.

Was sind Ihre Schwächen?
Schwächen sind sicherlich, dass ich - sportlich gesehen - zu ungeduldig bin, dass ich alles sehr schnell erreichen möchte. Und privat, dass ich manchmal schon stur bin in manchen Beziehungen, wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe.

Wie ist das mit Erziehungsidealen: Was sollen Ihre Kind mal können, mal wissen, mal glauben?
Sie sollen einfach aufwachsen und viel lachen können. Sie sollen die positiven Seiten sehen und über die negativen nachdenken.

Wovor haben Sie Angst. Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?
Angst hat man eigentlich nur vor unvorhergesehen Dingen, wie schwere Krankheiten, Dinge, auf die Du keinen Einfluss darauf hast.

Wie ist Ihre Einstellung zur Religion?
Religion ist eine sehr interessante Sache. Ich habe in der römisch-katholischen Kirche alles durchgemacht, von der Taufe bis zur Firmung. Meine Einstellung dazu ist: Ich bin sicherlich kein großer Kirchengänger, aber glauben tue ich an etwas. Nur es ist immer sehr schwer vorstellbar.
Aber die Kirche muss sich ein bisschen modernisieren und auch mehr auf die Jugend zugehen.

Haben Sie Sinn für Tradition?
Schon, die Grundfeste müssen traditionell bleiben. Es ist wie im Fußball so, dass man das Tor nicht größer. Wie in der Religion ja auch, dass die Tradition erhalten bleibt.

Welche Rolle spielt der Glauben persönlich für Sie? Ist das etwas, was Ihnen Kraft gibt, Geborgenheit?
Es gibt auf jeden Fall Kraft wenn man glaubt. Der Glaube, dass ich von dem überzeugt bin was ich mache.

Welche Rolle spielt Erfolg?
Erfolg ist eine schöne Sache auf jeden Fall. Vor allem Erfolg als Mannschaft oder einer Gruppe ist ein schöner Erfolg. Aber es ist nicht das grundlegend wichtigste auf der Welt, sondern Erfolg ist eine sehr schöne Nebensache.

 

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