† Pierre Brice

Filmstar und Darsteller des Winnetou

Pierre Brice
Pierre Brice im Gespräch mit Hanno Gerwin
Pierre Brice im Gespräch mit Hanno Gerwin

Sein ganzes Leben von ist von einer Rolle geprägt: Schauspieler Pierre Brice spielte die Rolle des Winnetou und blieb von da an sein ganzes weiteres Leben mit dem Indianerhäuptling aus Karl Mays Büchern verbunden. 1929 wurde Pierre Louis le Bris in der Hafenstadt Brest geboren. Schon in den 50er Jahren war der Franzose im europäischen Film erfolgreich. Der eigentliche Durchbruch kam 1962 mit dem ersten Karl May Film „Der Schatz im Silbersee“: Mit einem Schlag wurde Pierre Brice zum beliebtesten Schauspieler des Jahres und ist bis heute als Winnetou in vielen Filmen und Bühnenrollen populär. Dem Schauspieler sind auch die Werte und der Ehrenkodex des edlen Indianerhäuptlings Winnetou wichtig. Eine Art Seelenverwandtschaft ermöglichte es dem Darsteller Pierre Brice, sich für Winnetou zu begeistern, eine Traumrolle die auch Ideale verkörpert.

 

Pierre Brice, es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Sie ein edler Indianerhäuptling geworden sind und kein kühler Agent oder ein zynischer Krimikommissar. Was verbindet Sie mit diesem Häuptling?
Ich war von Anfang an mit der Rolle des Winnetou einverstanden. Winnetou hat für den Frieden gekämpft, für die Freiheit, für Toleranz, für Respekt, für Freundschaft und für Menschenrechte. Alle diese Werte waren auch mir wichtig, als ich jung war, besonders während des Krieges. Ich hatte von Kriegsbeginn an ein Widerstandsbewusstsein entwickelt. Es war unrecht, dass eine Ideologie die schöne Zeit vor dem Krieg zerstörte, unsere Freiheit, unseren Frieden, unseren Lebensmut, unsere Lebensfreude.

Ich würde gerne einzelne Werte ansprechen, z.B. Freundschaft. Was bedeutet Freundschaft für Sie?
Freundschaft ist sehr wichtig. Ein Freund ist für mich jemand, der bereit ist, Tag und Nacht dazusein, wenn man ihn braucht.

Sind Sie auch so ein Freund, wenn Sie gebraucht werden?
Ich glaube, ja. Ich habe nicht viele Freunde. Lex Barker war mein Freund. Ich habe während der Dreharbeiten nie Probleme mit ihm gehabt. Ich habe Lex bewiesen, dass ich sein Freund war, z.B. als seine Frau starb. Ich schrieb ihm sofort und teilte ihm mit, dass ich mit ihm sei.

Waren Sie auch bei ihm und haben ihn getröstet?
Ich war bei ihm, ja.

In Ihrer Autobiografie „Winnetou und ich“ haben Sie auch über den Wert der Zuverlässigkeit geschrieben. Sie sind auf jeden Fall pünktlich.
Das ist wahr. Ich akzeptiere kein Zuspätkommen. Wenn ich drehe bin ich oft der Erste.

Was bedeutet Ihnen der Wert Toleranz?
Er bedeutet mir viel. Heutzutage passiert so vieles, weil keine Toleranz mehr existiert. Toleranz heißt auch Respekt, Respekt zwischen den Völkern, Respekt zwischen den Religionen. Das geht in der heutigen Zeit verloren.

Und was bedeutet Ihnen Ehrlichkeit?
Ehrlichkeit bedeutet für mich, ehrlich zueinander sein, z.B. in einer Partnerschaft. Wenn das nicht wäre, könnten meine Frau und ich nicht zusammen leben. Ehrlichkeit bedeutet auch, dass wir uns nicht belügen.

Auch die Zehn Gebote enthalten viel von Werten. Kennen Sie die Zehn Gebote?
Ja, ich kenne sie, kann sie aber nicht auswendig.

Sie erwähnen in Ihrer Autobiografie auch die Bibel. Was halten Sie von der Bibel?
Die Bibel ist die Basis für unsere Religion, die Jesus Christus hervorgebracht hat. Für mich sind alle Religionen respektabel. Jesus hat unsere Religion etabliert. Mohamed hat eine andere Religion etabliert. Alle Religionen sprechen von Frieden. Zu Beginn aller Religionen waren sie sehr rein. Später haben die Menschen dieses Reine und Schöne zerstört. Darum haben wir heute so viele Probleme. Die Menschen müssen zur Quelle zurückkehren, was natürlich nur schwer zu realisieren ist.

Gibt es einen Satz in der Bibel, ein Wort oder einen Gedanken, der Ihnen besonders wichtig ist?
Hierzu kann ich nur sagen, dass Gott in mir ist, was bedeutet, dass ich meinem Bewusstsein folge. Um mein Bewusstein zu konkretisieren, muss ich ein Gesicht vor mir haben. Und das ist das Gesicht von Jesus.

In Ihrem Buch ist zu lesen, dass Sie als Kind, aber auch als Erwachsener gebetet haben, dass Ihnen das Beten wichtig war und ist.
Ich bete jeden Tag. Abends und auch tagsüber sage ich Dankeschön.

Glauben Sie, dass auch Winnetou ein Stückweit diese Religion transportiert hat?
Karl Mays Winnetou war religiös, ein Katholik. Das ist vielleicht auf die Naivität von Karl May zurückzuführen. Aber es ist schön.

In einem der Winnetou-Filme gibt es eine schöne Szene: Es findet eine Trauung statt, wie wir sie kennen. Man fragt sich, wie so eine Trauung bei den Indianern stattfinden kann.
Es war die Hochzeit von Ribana und Old Shatterhand. Winnetou war natürlich traurig. Er opferte seine Liebe, damit Frieden zwischen den Völker einkehrte.

Können Sie sich dieses Aufopfern im wirklichen Leben auch vorstellen?
Ich weiß es nicht.

Sie schrieben in Ihrer Biografie vom Tod Ihres Jugendfreundes Jean Castel und vom Tod Ihrer Schwester. Haben Sie Angst vor dem Tod?
Jeder Mensch muss sterben. Ich denke aber nicht gerne daran. Ich fühle mich sehr wohl auf der Erde, obwohl sie in Gefahr ist. Und ich hoffe, ich werde noch sehr lange auf dieser Erde bleiben.

Können Sie sich ein Leben nach dem Tod vorstellen?
Das wünsche ich mir, aber ich weiß es nicht.

Ich würde gerne über Ihre Eltern sprechen. Ihr Vater hat Ihnen fürs Leben viel mitgegeben. Was war das Wichtigste, was Sie von Ihren Eltern mitbekommen haben?
Mein Vater und meine Mutter waren sehr, sehr nette Menschen. Ich hatte fantastische Eltern und wuchs in einer fantastischen Atmosphäre auf. Aber meine Kindheit war sehr kurz.

Bedingt durch den Krieg?
Ja. Für mich bedeutete der Krieg, dass ich 1942 meine Eltern verlassen musste, weil mein Gymnasium zerstört worden war. Dann habe ich ohne meine Eltern gelebt und der gute Schüler, der ich war, wurde ein schlechter Schüler.

Aber ein guter Schauspieler.
Dankeschön.

Welche Ihrer Charaktereigenschaften hat Winnetou nicht? Wo sind Sie ganz anders als der Indianerhäuptling?
Ich bin Realität, Winnetou war Fiktion. Ich glaube, ich bin nicht so perfekt wie Winnetou.

Wenn Sie einmal einen einzigen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?
So zu bleiben, wie ich jetzt bin. In Harmonie zu leben, wie ich jetzt lebe, glücklich mit meiner Frau auf dem Land und mit meinen Tieren. Ich wünsche mir auch, dass ich weiter Erfolg in meinem Beruf habe, vielleicht in einer anderen Richtung. Möglicherweise werde ich anfangen, weiterzuschreiben.

 

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