Normal Generation?

die Popshootingstars mit kirchlichem Segen

Die Vier von Normal Generation?
Die Vier von Normal Generation? im Gespräch mit Hanno Gerwin
Die Vier von Normal Generation? im Gespräch mit Hanno Gerwin

Mit dem gesungenen Gebet "Long for you" schaffte es die Band, die Hitparaden zu erobern. Dabei wurden Simon, Steve, Marc und Rebecca gezielt von der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland, unterstützt. Auch zum Grand Prix d’Eurovision 2002 wurde Normal Generation von der Evangelischen Kirche gefördert. Die Mixtur ist erfolgreich: Vier talentierte junge Leute, alle 24 Jahre alt, hochmusikalisch und von ihrem Glauben fest überzeugt. Mit dem Motto: "Mit Gott zum Grand Prix" schaffte es die Band auf den dritten Platz der deutschen Vorentscheidung.

 

Normal Generation? - Erst dachte ich, ich lese nicht richtig, als ich das Fragezeichen hinter eurem Bandnamen entdeckt habe. Was bedeutet das Fragezeichen?

Der Bandname ist kurz vor unserem ersten Auftritt entstanden. Da kam einer und fragte uns, wie wir denn heißen, weil er uns anmoderieren musste. Wir schauten uns an und Steve sagte: „Normal Generation“. Später haben wir festgestellt, dass wir gar nicht so normal sind. Der Name hat sich immer mehr mit Inhalten gefüllt. Wir hinterfragen, ob das normal ist, was heutzutage in der Gesellschaft abgeht.



Also ein kritischer Ansatz hinter dem Fragezeichen?

Ja, auf jeden Fall.



Ihr kennt euch teilweise schon relativ lang. Mark und Steve, ihr beide seid Geschwister. Wie weit seid ihr auseinander?

Ich bin ein bisschen größer, Mark ist dafür sieben Minuten älter als ich. Und so haben wir uns ganz gut aufgeteilt.

Wie habt ihr euch sonst kennen gelernt? Wie seid ihr musikalisch zusammen gekommen?

Eigentlich war es der Fußball, der uns zusammen gebracht hat. Steve und ich gingen zusammen auf die Schule. Steve kam zu mir, um zu lernen und dann haben wir aber mehr Fußball gespielt und Musik gemacht, als zu lernen. Und so ist eine Freundschaft entstanden. Das macht Normal Generation? aus und bringt auch den Spaß, dass wir einfach aus einer Freundschaft heraus entstanden sind. Außer Freundschaft haben wir Musik gemacht und schlechte Noten geschrieben.
Uns blieb nichts anderes übrig, als Musik zu machen. Unsere Abschlüsse waren nicht so gut.



Ihr werdet offiziell von der Evangelischen Kirche unterstützt. Zunächst bei dem Projekt „Gott in die Charts“ und das hat auch geklappt, ihr ward in den Charts. Und jetzt „mit Gott zum Grand Prix“. Warum macht das die Evangelische Kirche?

Ich denke, die Evangelische Kirche und wir haben ein Stück weit das gleiche Ziel, nämlich Gott ins Gespräch zu bringen. Da haben wir uns natürlich gefreut, dass uns die Kirche unterstützt und uns den Segen für die Sache gibt.



Wie sieht die Unterstützung aus? Ist das Geld? Sind das Gebete? Sind das Beziehungen?

Wir haben uns gefreut, denn jeder von uns hat einen Porsche gekriegt und eine Einfamilienhaus mit Swimmingpool.
Nee, die Leute denken immer, dass sehr viel Geld im Spiel ist. Die Kirche hat viele Wege, zu promoten, dass irgendwelche Pfarrer oder Jugendreferenten sagen, hey, das finden wir gut, da stehen wir dahinter und deshalb unterstützen wir das oder sagen es einfach weiter. Und so ist eine Zusammenarbeit entstanden. Und dann haben wir zusammen mit Melanie Thornten auf dem Kirchentag gespielt.
Rebecca: Aber uns gibt es als Band schon seit sechs Jahren und deswegen werden wir immer als die Band der Evangelischen Kirche hingestellt, sind es im Grunde aber nicht. Die Zusammenarbeit ist letztes Jahr entstanden und das klappt sehr gut.



Habt ihr da auch mal für einen Moment gezögert und euch gefragt, wollen wir denn die offizielle Band der Evangelischen Kirche werden?

Eigentlich sind wir nicht die offizielle Band der Evangelischen Kirche. Wir arbeiten mit verschiedenen Leuten aus verschiedenen Organisationen zusammen, und eine davon ist die Evangelische Kirche. Wichtig ist, dass die Leute wissen, dass wir selbstständig sind. Sprich, wir ziehen unser eigenes Ding durch. Wir haben den Traum Musik zu machen, auf der Bühne zu stehen und genau diesen Traum wahr zu machen. Und das tun wir.



Was ihr auf jeden Fall gemeinsam mit der Kirche habt, ist der christliche Glaube. Wie seid ihr dazu gekommen? Gibt es irgendwelche Besonderheiten zu erzählen oder war es der klassische Weg über Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht etc.?

Bei mir war es so: Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Da hat der Glauben immer eine Rolle gespielt. Ich habe auch die Konfirmation mitgemacht, damals eher wegen der Kohle. Aber dann machte ich die Entdeckung, diesen Gott gibt es ja wirklich. Und seitdem bin ich voll der Jesusfreak.

Bei mir war es so, dass ich irgendwann geschnallt habe, was Jesus gemacht hat. Es war das Beste, was mir passiert ist und ich habe dann die Entscheidung getroffen: Jesus, ich probiere es mit dir, ich gebe dir mein Leben. Das ist jetzt 6 Jahre her, und ich habe es bisher noch nicht bereut. Es ist wirklich das Beste, was mir passieren konnte.

Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, in der Evangelischen Kirche und habe sehr viel von meinen Eltern auf eine gute Art und Weise mitbekommen. Sie haben mich zu Nichts gezwungen, und ich konnte immer frei entscheiden, ob ich jetzt sonntags mit in die Kirche wollte oder nicht.

Also ich war als Teenie an einem Punkt, wo ich keinen Bock mehr auf das religiöse Getue hatte, auf Kirche. Mein Religionslehrer hatte es bestimmt nicht einfach mit mir, weil ich sehr viel gestört habe. Dann kam ich aber an einen Punkt, wo ich gemerkt habe, dass dieses ganze Drumherum nicht sehr viel mit dem christlichen Glauben zu tun hat, seine Bedeutung, nämlich persönliche Erfahrungen zu machen. So wurde mehr draus.

Gott als Freund, im Endeffekt.



Ihr singt von Gott und tanzt dazu. Wie tanzt man Gott, oder wie stellt ihr euch Gott vor?

Wir drücken auf der Bühne das aus, was wir denken, was wir fühlen. Ich bin Tänzer und da kann ich sehr viel Gefühl damit verbinden. Auf unseren Konzerten geht es auf jeden Fall voll ab. Tanzen und Springen ist einfach unser Ding.

Für mich bedeutet Glaube oder Leben mit Gott total viel Spaß am Leben haben, auch mal abfetzen können.

Viele denken ja, dass der Glaube etwas Eingefahrenes ist, aber für mich bedeutet es, dass das Leben echt cool ist. Ich bin nicht der gute Tänzer, ich singe lieber und versuche, was in mir ist, nach außen zu geben, und wenn der Funke überspringt ist es das Coolste überhaupt.

Leute lernt tanzen, weil im Himmel steigen die fettesten Parties!



Stichwort „christliche Popmusik“ – Was ist an christlicher Popmusik anders? Ihr singt auf englisch und ich behaupte mal, viele hören den Texten überhaupt nicht zu. Die finden die Musik toll. Ob das nun ein frommer Song ist, ist egal.

Genau so ist es.

Es gibt einige Bands, die von Gott singen, wir aber singen nicht nur von Gott, von unserem Glauben, sondern wir leben das auch. Das ist uns sehr wichtig.
Musik bleibt Musik und wir machen gute Musik.



Gretchenfrage: Eine tolle Plattenfirma kommt und sagt, „das christliche Image können wir nicht brauchen, das machen wir anders!“ Macht ihr da mit?

Hatten wir schon! Wir aber sagten, da machen wir nicht mit. Wir möchten bleiben, wer wir sind.



Wovor habt ihr Angst?

Ich finde es schlimm, wenn sich irgendwas in unseren Beziehungen ändern würde. Wir sind alle vier sehr gute Freunde und momentan gibt es viel Stress, auch mit dem Grand Prix.



Wie geht ihr mit Krisen um?

Wir kennen uns schon sehr lange und sind zusammen durch dick und dünn und auch durch Krisen gegangen. Da war der Glaube an Gott, der uns verbunden hat. Wenn wir Streit haben, diskutieren wir das aus. Wir reden miteinander, und jeder weiß, dass wir uns nicht hassen. Danach beten wir. Wir wissen, dass wir getragen sind von Gott.

Wichtig ist, dass wir bereit sind und bereit bleiben, dem anderen immer wieder eine neue Chance zu geben Eine Krise ist nicht unbedingt etwas Schlechtes sondern auch eine Chance, bei der sich zeigt, was an einer Freundschaft dran ist.



Wie geht ihr mit Feinden oder Neidern um?

Man sollte nicht so viel Zeit damit verwenden, gegen irgendwas zu kämpfen. Wir wollen immer für eine Sache kämpfen.



Wenn jeder von euch in Kürze eine Million Euro zur Verfügung habt, könnt machen was ihr wollt, was macht ihr damit?

Mein Traum wäre ein Haus, eine Blockhütte in Kanada mit einem weiten See drumherum. Im Haus müsste ein Flügel stehen, ein schwarzer Flügel. Einmal im Jahr hinfahren wollte ich hinfahren und ausspannen. Das wäre cool.

Ich würde ein Weltreise machen, ein ganzes Jahr lang.

Ich würde eine Klamottenfirma aufmachen mit Outsiderklamotten. Vielleicht möchte ich auch nach Amerika, in irgendwelche Tanzschulen. Viele würden sich vielleicht einen Porsche kaufen, aber ich bin zufrieden mit meinem Golf, der 15 Jahren alt ist.

Ich würde einen Teil davon an die Armen geben. Und dann würde ich wahrscheinlich auch einfach mal ins Ausland gehen.

 

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